Erebos 2 (Ursula Poznanski)

Neugier geweckt – aber nicht ganz erfüllt

Dieses Hörbuch hat sich sofort unser Sohn geschnappt und bei seinen zahlreichen Bahnfahrten gehört. Erebos 1 war sein Lieblingsbuch, deshalb hat ihn Erebos 2 interessiert.

GASTREZENSION von Fabian Busch

Beschreibung des Hörbuches:
„Erebos 2“ ist 2019 im „der Hörverlag“ im mp3-Format mit einer CD erschienen. Die Laufzeit beträgt 12 Stunden und 22 Minuten.

Kurze Zusammenfassung:
Erebos 2, die Nachfolge-Geschichte von Erebos beginnt mit dem Erscheinen einer vertrauten App auf den Geräten ehemaliger Mitspieler. Jemand muss Erebos ein Update verpasst und zusätzlich ein neues Ziel in der realen Welt gesetzt haben. Menschen verschwinden, Telefonanrufe und E-Mails werden von vermeintlich echten Personen ausgeführt und lassen ganze Beziehungen als Druckmittel zerbrechen. Zu Beginn befolgen die Spieler das, was von ihnen verlangt wird. Wenn sie sich weigern, geschehen vorher angesagte Dinge. Allmählich wird ihnen bewusst, dass sie keine Chance haben. Wie es ausgehen wird, das wissen nur das Spiel und die Beteiligten.

Mein Leseeindruck:
Das Hörbuch startet mit zwei Parallelsträngen und wechselt während der gesamten Erzählung in regelmäßigen Abständen zum jeweils anderen. Die Erzählstimme passt sich dabei in den jeweiligen Rollen an, was zur Unterscheidung gut ist, jedoch gerade bei der Imitation des unheimlichen Spielerboten recht kratzig wirkt und damit unangenehm zum Zuhören ist.

Das Hörbuch benötigt eine gewisse Aufmerksamkeit, sonst ist schnell vergessen, was zuvor passiert ist und warum anschließend etwas Bestimmtes geschieht. Wem also Zuhören schwerfällt, sollte sich eher das Buch zur Hand nehmen. Auch gestrecktes Hören mit Pausen ist aus genannten Gründen eher weniger zu empfehlen. Gerade bei den vielen Charakteren könnte ein Leser viel besser zwischen ihnen differenzieren, als wenn nur zugehört wird.

Verglichen mit dem ersten Buch wirkte das zweite Buch leider etwas weniger fesselnd. Die Neugier wird zwar geweckt, die Spannung blieb aber unter den Erwartungen. Dies kann auch an den besagten Problemen der Hörfassung liegen. Leserinnen und Leser, die das erste Buch nicht kennen, können trotzdem einen leichten Einstieg finden.

Fazit:
Insgesamt ist der Nachfolger von Erebos gelungen. Hörer und Leser sollten sich jedoch Zeit nehmen, um aufmerksam der Geschichte folgen zu können.

Bewertung: **** von *****

Nichts fehlt – außer dir (Hörbuch mit Sandra Quadflieg & Ulrich Tukur)

Für Liebhaber der Poesie sicherlich ein Genuss

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Eigentlich nehme ich lieber ein Buch in die Hand – und lese zur Entspannung. Ab und an kann es auch einmal ein besonderes Hörbuch sein, ganz besonders, wenn bekannte Hörbuch-Stimmen lesen. Bei diesem Hörbuch hat der Name „Ulrich Tukur“ mich dazu bewogen es mir zu bestellen.

Beschreibung des Hörbuches:
Dieses Hörbuch ist 2017 bei Random House Audio erschienen. Es besteht aus 2 CDs mit einer Laufzeit von 2 Stunden und 37 Minuten.

Kurze Zusammenfassung:
Zwischen der deutsch-französischen Schriftstellerin und Journalistin Claire Goll (geb. Clara Aischmann) (1890 – 1977) und dem deutsch-französischen Dichter Yvan Goll entsteht eine Liebesgeschichte, die in einer Hochzeit mündet. Da die zwei meist beruflich in Europa unterwegs sind, eine recht freizügige Ehe führen, aber sich dennoch lieben und umsorgen, schreiben sie sich Briefe. Dieser 30 Jahre währende Briefwechsel (1917-1947) ist hier auf diesem Hörbuch mit den Schauspielern Sandra Quadflieg und Ulrich Tukur stimmlich „zum Leben erweckt“ worden. Zwischen 1939 und 1947 gingen beide gemeinsam (beide waren jüdischer Herkunft) ins Exil nach New York.

Mein Leseeindruck:
Mein erster Eindruck: Sehr angenehme Stimmen, die ruhig und sehr authentisch die Poesie der Briefwechsel der Protagonisten „vortragen“. Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass ich nicht ganz so viel für derartige Poesie übrig habe. Begrifflichkeiten wie „krank vor Traurigkeit“, „mein Liebster, du fehlst mir an allen Ecken und Enden“, „deine segnenden Augen“ oder „die Seele voller Blumen“ gehen so gar nicht an mich.
Ich habe mir das Hörbuch trotzdem bis zum Schluss angehört, natürlich, weil ich neugierig war, wie die „Geschichte“ um Claire und Yvan „endet“. Dafür musste ich mich aber tatsächlich (stundenweise) vollständig auf diesen Sprachstil einlassen, was mir manchmal schwer viel. Hätte ich es abends im Bett gehört, so wäre ich (aufgrund der sehr angenehmen Stimmen) wahrscheinlich schnell eingeschlafen…

Fazit:
Dieses Hörbuch ist wahrscheinlich ein Genuss für Liebhaber der Poesie, für mich war es eine Erfahrung mit dem Ergebnis, dass solche (Hör-)Bücher nicht so ganz meinen Geschmack treffen. Ulrich Tukur als Yvan Goll hat mir in seiner „Sprecherrolle“ allerdings sehr gut gefallen. Auch Sandra Quadflieg konnte mich als Claire überzeugen.

Bewertung: ***

Alles kein Zufall (Elke Heidenreich)

Elke Heidenreich erzählt vom Glück – eine Art Biografie

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Von Elke Heidenreich habe ich schon einige Werke gelesen. Ihre Fernsehsendung, in denen Bücher vorgestellt wurden, habe ich immer gerne gesehen. So war ich gespannt auf dieses (Hör)buch, das ich mir bewusst als Hörbuch ausgesucht habe.

Beschreibung des Hörbuches:
Elke Heidenreich liest ihr Buch „Alles kein Zufall“ selbst. Das Hörbuch besteht aus 3 CD und ist 3 Stunden und 45 Minuten lang. Es ist 2016 im Carl Hanser Verlag erschienen. Auf dem Titelbild sieht man einen aufrecht stehenden Salamander, der eine Brille, einen Füller und eine Kette griffbereit in seinen ausgestreckten Armen hält. Er scheint auf einem alten Buch zu stehen. Die gesamte Figur steht auf einer roten Decke. Ein etwas skurril wirkendes Bild, es macht neugierig auf den Inhalt.

Kurze Zusammenfassung:
Elke Heidenreich erzählt in kurzen Geschichten Episoden aus (ihrem) Leben. Die Geschichten sind alphabetisch nach dem Titel sortiert, von „Allein“ bis „Zufall“. Dabei gibt es welche, die nur wenige Sekunden dauern, aber auch Geschichten, die mehrere Minuten vorgetragen werden. Die Titel sind kurz und knackig.

Mein Höreindruck:
Wir haben dieses Hörbuch auf einer längeren Fahrt in den Urlaub gehört. Gerade da haben wir meist Zeit intensiv Geschichten zu lauschen. Und diese Geschichten von Elke Heidenreich haben es in sich. Da wird von so manchem Nachbarn berichtet, auch der Briefträger kommt vor, aber auch von der Kindheit Heidenreichs mit skurrilen Vorkommnissen gibt es nette Anekdoten. Die Mutter, die im hohen Alter Englisch lernen will oder die Geschichte um die drückende Blase, die dann im Schnee entleert werden muss…: Einfach alles, was im Leben von Elke Heidenreich so passiert ist oder was sie aus zweiter Hand erfahren hat.
Ihre Vortragsweise gefällt uns gut, sie passt prima zu den Geschichten, Frau Heidenreich kommt genauso rüber, wie man sie aus dem Fernsehen kennt, zuweilen etwas zynisch, humorvoll, aber auch nachdenklich und berührend. Ein Gesamtpaket an authentisch wirkenden Erzählungen, die kurzweiliger nicht sein könnten.

Fazit
Für die Urlaubsfahrt als Hörbuch bestens geeignet. Auch als Geschenk für die beste Freundin kann man mit diesem (Hör-)buch nichts falsch machen.

Bewertung: *****

Schneller, Weiter, Toter: Bröhmann ermittelt doch weiter (Dietrich Faber)

Humorvoller Krimi mit einem besonderen Familienleben eines Ex-Kommissars

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Von Dietrich Faber habe ich bisher weder Bücher gelesen noch Hörbücher gehört. Ich habe ihn allerdings schon in Talkshows gesehen und war dementsprechend neugierig auf seine Vortragsweise.

Beschreibung des Hörbuches:
Dietrich Faber liest seinen Krimi selbst. Es handelt sich hier um den 4. Krimi einer Reihe, die im Vogelsberg und Frankfurt am Main spielt. Das Hörbuch besteht aus 7 CD und ist 7 Stunden und 15 Minuten lang. Auf dem Titelbild sind Turnschuhe, eine Sportmedaille, Blutflecke und ein Schnecke auf einem Holzboden zu sehen. Der Hintergrund ist in der Farbe Grün gehalten. Das Bild reiht sich gut in die Krimiserie um Henning Bröhmann. Ein Tier darf darauf offensichtlich nicht fehlen…

Kurze Zusammenfassung:
Kommissar Henning Bröhmann hat ein turbulentes Familienleben. Er lebt mit Frau und drei Kindern im Vogelsberg. Die große Tochter Melina ist Polizistin in Frankfurt. Mit Melinas Dienstwaffe wird der Olympia Chef erschossen. Die Stadt Frankfurt hat sich für Olympische Spiele beworben, doch es gibt eine heftige Gegnerschaft. Ist der Täter unter diesen zu finden? Henning Bröhmann will die Unschuld seiner Tochter beweisen und „ermittelt“ auf eigene Faust in Frankfurt.

Mein Höreindruck:
Ein Krimi, der eigentlich mehr ein Familienroman als ein Krimi ist. So kommt es mir jedenfalls von Anfang an vor. Dietrich Faber erzählt in seinem Hörbuch mit verschiedenen Stimmlagen und Slangs das recht bunte Familienleben seines Protagonisten Bröhmann, dabei tritt der eigentliche Fall, die Ermordung des Olympiachefs eher in den Hintergrund. Bröhmann ist auf der Suche nach einem Betreuungsplatz, gleichzeitig sucht die Familie eine neue Unterkunft. Die Suchen gestalten sich schwierig, die Forderungen der Betreuungseinrichtung sind leicht überzogen dargestellt, scheinen aber tatsächlich mittlerweile Realität zu sein. Auch die möglicherweise neuen Mitbewohner (ein besonderes Wohnprojekt bahnt sich an) haben ganz besondere Ansichten, was Kindererziehung und Familienleben betrifft. Faber gelingt es, die Hörer mit seiner lustigen Art und den übertrieben dargestellten Persönlichkeiten und Klischeebedienungen zu unterhalten. Hat man sich doch manchmal schon über etwas übertriebene Erziehungsstile lustig gemacht, hier treffen sie aufeinander. Auch sein „Ermittlungsstil“ ist bisweilen sehr skurril, aber bringt einem bei der ein- oder anderen Stelle ein Grinsen ins Gesicht.

Kleine Gitarren- und Gesangseinlagen machen dieses Hörbuch auch zu einem kleinen musikalischen Hörgenuss (wer es mag). Und wer Lokalkolorit liebt, Frankfurt am Main kennt, der wird die meisten, der beschriebenen Örtlichkeiten vor Augen haben. Die Lösung des Falles erscheint eher nebensächlich…und wie es mit der neuen „Wohngemeinschaft“ weitergehen wird, das wird sicherlich in einem neuen Fall behandelt, darauf kann man sich freuen.

Fazit
Ein Krimi, der nicht eindeutig nur ein Krimi ist, ist lustig, abwechslungsreich und mit viel Ironie gespickt, allerdings irgendwie nicht besonders spannend. Ich habe mich aber trotzdem gut unterhalten gefühlt, besonders die Vortragsweise hat mir gefallen.

Bewertung: ***