Das Café der guten Wünsche (Marie Adams)

Ein Café mit Herz – Glück und gute Wünsche

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Ein Titel, der vielversprechend klingt. Ein Titelbild, das mit den bunten Tassen punktet…

Beschreibung des Buches:
Der Roman „Das Café der guten Wünsche“ von Marie Adams ist 2016 im blanvalet Verlag als Taschenbuch mit 333 Seiten erschienen.

Auf dem Titelbild sieht man zahlreiche bunte Tassen an einer Wand hängend, sie vermitteln Fröhlichkeit und gute Laune.

Kurze Zusammenfassung:
Julia, Laura und Bernadette sind die guten Seelen eines kleinen Cafés, das Julia von ihrer Großmutter geerbt hat. Das Café wird mit viel Herz und Liebe geführt. Jedem Gast schicken die drei einen guten Wunsch in Form eines Zettels hinterher, der in einer Dose gesammelt wird. Irgendwie hat man den Eindruck, dass die Menschen fröhlich und glücklich diesen netten Ort verlassen, aber auch gerne wiederkommen. Julia glaubt an die Stärke von positiven Gedanken und so wünscht sie sich ein Wiedersehen mit ihrer Jugendliebe, alles andere wird zur Nebensache.

Mein Leseeindruck:
Dieses Buch ist ein Herzensbuch. Man kann sich beim Lesen so richtig in die Geschichte einfühlen und ist zunächst von den vielen positiven Gedanken und Wünschen freudig gestimmt. Ein nettes Café mit ganz viel Herzblut geführt, die Idee mit der Wunschdose, all das rührt einen.

Doch dann wird es turbulent. Ein neuer Mann scheint Julias Herz zu erobern, doch sie weiß es noch nicht, denn sie hängt vergangenen Zeiten nach. Sie kann sich nicht auf die Gegenwart einlassen. Missverständnisse und kleine Intrigen machen Julia das Leben schwer, ihr Glück scheint sie zu verlassen.

Die Geschichte zeigt, dass sicherlich vergangene Zeiten ihren Platz im Herzen eines Menschen haben, sie aber manchmal verklärt werden. Die Gegenwart wird dann oft nicht wahrgenommen und man flüchtet in einen „glücklichen“ Zukunftstraum. Man kann vom Glück träumen, aber man muss doch immer wieder daran arbeiten und nicht nur die Wunschvorstellung pflegen. Vor allen Dingen muss man im Hier und Jetzt leben und wahrnehmen, was um einen herum passiert.

Fazit
Ein Buch, das berührt. Manche Wünsche können wahr werden, wenn man Verstand und Herz gemeinsam einsetzt, aber nicht immer kann man einem Wunschtraum „hinterherfliegen“, man muss auch frei sein für Überraschungen, die sich im Leben bieten und sie auch tatsächlich wahrnehmen. Ich hatte mit diesem Buch schöne Lesestunden in dieser doch manchmal sehr dunklen Herbstzeit.

Bewertung: ****

Hausbesuche (Stephanie Quitterer)

Mensch, Nachbar!

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Der Titel und das Titelbild hatten es mir angetan…

Beschreibung des Buches:
„Hausbesuche“ von Stephanie Quitterer ist im 2016 im Knaus-Verlag als Taschenbuch mit 229 Seiten erschienen.
Auf einem pastell-mintfarbenem Hintergrund ist eine Frau in roter Kleidung mit Korb abgebildet. In Sprechblasen sieht man Kuchenstücke und eine Tasse dampfender Kaffee/Tee. Die Frau wirkt auf mich wie Rotkäppchen.

Kurze Zusammenfassung:
Die Autorin ist Regieassistentin und hat in ihrer Elternzeit zahlreiche Nachbarn mit Kaffee und Kuchen überrascht. Diese Geschichten über ihre Besuche hat sie in diesem Buch (und auch auf einem eigenen Blog) aufgeschrieben. Sie hatte eine Wette (gegen sich selbst) laufen: 200 Nachbarschaftsbesuche in 200 Tagen…
Jedes Kapitel beginnt mit einem Kuchenrezept, am Ende des Buches gibt es eine Rezeptauflistung.

Mein Leseeindruck:
Stephanie Quitterer erzählt in der Ich-Form über ihre Wette und die zahlreichen Besuche bei Nachbarn. Bepackt mit einem Korb, gefüllt mit Kuchen, Kaffee und Tee macht sie sich tagaus tagein, mal mit, mal ohne Töchterchen auf den Weg zu ihren Nachbarn in einem Berliner Stadtteil. Sie ist in Elternzeit, neu zum Vater ihrer Tochter gezogen und kennt so gut wie niemanden um die Ecke.
Ihre Gedanken und Gefühle erzählt sie hautnah in diesem Buch. Die Vorurteile, die sie und auch die anderen gegenseitig haben, die überraschenden „Einladungen“ in die Wohnungen, die Ablehnungen, die netten, manchmal auch sehr skurrilen Hausbewohner, aus allem zusammen wird aus diesen Erlebnissen ein wunderbares Buch über Menschlichkeit und Freundschaft.
Hat Stephanie am Anfang der Geschichten noch Skrupel einfach so bei wildfremden Menschen zu klingeln, so wird sie von Begegnung zu Begegnung „mutiger“. Auch wenn nicht jeder von ihrem Besuch begeistert ist. Die meisten Menschen haben etwas zu erzählen, Stephanie hört zu, freut sich über jede neue Begegnung und wächst/reift mit jedem neuen Tag.

Die Kuchenrezepte sind abwechslungsreich, wenn auch manchmal etwas improvisiert und dadurch sonderbar. Einzelne regen aber durchaus zum Nachbacken an: Schokotarte mit weichem Kern und der legendäre Marmorkuchen, den die Autorin am Ende des Projektes nicht mehr „sehen kann“….

Fazit:
Dieses Buch ist ein Plädoyer für Menschlichkeit, Toleranz und  gegen Schubladen-Denken. Natürlich gelingt das einem nicht immer im Leben, aber die Überraschung ist groß, wenn man den ersten Schritt macht, auf die Menschen zugeht, das Gespräch sucht. Wie viel schöner könnte es sein, wenn man die erste Begegnung mit den neuen Nachbarn bei einem netten Kaffeeplausch beginnt. Man möchte rufen: Los – backt einen Kuchen, kocht Kaffee, packt euren Korb und geht hinaus, die Menschen warten auf Euch!

Bewertung: *****

Paradision (Christian von Kamp)

Die menschliche Gesellschaft in der Zukunft, Utopie oder schon Wirklichkeit?

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Beschreibung des Buches:
Der Roman „Paradision“ von Christian von Kamp ist im „New Sun Books“-Verlag erschienen. Er hat 178 Seiten.

Das Titelbild zeigt eine weiße Büste ohne Augen, es sind nur die Augenhöhlen vorhanden, bunte Nebelschwaden umschwirren den Kopf. Mich befremdet dieses Cover etwas, es beängstigt mich… Für diesen Science Fiction Roman ist es allerdings ganz gut gewählt.

Kurze Zusammenfassung:
Christians (Autor und zwischenzeitlicher Erzähler) Freundin (und spätere Frau) Moni träumt seit geraumer Zeit von einer Zeit in ferner Zukunft („vielleicht in dreitausend Jahren, oder noch weiter weg“): Ein junges Pärchen, Erzieher, durchlebt eine aufregende Zeit. Auf der Suche nach ihrem verschwundenem Schützling Puu machen sie Entdeckungen, die ihr ganzes Weltbild auf den Kopf stellen. Bisher waren sie sehr begeistert von ihrem Leben, allen Menschen geht es gut, keine Krankheiten, keine Kriege. Alle lieben sich und sind zufrieden und glücklich. Doch um welchen Preis?

Mein Leseeindruck:
Eigentlich bin ich kein Liebhaber von Science Fiction Romanen. Da es sich hier aber eher um einen gesellschaftskritischen Roman handelt, habe ich mich doch an ihn herangewagt. Die Idee, eine Welt in der Zukunft durch Träume zu beschreiben, finde ich gelungen. Der Sprachstil des Autors (und seiner träumenden Frau…) liegen mir. Ich fand sehr schnell in die Geschichte hinein, wenngleich ich das Geschehen eher sehr befremdlich fand. Die Beschreibungen des Lebens der Protagonisten hat mich doch sehr mitgenommen. Das ganze Leben wird vom Babyalter vorherbestimmt. Alles läuft in geordneten Bahnen, geschulte Erzieher kümmern sich tagtäglich um den Nachwuchs. Die Eltern haben keinen eigenen Einfluss mehr auf ihre Kinder. Alles ist organisiert, alles ist „schön“, keine Krankheiten, Kranke, „andersartige“ Menschen. Alle sind gleich. Irgendwie hat mir das ziemlich Angst gemacht. Wollen wir so leben? Wo bleibt die kulturelle Vielfalt? Individualität? Glücklicherweise machen sich Mai und Jun (das Erzieherpaar) auf die Suche nach ihrem Schützling und verstehen langsam, was dahintersteckt. Diese Suche ist sehr detailreich beschrieben, man fühlt sich mittendrin. Mitten im Buch gibt es einen Erzählerwechsel, da Moni nicht mehr von der Zukunft träum(en kann), hier meldet sich der Autor wieder zu Wort und man findet sich als Leser in der Gegenwart zurück, die hier schon einen Eindruck darauf gibt, wie es tatsächlich und in naher Zukunft aussieht (Überwachung, Massenbeeinflussung)… Als Moni endlich wieder weiterträumen kann, geht die Geschichte ihrem Ende zu… ob es versöhnlich wird? Das muss jeder Leser für sich entscheiden.

Fazit:
Ein Science-Fiction Roman, der mich gut unterhalten, aber auch sehr nachdenklich gemacht hat. Zuerst war ich skeptisch, ob mir dieses Genre gefällt. Es ist dem Autor gelungen. Ich habe das Buch mit Interesse fertig gelesen.

Bin ich doch froh, dass mein Leben nicht ganz so vorherbestimmt wird, ich die Freiheit habe mein Leben bunt und interessant zu gestalten, leider geht es nicht allen Menschen so, das sollte uns immer bewusst sein. Was die Zukunft bringt, weiß keiner, aber wir sollten uns nicht scheuen, sie auf eigene Weise, ohne Bevormundung, mitzugestalten, solange wir die Möglichkeiten haben.

Bewertung: ****