Radio Girls (Sarah-Jane Stratford)

Die Frauen der BBC

Ich bin intensive Radiohörerin und -fan, deshalb haben mich Cover und Titel neugierig gemacht.

Beschreibung des Buches:
„Radio Girls“ von Sarah-Jane Stratford ist 2020 als Taschenbuch im btb Verlag mit 503 Seiten erschienen. Auf dem im Hintergrund schwarz gehaltenem Titelbild sieht man ein sprechendes Frauengesicht und ein altertümliches Mikrofon. Das Cover ist ansprechend und passt gut zum Inhalt des Romans.

Kurze Zusammenfassung:
Im London der 1920er wird die BBC gegründet. Maisie, eine junge Amerikanerin, beginnt ihre berufliche Laufbahn als Schreibkraft journalistischer Texten im Rundfunksender. Nach und nach entdeckt sie ihre besondere Leidenschaft für das Radio und den Journalismus. Mit der Gründerin einer Talksendung im Vormittagsprogramm ist Maisie sehr verbunden. Ihre intensive Recherchearbeit deckt eine Verschwörung auf, ist die Wahrheit gewollt?

Das Buch wurde von Beate Brammertz aus dem Englischen übersetzt.

Mein Leseeindruck:
Der Fokus dieses Romans liegt ganz klar auf Maisie und ihrer Leidenschaft für das Radio.

Der Schreibstil mit der häufigen Wörtlichen Rede ist sehr lebendig. Die Atmosphäre im Sender und im Studio springt zum Leser über.

Die geschichtlichen Hintergründe der 1920er Jahre in und um London und der Welt sind gekonnt in den Roman eingewoben. Maisies Liebesgeschichten sind zwar Teil dieses Romans, rücken aber immer wieder in den Hintergrund, wenn es um das hektische Leben rund um die Radioarbeit geht.

Der Roman basiert auf  historischen Hintergründen. Das Radioprogramm der 1920er beinhaltete eher das Alltagsleben wie z.B. Haushaltstipps, Buchvorstellungen, Streitgespräche. Meist wurden bekannte, beliebte, aber auch umstrittene Personen als Gäste eingeladen.

Maisie steht in diesem Roman stellvertretend für die jungen Frauen, die sich nicht mit einer Heirat vom Beruf verabschieden wollen, sondern ihren ganz persönlichen Weg mit vielen Herausforderungen durch Fleiß und Interesse an Nachrichten und den Menschen suchen.

Ist sie zu Beginn des Romans eine junge, schüchterne Frau, so entwickelt sie sich in den 3 Jahren, die man sie beim Lesen begleitet, zu einer selbstbewussten Frau, die ganz genau weiß, was sie will.

Mit hat dieser Roman gut gefallen, er zog sich in der Mitte etwas, bekam dann aber wieder Schwung durch einen größeren Spannungsbogen, bei dem ich dachte einen Krimi zu lesen.

Fazit:
Ein Roman mit geschichtlichem Hintergrund über die Anfänge der BBC, Frauenrechte und Journalismus, Lesegenuss für Radioliebhaber.

Bewertung: **** von *****

Mehr als tausend Worte (Lilli Beck)

Junge Liebe – überlebt sie in den Wirren des 2. Weltkrieges?

Was sind „mehr als tausend Worte“, wenn es um die Liebe geht? In Briefen kann man sie festhalten, wenn man sich Jahre nicht sehen kann. Genau so ergeht es dem jüdischen Mädchen Aliza…

Beschreibung des Buches:
„Mehr als tausend Worte“ ist im 2019 im blanvalet-Verlag als Hardcover Buch erschienen. Es hat 490 Seiten. Auf dem Cover ist ein schwarz/weiß Foto eines jungen Paares abgebildet, was gut zur Geschichte passt. „Liegt hier die Zukunft?“, mag die junge Frau mit Blick in die Ferne sagen.

Kurze Zusammenfassung:
Aliza und Fabian, zwei junge Menschen, wachsen in Berlin auf, man schreibt das Jahr 1938. Nach der sogenannten Reichspogromnacht am 9. November 1938 wird es für Alizas Familie immer schwieriger in Deutschland zu überleben. Aliza wird von ihren Eltern mit einem Kindertransport kurz vor ihrem 17. Geburtstag nach England verschickt. Fabian wird zum Wehrdienst einberufen. Beide schwören sich ewige Liebe. Aliza bekommt von Fabian einen Verlobungsring und ein in Parfum getränktes Taschentuch, das sie immer an ihn erinnern soll. Werden sie sich (nach Ende des Krieges) jemals wieder begegnen?

Mein Leseeindruck:
Lilli Beck gelingt es einmal mehr, mich an ein Buch zu fesseln. Nach den ersten Seiten konnte ich diesen Roman nicht mehr zur Seite legen. Die mit vielen Details beschriebenen Umstände, unter denen Alizas Familie als Juden zu (über)leben versucht, sind kaum zu ertragen. Trotzdem gelingt es der Autorin durch die Liebesbeziehung von Aliza und Fabian einen kleinen Lichtblick in das ansonsten sehr tragische Geschehen zu zaubern.

Der Roman beschreibt die Zeit von 1938 bis Ende 1945. Während man über das Leben von Aliza in London stets auf dem Laufenden gehalten wird, erfährt man in einigen Kapiteln, wie es der Familie in Berlin ergeht. Aliza erhält von Fabian ab und an Briefe, die allerdings meistens schon einige Zeit unterwegs sind, bis sie bei ihr ankommen. Nach Kriegsende ist sie deshalb nicht wirklich informiert, wie es ihrer Familie und ihrem Liebsten geht. Haben sie alle überlebt?

Es ist Lilli Beck gelungen, die voranschreitende Ausgrenzung und Vernichtung der Juden in Deutschland und die Kriegsjahre am Beispiel einer ganz normalen Familie sehr bewegend zu beschreiben. Verpackt mit einer Liebesgeschichte nimmt man als Leser noch mehr Anteil und versucht sich in die beschriebenen  Situationen und Menschen hineinzuversetzen.

Gerade über die „Kinderauslandsverschickung“ habe ich bisher nicht viele Informationen gehabt. Durch diese Geschichte habe ich hier einiges „hautnah“ erfahren, die Autorin hat darüber intensiv recherchiert und das in ihren Roman eingearbeitet.

Es geht in diesem Buch um Mitgefühl, um das „Nicht vergessen“! Das ist Lilli Beck gelungen. Mit ihrer Geschichte berührt sie die Leser.

Das Ende hätte ich mir etwas ausführlicher und „dramatischer“ gewünscht, es kam doch sehr plötzlich. Hier hätte man für meinen Geschmack noch mehr Spannung einbauen können.

Fazit:
Gerade Generationen, die nur noch aus der Erinnerung der Großeltern oder aus Reportagen etwas über die Nazizeit erfahren können, erleben durch diesen Roman fast hautnah, was es bedeutet ausgegrenzt und letztendlich vernichtet zu werden. Die Erinnerung daran darf niemals erlöschen!

Bewertung: **** von *****

Giftflut (Christian v. Ditfurth)

Falsche Spur gelegt…

Der dritte Band einer Serie um Kommissar de Bodts.

Beschreibung des Buches:
Der Krimi „Giftflut“ ist im carl’s books Verlag im August 2017 als broschiertes Buch mit 479 Seiten erschienen. Der Autor Christiane v. Ditfurth hat bereits mehrere Krimis veröffentlicht.
Auf dem Cover sieht man eine fahrende gelbe Berliner U-Bahn.

Kurze Zusammenfassung:
In Berlin, Paris und London werden in kurzen Abständen hintereinander Brücken in die Luft gesprengt. Die berühmte Oberbaumbrücke in Berlin fällt offensichtlich Terroristen zum Opfer, mit ihrer Zerstörung sterben zahlreiche Menschen. Fast gleichzeitig findet man in diesen Metropolen ertränkte Paare, die in leitender Tätigkeit in den jeweiligen Wasserwerken beschäftigt waren. Es gibt keine Bekennerschreiben, Kommissar de Bodts tappt zunächst im Dunkeln…

Mein Leseeindruck:
Dieser Krimi lässt mich ein wenig ratlos zurück. Zunächst hat er recht „explosiv“ begonnen. Die verschiedenen Schauplätze waren kein Problem für mich: Die Städte Berlin, Paris und London (später auch die Finanzstadt Frankfurt) sind mir bekannt und ich konnte mich gut in die Szenen hineinversetzen. Doch dann kamen immer weitere Personen und Örtlichkeiten außerhalb Europas hinzu, die vom eigentlichen Geschehen irgendwie ablenkten/ablenken sollten.

Die Zeitbezüge und die Thematik sind sehr aktuell.

Da die Kapitel recht kurz sind, folgen auch die Szenenwechsel in immer kürzeren Abständen, was nicht unbedingt zur Lesbarkeit dieses Krimis führt.

Teils absurde und kaum nachvollziehbare Vorgehensweisen, wie z.B. ein Tourist, der den Mord an seiner Freundin rächen will und deshalb durch die Welt reist um die Mörder zu verfolgen, haben fast dazu geführt, dass ich das Buch beinahe nicht mehr weiterlesen wollte.

Im letzten Drittel wendet sich das Blatt, hier werden die Fäden (teilweise) wieder zusammengeführt. Die zunächst vom Autor gelegte Spur entpuppt sich als gänzlich falsch. Es treten die unkonventionellen Methoden des Kommissars zu Tage, der auch nicht davor zurückschreckt, die Kanzlerin anzurufen…;-)

Die Lösung und Hintergründe des „Falls“ sind genial, konnten mich aber nicht gänzlich von dem Buch überzeugen.

Es war für mich kein Problem, dass ich die ersten zwei Bände um den Kommissar de Bodts nicht kenne.

Fazit:
Dieser Krimi konnte mich nicht vollständig überzeugen.

Bewertung: *** von *****

Ein Mord zu Weihnachten (Francis Duncan)

Tod eines Weihnachtsmannes

In der Weihnachtszeit lese ich gerne Bücher, die von Weihnachten oder der Winterzeit handeln, wenn es dann noch ein Krimi ist, dann ist meine Leselust besonders geweckt.

Beschreibung des Buches:
 „Ein Mord zu Weihnachten“ von Francis Duncan ist im Dumont-Verlag 2017 erschienen. Schon 1949 wurde dieser Krimi in der englischen Originalausgabe unter dem Titel „Murder for Christmas“ bei John Long, London, veröffentlicht. Das Buch hat 335 Seiten. Das Titelbild ist in seinen Farben schlicht gehalten (weiß, rot, grün schwarz). Es zeigt ein geöffnetes Tor mit einer Einfahrt zu einem herrschaftlichen Haus, es passt gut zum Inhalt des Krimis.

Kurze Zusammenfassung:
Jedes Jahr lädt Benedict Grame zu Weihnachten, mangels eigener Familie, Freunde und Bekannte auf seinen Landsitz in der Nähe von London ein. Er tritt selbst als Weihnachtsmann auf und verteilt seine Geschenke am geschmückten Weihnachtsbaum. Dieses Jahr wurde der Hobbydetektiv Mordecai Tremaine, ein ehemaliger Tabakhändler, eingeladen. Einen Tag vor der Bescherung liegt der Weihnachtsmann tot vor dem Weihnachtsbaum. Welche der zahlreichen Personen, die sich im Haus befinden, ist die/der Mörder/in?

Mein Leseeindruck:
Endlich mal wieder ein atmosphärischer Krimi! Dieser Krimi erinnert sehr stark an die Kriminalfälle von Agatha Christie. Der Autor versteht es schon von Beginn an eine leicht unheimliche Stimmung zu schaffen. Die Anreisenden werden beäugt, sie scheinen allesamt ihre ganz eigenen Geheimnisse mitzubringen.

So hat man als Leser den Eindruck, jeder könne den Mord am Weihnachtsmann verübt haben. Francis Duncan hat den Fokus auf Mordecai Tremaine gerichtet, beim Lesen hat man somit das Gefühl, mit zu ermitteln. Man rätselt – und ist vielleicht doch auf der falschen Spur? Die einzeln gelegten Spuren sind gekonnt miteinander verwoben.

Während der Geschichte schürt das Ermitteln eine Stimmung von Verunsicherung unter den Gästen, so dass sie immer mehr von ihren Geheimnissen preisgeben.

Dem Autor ist es gelungen eine besondere winterliche Atmosphäre zu schaffen. Ich fühlte mich auch ein bisschen an den Film „Eine Leiche zum Dessert“ erinnert (spielt zwar nicht im Winter…) – und diesen Film könnte ich immer wieder ansehen.

Fazit:
Wer Agatha Christie liebt, der muss hier zugreifen. Ein weihnachtlicher Krimi mit viel Atmosphäre und zahlreichen skurrilen Verdächtigen.

Bewertung: *****

More (Philea Baker)

Historischer Roman mit Spannung, Romantik, Geschichtswissen und einer guten Recherche

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Mal wieder habe ich mich an einen historischen Roman getraut. Das Titelbild hat mich förmlich angezogen – und (historische) Bücher über Frauenschicksale in vergangenen Jahrhunderten als auch Familiensagas haben mich schon immer interessiert.

Beschreibung des Buches:
„More“ von Philea Baker ist 2016 bei Books on Demand als Taschenbuch und Ebook erschienen. Es hat 459 Seiten. Das Titelbild zeigt am unteren Bildrand ein großes Schiff. Als Hintergrund des Bildes sieht man den Rücken einer Frau mit einem Spitzenkleid. Eine fallende Feder ist zu sehen. Das Cover macht neugierig darauf, was es mit der Frau und dem Schiff auf sich hat. Die Feder wirkt irgendwie geheimnisvoll.

Kurze Zusammenfassung:
Der Roman spielt im Jahr 1874 in London. Alessa Arlington ist eine selbstbewusste junge Frau, die als Krankenschwester und Lehrerin an der Florence Nightingale School arbeitet. Allerdings hat sie größere Ambitionen. Sie möchte studieren und Ärztin werden. Ryon Buchanan, ein junger amerikanischer Schiffsbauingenieur, ist auf der Suche nach der Ursache einer Dampfkesselexplosion bei der sein Vater ums Leben kam.  Die beiden jungen Leute begegnen sich und fühlen sich sofort zueinander hingezogen. Doch da gibt Alessas Stiefmutter, die das mit misstrauischen Augen verfolgt. Auch der Inspektor, der im Fall der Explosion ermittelt, scheint den beiden,  insbesondere Ryon, nicht wohlgesonnen.

Mein Leseeindruck:
Der Autorin Philea Baker ist ein ganz besonderer Roman gelungen. Schon nach den ersten Seiten ist man mitten im Geschehen. Man fühlt sich hineingesogen in diesen Roman. Der Schreibstil der Autorin gefällt mir ganz besonders gut. Er ist einfühlsam, manchmal sachlich, wenn es um technische Beschreibungen und geschichtliches Wissen geht, aber auch an vielen Stellen einfach unterhaltsam besonders bei den Dialogen.

Die Gabe, Leser gleichzeitig zu unterhalten, geschichtliche Details einzubinden und technische Details verständlich zu beschreiben, die hat nicht jeder. Der Autorin ist das mit diesem Buch auf gekonnte Weise sehr geglückt. Ich bewundere es sehr, wenn jemand so schreiben kann.

Beim Lesen des Buches bin ich wie in einen Film eingetaucht, die Geräusche, die Kulisse und auch die Gerüche haben meine Sinne erreicht. Ich konnte das Buch kaum weglegen. Der Roman ist spannend, romantisch und bietet geschichtliches Hintergrundwissen, das die Autorin sicherlich in mühevoller Recherchearbeit zusammengetragen hat. Hier ist mir besonders der Exkurs über die Transatlantikkabelverlegung mit einem Schiff in Erinnerung geblieben. Darüber habe ich auch schon einen Roman gelesen. Frauenrechte,  Arbeitsbedingungen und Auswanderung sind weitere Themen, die in diesem Roman zur Sprache kommen. Alles gut in die Geschichte hineingewoben.

Die einzelnen Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet. Es gibt die Bösen und die Guten, so fühlt man beim Lesen immer mit dem einen oder man hasst den anderen, was dazu führt, dass die Geschichte manchmal wie ein Krimi wirkt. Das Titelbild, das zunächst durch die Feder etwas rätselhaft und geheimnisvoll wirkt, passt wirklich gut zu diesem Roman, das findet man aber erst so richtig beim Lesen heraus.

Fazit
Ein wunderbarer historischer Roman, der mich beim Lesen an die Geschichten von Autor Jeffrey Archer erinnert, die ich auch sehr mag. Eine Liebesgeschichte mit historischen Inhalten und technische Details zu Errungenschaften des neunzehnten Jahrhunderts machen das Buch so lesenswert. Der Roman schreit nach einer Fortsetzung, man möchte doch so gerne wissen, wie es mit Alessa Arlington und Ryon Buchanan weitergeht. Dieses Buch eignet sich auch prima als Weihnachtsgeschenk!

Bewertung: *****

Drei Tage Manhattan – Begleitung gesucht (Tasmina Perry)

Unterhaltsame leichte Romanze für gemütliche Stunden in der Weihnachtszeit

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Beschreibung des Buches:
Das Buch „Drei Tage Manhattan – Begleitung gesucht“ ist im Bloomsbury-Verlag als Groß- Taschenbuch erschienen. Es hat 430 Seiten. Auf dem Titelbild ist eine Winterlandschaft mit einem gemeinsam schlenderndem Paar zu sehen. Das Buch ist ganz in Weiß gehalten, nur das Paar ist leicht farblich (dunkel) abgesetzt. Das Titelbild alleine hätte mich nicht angesprochen….

Kurze Zusammenfassung:
Es ist kurz vor Weihnachten. Amy ist Tänzerin und jobbt in einem Restaurant. Sie lebt in London. Aufgewachsen ist sie in der Nähe von New York. Als sie einen Heiratsantrag von ihrem Freund Daniel erwartet, der leider ausbleibt, flieht sie aus der Beziehung. Da kommt ihr eine Zeitungsanzeige von der älteren Georgia gelegen, die eine Begleitung für drei Tage Manhattan sucht. Während des Aufenthaltes in Manhattan erzählt Georgia von ihrer ersten großen Liebe im London der 50er Jahre.

Mein Leseeindruck:
Während ihrer Reise nähern sich die zwei Frauen an, obwohl sie unterschiedlichen Generationen angehören, haben sie sich doch ähnliches aus ihrem Liebesleben und –leid zu berichten. In einem Perspektivenwechsel , Amys Leben im Jahr 2012 in London und Georgias Aufenthalte in London in den 50er Jahren, wird dieser Roman erzählt. Zunächst fängt die Geschichte im Dezember 2012 an. Als sich die zwei Frauen, Amy und Georgia, auf die Reise nach Manhattan machen, wechselt die Perspektive in die 50er Jahre, in denen Georgia im heiratsfähigen Alter in London Partys und Bälle besucht, um in die Gesellschaft eingeführt zu werden.
Das teilweise glamouröse Leben der betuchteren Gesellschaft im London der 50er Jahre ist geprägt von viel Schein und Sein. Man bleibt gerne unter sich und sucht deshalb die Verbindung mit dem anderen Geschlecht in der gleichen Gesellschaftsschicht. Da haben es Außenstehende schwer, so auch Georgia.
Die Autorin schreibt sehr detailliert. Man fühlt sich beim Lesen in diese Zeit hineinversetzt. Die Partys, die Bälle und die jungen Leute, alles kann man sich gut vorstellen. Manchmal möchte man ins Geschehen eingreifen, die Partys und Bälle miterleben….
Der Aufenthalt in Manhattan ist mir etwas zu kurz geraten. Gerne hätte ich etwas mehr über den Flair und die weihnachtliche Stimmung dieser Großstadt erfahren, denn von einem Besuch Manhattans in der Adventszeit habe ich schon immer geträumt.

Fazit:
Ein leichtes Buch für gemütliche Stunden in der Adventszeit. Es hat alles, was es zum entspannten Lesen braucht: Familiengeschichte, Liebesgeschichte, Londoner Flair der 50er Jahre, New York in der Weihnachtszeit.

Bewertung: ****

Elf Leben (Mark Watson)

Flucht vor der Wahrheit

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Beschreibung des Buches:
Im Roman „Elf Leben“ von Mark Watson geht es um einen Londoner Nachtmoderator, der im Radio Nacht für Nacht Anrufe von meist verzweifelten Menschen entgegen nimmt und ihnen zuhört.

Kurze Zusammenfassung:
Xavier Ireland, der Moderatior, ist Mitte dreißg. Er lebt seit einigen Jahren in London, ist aber in Australien aufgewachsen. Nachts moderiert er, tagsüber ist er ein begeisterter Turnier-Scrabble-Spieler. Er hat Australien wegen eines Vorfalls verlassen, der sein Leben veränderte. In London laufen ihm einige Menschen über den Weg, denen er gewollt oder ungewollt Hilfestellungen bietet, dabei verdrängt er seinen eigenen Schicksalsschlag gekonnt. Erst das Auftauchen einer Putzfrau bei einem Speed-Date, mit der er sich anfreundet, öffnet ihm die Augen. Die liebevolle Art von Pippa lässt ihn endlich seine eigene Geschichte aufräumen.

Mein Leseeindruck:
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Zunächst allerdings war ich verwirrt von den manchmal parallel laufenden Handlungen. Sie ergaben aber im Laufe der Geschichte einen Sinn. Die verschiedenen „Elf Leben“ haben zwar eigentlich nichts miteinander zu tun, dennoch bilden sie eine Kettenreaktion, weil sich nicht miteinander bekannte Personen irgendwie durch einzelnes Handeln beeinflussen.
Dem Autor gelingt es, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Besonders der Anfang hat so etwas in mir ausgelöst sofort tief in die Geschichte einzusteigen. Es gelingt dem Autor durch seine Beschreibung der Stimmung den Leser in den Bann zu ziehen. Die Personen sind gut beschrieben, man kann sie sich bildlich vorstellen. Die Namen sind gut gewählt, sie prägen sich ein und man kann sich dadurch noch Seiten später erinnern, was sich mit wem zugetragen hat. Die Lokalität London ist gibt dem Ganzen noch eine besondere Note. London – die Millionenstadt ‚ und die Probleme des Einzelnen. Die ganze Geschichte hat mich fasziniert. Ein Moderator, der nachts den Problemen der Menschen zuhört, tagsüber nicht wegschaut (nur einmal und darüber macht er sich ständig Vorwürfe) und sich um fremde Menschen kümmert, weil es ihn innerlich antreibt. Dabei hat er selbst ein Problem zu lösen. Die Freundin kommt allmählich an ihn heran und ihm gelingt es tatsächlich sich seinem eigenen Problem zu stellen und zu beginnen es aufzuarbeiten. Tolle Geschichte !

Bewertung: ****