Interview mit Oliver Zils

Lieber Oliver Zils! Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, meine Fragen zu beantworten!

Können Sie sich kurz vorstellen? Ihre Bücher?

„Wollt ihr Musik, oder was?“ ist mein zweites Buch. 2016 habe ich für den Societätsverlag Frankfurt die Biografie von Alex Schur geschrieben, den ehemaligen Kapitän von Eintracht Frankfurt – ebenso wie die Rodgau Monotones eine hessische Ikone. Texte habe ich schon seit Anfang der Neunziger veröffentlicht, da ich lange als Journalist und Redakteur gearbeitet habe. Ich bin 53 Jahre alt,  verheiratet und habe drei Kinder. Seit zehn Jahren führe ich gemeinsam mit meinem Freund Holger Leibmann eine Kommunikationsagentur.

Sie sind im gleichen Jahrzehnt geboren wie ich, wie haben Sie die Rodgau Monotones als Kultband in den 1980er Jahren wahrgenommen? Waren Sie ein echter Fan?

Nein, ich mochte sie lediglich. Als Jugendlicher wuchs man ja mit den Monotones auf und ich habe damals etwa zwei Konzerte besucht – unter anderem Pampa Power am Bornheimer Hang. Bei der Recherche ist mir die Band aber nochmal näher ans Herz gewachsen, als ich das gesamte Werk abgehört habe.

Sie sind Geschäftsführer einer Kommunikationsagentur, haben schon ein Portrait über Alex Schur geschrieben. Wie entstand die Idee zu diesem Buch über die Rodgau Monotones?

Der Verlag ist auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich das Thema gern machen wolle. Und ich musste nicht lange überlegen, weil ich große Lust darauf hatte.

Wie sind Sie an die vielen Fotos gekommen, die man im Buch vorfindet, einige Fotos von Eintrittskarten und Fanartikel sind von Ihnen?

Die stammen aus unterschiedlichen Quellen. Zum einen hat der Verlag Zugriff auf das Pressearchiv der Frankfurter Neuen Presse. Zum anderen hat die Band einiges gesammelt und beigesteuert. Außerdem konnten wir die Bilder von zwei tollen Konzertfotograf/Innen  verwenden: Sabrina Feige und Fabian Klein.

Wie lange haben Sie an diesem Buch gearbeitet, recherchiert?

Im April 2017 habe ich mit der Konzeption begonnen, im Herbst 2018 abgegeben – also etwa eineinhalb Jahre.

Gibt es einen ganz besonderen Lieblingstitel der Band? Welche Erinnerung verbinden Sie mit diesem Titel?

Ich habe sogar mehrere Lieblingstitel. Solche, die ich von früher kannte wie „Volle Lotte“ und „Weltraumautomat“, aber auch neue wie  „Genial“.

Wie oft waren Sie auf Konzerten der Band?

Ziemlich genau vier Mal. Zweimal früher, zweimal im Rahmen der Recherchen. Und ich kann sagen, dass die Band nach 40 Jahren nichts an Spielfreude eingebüßt hat. Sie ist ein Live-Erlebnis.

Wo sind Sie aufgewachsen? Sind Sie Heimat verbunden? Leben Sie im Rhein-Main-Gebiet (wahrscheinlich in Hofheim oder Umgebung)?

In Frankfurt geboren, immer in Hofheim gelebt, lange in Frankfurt gearbeitet. Ich bin ein heimatverbundener und gleichzeitig reisefreudiger Mensch.

Was fällt Ihnen so spontan auf, wenn Sie spazieren gehen? Worauf achten Sie?

Zunächst mal: Ich mag die Frage. Das hat so noch niemand wissen wollen. Am Spazierengehen gefällt mir, in Bewegung zu sein und dennoch alles an Eindrücken aufnehmen zu können, weil das Tempo langsam genug ist – sowohl das, was um einen herum passiert als auch das, was einen innen bewegt.

Sind Sie ein Stadtmensch? Wenn ja, können Sie bestimmte kulturelle Veranstaltungen/Theater o.ä. empfehlen (in Frankfurt am Main)?

Ich würde sagen: Kleinstadtmensch. Ich schätze es sehr, in der Halbdistanz zu einer Stadt wie Frankfurt zu leben. Gleichermaßen Zugriff auf Natur und Kultur zu haben. Es gibt so viele kulturelle Veranstaltungen oder Orte, dass es mir schwer fällt etwas herauszuheben. Ich mag Festivals wie das Sommerschein Open Air in Hofheim. Und ich hoffe sehr, dass so etwas nicht ausstirbt.

Wo schreiben Sie am liebsten?

Fast ausschließlich an meinem Schreibtisch.

Wen würden Sie gerne als nächstes portraitieren, gibt es schon Ideen?

Ja, aber die sind noch nicht spruchreif. Ich würde auch gern einen Roman schreiben – und bin auch schon bei der Entwicklung.

Sie spielen Bass und Gitarre, in einer Band? Treten Sie auch gelegentlich auf? Wo?

Nach vielen lauten Bands, in denen ich in den vergangenen Jahrzehnten gespielt habe, sehe ich es als großes Glück an, Teil eines ungewöhnlichen „leiseren“ Quartetts zu sein: Klavier, Bass, zwei Sängerinnen – eine davon ist meine Tochter.

Was war Ihr Berufswunsch als Kind?

Nach Müllmann, also korrekterweise Mitarbeiter der Stadtreinigung, kam auch schon direkt Autor.

Sind Sie gerne zur Schule gegangen? Lieblingsfach?

Zu eins: überwiegend nein. Am liebsten mochte ich Deutsch und Sport. Es hing sehr vom Lehrer ab.

Welches Genre lesen Sie selbst? Haben Sie eine Empfehlung?

Genremäßig bin ich sehr breit interessiert. Ich versuche beim Lesen ein bisschen abzuwechseln zwischen Thrillern, Romanen, Sachbüchern. Mit Empfehlungen tue ich mich schwer, weil ich immer wieder feststelle wie individuell Lesegeschmack sein kann. Die letzten vier Top-Bücher: „Ein Mann der Tat“, Richard Russo.  „Mittagsstunde“, Dörte Hansen. „Die letzten Meter bis zum Friedhof“, Antti Tuomainen. „Der Abgrund in Dir“, Denis Lehane.

Sind Sie ehrenamtlich tätig? Kennen Sie „Mentor Lesehelfer“?

Zu wenig. Und: Nein, Mentor kannte ich bis jetzt nicht, bin aber durch Sie darauf aufmerksam geworden und sehr interessiert.

Mögen Sie Büchereien? Finden Sie dort die Atmosphäre auch so toll?

Ja und Ja. Wobei ich bei der Hofheimer Bücherei, in der ich gelegentlich ausleihe, froh bin, dass sie neu gebaut wird.

Haben Sie einen bestimmten Traum/Wunsch? Reise, Erlebnis, Sport?

Ich bin insgesamt sehr zufrieden, deshalb kann ich da nichts Konkretes drauf antworten. Außer, dass die, die mir wichtig sind, gesund bleiben mögen. Und, dass ich die richtigen Entscheidungen treffe, welche Bücher ich noch schreibe. Bisher hat das gut geklappt.

Haben Sie eine facebook/Autorenseite?

Ich plane eine Website. Ansonsten gibt es ein Profil bei amazon.

 

Bitte Auswahl markieren:

Auto/Fahrrad/Zug/zu Fuß? Je nach Lage. Mit dem Rad zur Arbeit.

Wenn Auto: Kleinwagen/SUV/Familienkutsche/Spaßwagen?

Süß/salzig? Beides.

Laufschuhe/Couch? Erst Laufschuhe, dann Couch.

Urlaub Meer/Berge? Beides.

Kaffee/Tee?

Pessimist/Optimist

Perfektionist/Pragmatisch? Überwiegend pragmatisch

Ordentlich/Chaotisch? Eher ordentlich.

Neue Medien/Papier (für Aufzeichnungen)? Beides. Notizen und Sprachmemos digital. Sonst viel Papier.

Apfelwein/Sekt/Wein? Bier? Wenn, dann Wein und Bier.

Frühling/Sommer/Herbst/Winter? Alle. Der Herbst wäre meine Lieblingsjahreszeit, wenn die düstere Perspektive nicht wäre.

E-Book/gedrucktes Buch/Hörbuch. Eindeutig gedruckt.

 

Vielen Dank für Ihre Antworten!

Dieses Buch von Oliver Zils habe ich bereits gelesen und hier auf meinem Blog vorgestellt:

„Wollt ihr Musik, oder was?“

Wollt ihr Musik, oder was? (Oliver Zils)

Ein Muss für Rodgau Monotones Fans

Ich weiß es noch genau, es waren die Jahre 1984 und 1985, wir waren auf Fahrten zum Zeltlager, da wurde im Bus die hessische „Nationalhymne“ „Die Hesse komme!“ gespielt. Auch „Volle Lotte!“ und „St. Tropez am Baggersee“ waren die großen Hits, die in diesen Sommern gerade in unserer Ferienfreizeit mit den Jugendlichen rauf und runter gespielt wurden. Seitdem sind die Rodgau Monotones für mich als Hessin Kult.

Beschreibung des Buches:
„Wollt Ihr Musik, oder was?“ ist 2018 im Societäts-Verlag als großformatiges Hardcover mit 175 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild ist Raimund „Ray“ Salg mit seiner Gitarre abgebildet, er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Band.

Kurze Zusammenfassung:
Autor und leidenschaftlicher Musiker Oliver Zils hat in seinem Buch die Geschichten hinter der Band und eigene Erinnerungen zusammengestellt. Neben zahlreichen Fotografien, besonderen Dokumenten und einer Diskografie findet man in diesem Buch auch besondere Portraits der Bandmitglieder.

Mein Leseeindruck:
Man kann mich nicht als absoluten Fan der Rodgau Monotones bezeichnen, so kann ich auch nicht die einzelnen Bandmitglieder benennen bzw. den Jahren zuordnen, in denen sie Teil der Band waren. Trotzdem sind die Rodgau Monotones ein Teil meiner Jugend. Und auch noch heute werden bei Feiern in unserem Freundeskreis ihre bekanntesten Lieder gespielt.

Wenn man dieses Buch in Händen hat, dann muss man es erst einmal durchblättern. Hier bleibt man bei den zahlreichen Fotodokumenten hängen, verweilt z.B. beim Kinderbild von Henni Nachtsheim, beim Badewannenfoto, das für ein Cover erstellt wurde oder studiert den Plan der Proberäume, die die Band in den vergangenen 40 Jahren in Benutzung hatte.

Auch die „Meinungs-Matrix“ der Bandmitglieder, die sich hier gegenseitig „beurteilen“, lässt einen beim Blättern stoppen und schmunzeln („Eigentlich lieb, aber man muss vorsichtig sein“, „Eine außerirdische Lebensform“ oder „Fahrrad-Artist“).

Es sind auch die fotografisch festgehaltenen alten Schriftstücke, Plakate und Eintrittskarten, die dieses Buch zu einer besonderen Dokumentation über die Band machen.

Ich habe in diesem Buch sehr vieles über die Rodgau Monotones erfahren, was ich bisher nicht wusste: Eine kleine Zeitreise mit der hessischen Kultband, die mir beim Lesen und Anschauen der Fotos manch schöne Erinnerungen beschert hat.

Fazit:
Ein besonderes Muss für Fans der Rodgau Monotons oder für die, die es noch werden wollen. Eine Zeitreise für (echte) Hessen 😉

Bewertung: ***** von *****