Interview mit Raquel Erdtmann

Liebe Raquel Erdtmann! Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, meine Fragen zu beantworten!

Danke Ihnen.

Können Sie sich kurz vorstellen? Ihre Bücher?

Ich habe Schauspiel an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt studiert, danach in diversen Theatern gearbeitet.
»Und ich würde es wieder tun« ist mein erstes Buch, abgesehen von einem kindle-book für HELENE HERZ, die Foodbloggerin, über Kräuter und Gewürze.

Ihr Beruf ist Schauspielerin, wie kam es dazu, dass Sie vor zwei Jahren für die Zeitung Berichte aus dem Gericht schrieben? Wie kam es dann zu dem Buch?

Mein Beruf war Schauspielerin.
Gerichtsreportagen habe ich immer gerne gelesen und nachdem ich das erste Mal im Gericht war und ein Verfahren beobachtet hatte, wollte ich auch unbedingt selber darüber schreiben. Ich hatte das Glück, dass mir die F.A.S. die Chance bot, damit auch gleich Geld zu verdienen und ich dort natürlich auch viel lernen konnte. Eine Freundin gab ein paar der Texte zum Fischer-Verlag, der daraufhin ein ganzes Buch herausbringen wollte. 23 der insgesamt 32 Verfahren habe ich daraufhin exklusiv für das Buch aufgeschrieben.

Sie sind Schauspielerin, arbeiten aber auch als Autorin und Illustratorin, wie sieht bei Ihnen der Alltag aus? Welche „Rolle“ nimmt sie da am intensivsten ein?

Ich bin mittlerweile ausschließlich Autorin und arbeite jeden Tag. Da ist kein Platz für einen zweiten Beruf, abgesehen von ein paar Lesungen.

Da sie auch Illustratorin sind, haben Sie das Cover Ihres Buches (mit)gestaltet?

Oh nein. Nein, nein. Die Illustration auf dem Cover fertigte ein Profi, der international renommierte und vielfach ausgezeichnete Künstler Thomas Fuchs (thomasfuchs.com).

An welchen Bühnen haben Sie schon gearbeitet? In welchen Rollen kann/konnte man Sie da sehen?

Ich habe u.a. in Frankfurt, Darmstadt, Hamburg, Freiburg gespielt. Da war so ziemlich alles dabei, von Shakespeare bis Heiner Müller.

Was fällt Ihnen so spontan auf, wenn Sie spazieren gehen? Worauf achten Sie?

Ich gehe eigentlich nur in Städten spazieren, in denen ich nicht wohne.

Sind Sie ein Stadtmensch? Wenn ja, können Sie bestimmte kulturelle Veranstaltungen/Theater o.ä. empfehlen (in Frankfurt am Main)?

Ich bin ein absoluter Stadtmensch. Die schönsten Orte für mich in Frankfurt sind das Städel und der Palmengarten. Die Oper ist exzellent und jederzeit einen Besuch wert.

Wo schreiben Sie am liebsten?

In Caféhäusern, aber meistens doch zu Hause an meinem Schreibtisch. Im Sommer auf dem Balkon.

Haben Sie Vorbilder im Genre Schauspiel?

Hatte ich nie. Ich hatte nur Schauspieler, die ich großartig fand und finde. Aber jeder muss seinen eigenen Weg gehen.

Nachdem Sie schon so viele Gerichtsverfahren miterlebt haben, könnten Sie sich vorstellen einen Krimi zu schreiben?

»Nie« zu sagen, hab ich mir abgewöhnt.

Was war Ihr Berufswunsch als Kind?

Malerin.

Sind Sie gerne zur Schule gegangen? Lieblingsfach?

Nein.
Kunst und Chemie.

Welches Genre lesen Sie selbst? Haben Sie eine Empfehlung? Wie stehen Sie zu den Romanen von John Grisham, die sich ja ebenfalls mit Gerichtsprozessen befassen? Könnte das ein Vorbild für einen Roman sein?

Ich lese internationale Belletristik und Sachbücher in allen möglichen Bereichen. Von Grisham habe ich bisher nichts gelesen.

Mögen Sie Büchereien? Finden Sie dort die Atmosphäre auch so toll?

Sicher.

Haben Sie eine facebook/Autorenseite?

Auf facebook: Raquel Erdtmann, ganz einfach, ebenso auf twitter.
Auf instagram : raquelerdtmannauthor.

 

Bitte Auswahl markieren:

Auto/Fahrrad/Zug/zu Fuß?

Wenn Auto: Kleinwagen/SUV/Familienkutsche/Spaßwagen?

Süß/salzig?

Laufschuhe/Couch? Schreibtisch.

Urlaub Meer/Berge?

Kaffee/Tee? Beides.

Pessimist/Optimist »Pessimismus als Chance«, wie Heiner Müller sagte.

Perfektionist/Pragmatisch? Anlassbezogen.

Ordentlich/Chaotisch? Ahem.

Neue Medien/Papier (für Aufzeichnungen)? Im Gericht und unterwegs Papier.

Apfelwein/Sekt/Wein? Bier?

Frühling/Sommer/Herbst/Winter?

E-Book/gedrucktes Buch/Hörbuch

 

Vielen Dank für Ihre Antworten!

Dieses Buch von Raquel Erdtmann habe ich bereits gelesen und hier auf meinem Blog vorgestellt:

„Ich würde es wieder tun“

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Und ich würde es wieder tun (Raquel Erdtmann)

Hautnah im Gerichtssaal dabei

Gerichtsverhandlungen haben mich schon immer interessiert. Allerdings war ich noch bei keiner live dabei…

Beschreibung des Buches:
„Und ich würde es wieder tun“ ist im Fischer Verlag 2019 als Taschenbuch erschienen. Das Buch hat 255 Seiten. Auf blauem Hintergrund ist ein Schattenmann mit einem Beil abgebildet, Blut tropft vom Beil.

Kurze Zusammenfassung:
Raquel Erdtmann, Schauspielerin, Autorin und Illustratorin, hat in ihrem Buch 32 Gerichtsverhandlungen, die sie als Reporterin besucht hat, beschrieben.

Mein Leseeindruck:
Wenn man sich ganz auf die Fälle einlässt, dann hat man das Gefühl, mitten im Gericht zu sitzen und die Verhandlung live mitzuerleben, mit all ihren traurigen, aber manchmal auch lustigen Momenten. Man lernt die Umstände kennen, warum ein Mensch Dinge getan hat, die anderen Menschen Leid (manchmal sogar den Tod) beschert haben.

Schon der zweite Fall hat mich sehr mitgenommen, da die dort beschriebene „Todesfahrt“ ganz in unserer Nähe geschehen ist und sehr viel Bestürzung in der Bevölkerung hervorgerufen hat. Erst beim Lesen, bei der Beschreibung des Falles, ist mir das tragische Ausmaß dieser „Tat“ bewusst geworden.

Was bewegt Menschen, anderen Menschen Leid anzutun? Eine Gerichtsverhandlung kann das nicht immer beleuchten, aber zumindest Dinge an den Tag bringen, von denen man vorher nichts wusste. So bekommt man eine andere Sicht auf den Sachverhalt – anders als es so mancher Zeitungsartikel mit Sensationsmeldung betreibt.

Raquel Erdtmann schafft es, mich als Leser an der Verhandlung hautnah teilhaben zu lassen. Manche Aussagen von Zeugen, Beschuldigten oder Opfern sind dabei so absurd, dass man das ein oder andere Mal sogar schmunzeln muss und sich fragt „macht Liebe blind?“ (Heiratsschwindler Gerichtsverhandlung). Vieles nimmt einen aber auch sehr mit, hier besonders die Todesfälle. Nicht alle Fälle sind etwas für schwache Nerven.

Fazit:
Ein Buch mit vielen „Geschichten“ – spektakuläre Fälle vor Gericht verhandelt – hautnah im Gericht dabei.

Bewertung: **** von *****