Samstagabendhelden (Tim Pröse)

Weckt Erinnerungen

Mit dem „Familienfernsehabendprogramm“ an Samstagen bin ich aufgewachsen. Ich „kenne“ alle im Buch vorgestellten Fernsehgrößen…

Beschreibung des Buches:
„Samstagabendhelden“ von Tim Pröse ist 2018 als Hardcover mit 347 Seiten im HEYNE-Verlag erschienen. Auf dem in Blau gehaltenen Titelbild sind 12 bekannte, lebende, aber auch schon verstorbene „Fernsehgrößen“ in kleinen runden gelben Bildchen zu sehen.

Kurze Zusammenfassung:
Thomas Gottschalk, Udo Lindenberg, Alfred Biolek, Udo Jürgens – aber auch Pierre Brice oder auch Loriot – ihnen alen ist Tim Pröse, Autor und Journalist, begegnet, hat sie interviewt. Während seiner Zeit als Redakteur des Focus schrieb er zahlreiche Porträts über bekannte Persönlichkeiten.

Mein Leseeindruck:
Das Buch beginnt mit einem Porträt über Udo Lindenberg – und endet mit einer Begegnung mit Udo Lindenberg. Dazwischen stellt Tim Pröse in weiteren 18 Kapiteln die bekanntesten Fernseh- und Filmmenschen in Porträts und mit teilweise sehr persönlichen Begegnungen vor.

Seine Texte sind sehr einfühlsam, er schreibt über seine ganz persönlichen Eindrücke, sei es, dass er über Friedhöfe läuft und die Gräber der schon Verstorbenen beschreibt, aber auch dann, wenn er von seinen persönlichen Fernsehschau-Erfahrungen und seine Treffen mit einzelnen „Fernsehstars“ berichtet.

Die Persönlichkeiten sind gut ausgewählt, ich kann mich tatsächlich an ALLE Menschen erinnern, denen Tim Pröse ein paar Zeilen oder sogar mehrere Seiten widmet. Hier werden Erinnerungen wach. Ich habe hier von so manch anderer Seite der sogenannten „Stars“ erfahren – gerade wenn es um die ganz persönlichen Gespräche geht. Viele der bereits verstorbenen Porträtierten hat Tim Pröse sogar als letzter Journalist besucht und interviewt.

Tim Pröse muss offensichtlich einen „guten Draht“ zu vielen der Fernsehgrößen haben, denn z.B. Barbara Schöneberger lässt nicht jeden in ihre 4 Wände. Ihre Familie ist ihr „heilig“ und sie schafft es tatsächlich, dass kaum einer etwas über ihre Kinder und ihren Ehemann erfährt. Tim Pröse durfte sie in ihrer Wohnung besuchen und lernte sogar ihre Eltern und ihr erstgeborenes Kind kennen.

Manch ein Show-Star öffnet Tim Pröse sein Herz. Er ist den Menschen während seiner Interviews ganz nahe. So erfährt man einiges über die Anfänge mancher Fernsehstars, über deren Ängste, aber auch über die Freuden und Zukunftspläne.

Mich haben besonders die Kapitel über Alfred Biolek und Pierre Brice beeindruckt. Hier musste ich parallel zum Lesen auch im Internet nach besonderen Auftritten, Musik und Gesang schauen. Das hat mich sehr berührt und in Erinnerungen schwelgen lassen.

Das ganze Buch ist eine Zeitreise in die Geschichte des Fernsehens – mit seinen Filmen und Shows, mit seinen Schauspielern und Showstars. Ich habe es sehr genossen in diese Welt einzutauchen und mich zu erinnern: Horst Frank in Timm Thaler, Evelyn Hamann, Diether Krebs, Loriot, Günter Strack, um nur einige zu nennen, sie fehlen in unserer heutigen Medienlandschaft.

Fazit:
Mir hat diese „Reise“ in die Vergangenheit Spaß gemacht. Tim Pröse ist ein guter Erzähler, seine Begegnungen sind wunderbar beschrieben. Er lässt uns eintauchen in die Anfänge des Show-Fernsehens und der „Samstagabendunterhaltung“.

Bewertung: ***** von *****

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Holgers Hessen – Skandale und Unglaubliches aus 30 Jahren (Holger Weinert)

Ein Blick hinter die Kulissen – 30 Jahre Fernseharbeit des Mr. Hessenschau

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Für mich und viele andere auch ist Holger Weinert „Mr. Hessenschau“. Seit ich Nachrichten schaue, auch schon unter dem Einfluss im Elternhaus, gehört die „Hessenschau“ und mit ihr Holger Weinert zum täglichen „Pflichtprogramm“ am Abend. Auch die anderen Fernsehprojekte Holger Weinerts habe ich mir immer gerne angesehen, genau  deshalb habe ich mich sehr auf diese Lektüre gefreut.

Beschreibung des Buches:
„Holgers Hessen“ ist 2016 im Waldemar Kramer Verlag/Verlagshaus Römerweg als Taschenbuch mit 144 Seiten erschienen. Das Titelbild zeigt einen lachenden Holger Weinert mit einem seiner Hunde (Sissi oder Timmi ?).

Kurze Zusammenfassung:
In zahlreichen Kapiteln erzählt Holger Weinert aus seinen Erlebnissen in 30 Jahren Arbeit in Hessen und beim Hessischen Rundfunk (mit ein paar Projekten beim ZDF). Unter anderem gibt es Anekdoten aus der Serie „Holgers Hessen“, die Berichte von vor 30 Jahren zeigt und dann ein Wiedersehen nach 30 Jahren begleitet. Hier bekommt man Einblicke, was sich in dieser langen Zeit getan oder auch nicht getan hat. Ausgewählte Fotos bereichern den Text. Ein weiteres großes Kapitel behandelt „eine Woche drüben – die DDR wiederbesucht“. Im letzten Kapitel erzählt Holger Weinert von Treffen mit besonderen Persönlichkeiten, von den  Sendungen „Holgers Waschsalon“ und der „vipshow“.

Mein Leseeindruck:
Mir hat es viel Spaß bereitet, dieses Buch zu lesen. Die Serie „Holgers Hessen“ habe ich bereits als Rubrik der „hessenschau“ regelmäßig verfolgt, jetzt konnte ich noch weitere Hintergrundinformationen und Eindrücke Holger Weinerts nachlesen – und – dabei hatte ich ständig seine mir bekannte angenehme Stimme im Ohr.

Es gibt so einiges, was ich noch nicht wusste und aus diesem Büchlein erfahren habe. Besonders gut gefallen hat mir deshalb der Blick hinter die Kulissen der Show „Holgers Waschsalon“: Wie sie zustande kam, wer mitarbeitete, wie die Auswahl der Gäste funktionierte und was für Spielchen man so mit den Gästen „treiben“ konnte. Das war schon eine tolle Sendung mit viel Humor. Schade, dass es sie nicht mehr gibt, ich habe sie gerne gesehen.

Was ich nicht gedacht hätte, dass ein so „alter Hase“, wie Holger Weinert, immer noch unter dem sogenannten „Lampenfieber“ leidet. Aber vielleicht macht gerade das einen authentischen Moderator und Journalisten aus. Gerade der authentische Schreib- und Erzählstil ist es, der diesem Buch die besondere Note gibt.

Holger Weinert hat schon viele Menschen im Sender kommen und gehen sehen, mit und auch „unter“ ihnen gearbeitet – er ist geblieben und bleibt es noch hoffentlich für eine ganze Weile. Ich hätte noch stundenlang weiterlesen können, leider war das Buch dann doch schnell zu Ende gelesen.

Fazit
Ein Buch, nicht nur für „waschechte“ Hessen, sondern für alle, die gerne einmal hinter die Kulissen des Fernsehens und der Fernsehmacher schauen wollen. Besonders aber für die Leser, die Holger Weinerts Fernsehstil lieben und gerne mehr „Internes“ und „Gedankliches“ von seinen Fernsehprojekten erfahren möchten.

Bewertung: *****

Herbstblond (Thomas Gottschalk)

„Haltet alle fest zusammen“, sagt der Familienmensch Thomas Gottschalk

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 Mit Thomas Gottschalk im Fernsehen bin ich „aufgewachsen“. Die letzten 30 Jahre hat mich der Entertainer vom Bildschirm aus „begleitet“, deshalb habe ich mich auf diese Biographie gefreut.

Beschreibung des Buches:
Die Autobiographie „Herbstblond“ von Thomas Gottschalk ist nicht von einem Ghostwriter geschrieben worden, sondern von Gottschalk selbst. Das Buch ist im HEYNE-Verlag erschienen. Es hat 368 Seiten. Auf dem Titelbild sieht man einen freundlich schmunzelnden Thomas Gottschalk. Der Titel „Herbstblond“ passt prima zum Buch.

Kurze Zusammenfassung:
Thomas Gottschalk erzählt aus seinem Leben. Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt. Zunächst geht es um seine ersten Lebensjahrzehnte, insbesondere der Karriere beim Radio. Im zweiten Teil berichtet er von seiner Fernsehkarriere und vom Leben als Familienvater und Mensch, der sich um vieles Gedanken macht. Die Kapitel werden eingeleitet mit bekannten Musiktiteln und Fotos aus dem Privatarchiv Gottschalks und aus anderen Quellen.

Mein Leseeindruck:
Thomas Gottschalk nimmt den Leser mit auf eine Reise durch sein Leben:
Vom Aufwachsen im beschaulichen Kulmbach mit Eltern schlesischer Herkunft, die ihn katholisch erzogen haben, geht es über die Anfänge beim Radio zum Auftritt als großer Entertainer im Fernsehen. Gottschalk gelingt es, dass man ihm die Demut abnimmt, die er vorträgt, wenn er von seiner einzigartigen Karriere berichtet. Er ist mit Talent gesegnet und hat das Beste daraus gemacht, so, wie es sicherlich jeder tun würde, wenn er die Gelegenheit hätte. Dabei geizt Gottschalk nicht mit Reue, wenn es um Begebenheiten geht, die er im Nachhinein so hätte nicht zulassen dürfen. Er freut sich aber auch über Dinge, die er erleben durfte, weil er so bekannt ist. Seine Anekdoten mit vielen bekannten Persönlichkeiten, die seinen Weg kreuzten, sind humorvoll erzählt, keiner der Mitwirkenden wird dabei lächerlich gemacht, Namen werden dort weggelassen, wo es nötig ist, da genannt, wo Positiv berichtet wird.
Dass Thomas Gottschalk auch in mehr als einem Film schauspielerisch tätig war, habe ich erst durch dieses Buch erfahren.
Besonders gut gefallen haben mir die Berichte aus seiner Wahlheimat Amerika, dort ist Gottschalk eher Privatmensch mit den Sorgen und Nöten eines Familienvaters. Seine Beschreibungen des amerikanischen Schulsystems, dem Krankensystem, aber auch dem dortigen Film- und Show-Business, fand ich sehr interessant. Gottschalk als Familienmensch, der wenig bis fast nichts davon bisher preisgab, erzählt hier in diesem Buch doch ein paar nette Begebenheiten.

Fazit
Mir hat die „Reise“ durch Thomas Gottschalks Leben Spaß bereitet. Ich habe vieles aus seinen Erzählungen, wenn es um Fernsehgeschichte geht, selbst als Zuschauer miterlebt und fühlte mich in diese Zeiten zurückversetzt. Dass Thomas Gottschalk mit seinem Buch auch einige seiner Gedanken über Sozialsysteme, Gerechtigkeit, Liebe und Hoffnung zu Papier gebracht hat, macht ihn mir umso sympathischer.

Gottschalk ist ein Entertainer und ein Erzähler, der die Erzählkunst auch im Schreiben beherrscht.

Bewertung: *****