Giftflut (Christian v. Ditfurth)

Falsche Spur gelegt…

Der dritte Band einer Serie um Kommissar de Bodts.

Beschreibung des Buches:
Der Krimi „Giftflut“ ist im carl’s books Verlag im August 2017 als broschiertes Buch mit 479 Seiten erschienen. Der Autor Christiane v. Ditfurth hat bereits mehrere Krimis veröffentlicht.
Auf dem Cover sieht man eine fahrende gelbe Berliner U-Bahn.

Kurze Zusammenfassung:
In Berlin, Paris und London werden in kurzen Abständen hintereinander Brücken in die Luft gesprengt. Die berühmte Oberbaumbrücke in Berlin fällt offensichtlich Terroristen zum Opfer, mit ihrer Zerstörung sterben zahlreiche Menschen. Fast gleichzeitig findet man in diesen Metropolen ertränkte Paare, die in leitender Tätigkeit in den jeweiligen Wasserwerken beschäftigt waren. Es gibt keine Bekennerschreiben, Kommissar de Bodts tappt zunächst im Dunkeln…

Mein Leseeindruck:
Dieser Krimi lässt mich ein wenig ratlos zurück. Zunächst hat er recht „explosiv“ begonnen. Die verschiedenen Schauplätze waren kein Problem für mich: Die Städte Berlin, Paris und London (später auch die Finanzstadt Frankfurt) sind mir bekannt und ich konnte mich gut in die Szenen hineinversetzen. Doch dann kamen immer weitere Personen und Örtlichkeiten außerhalb Europas hinzu, die vom eigentlichen Geschehen irgendwie ablenkten/ablenken sollten.

Die Zeitbezüge und die Thematik sind sehr aktuell.

Da die Kapitel recht kurz sind, folgen auch die Szenenwechsel in immer kürzeren Abständen, was nicht unbedingt zur Lesbarkeit dieses Krimis führt.

Teils absurde und kaum nachvollziehbare Vorgehensweisen, wie z.B. ein Tourist, der den Mord an seiner Freundin rächen will und deshalb durch die Welt reist um die Mörder zu verfolgen, haben fast dazu geführt, dass ich das Buch beinahe nicht mehr weiterlesen wollte.

Im letzten Drittel wendet sich das Blatt, hier werden die Fäden (teilweise) wieder zusammengeführt. Die zunächst vom Autor gelegte Spur entpuppt sich als gänzlich falsch. Es treten die unkonventionellen Methoden des Kommissars zu Tage, der auch nicht davor zurückschreckt, die Kanzlerin anzurufen…;-)

Die Lösung und Hintergründe des „Falls“ sind genial, konnten mich aber nicht gänzlich von dem Buch überzeugen.

Es war für mich kein Problem, dass ich die ersten zwei Bände um den Kommissar de Bodts nicht kenne.

Fazit:
Dieser Krimi konnte mich nicht vollständig überzeugen.

Bewertung: *** von *****

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Das Mädchen vom Bethmannpark (Pete Smith)

Wenn die Erinnerung fehlt – ohne eigene Identität

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Ich lese gerne Bücher, die in Frankfurt am Main oder der Umgebung spielen. Behandeln sie dann noch ein besonderes Thema (es muss nicht immer ein Krimi sein), dann wird meine Neugierde geweckt.

Beschreibung des Buches:
Der Autor Pete Smith hat bereits mit „Endspiel“ einen Frankfurt Roman geschrieben. Das Buch „Das Mädchen vom Bethmannpark“ ist 2016 im Societäts-Verlag als Taschenbuch mit 345 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild ist ein schwarz/weiß Foto abgebildet, das eine Frau mit langen Haaren aus der Rückansicht zeigt. Ein gut gewähltes Bild, das zum Thema passt.

Kurze Zusammenfassung:
In der Nähe des Bethmannparks in Frankfurt am Main findet man eine bewusstlose junge Frau. Nachdem sie erwacht ist, kann sie sich an nichts mehr erinnern. Schon gar nicht, wie sie heißt und woher sie kommt.
Währenddessen in einer nahe gelegenen Reha-Klinik: Der Ergotherapeut Jakob hat eine ganz eigene Methode, seinen Patienten zu neuer Lebensfreude zu verhelfen. Er gibt ihnen für kurze Zeit eine Identität als berühmte Persönlichkeit. So gibt es auf einmal wieder einen  Albert Einstein, Edgar Wallace oder auch Coco Chanel . Doch nach und nach zerbricht auch er an den Schicksalen seiner Schützlinge, besonders als er dann auch noch auf  die junge, aufgefundene Frau trifft.

Mein Leseeindruck:
Zu Beginn des Buches hat man den Eindruck man befinde sich mitten in einem Krimi und es gehe in diesem Buch um die Aufklärung eines Kriminalfalles. Der Roman ist so spannend geschrieben, wie ein Krimi. Ein prima Schreibstil. Im Laufe der Geschichte gibt es immer wieder Szenen, die eigentlich auf einen Krimi hindeuten, doch hier geht es tatsächlich um die Identitätslosigkeit.
Ein schwieriges Thema, das der Autor mit einigem Humor dem Leser näher bringt. Seine Protagonisten sind, wie z.B. der Ergotherapeut Jakob, ein wenig skurril, aber toll beschrieben. Das Wechseln der Perspektiven (namenlose Frau, Jakob) bringt dem Leser die Gedankenwelt der Protagonisten näher. Man kann sich als Leser ziemlich gut in die jeweilige Situation hineinversetzen, da die Szenerien sehr gut beschrieben sind.
An manchen Stellen war mir das Buch etwas zu langatmig und ich konnte mir dann auch nicht erklären, warum diese Nebenschauplätze gewählt wurden. Auch das Ende hätte ich mir durchaus anders vorstellen können.
Gut gefallen hat mir das Lokalkolorit, besonders dann, wenn Jakob in Frankfurt per Bahn unterwegs war oder aber mit der Behörde so seine Kontakte hatte.

Fazit
Ein bewegendes Buch, das die Seiten einer fehlenden Erinnerung über die eigene Identität auf sehr einfühlsame Weise in einem Roman beschreibt. Der Schreibstil des Autors ist prima.

Bewertung: ****

Im Herzen von Europa (Michael Apitz)

Mit dem Adler auf der Brust – oder  – die launige Diva vom Main

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Eigentlich bin ich kein echter Fußball-Fan von Eintracht Frankfurt, aber der Lokalpatriotismus führt dann doch dazu, dass ich das Fußballgeschehen rund um die Eintracht Jahr für Jahr zu Bundesligazeiten verfolge, deshalb hat mich dieses Comicbuch neugierig gemacht.

Beschreibung des Buches:
Der Autor und Zeichner Michael Apitz wurde bekannt durch seinen Comic-Helden Karl, eine Rheingau-Comicfigur.  In den Jahren 2007 bis 2012 gab es im Stadionmagazin der Frankfurter Eintracht die von Michael Apitz gezeichnete Comic-Serie „IM ADLER-OLYMP“.  Seit 2012 erscheinen seine Comics in der FR (Frankfurter Rundschau)-Beilage HEIMSPIEL unter der Serie „IM HERZEN VON EUROPA“.  Aus den vier Jahren Comic-Ausgaben ist nun dieses Buch entstanden.

„Im Herzen von Europa“ von Michael Apitz ist im Juli 2016 im Societäts-Verlag als Taschenbuch erschienen. Der Comic  hat 80 Seiten.  Das Buch ist in rot/schwarz gehalten (den Farben der Eintracht), auf dem Titelbild sieht man den fliegenden Eintracht Adler mit bekannten Eintracht Spielern, die auf ihm reiten. Im Hintergrund das Stadion und die Frankfurter Skyline. Das Bild macht neugierig auf den Inhalt.

Kurze Zusammenfassung:
Dieses Comicbuch zeigt die Höhen und Tiefen der Frankfurter Eintracht in den vergangenen vier Jahren (2012 – 2016). Es ist entstanden aus der Beilage der FR (Frankfurter Rundschau) HEIMSPIEL unter der Serie „IM HERZEN VON EUROPA“, die 14tägig zu den Heimspielen der Frankfurter Eintracht erscheint.

Mein Leseeindruck:
Michael Apitz bringt mit seinen Comics die Lage der Eintracht mit großem Humor auf den Punkt. Die Figuren sehen ihren Originalen so ähnlich, dass sich so mancher an seinem Comic-Zwilling „Verschönerungen“ gewünscht hätte ;-), doch Michael Apitz kommt der „Wahrheit“ erstaunlich nahe.

Er kennt sich aus bei der Eintracht, als echter Fan. Das merkt man bei jedem einzelnen Bild. Mit viel Herzblut werden oftmals die nackten Tatsachen aufs Bild gebracht. Das Auf- und Ab der Eintracht darzustellen gelingt Michael Apitz auf humorvolle Weise. Jede einzelne Comic-Geschichte hat ihren Charme. So kann man die letzten vier Bundesligajahre der Mannschaft von Woche zu Woche (14tägig) noch einmal Revue passieren lassen, in Erinnerungen schwelgen. Zu jedem Comic gibt es noch eine kurze Erläuterung rund um das Geschehen beim aktuellen Heimspiel.

Man „trifft“ auf alte Bekannte und freut sich, wenn man wieder ein Gesicht entdeckt und die Person erkannt hat. „Weißt du noch?“ kommt es einem über die Lippen. Oder „Oh, nein, diese blöde Niederlage, da war doch damals der Schiri schuld!“.

Es ist ein Erinnerungsbuch an gute und schlechte Zeiten der Diva vom Main. Man kann sich stundenlang die Bilder ansehen und findet dabei immer wieder ein neues Detail. Großartig!

Fazit
Dieses Buch ist für einen echten Eintracht Frankfurt Fan ein Muss! Und für alle anderen vielleicht die Gelegenheit die „Diva vom Main“ einmal von einer anderen Seite kennen zu lernen.

Bewertung: *****

Buchpremiere am 20.07.2016 in der Kutscherklause, Frankfurt

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Am 20.07.2016 war ich einer Einladung des Societäts-Verlag in die Kutscherklause in der Ostendstraße in Frankfurt am Main gefolgt. Eine urige Kneipe mit Gartenbewirtung und Medienraum für Eintracht-Frankfurt Fans. Diese Kneipe „lebt“ für die Eintracht und ihre Fans, das sieht man an jeder Ecke, jeder Wand. Hier wurde das Buch „Im Herzen von Europa“ vom Societäts-Verlag und dem Autor und Zeichner Michael Apitz vorgestellt.

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Poster aus der Kutscherklause

Nach einer Begrüßung durch Dr. René Heinen, Verlagsleiter gab es eine kurzweilige Laudatio von Axel „Beve“ Hoffmann, der u.a. das Eintracht Museum mit Herzblut betreut. Mir hat diese lockere Rede außerordentlich gut gefallen!

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In den vergangenen Jahren (seit 2007) gab es im Stadionmagazin der Frankfurter Eintracht die von ihm gezeichnete Comic-Serie „IM ADLER-OLYMP“.  2012 wurde diese Aktion plötzlich eingestellt. Dann wurde die Rundschau auf Michael Apitz aufmerksam und seit nunmehr vier Jahren gibt es in der FR-Beilage HEIMSPIEL die Serie „IM HERZEN VON EUROPA“.

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Im Anschluss daran, zeichnete Michael Apitz live einen Eintracht Adler. In einem kleinen mit Bildern unterlegten Vortrag erklärte Michael Apitz dann dem Publikum, wie seine Comics entstehen. Zunächst gibt es eine Bleistiftzeichnung, in denen die Bildaufteilung vorgenommen wird. Danach geht es mit Pinsel und Tusche in die Reinzeichnung. Die Farbe erhält das dann eingescannte Bild am Computer. Hier werden dann auch die Sprechblasen gefüllt.

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Ein Team der „hessenschau“ machte Aufnahmen und interviewte einige Gäste. Ein kurzer Bericht wurde noch am gleichen Abend in der „hessenschau“ gesendet. Der ausführliche Bericht wird vermutlich am 27.07.2016, wenn Michael Apitz zu zu Gast in der Nachmittagssendung des Hessen Fernsehens „hallo hessen“ ist, gebracht. Zur Zeit ist er auf „hessenschau.de“ schon zu finden.

Ein Beweisfoto, dass auch ich ab und an ins Stadion gehe (23.11.2013, SGE – Schalke 04, 3:3):

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Frankfurt verboten (Dieter David Seuthe)

Eine große Liebe, eine große Musikerin und das Leben in einer schrecklichen Zeit der Deutschen Geschichte

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Im Rahmen von „Frankfurt liest ein Buch“, 2016, habe ich mir diesen Roman gekauft.

Beschreibung des Buches:
„Frankfurt verboten“ ist ein Erstlingswerk des Autors und Psychotherapeuten Dieter David Seuthe. Es ist bereits im Jahr 2012 geschrieben worden. Ich habe die Sonderausgabe (1. Auflage) des Weissbooks Verlags 2016 gelesen. Auf dem Titelbild ist eine Frau im roten Satinkleid an einem Klavier zu sehen. Die Hälfte des Bildes nimmt der Boden ein. Die Frau sieht man nur bis zum Oberkörper. Sie spielt Klavier.

Kurze Zusammenfassung:
Der Roman ist mit Fokus auf die junge jüdische Pianistin Elise Hermann gerichtet. Ihre Lebensgeschichte, 1929 – 1936, (hauptsächlich) in Frankfurt, ist hier beschrieben. Elise Hermann, aufgewachsen in Bad Ems kommt nach Frankfurt, um am Hoch’schen Konservatorium als Pianistin ausgebildet zu werden. In Frankfurt lernt sie den Jurastudenten Max kennen und lieben. Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft, schmieden sie gemeinsame Zukunftspläne. Elise ist eine begnadete Pianistin, als sie ihr erstes großes Konzert geben will, wird ihr der Auftritt (weil sie eine jüdische Künstlerin ist) verweigert. Hitler ist an der Macht und alles verändert sich.

Mein Leseeindruck:
Mich hat das Buch von Anfang an berührt. Die Geschichte um Elise könnte tatsächlich genau so passiert sein, es ist ein Roman, beinhaltet aber reichlich gut recherchierte deutsche Geschichte. Der Roman lebt von den verschiedenen Perspektiven, die sich zum einen durch den Briefwechsel Elises mit ihrer Großmutter, später mit einer guten Freundin (die sich in Neuseeland befindet) und der Erzählung des Autors inclusive der vielen Schauplätzen in Frankfurt ergeben.

Durch den Briefwechsel erfährt man als Leser einiges über Elises Gedanken, Ängste aber auch Zukunftsplänen. Elise ist mit ihrer Familie sehr verbunden. Ihre Gedanken kreisen viel um ihre Herkunft. Gleichzeitig sieht sie aber auch eine Zukunft mit ihrer großen Liebe Max. Er unterstützt sie, wo er nur kann, auch dann noch, als ihr das Berufsverbot droht.

Ich habe das Buch an einem Wochenende verschlungen, konnte es fast nicht mehr weglegen. Das heute so weltoffene Frankfurt habe ich mit diesem Buch „neu“ kennengelernt, vieles war mir bekannt, aber in einen Roman „verpackt“, dann doch viel „erfahrbarer“ und  schrecklicher, als man es allein durch Geschichtsbücher vermitteln kann.

Was auch für die heutige Zeit bleibt ist ein Zitat aus diesem Buch:
„Wer hatte denn schon Einfluss darauf, wie und wann und wohin er geboren wurde? Es durfte doch nicht sein, dass solche Zufälle das ganze Leben bestimmen“

Fazit:
Der Roman ist kein Buch „zum Entspannen“, allerdings „erlebt“ man hier Geschichte, wie sie einem kein Geschichtsbuch so nahe bringen kann.

Bewertung: *****

Mofaheld (Lars Niedereichholz)

Nicht nur für (erwachsene) Männer

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Eine Zeitreise in das Jahr 1986 – genau meine Zeit. Schon der Klappentext ließ mich schmunzeln…

Beschreibung des Buches:
Der Autor Lars Niedereichholz ist als Teil des Duos Mundstuhl, 1968 geboren und aufgewachsen im Rhein-Main-Gebiet. Sein Roman „Mofaheld“ ist März 2016 als Taschenbuch im Rowohlt-Polaris-Verlag erschienen. Das Buch ist komplett in kräftig gelber Farbe gestaltet. Auf dem Titelbild sieht man pinkfarben skizziert eine Brille mit kreisrunden Gläsern, ein Mofa und eine Kassette. Alles Dinge, die an die 80er Jahre erinnern.

Kurze Zusammenfassung:
Der erwachsene Protagonist Marc entrümpelt das Haus (Reihenhaus) seiner Eltern, denn diese wollen in eine Seniorenwohnung ziehen. Dabei stößt er auf viele Erinnerungsstücke, die ihn an die Zeit der 80er Jahre erinnern: Und plötzlich ist er mittendrin in den Ereignissen rund um sein Leben im Jahr 1986. Lars Niedereichholz erzählt Episoden aus 1986, angereichert mit Geschehnissen aus diesem Jahr, wie z.B. des Challenger Absturzes und die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.

Mein Leseeindruck:
Das Buch ist aufgeteilt nach Wochentagen im April 1986. Eigentlich wird hier nur eine ganze Woche im Leben von Marc in der Ich-Form erzählt. Aber was dieser in den 7 Tagen erlebt, das könnte auch in mehreren Jahren und mehreren Personen widerfahren sein. Der Autor hat so Vieles an Beschreibungen von Dingen, Personen, Gefühlen und Gerüchen in seine Anekdoten hineingepackt, dass man sich richtig in die Zeit zurückversetzt fühlt.

Der arme Marc: Eltern, die ihn nicht verstehen, eine kleine Schwester, die nervt und der senile Opa im Kellerzimmer des Reihenhauses, in dem es auch noch einen Hund, diverse Meerschweinchen, Wasserschildkröten und Urzeitkrebse gibt. Dass man hier nicht „normal“ aufwachsen kann, ist fast schon vorprogrammiert ;-).

Ich konnte mich zwar (als Frau) nicht so ganz in die Denkweise und die Gefühle von Marc hineinversetzen, aber das mehr oder weniger männliche Verhalten des Protagonisten kam mir als damals fast Gleichaltrige doch recht bekannt vor auch wenn einige Dinge doch etwas übertrieben erzählt werden (wie das ja meist so bei Kindheitserinnerungen der Fall ist). Eigentlich wartet man beim Lesen ständig darauf, dass Marc wieder irgendeine Dummheit anstellt, die einem zum Schmunzeln bringt.

Ja, schmunzeln und lachen kann man bei diesem Buch! Zum Beispiel beim Zungenkuss zwischen zwei Zahnspangen belasteten Jugendlichen. Was da nicht alles passieren kann…
Auch die nächtlichen Ausflüge (als Kleinstädter) in die Großstadt Frankfurt halten so mancherlei sonderbare Erlebnisse bereit.

Gut gefallen hat mir, dass Lars Niedereichholz am Ende des Buches den Lebensweg seiner Protagonisten aufgeschrieben hat.

Fazit:
Ein Buch für „Best Ager“, die sich gerne an die „gute alte Zeit“ erinnern wollen. Prima geeignet als Geschenk für den nächsten runden Geburtstag.

Bewertung: ****

Zwangsvermählt (Chris Silberer)

Auf der Suche nach der Wahrheit

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Für Krimis, die im Rhein-Main-Gebiet spielen, bin ich immer zu haben. Schon die Vorgänger Krimis „Korbleger“ und „Gute Wichte – Böse Wichte“ von Chris Silberer habe ich gerne gelesen. Und selbst mein Sohn, der nur selten (Romane) liest, war vom „Korbleger“ begeistert. In beiden Kriminalfällen, als auch in diesem Buch, ermittelt die Frankfurter Kriminalkommissarin Benina Gatti.

Beschreibung des Buches:
Bei „Zwangsvermählt“ handelt es sich, wie bei den Vorgängern, um einen Krimi. Das Buch ist im Jahr 2015 im crimetime-Verlag als Taschenbuch erschienen. Es hat 360 Seiten. Das Titelbild zeigt ein schwarz/weiß-Foto einer jungen Frau mit Schleier. Der Titel selbst ist in „zerkratzter“ roter Farbe geschrieben. Zum Inhalt passt das Titelbild sehr gut, allerdings hat mich die Umschlagsgestaltung der Vorgängerkrimis mehr angesprochen.

Chris Silberer ist Mitglied der „Mörderischen Schwestern“ (ein Netzwerk von Frauen, das sich zum Ziel gesetzt hat, deutschsprachige Krimis, von Frauen geschrieben, zu fördern). Die Autorin lebt im Rhein-Main-Gebiet.

Kurze Zusammenfassung:
Benina Gatti ist Kriminalkommissarin in Frankfurt. Als in einer Frankfurter Parkanlage die Leiche einer jungen Braut gefunden wird, glaubt man zunächst an einen Ehrenmord. Doch als bei einer zweiten Frauenleiche ebenfalls ein Schlüssel im Magen des Opfers gefunden wird, drängt sich ein anderer Verdacht auf.

Mein Leseeindruck:
Chris Silberer nimmt sich in ihrem neuen Krimi des Themas Zwangsvermählung an. Zunächst wird auch in dieser Richtung von der Frankfurter Kriminalkommissarin recherchiert. Ihre Wege führen sie deshalb in Schulen und zu den nächsten Verwandten des jugendlichen Opfers. Als aber eine Ordensschwester tot aufgefunden wird und sich hier Parallelen zum ersten Mordfall ergeben, scheint sich das Blatt zu wenden und auch das Thema Zwangsvermählung tritt in den Hintergrund.

Mit viel Einfühlungsvermögen beginnt die Recherche von Benina Gatti, die eine besondere Gabe hat, die Synästhesie (Zahlen oder Buchstaben farbig sehen können, dabei haben die Zeichen immer die gleiche Farbe). Sie kann dadurch die Stimmungen von Mitmenschen besonders wahrnehmen. Das ist somit ihr besonderer Ermittlungsstil.

Die Kommissarin hat aber nicht nur diese zwei Morde im Kopf. Ihre Gedanken sind noch immer beim Selbstmord ihres Vaters, der in Berlin vor eine Bahn stürzte.

Mir gefällt der Schreibstil von Chris Silberer gut. Auch die besondere Gabe ihrer Kriminalkommissarin machen ihre Krimis so lesenswert. Hier gibt es nicht nur die bekannten Recherchearten, sondern es wird mit besonderer Sensibilität ermittelt.

Auch das Privatleben der Akteure kommt in diesem Krimi nicht zu kurz. Benina ist mit einem Berliner Kriminalbeamten liiert. Sie treffen sich in Frankfurt als auch Berlin. Somit wechselt der Schauplatz des Krimis hier auch zwischen den beiden Städten, als Benina sich aufmacht, herauszufinden, ob ihr Vater tatsächlich eines Selbstmordes starb.

Ich mag es besonders gern, wenn ich reale Schauplätze wiedererkenne, das konnte ich in diesem Krimi erleben, sei es im Rhein-Main-Gebiet als auch in Berlin.

Der Krimi selbst ist in viele kleine Kapitel aufgeteilt, so dass es einem leicht fällt, das Lesen an einer abgeschlossenen Stelle zu unterbrechen.

Fazit:
Ein spannender Krimi mit dem besonderem Thema Zwangsvermählung, der aber auch noch andere Facetten aufweist. Es gibt hier viel Lokalkolorit, was mir immer bei Krimis gefällt. Man muss die Vorgängerkrimis nicht gelesen haben, um in die Reihe einzusteigen, gleichwohl wird auf die vorangegangenen Fälle ab und an eingegangen.

Der Wechsel zwischen Ermittlungen in Berlin und Frankfurt hat mir zwar gefallen, aber daraus hätte man auch zwei unabhängige Krimis konstruieren können.

Ich freue mich auf weitere Fälle von Benina Gatti.

Bewertung: ****

Damenopfer (Helmut Barz)

Katharina Klein und die neue Sonderermittlungseinheit

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Beschreibung des Buches:
Das Buch „Damenopfer“ von Helmut Barz ist als Taschenbuch im Sutton-Krimi-Verlag erschienen und umfasst 405 Seiten. Das Titelbild zeigt Türme der Frankfurter Skyline und eine Figur im linken Vordergrund. Die bisherigen Krimis des Autors hatten ein etwas anderes Aussehen. Eine Wiedererkennung ist hier nicht ganz gegeben.

Kurze Zusammenfassung:
In Frankfurt wird eine Sonderermittlungseinheit der Polizei mit einer Feier eröffnet. Kriminaldirektorin Katharina Klein soll sie leiten. Die Politprominenz ist anwesend. Justizminister Jan-Ole Vogel steht auf dem Podium um eine Rede zu halten, da zückt er kurzerhand eine Pistole und schießt sich vor dem Publikum in den Kopf.

Katharina Klein wird beauftragt, diesen Selbstmord zu untersuchen, dabei tauchen immer neue Merkwürdigkeiten auf. Unterlagen und Beweismittel verschwinden, die Gegner scheinen immer auf gleicher Höhe mit Katharinas Kleins und Andreas Amendts (Gerichtsmediziner) Ermittlungen zu sein. Gibt es einen Maulwurf in der Sonderermittlungseinheit? Wurde der Justizminister erpresst?

Die Handlung spielt komplett in Frankfurt und Umgebung. Katharina Klein hetzt von Sachsenhausen in andere Stadtteile, aber auch nach Wiesbaden, die Landeshauptstadt Hessens, führen sie ihre Ermittlungen. Es tauchen immer weitere Personen auf, die in den Fall verwickelt sein könnten.

Mein Leseeindruck:
Ich habe bereits alle drei Krimis von Helmut Barz über die Ermittlerin Katharina Klein „Westend Blues“, „African Boogie“ und „Dolphin Dance“ gelesen.

Mir ist die Ermittlerin ans Herz gewachsen. Ihre unkonventionelle Ermittlungsarbeit und ihr besonderes Privatleben, mit dem Hintergrund, dass ihre Familie ermordet wurde, machen für mich diese Krimireihe so lesenswert.

Es ist schon erstaunlich, dass sich Katharina Klein nicht kleinkriegen lässt, wenn man „miterlebt“, was ihr für Steine in den Weg gelegt werden und gegen welche Gegner sie ankämpfen muss.

Der Fall ist gut konstruiert und durchdacht. Dass der Titel aus dem Schachspielen kommt, ist mir doch tatsächlich erst im Laufe des Buches aufgefallen, obwohl es dazu eigentlich ständig Hinweise gab, spielen doch Schachspielzüge eine besondere Rolle. Hier sind Schachspieler im Vorteil ;-).

Auch dieser Krimi kann an die Vorgänger anknüpfen, er ist fesselnd und spannend. Immer wieder werden neue Spuren gelegt und neue Verdächtige tauchen auf, allerdings liegt gerade darin das Problem für mich. Da ich Bücher nur selten am Stück lesen kann, fällt es mir schwer, die verschiedenen Namen den mitwirkenden Personen zuzuordnen. Ein Weniger an Mitwirkenden wäre für meinen Geschmack besser.

Der Schreibstil von Helmut Barz liegt mir. Dass der Krimi im Rhein-Main-Gebiet spielt gefällt mir, denn ich lese gerne Bücher mit Lokalkolorit.

Fazit:
Diesen Krimi kann man auch lesen, wenn man die vorherigen Krimis um Katharina Klein nicht kennt. Im Laufe der Ermittlungen gibt es immer wieder „Rückblicke“ und Bezüge zu den früheren Fällen. Auch der Mord an Katharina Kleins Familie wird sie wohl bei allen Fällen „begleiten“.

Ein spannender und gut durchdachter Fall mit einem sympathischen Ermittlerteam. Lesenswert!

Bewertung: ****