Der Preis des Todes (Horst Eckert)

Ein spannender Politthriller – sehr realitätsnah

Nachdem ich den Klappentext dieses Buches gelesen hatte, musste ich das Buch haben.

Beschreibung des Buches:
„Der Preis des Todes“ ist 2018 im Rowohlt-Verlag als Hardcover mit 414 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild sieht man eine Frau, die in einem hell erleuchteten Büro zu telefonieren scheint, offensichtlich handelt es sich bei dem ansonsten im Dunkeln umhüllten Gebäude um einen Bürokomplex.

Kurze Zusammenfassung:
Sarah Wolf ist eine bekannte Düsseldorfer Journalistin mit eigener politischen Talkshow in der ARD. Im Zuge ihrer journalistischen Arbeit hat sie den Bundestagsabgeordneten Christian Wagner kennen und lieben gelernt. Kurz nachdem er mit einem international agierenden Krankenhausbetreiber in Verbindung gebracht wird, findet man ihn tot in seiner Wohnung. Als Todesursache wird zunächst von Selbstmord ausgegangen. Sarah ist von der Selbstmordtheorie nicht überzeugt und beginnt eigene Recherchen. Ihre Suche nach der Wahrheit bringt sie nach Kenia ins Flüchtlingslager Dadaab. Hier begegnet sie skrupellosen Menschen…

Mein Leseeindruck:
Dieser Roman hat alles, was ein Politthriller braucht: Spannung, Aktualität und Bezug zur Politik. Er spielt in Düsseldorf, Berlin und Kenia. Im Roman liegt der Fokus hauptsächlich auf Sarah, immer mal wieder erhält man aber auch Informationen über die Ermittlungsarbeit der Kriminalpolizei, die, wie sich herausstellt, u.a. von Sarahs verschwundenem Vater (Kriminalbeamter) begleitet wird.

Gerade die Beziehungen, die unter den Verdächtigen, Ermittlern und Betroffenen bestehen, machen den Reiz dieses Romans aus. Nicht nur die Ermittlungsarbeit, die Sarah nach Kenia führt, sondern auch ihr Privatleben als Journalistin, Tochter und Geliebte bringen die Würze in diesen Thriller.

Der aktuelle Bezug (Geschäfte mit dem „Gesundheitswesen“, mehr möchte ich nicht verraten) macht dieses Buch zu einem sehr realitätsnahen Leseerlebnis in das man eintaucht, während man hofft, dass das Beschriebene sich nicht wirklich genauso abspielt.

Ob der Autor tatsächlich in Kenia vor Ort recherchiert hat ist mir nicht bekannt. Allerdings sind die örtlichen Beschreibungen sehr detailliert. Man möchte nicht wirklich in der Haut von Sarah stecken.

Die einzelnen Fäden dieses Thrillers sind wunderbar gespannt, sie führen erst ganz zum Schluss zu einer schlüssigen Lösung. Zwischendurch tappt man wirklich ziemlich im Dunkeln, wer hier der/die eigentliche Drahtzieher des Ganzen ist.

Die Recherchearbeit des Medienprofis Sarah unter dem Deckmantel ihrer Talkshow wirkt sehr realitätsnah. Man bekommt einen tollen Einblick in die Arbeit von Journalisten, die sich mit all ihrem Herzblut in eine Reportage vor Ort „stürzen“.

Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet, mit den Sympathischen leidet man mit, die anderen würde man gerne in ihrem Tun stoppen.

Fazit:
Ein sehr realistisch entwickelter Politthriller mit sehr brisantem Thema – sehr spannend!

Bewertung: ***** von *****

Post von Karlheinz (Hasnain Kazim)

Unheimlich komisch – wenn es nicht so traurig wäre

Wenn man auf facebook so manchen Kommentar unter Posts von Journalisten oder Medien liest, dann fragt man sich: Wie geht man am besten damit um? Mit Hass, mit Diffamierung, mit Pauschalisierung, mit rechtsextremen Gedankengut oder auch mit Drohungen.

Dem Journalisten Hasnain Kazim begegnen solche Kommentare, Mails und Briefe tagtäglich. Hasnain Kazim ist 1974 in Oldenburg als Sohn indisch-pakistanischer Eltern zur Welt gekommen. Er schreibt schon seit Jahren für den SPIEGEL und SPIEGEL-Online. Als Korrespondent berichtete er zunächst aus Islamabad, Istanbul und nun aus Wien.

Beschreibung des Buches:
„Post von Karlheinze“ ist 2018 als Taschenbuch im Penguin-Verlag mit 270 Seiten erschienen. Auf dem mit grünem Hintergrund gestalteten Cover sieht man einen Gartenzwerg sitzend auf einer Toilette mit einem Laptop auf dem Schoß. Ein prima Titelbild, wie ich finde! Es macht neugierig und passt hervorragend zum Inhalt.

Kurze Zusammenfassung:
Hsnain Kazim ist auf vielen Social Media Kanälen unterwegs. In diesem Buch hat er Schriftwechsel mit Menschen veröffentlicht, die ihm teils Hassbriefe/Kommentare, Fragen gestellt aber auch manchmal lobende Worte geschrieben haben. Die Dialoge hat er in chronologischer Reihenfolge wieder gegeben.

Mein Leseeindruck:
Dieses Buch ist köstlich (wenn es nicht so traurig wäre, wie Menschen von Menschen denken und miteinander umgehen). Ich habe mich wunderbar amüsiert, wie der Autor auf das „Geschreibsel“ einiger Menschen reagiert hat. Seine Antworten auf manchen Hasskommentar sind einfach genial. Er hält den Menschen den Spiegel vor.

Dabei ist er nicht verletzend. Auf „dümmliche“ Texte folgen die entsprechenden Antworten. Manche sind ziemlich „krass“, aber sie sind treffend. Die Menschen reagieren zwar selten betroffen, trotzdem entschuldigen sich dann doch einige für ihre unpassenden Kommentare.

Es ist schon erschrecken zu lesen, mit welchen Vorstellungen Menschen aus unserer Gesellschaft leben, wie sie „ticken“. Mangels ausgewogener Informationseinholung haben diese Menschen sich ein „Feindbild“ erschaffen, das sich durch gezielte Informationspolitik einzelner Gruppierungen  noch manifestiert. Hasnain Kazim tritt in den Dialog mit diesen Menschen. Das ist gut so!

Ich habe dieses Buch an einem sonnigen Herbstsamstag komplett durchgelesen. Teilweise habe ich es meinem Mann vorlesen müssen, so amüsant waren die Dialoge. Wir haben sehr gelacht!

Fazit:
Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der sich für Politik und Mitmenschlichkeit interessiert. Vielleicht hilft es, so manchem Kommentator zu kontern und ihm die entsprechende Antwort zu geben.

Bewertung: ***** von *****

 

Passagier nach Frankfurt (Agatha Christie)

Der etwas andere Agatha Christie Krimi

Von Agatha Christie habe ich früher die Fälle um Miss Marple und Hercule Poirot gelesen. Auch die Verfilmungen fand ich sehr gelungen, deshalb habe ich mich gefreut, dass es einen bisher noch nicht im Buchhandel erschienen Krimi „Passagier nach Frankfurt“ nun in einer Einzelausgabe gibt.

Beschreibung des Buches:
„Passagier nach Frankfurt“ ist 2017 im Atlantik Verlag als gebundene Ausgabe erschienen. Das Buch hat 286 Seiten. Die Umschlaggestaltung reiht sich in eine Serie rund um Agatha Christie Bände. Auf dem Titelbild sind im Hintergrund die Stadt Frankfurt am Main und zwei Flugzeuge am Himmel zu erkennen. Eine Frau und ein Mann sieht man schemenhaft im Vordergrund während weitere Personen auf dem Bild unterwegs sind. Das Bild ist in Rot gehalten.

Kurze Zusammenfassung:
Sir Stafford war Diplomat im Dienste Englands. Auf seiner Rückreise nach London wird er bei einem unvorhergesehenen Aufenthalt (wegen Nebels) in Frankfurt am Main von einer Frau um Hilfe gebeten. Sie fühlt sich verfolgt und hat Angst, dass jemand sie töten will. Mit seinem Pass und einer gelungenen Verkleidung reist sie nach London. Das soll nicht die einzige Begegnung bleiben, immer mal wieder treffen die beiden bei unterschiedlichsten Gelegenheiten aufeinander. Sie ist immer wieder in anderer Begleitung – und auch im Aussehen anders – anzutreffen. Und plötzlich steht Stafford mitten in einem gefährlichen politischen Intrigenspiel.

Mein Leseeindruck:
Eigentlich hatte ich mir unter diesem Titel und von der Autorin eine andere Art von Krimi vorgestellt.

Zunächst gefiel mir der spannende und geheimnisvolle Einstieg in diese Geschichte. Doch je weiter ich las, desto seltsamer fand ich den Aufbau dieses Krimis. So richtig verstanden habe ich nicht, was die vielen Treffen und Zusammenkünfte tatsächlich mit dem eigentlichen Kriminalfall zu tun haben sollten.

Auch wenn man am Ende der Geschichte des Rätsels Lösung erfährt (das Thema, um das es wirklich geht, hätte man sicherlich mehr in den Vordergrund bringen können), so fühlte ich mich beim Lesen nicht wirklich mitgenommen. Zu viele Fragen blieben nämlich zunächst offen.

Mir fehlte leider ein eindeutiger Fall, ein Toter bzw. ein dreister oder ganz besonderer Diebstahl, so, wie ich das von den Romanen, die ich von Agatha Christie gelesen habe, gewohnt bin. Und auch ein Ermittler, wie z.B. Hercule Poirot, hat mir gefehlt. Zumindest konnte mich die Figur des Diplomaten mit seiner schrulligen Tante überzeugen.

Was ich als Frankfurt am Main Fan besonders irritierend fand, ist die Tatsache, dass nur die ersten Szenen in Frankfurt (Flughafen) spielen. Allerdings geht es in diesem Roman um das politische Deutschland in den 1930er Jahren, also vielmehr um einen „Politthriller“.

Fazit:
Dieser Krimi konnte mich leider nicht überzeugen. Ich hatte offensichtlich aufgrund meiner Erfahrung eine falsche Vorstellung von einem Krimi aus der Feder Agatha Christies.

Bewertung: ** von *****

Ein Leben ist zu wenig: Die Autobiographie (Gregor Gysi, Hans-Dieter Schütt)

Der Politiker und Mensch Gregor Gysi

 

„Der Mensch“ Gregor Gysi  ist mir in vielen Fernsehsendungen und Parlamentsdebatten „begegnet“. Schon immer fand ich seine erfrischend  humorvolle Art und manche seiner Ideen und Ansichten interessant und nachdenkenswert auch wenn ich politisch nicht engagiert (dafür interessiert) bin und nicht mit seiner Partei sympathisiere.

Beschreibung des Buches:
Das Buch „Ein Leben ist zu wenig: Die Autobiographie“ ist im Oktober 2017 im aufbau Verlag mit 583 Seiten als Hardcover Buch erschienen. (Ich habe die E-Book-Version gelesen). Auf dem Titelbild sieht man einen lachenden, leger gekleideten Gregor Gysi. Das Buch entstand unter Mitarbeit von Hans-Dieter Schütt (bereits im Mai 2016 wurde mit ihm bereits das Buch „Was bleiben wird: Ein Gespräch über Herkunft und Zukunft“, ein Gespräch zwischen Gregor Gysi und Hans-Dieter Schütt, veröffentlicht).

Kurze Zusammenfassung:
Gregor Gysi beschreibt in Erzähl- und „Plauderform“ seine Herkunft, sein Leben und seine politische Entwicklung – von den Anfängen der DDR bis zur Wiedervereinigung – und bis heute. 45 Fotos ergänzen diese Biografie. Am Ende des Buches findet man ein Namensregister aller im Buch genannten Personen.

Mein Leseeindruck:
Auch wenn ich mich zu Beginn des Buches auf den für mich etwas ungewöhnlichen Erzählstil einstellen musste, so habe ich diese Biographie mit sehr viel Neugier und Interesse gelesen. Die ersten Sätze kamen mir sehr verschachtelt und lange vor, irgendwie habe ich mich dann aber sehr gut in das Buch eingelesen und es „zwischen den Jahren“ fast verschlungen.

Wer sich für die Deutsche Geschichte in den letzten 60 Jahren interessiert, der findet in diesem Buch teils sehr ausführliche Beschreibungen des (allerdings hier etwas privilegierteren) Lebens in der ehemaligen DDR: Gregor Gysi als allein erziehender Vater eines Sohnes, als Anwalt und als Politiker.

Gysi, der die „Mächtigen“ der Welt getroffen hat: hier beschreibt er sehr authentisch, oftmals humorvoll, seine Begegnungen. Er spart auch nicht mit Selbstkritik, aber auch nicht mit Kritik am politischen Gegner, trotzdem bleibt er fair.

Auch wenn man ihm sicherlich bei manchen Statements gerne widersprechen möchte, so lohnt sich ein Nachdenken bei seinen kritischen Äußerungen und manchen Lösungsansätzen.

Imponiert hat mir seine Zielstrebigkeit insbesondere bei der Erlangung des Pilotenscheins, den er heimlich während seines politischen  Lebens gemeistert hat. Auch sein „Comeback“ nach überstandenen Herzinfarkten und einer schweren Operation hat mich sehr beeindruckt.

Gregor Gysis Anekdoten sind kurzweilig und lesenswert. Hier gibt es einen besonderen Blick hinter die Kulissen des politischen Lebens vieler Politiker.

Seine Leidenschaft „ für die Abschaffung sozialer Diskriminierung und Barrieren“ zeigt Gregor Gysi sehr deutlich in dieser Biographie. Als Beispiel hat Herr Gysi hier einen Besuch in der Sendung „Hart, aber fair“ beschrieben. In einem Einspieler ging es um ein junges Mädchen, das sich in den Ferien Geld für ein Instrument verdient hatte. Weil die Familie von Hartz IV lebte, wurde dieses „Feriengeld“ auf den Hartz IV Satz angerechnet. Alle anwesenden Politiker versprachen sich dafür einsetzen, dass hier die Gesetze geändert werden. Nach monatelangem Verzögern durch die politische Mehrheit gelang es erst vor kurzem, eine Gesetzesänderung in Gang zu bringen…

Bei manchem Bild der beigefügten Fotos musste ich doch sehr schmunzeln, Vater und Sohn oder Sohn und Vater – manches Mal ist das schwer zu erkennen bzw. alle sehen sich in einem bestimmten Alter sehr, sehr ähnlich. Schade, dass mir die Fotos in E-Book erst am Ende aufgefallen sind. Ich hoffe, dass man sie in der gebundenen Ausgabe schon im mittleren Teil findet. Hier zeigt sich mir wieder einmal, dass ich doch das gedruckte Buch dem digitalen Buch vorziehe, da kann man immer mal wieder Blättern und sich parallel zum Geschriebenen die Fotos anschauen.

Fazit:
Eine Biografie, die ich gerne gelesen habe, auch wenn sie mit fast 600 Seiten doch sehr ausführlich ausgefallen ist. Aber wie sagt es Gregor Gysi so schön? „Ein Leben ist zu wenig“….

Bewertung: ***** von *****

Ich versteh die Welt nicht mehr (Tim Schreder & Jennifer Sieglar)

Endlich wieder mehr der Nachrichten verstehen und einordnen können – Zusammenhänge im Weltgeschehen deuten können

Durch eine Radiosendung bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden. Die Autorin ist mir als Moderatorin der Nachrichtensendung „hessenschau“ bekannt u.a. ist sie auch, wie der Autor Tim Schreder, für die Nachrichtensendung „logo!“ für das ZDF unterwegs.

Beschreibung des Buches:
„Ich versteh die Welt nicht mehr“ ist 2017 im PIPER-Verlag als Taschenbuch mit 300 Seiten erschienen. Auf dem in hellblauer Farbe gehaltenen Titelbild ist eine Weltkarte mit orangen Fähnchen abgebildet. Diese weisen Schlagwörter der im Inhalt angesprochenen Themen auf. In der unteren linken Ecke sind die beiden Autoren abgebildet. Das Buch wirkt in seiner Aufmachung auf mich als sei es ein Kinder-/Jugendbuch.

Kurze Zusammenfassung:
In 24 Kapiteln erklären die Autoren Begriffe und Themen, die man fast täglich in den Nachrichten zu hören bekommt. Eingeleitet werden die Kapitel durch einen Globus mit einem Fähnchen, das den Ort der Begrifflichkeit/des beschriebenen Konfliktes aufzeigt. Danach folgt eine Kurzbeschreibung des Themas.

Mein Leseeindruck:
Schon oft habe ich mich bei manchen Begriffen und Themen der Nachrichten gefragt, wie es zu dem ein oder anderen Konflikt in der Welt gekommen ist. Manches nimmt man einfach nur noch wahr, aber man versteht das Problem nicht, das die Menschen miteinander haben.

Ich habe dieses Buch mit sehr viel Interesse während eines Sonnenurlaubes am Pool gelesen. Es hat mich von Seite zu Seite festgehalten. Den zwei Autoren gelingt es auf verständliche Weise die einzelnen „Problemfelder“ der Welt zu erklären. Dabei versuchen sie, die Ursprünge bestimmter Konflikte, Geschichtliches und die beteiligten Personen in sachlicher Art zu beschreiben.

Die Erläuterungen erfolgen in lockerer Art und sehr verständlich. Als Leser wird man angesprochen und „mitgenommen“.  Die Themen bauen aufeinander auf, man kann die Kapitel aber durchaus auch je nach Interessenslage einzeln lesen. Mir war es wichtig, das komplette Buch von vorne bis hinten zu lesen. So habe ich mich von Seite zu Seite mitgenommen gefühlt.

Die Auswahl der Themen finde ich gelungen. Ich habe vieles über den Nahosts-Konflikt, die Ukraine-Krise, die Trump-Wahl aber auch über die Situation in Nigeria und dem Südsudan erfahren, was mir offensichtlich durch die teils überfüllte Nachrichtenlage an Informationen verloren gegangen ist. Manche Nachrichten nimmt man einfach hin ohne den Hintergrund zu erfragen.

Ich werde ab sofort wieder intensiver die Nachrichten verfolgen, jetzt sind mir wieder einige Dinge klarer und ich kann sie räumlich und thematisch besser einordnen.

Fazit:
Ein tolles Buch, das man als Erwachsener aber auch als Jugendlicher gut lesen kann. Überaus informativ, gut recherchiert und sehr verständlich beschrieben. Gerade durch dieses Buch wird einem bewusst, wie gut man es getroffen hat, in diesem Teil der Welt zu leben. Ein bisschen mehr Politik- und Weltinteresse wäre für manche Menschen gerade in der heutigen Zeit wünschenswert. Hier bekommt man die Zusammenhänge wunderbar „präsentiert“ ohne dass man lange nachschlagen bzw. im Internet suchen muss.

Bewertung: *****

Zwischen zwei Leben (Guido Westerwelle mit Dominik Wichmann)

Das zweite Leben

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Auf dieses Buch bin ich schon kurz nach der Veröffentlichung der Hardcover-Ausgabe aufmerksam geworden, habe es aber leider erst jetzt geschafft, es zu lesen. Diese Ausgabe ist nach Guido Westerwelles Tod herausgegeben worden und beinhaltet ein Nachwort von Dominik Wichmann.

Beschreibung des Buches:
„Zwischen zwei Leben“ ist eine Rückblick Guido Westermanns auf seine Krankheit und sein politisches Leben. Meine Ausgabe ist im btb-Verlag als Taschenbuch mit 247 Seiten im Mai 2016 (nach Guido Westerwelles Tod) erschienen.

Kurze Zusammenfassung:
Dieses Buch entstand in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Dominik Wichmann, der in vielen Gesprächen mit Guido Westerwelles, dessen Gedanken und Aufzeichnungen als Buch zu Papier gebracht hat. Einige Fotos aus dem privaten und politischen Leben sind dem Buch beigefügt.

Mein Leseeindruck:
Guido Westerwelle beschreibt in seinem Buch schonungslos seine Gedanken und Gefühle während seiner vielen Aufenthalte im Krankenhaus. Dabei gibt es immer wieder Rückblicke auf seine politische Arbeit, seine vielen Reisen, seine zahlreichen Zusammentreffen mit den „Großen“ der Politik und seinen Kampf mit den Parteigenossen.

Seine Beschreibungen sind oftmals sehr detailliert, wenn es um die Behandlungstechniken geht. Er hadert nicht mit seinem Schicksal, er ist Realist. Das Glück, dass er nach einer ersten Zu- und wieder Absage eines Spenders dann doch noch eine Stammzellenspende bekommt, kann er fast gar nicht fassen. Er hatte schon fast mit dem Leben abgeschlossen.
Man hat beim Lesen fast das Gefühl, als sitze man am Krankenbett von Guido Westerwelle und er erzähle von seinem Leben, viele Tage lang. Man leidet und freut sich mit ihm, wenn es nach schwierigen Tagen wieder bergauf geht.
Besonders interessant fand ich die „Geschichten“ rund um sein politisches Engagement, auch wenn mich die Zeitsprünge innerhalb des Buches ab und an irritierten.

Fazit
In diesem Buch geht es hauptsächlich um den Privatmensch Guido Westerwelle, der sich hier sehr intensiv mit seiner Krankheit auseinander gesetzt hat. Es ist ein „menschliches“ Buch, das Mut macht. Auch wenn es Guido Westerwelle doch nicht geschafft hat, er hat gekämpft und nie aufgegeben. Als gesunder Mensch wird man nach einer solchen Lektüre sehr demütig. All die kleinen negativen Alltagsgeschehnisse werden klitzeklein…

Bewertung: ****

Akteure des Neuen Frankfurt (Evelyn Brockhoff)

Großartige Sammlung von Fotos und Biografien von Persönlichkeiten aus Architektur, Politik und Kultur des „Neuen Frankfurts“

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Wir sind „Fans“ von Frankfurt am Main, deshalb interessieren uns auch Bücher über die Stadtentwicklung.  Beim Stöbern sind wir auf dieses interessante Buch gestoßen.

Beschreibung des Buches:
Das Buch „Akteure des Neuen Frankfurt“ ist im März 2016 im Societäts-Verlag in broschierter Auflage erschienen. Es umfasst 232 Seiten. Herausgegeben wurde es von Evelyn Brockhoff, Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte der Stadt Frankfurt.

Kurze Zusammenfassung:
Durch zahlreiche Beiträge von mehr als 30 Einzelpersonen, mit Unterstützung des Kulturamtes der Stadt Frankfurt, Stiftung Polytechnische Gesellschaft, dem Hochbauamt der Stadt Frankfurt und der Martin-Elsaesser-Stiftung ist dieses Buch entstanden.

Als „Neues Frankfurt“ wird die Zeit 1925 bis 1932 bezeichnet. In diesem Zeitraum wirkten diverse Architekten, Politiker und andere Persönlichkeiten am Entstehen der Bau- und Kulturgeschichte der Stadt Frankfurt, die bis in die heutige Zeit das Gesicht der Stadt prägen.

In diesem Buch werden die „Visionäre der Kommunalpolitik“ vorgestellt, es gibt einen Überblick über die „Ideen und Grenzen ihrer Realisierbarkeit“ und ein Kapitel widmet sich der „Ausstellungen als Instrument kultureller und städtebaulicher Vermittlung“.  Danach folgen zahlreiche Abbildungen von Gebäuden, Siedlungen und Werbeflyern, die in der Zeit des „Neuen Frankfurts“ entstanden sind. Das letzte und größte Kapitel stellt die Biografien aus Architektur, Politik und Kultur von Akteuren in dieser Zeit vor.

Im Anhang befinden sich u.a. noch ein Glossar, Quellen, Bildnachweise, Biografien der Herausgeber und Autoren.

Mein Leseeindruck:
Dieses Buch bietet eine sehr ausführliche Zusammenstellung der Akteure des „Neuen Frankfurts“ (1925-1932). Zunächst wird der Begriff „Neues Frankfurt“ erläutert. Dann gibt es einen Überblick über die Kommunalpolitik in dieser Zeit, mit den Visionen der Politiker. In einem weiteren Kapitel kann man die Verwirklichung der städtebaulichen Entwicklung verfolgen.

Besonders interessant fanden wir das Kapitel über die Ausstellungen als Instrument kultureller und städtebaulicher Vermittlung. Hier bekommt man ein Gefühl für die verschiedenen Interessen und die damaligen Möglichkeiten, den Bürger von bestimmten Projekten zu überzeugen. Die Plakate zur Ankündigung solcher Ausstellungen,  die Fotos der Ausstellungsstätten und der dann realisierten Gebäude und Siedlungen laden beim Blättern zum Verweilen ein.

Das für uns interessanteste Kapitel (als Laien und Nicht-Architekten) ist für uns das Kapitel „Abbildungen“, hier gibt es eine Sammlung von alten Fotos von Siedlungen, Gebäuden und Werbeschildern. Hier hätten wir uns aber noch mehr Fotomaterial gewünscht.

Das größte Kapitel umfasst die ausführlichen Biografien von Architekten, Grafikern, Malern, Künstlern, Politikern und anderen Persönlichkeiten, die in der Zeit des Neuen Frankfurts für die Stadt Frankfurt von Bedeutung waren. Die Biografien sind sehr ausführlich und laden auch hier schon beim Durchblättern bei dem ein oder anderen bekannten Namen zum intensiven Lesen ein.

Fazit
Dieses Buch zeigt in einer beispiellosen Publikation die Zusammenhänge von städtebaulicher Entwicklung im „Neuen Frankfurt“.

Für Nichtarchitekten: Ein Buch für Frankfurt Fans, die Interesse an der städtebaulichen Entwicklung der Stadt Frankfurt am Main haben: Interessante Fotos und ausführliche Biografien. Von so manchem Straßen- oder Siedlungsnamen in Frankfurt kann man sich hier ein „Bild machen“.

Bewertung: ****