Niu (Kathrin Werner)

Feinfühliger Roman über eine Beziehung – in New York


Es handelt sich hier um einen Erstlingsroman.

Beschreibung des Buches:
„Niu“ ist 2022 im Atlantik Verlag als Hardcover mit 254 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild kann man aus einem Fenster auf die Stadt New York schauen, nackte Männerbeine auf einem Bett ragen in das Bild hinein.

Kurze Zusammenfassung:
Carmen und Thomas wagen einen Neuanfang in New York. Während Thomas unmittelbar nach ihrem Umzug bei einem Startup beginnt, hat Carmen noch einen Monat Zeit, um dann als Anwältin in einer großen Kanzlei anzufangen. Beide lernen unabhängig voneinander Niu kennen – eine junge Musikerin. Und schon läuft nicht alles nach Plan…

Mein Leseeindruck:
Mich hat das Buch von Anfang an gefesselt. Ich liebe die Stadt New York. Die Beschreibungen der Szenerien mit Geräuschen, Gerüchen und Bildern ist der Autorin wirklich gelungen. Ihr gelingt ein wunderbares Stimmungsbild. Das kann man besonders wahrnehmen, während Carmen Straße für Straße täglich abläuft. Hier kann man wunderbar in New York eintauchen.

Die Geschichte um Thomas, Carmen – und – Niu ist ungewöhnlich, aber sehr gefühlvoll geschrieben. Man leidet mit ihnen, man fühlt mit ihnen. Das gelingt durch die wechselseitige Sicht auf Carmen und Thomas.

Es ist ein berührender Roman, durch Niu gelangen die Wünsche, Sehnsüchte und Gefühle von Carmen und Thomas ans Tageslicht. Beide haben zurückliegende Geschehnisse zu verarbeiten, was ihnen bisher nicht gelungen zu sein scheint…

Das Ende kommt etwas plötzlich, hier hätte die Geschichte sicherlich noch ein wenig potential gehabt.

Fazit:
Ein wunderbares Erstlingswerk, das es lohnt zu lesen. Mich hat der Roman gefesselt, nicht zuletzt durch die Location New York.

Bewertung: **** von *****

Stille blutet (Ursula Poznanski)

Auftakt einer neuen Reihe


Von Ursula Poznanski habe ich bereits Bücher gelesen, diese fand ich sehr spannend. Deshalb und aufgrund der Kurzbeschreibung habe ich zu diesem Buch gegriffen.

Beschreibung des Buches:
Der Thriller „Stille blutet“ von Ursula Poznanski ist 2022 als Taschenbuch im Knaur-Verlag erschienen. Das Buch hat 397 Seiten.

Das Cover ist in Rot/Schwarz gestaltet. Der Wiener Stephansdom ist hier zu sehen. Da der Thriller in Wien spielt, passt das Titelbild sehr gut zum Inhalt des Buches.

Kurze Zusammenfassung:
Eine Wiener Nachrichtensprecherin kündigt vor laufender Kamera ihren eigenen Tod an – kurze Zeit später ist sie tatsächlich tot. Auch ein bekannter Blogger verkündet in den sozialen Medien seinen Tod. Ihm ergeht es ebenso, wie der Nachrichtensprecherin, er wird ermordet.

Schnell wird vom Ermittlerteam um die junge Fina Plank ein Mann verdächtigt, der irgendwie mit beiden Personen Kontakt gehabt haben muss…

Mein Leseeindruck:
Mich haben die Themen Medien und Soziale Medien in Verbindung mit einem Mord neugierig gemacht. Die Idee, den eigenen Tod vom Mordopfer ankündigen zu lassen, ist hier faszinierend und makaber zugleich. Man fragt sich gleich zu Beginn, wie konnte der Text, den die Nachrichtensprecherin Nadine Just vorlesen musste, in ihren Teleprompter gelangen.

Dass der besorgte Ex-Freund Tibor Glaser Nadine dann auch noch selbst tot auffindet, macht ihn sofort zu einem Tatverdächtigen. Auch deshalb ermittelt er selbst und findet doch tatsächlich den nächsten „Kandidaten“, was seine Situation nicht verbessert, sondern verschlimmert.

Die mit dem Fall beauftragte junge Ermittlerin Fina Plank muss sich gegenüber ihrem Kollegen durchsetzen, der sie ständig demütigt und bloßstellt.

All diese Charaktere bilden ein spannendes Zusammenspiel in diesem Thriller. Denn neben der Ermittlungsarbeit bieten auch die Umgehensweise der handelnden Personen miteinander einen interessanten Aspekt in diesem Thriller. Frauen bei der Kriminalpolizei? Das scheint nicht jedem Kollegen zu gefallen.

Was nach einer Absprache und einem Serienmord auszusehen scheint, entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einer Jagd auf den „vermeintlichen“ Mörder.

Mich hat der Thriller gut unterhalten, verbindet er doch die Themen Soziale Medien, ihren Einfluss auf uns Menschen und das reale Leben auf gekonnte Weise.

Das Ende überrascht!

Fazit:
Ein spannender Thriller, der mehrere aktuelle Themen vereint – ich freue mich auf weitere „Fälle“ dieser Reihe.

Bewertung: **** von *****

Die Schwestern vom See (Lilli Beck)

Ein Familiengeheimnis – Beginn einer Reihe

Mir hat die Kurzbeschreibung des Buches gefallen. Von der Autorin habe ich bereits mehrere sehr lesenswerte Bücher gelesen.

Beschreibung des Buches:
„die Schwestern vom See“ von Lilli Beck ist im 2022 im blanvalet-Verlag als Taschenbuch erschienen. Es hat 384 Seiten und eine Leseprobe für den nächsten Band. Das Cover ist schön aufgemacht und passend zum Inhalt gestaltet. Das mattiert/strukturierte Material des Buchumschlags mag ich.

Kurze Zusammenfassung:
Max König, gute Seele einer Pension am Bodensee, ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Zur Beerdigung kommen alle 3 Enkelinnen zusammen. Im Laufe des Beisammenseins stellen die Drei fest, dass es ein Geheimnis um ihren Großvater gegeben hat. Gleichzeitig scheint es jemand auf die kleine Pension und ihr angegliedertes Café abgesehen zu haben. Kann die Familie ihr Erbe erhalten?

Mein Leseeindruck:
Mir hat die Geschichte um Iris (Enkelin von Max) und ihre Schwestern sehr gut gefallen. Der Roman ist aus Sicht von Iris im Wechsel zu Rückblicken aus den 1950er Jahren mit Max König in Wien, geschrieben. Die Wechsel bilden keinen Bruch, man findet sich schnell zu Recht in den beiden „Geschichten“.

Iris ist nicht gerade glücklich in ihrer Ehe. Sie möchte Kinder, doch das scheint nicht zu klappen, deshalb nimmt sie sich nach der Beerdigung ihres Großvaters eine Auszeit in der Pension ihrer Familie. Mit den Schwestern versteht sie sich gut. Auch mit ihren Eltern und der Tante hat sie ein inniges Verhältnis.

Der Autorin ist es gelungen, dass ich nach langer Zeit einmal wieder ein Buch fast jeden Abend lesen „musste“. Es hat mich gut unterhalten auch wenn es zwischenzeitlich sehr berührt. Insgesamt finde ich die entwickelte Geschichte aber sehr gelungen. Ich bin gespannt, wie diese Familiengeschichte im nächsten Band weitergeht.

Fazit:
Den Roman habe ich an wenigen Abenden verschlungen. Er hat mich unterhalten und sehr berührt. Wie wird es mit der Familienbande weitergehen. Werden sich alle auch weiterhin verstehen und die Pension samt Café halten können?

Bewertung: ***** von *****

Findelmädchen (Lilly Bernstein)

Berührende Geschichte um eine junge Frau im Nachkriegsdeutschland

Schon das Cover hat mich neugierig auf das Buch gemacht. Die Kurzbeschreibung überzeugte mich dann, das ganze Buch zu lesen.

Beschreibung des Buches:
„Findelmädchen“ von Lilly Bernstein ist im Ullstein-Verlag als Taschenbuch 2022 mit 582 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild ist eine junge Frau mit einem Mädchen mit dunklem Teint und dunklem Lockenkopf abgebildet. Im Hintergrund kann man den Kölner Dom erkennen.

Kurze Zusammenfassung:
Die 15jährige Helga und ihr älterer Bruder Jürgen sind endlich wieder in ihrer Heimat Köln angekommen, nachdem sie die ersten Nachkriegsjahre (bis 1955) in Frankreich bei Pflegeeltern verbracht hatten. Die Mutter ist verschollen, der Vater aus Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Er versucht den beiden ein normales Familienleben zu bieten. Seine Vorstellungen von Helgas Zukunft passen aber so gar nicht zu ihren eigenen Zukunftsplänen. Helga will auf eine weiterführende Schule, der Vater sieht sie als Hausfrau und Mutter, deshalb muss sie die Haushaltungsschule besuchen. Doch das scheint nicht ihre eigentliche Berufung zu sein. Als sie während des Praktikums im Waisenhaus die kleine Bärbel trifft, ist ihr Beschützerinstinkt und ihr Bestreben nach Veränderung erwacht.

Mein Leseeindruck:
Hinter dem Pseudonym Lilly Bernstein steht die Autorin und Journalistin Lioba Werrelmann. Sie hat für diesen Roman Zeitzeugen befragt und sich somit ein intensives Bild über das Leben in einem Waisenhaus machen können.

Mich hat der Roman von Anfang an angesprochen und berührt. Der Sprachstil der Autorin gefällt mir. Die verschiedenen Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet, die Szenen so gut beschrieben, dass man sich während alles sehr bildhaft vorstellen kann.

Die Geschichte der Familie steht für viele Familiengeschichten in den Nachkriegsjahren. Etwas außergewöhnlich erscheint es aber, dass hier die Mutter und nicht der Vater vermisst wird.

Der Vater mit seinen eher klassischen Vorstellungen eines Familienlebens trifft auf eine junge Frau, die gerne schreibt und sich aufgrund ihrer Erlebnisse für Veränderungen in der Gesellschaft stark machen möchte. Zunächst fügt sie sich dem Wunsch des Vaters. Doch als sie mehr und mehr Einblicke in das gesellschaftliche Leben durch ihre Erfahrungen im Waisenhaus erlangt, muss sie sich dem Vater heimlich widersetzen.

Der Roman ist sehr abwechslungsreich und lebendig erzählt. Neben den zahlreichen Schauplätzen in Köln, die ich durch einige Besuche in dieser Stadt kenne, erfährt man vieles über den Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder in den 1950er Jahren in Deutschland.

Das Zusammenleben von mehreren Generationen mit unterschiedlicher Herkunft, zeigt die Autorin gekonnt mit den Bewohnern des Hauses auf, in dem Helga und ihre Familie wohnen.

Mir hat dieser Roman rundum gut gefallen.

Fazit:
Wer Familiengeschichten/geheimnisse gerne liest, die auch einen besonderen geschichtlichen Hintergrund bieten, dem sei dieses Buch empfohlen. Mich hat das Buch sehr berührt.

GEWINNSPIEL zu diesem Buch anlässlich der BLOGTOUR zu „Findelmädchen“ vom 08.08.2022 bis 13.08.2022:

https://chrissisbuntelesecouch.wordpress.com/gewinnspiele/

Das zweite Geheimnis (Titus Müller)

Ein Leben in Ost-Berlin

Nachdem ich schon „Die fremde Spionin“ gelesen habe, wollte ich natürlich wissen, wie es mit Ria Nachtmann weitergeht.

Beschreibung des Buches:
„Das zweite Geheimnis“ von Titus Müller ist 2022 im HEYNE-Verlag als Taschenbuch erschienen. Der Roman hat 431 Seiten.

Auf dem Titelbild ist das Brandenburger Tor mit einem Trabi und Grenzwachen abgebildet, passend zum Inhalt des Buches.

Kurze Zusammenfassung:
Zwölf Jahre nach dem Mauerbau hat sich Ria Nachtmann mit ihrem Leben arrangiert. Doch die Liebe zum westdeutschen Journalisten Jens ist so stark, dass sie ein Treffen im Urlaub in Ungarn mit ihm plant. Das kurze Wiedersehen wird ihr zum Verhängnis…

Am Ende des Buches findet man eine Literaturangabe von Büchern und Quellen, die zur Recherche dieses Buches dienten.

Mein Leseeindruck:
Mir hat schon der erste Band diese Trilogie sehr gut gefallen. Diese Romane beinhalten geschichtliche Personen verbunden mit erdachten Personen.

Der Roman beschreibt die Realität in den 1970er Jahren sehr gut. An vieles kann ich mich auch erinnern, weil hier nicht nur Ostdeutsche sondern auch Westdeutsche Geschichte beschrieben ist.

Der Schreibstil des Autors gefällt mir. Die einzelnen Szenen sind anschaulich beschrieben, die Charaktere sehr gut herausgearbeitet. Die Kapitel, die meist eine der vielen Personen zum Inhalt haben, sind recht kurz gehalten. So kann man sich Abend für Abend dieses Buch vornehmen.

Für mich war es schon wichtig, den ersten Band gelesen zu haben, sonst hätten mich die Beziehungen der Personen zueinander doch noch mehr überfordert als es das nach dem Lesen des 1. Bandes vor ein paar Monaten trotzdem schon ein wenig getan hat.

Besonders gut haben mir die vielen Szenen an Schauplätzen in Ostberlin gefallen, die ich von meinen Besuchen in Berlin so richtig beim Lesen vor Augen habe und den damit verbundenen Vergleich zu heute – dass es keine Grenze/Mauer mehr gibt.

Fazit:
Ein lesenswertes Buch, das aber auf den ersten Band aufbaut. Deshalb empfehle ich hier, vorher „Die fremde Spionin“ zu lesen.

Bewertung: **** von *****

Der Plan (Julie Clark)

Fesselnd und geheimnisvoll

Schon das Buch „Der Tausch“ von Julie Clark hatte mich fasziniert, deshalb griff ich auch zu diesem Buch.

Beschreibung des Buches:
„Der Plan“ von Julie Clark ist 2022 im HEYNE-Verlag als Taschenbuch erschienen. Der Thriller hat 382 Seiten.

Auf dem Cover ist eine Meeresbrandung zu sehen, es wirkt irgendwie aufwühlend…

Kurze Zusammenfassung:
Kat und Meg, zwei Frauen, die Besonderes planen. Während Meg sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen zu rächen, deren skrupellose Männer um alles gebracht haben, hat Kat eine ganz andere Mission. Sie ist Journalistin und Autorin und möchte einen Roman schreiben – ihr Grund ist Rache. Irgendwann laufen sich beide Frauen zufällig/geplant (?) über den weg…

Mein Leseeindruck:
Der Thriller ist wechselweise aus der Sicht von Kat und Meg geschrieben. Während es zu Beginn einen Rückblick 10 Jahre zuvor gibt, spielt sich der Thriller in der Gegenwart von Juni bis Dezember ab.

Zu Beginn werden die Fäden gespannt, die die Autorin gekonnt im weiteren Verlauf des Romans zusammenführt. Zunächst hat man den Eindruck als handele es sich um 2 Parallelhandlungen, erst später versteht man die Zusammenhänge.

Ich fühlte mich während des Lesens immer spannend unterhalten. Man fragt sich von Kapitel zu Kapitel, wie naiv können Menschen sein.

Mir hat hier auch das Ende gut gefallen. Es lohnt sich, dieses Buch zu lesen!

Fazit:
Ein solider Thriller, eine gute Übersetzung und ein interessantes Ende – sehr lesenswert!

Bewertung: ***** von *****

Der Markisenmann (Jan Weiler)

Ein Sommer mit Vater

Ich habe nicht alle Bücher von Jan Weiler gelesen, aber die, die ich gelesen habe waren eher lustig. Dieses Buch ist anders…

Beschreibung des Buches:
Der Roman „Der Markisenmann“ von Jan Weiler ist im HEYNE-Verlag 2022 als Hardcover erschienen. Das Buch hat 333 Seiten, es ist mit einem Muster aus den 1970er Jahren (Orange/Braun) versehen. Auf einen Schutzumschlag wurde verzichtet. Lediglich eine grüne Banderole mit dem Titeltext ziert das Cover des Buches.  

Kurze Zusammenfassung:
Kim, fast 16 Jahre (2005), muss ihre 6wöchigen Ferien bei ihrem Vater in Duisburg in einer Fabrikhalle verbringen. Sie hat den Vater vorher noch nie gesehen. Während ihres Aufenthaltes lernt sie den Vater näher kennen. Sie begleitet ihn auf seinen Markisen-Verkaufstouren…

Mein Leseeindruck:
Mich hat dieses Buch sehr berührt. Eine Frau, jetzt 32 Jahre alt, erzählt von ihren Erlebnissen mit ihrem leiblichen Vater, den sie 16 Jahre zuvor im Jahr 2005 während eines Ferienaufenthaltes erst richtig kennenlernt.

Es ist ein sehr berührendes, einfühlsames Buch. Zunächst erfährt man, dass Kim bei einem Grillfest ihren Stiefbruder durch eine unüberlegte Handlung Brandwunden in Gesicht und Oberkörper zufügt. Die Eltern (Mutter und Stiefvater) nehmen sie deshalb in den Sommerferien nicht auf ihre Urlaubsreise in die USA mit. Sie muss zu ihrem Vater, den sie überhaupt nicht kennt.

Es dauert, bis sie sich an die neue Situation gewöhnt. Doch langsam kommen sich die beiden näher. Es folgen viele Gespräche und Kim erfährt endlich, wie es zur Trennung ihrer Eltern gekommen ist.

Beim Lesen dieses Romans kommen einem die eigenen Erinnerungen zurück, sei es aus den Jahren der Wende, des Mauerfalls als auch besondere Geschehnisse um das Jahr 2005 herum.

Auch wenn Kim mit einer eher gefühlskalten Mutter aufgewachsen ist, so findet sie doch eine gewisse Zuneigung zu ihrem Vater. Sie unterstützt ihn mit neuen Ideen bei seinen Vertreterbesuchen, weil er ihr Leid tut. Allein wenn man sich die Markisenmuster (orange/braun gestreift bzw. blau/grün gestreift) vorstellt, kann man sich denken, dass der Verkaufserfolg nicht gerade groß gewesen sein kann.

Bei den täglichen Vertreterbesuchen hören die beiden gerne Musik. Da sie allerdings sehr unterschiedliche Musikrichtungen bevorzugen, gibt es hier des Öfteren kleine Streitigkeiten. Die Musiktitel findet man übrigens in einer Playlist bei Spotify. Das gefällt mir gut.

Während sich der Sommer zu Ende neigt, hat Kim dem Vater sein großes Geheimnis entlockt, warum er wirklich aus ihrem Leben kurz nach der Geburt verschwunden ist….

Fazit:
Ein einfühlsamer Roman, der die Geschehnisse um den Mauerfall aus der Sicht einer kleinen Familie beleuchtet. Mir hat dieses Buch ausgesprochen gut gefallen. Es ist aktuell mein Highlight des Jahres 2022 – sehr empfehlenswert!

Bewertung: ***** von *****

Stille Befreiung (Petra Hammesfahr)

Spannend, geheimnisvoll und erschütternd

Immer wieder greife ich zu Büchern von Petra Hammesfahr. Nicht alle haben mir durchweg gut gefallen. Bei diesem Buch hat mich der Klappentext sehr neugierig gemacht.

Beschreibung des Buches:
„Stille Befreiung“ von Petra Hammesfahr ist 2022 als Taschenbuch im Diana-Verlag erschienen. Das Buch hat 432 Seiten. Auf dem in Dunkelblau gehaltenen Titelbild ist eine Frau in einem gelben Mantel zu sehen, die in den Himmel schaut. Das Bild wirkt geheimnisvoll und passt somit sehr gut zum Inhalt des Buches.

Kurze Zusammenfassung:
Schon mit 18 heiratet Sandra Ronnie, so kann sie aus ihrem Elternhaus entfliehen. Doch schnell merkt sie, dass sie sich in Ronnie getäuscht hat. Hat er sie zu Beginn ihrer Liebe mit allem verwöhnt, was sie gerne annahm, so stellt sich nach der Hochzeit und der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter heraus, dass Ronnie ihr nur etwas vorgemacht hat. Er fällt schnell als Versorger der kleinen Familie aus. Zwei Jahre hält es Sandra gemeinsam mit Ronnies psychisch kranken Mutter in deren Haus aus, dann findet sie einen Vollzeitjob als Betreuerin der schwerstbehinderten Rebekka, in deren Elternhaus sie einziehen darf. Doch damit beginnt ein weiterer Albtraum…

Mein Leseeindruck:
Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Zunächst wird aus der Sicht Sandras dieser Roman erzählt. Es ist die Zeit, in der Sandra Ronnie kennen lernt, heiratet und mit ihm ins Haus der Mutter zieht. Zwischenzeitlich gibt es eine Art geheimnisvolle Vorausblicke auf das Jahr 2018, die man erst im zweiten Teil so langsam zu deuten versteht.

Im zweiten Teil liegt der Fokus auf dem pflegerischen Alltag mit Rebekka. Auch hier sind es zwei verschiedene Erzählstränge, einer aus der Sicht Sandras und der andere mit dem Fokus auf Rebekka. Man ahnt während des Lesens schon das ein oder andere. Doch die „Realität“ ist noch erschreckender als man sie sich vorstellen konnte.

Der Sprachstil der Autorin gefällt mir sehr gut. Ihre Beschreibungen der Szenen sind sehr detailliert. Man kann sich die Szenerie als auch die Atmosphäre sehr gut vorstellen. An vielen Stellen fieberst man mit, spürt die Ängste und Sehnsüchte der Protagonistinnen und möchte gerne eingreifen. Teilweise ist man sprachlos über das, was den beiden widerfährt.

Sicherlich ist „Stille Befreiung“ sehr überzogen und provokant, zeigt aber mit einer ziemlichen Intensität, die „Boshaftigkeit“ von Menschen, die Schlimmes erlebt und nicht verarbeitet haben. Die Reaktion der Betroffenen schwankt hier zwischen Resignation als auch Aufbäumen.

Fazit:
Mich hat das Buch gefesselt. Die letzten 130 Seiten habe ich an einem freien Morgen am Stück gelesen, ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Sehr lesenswert, aber nichts für sanfte Gemüter.

Bewertung: ***** von *****

Romy und der Weg nach Paris (Michelle Marly)

Romy wird erwachsen

Ich mag die Romane aus der Serie „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“ von der Autorin Michelle Marly.

Wenn man mit den „Sissi“-Filmen aufgewachsen ist, dann kennt man Romy Schneider…

Beschreibung des Buches:
„Romy und der Weg nach Paris“ von Michelle Marly ist  2021 als Taschenbuch im Aufbau Verlag erschienen. Das Buch hat 415 Seiten. Auf dem Titelbild ist der Eiffelturm zu sehen, davor steht eine Frau, Romy Schneider, in einem rosa Kostüm. Ich habe die E-Book-Variante dieses Romans gelesen.

Kurze Zusammenfassung:
In diesem Roman wird Romys Leben in den Jahren Ende der 1950er bis Anfang der 1960er Jahre beschrieben. Romy ist mit den Sissi-Filmen weltberühmt geworden. Bei Filmaufnahmen trifft sie den Schauspieler Alain Delon, nach anfänglichem Argwohn verlieben sich die beiden ineinander. Endlich kann sich Romy von ihrem jugendlichen Image lösen. In Frankreich gibt sie ihr Theaterdebüt und fängt an ihre eigenen Entscheidungen zu treffen – auf dem Weg vom Mädchen zur Frau.

Mein Leseeindruck:
Die Familie der Autorin war mit den Eltern Romy Schneiders befreundet, so dass sie durch ihre Eltern tiefe Einblicke in das Leben von Romy Schneider bekommen konnte. So entstand auch die Idee, über diese Schauspielerin einen Roman zu schreiben.  Zu Paris hat Michelle Marly einen besonderen Bezug, da sie dort einen Teil ihrer Kindheit in der Welt der Musik und des Kinos verbracht hat.

Der Roman ist aus der Sicht von Romy Schneider geschrieben. Er lebt durch die wörtliche Rede und Romys Gedanken, ihre Ängste, Freude und der beschriebenen familiären Bindung zu Mutter und Stiefvater. Erst nach und nach gelingt Romy eine Abnabelung vom Elternhaus.

Mir hat dieser Roman gefallen, weil man einen interessanten Einblick in das Film- und Theatergeschehen in den 1950er Jahre bekommt. Immer wieder habe ich parallel zum Lesen recherchiert, um Fotos und weiteres Material zu den angesprochenen Stücken und Filmen zu bekommen.

Die Trennung von den ambitionierten Eltern zeigt hier eine reifer werdende Romy, die immer wieder von Zweifeln übermannt wird, aber dennoch ihrem Herzen und ihrer Leidenschaft folgt.

Fazit:
Es hat mir Spaß bereitet, Romy Schneiders Spuren auf dem Weg nach Frankreich zu begleiten.

Bewertung: **** von *****

Das Geheimnis (Ellen Sandberg)

Ein Familiengeheimnis, das das Leben der Nachkommen beeinflusst

Von der Autorin Ellen Sandberg habe ich schon viele Bücher gelesen. Mir gefallen ihr Schreibstil und die ganz besonderen Themen, denen sie sich widmet.

Beschreibung des Buches:
„Das Geheimnis“ von Ellen Sandberg ist 2022 im Penguin-Verlag als Hardcover mit 425 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild sieht man altes, geheimnisvoll erscheinendes Haus.

Kurze Zusammenfassung:
Ulla ist auf der Suche nach dem Grund, warum ihre Mutter Helga sie, als sie neun Jahre alt war, verlassen hat. Später kam die Mutter unter mysteriösen Umständen zu Tode. Ulla versucht in Helgas altem Wohnhaus am Chiemsee der Sache auf die Spur zu kommen.

Mein Leseeindruck;
Ich habe mich mit diesem Roman sehr gut unterhalten gefühlt. Mir hat der Wechsel der Sichten und Zeiten, 2020 Ulla, 1975 Helga und später auch noch 2020 Luise, sehr gut gefallen.

Die Rückblicke, die Ulla anhand von Kassetten auf das Leben ihre Mutter bekommt als auch die Rückblicke in den Kapiteln, die Helgas Situation beschreiben, sind spannend verwoben.

Auch wenn das Leben der Protagonistinnen sich teils mehr in der oberen Mittelschicht abspielt und man sich vielleicht nicht unbedingt mit den Personen identifizieren kann, so blickt man doch mit einer gewissen Demut auf die Rückblicke von Mutter Helga zurück, die als Jugendliche mit der Familie auf der Flucht ihre Lieben verlor.

Dieses Schicksal verfolgt Helga ihr ganzes Leben, so dass sie offenbar ihr Glück mit ihrer Tochter Ulla gar nicht genießen kann und will. Und auch Ulla scheint das Familiengeheimnis in ihrem Leben zu beeinflussen…

Mir hat der Roman sehr gut gefallen.

Fazit:
Wieder einmal eine besondere Familiengeschichte, die Ellen Sandberg hier gelungen ist. Das Buch gehört für mich zu den Highlights im neuen Jahr 2022.

Bewertung: ***** von *****