Die Schwestern vom See (Lilli Beck)

Ein Familiengeheimnis – Beginn einer Reihe

Mir hat die Kurzbeschreibung des Buches gefallen. Von der Autorin habe ich bereits mehrere sehr lesenswerte Bücher gelesen.

Beschreibung des Buches:
„die Schwestern vom See“ von Lilli Beck ist im 2022 im blanvalet-Verlag als Taschenbuch erschienen. Es hat 384 Seiten und eine Leseprobe für den nächsten Band. Das Cover ist schön aufgemacht und passend zum Inhalt gestaltet. Das mattiert/strukturierte Material des Buchumschlags mag ich.

Kurze Zusammenfassung:
Max König, gute Seele einer Pension am Bodensee, ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Zur Beerdigung kommen alle 3 Enkelinnen zusammen. Im Laufe des Beisammenseins stellen die Drei fest, dass es ein Geheimnis um ihren Großvater gegeben hat. Gleichzeitig scheint es jemand auf die kleine Pension und ihr angegliedertes Café abgesehen zu haben. Kann die Familie ihr Erbe erhalten?

Mein Leseeindruck:
Mir hat die Geschichte um Iris (Enkelin von Max) und ihre Schwestern sehr gut gefallen. Der Roman ist aus Sicht von Iris im Wechsel zu Rückblicken aus den 1950er Jahren mit Max König in Wien, geschrieben. Die Wechsel bilden keinen Bruch, man findet sich schnell zu Recht in den beiden „Geschichten“.

Iris ist nicht gerade glücklich in ihrer Ehe. Sie möchte Kinder, doch das scheint nicht zu klappen, deshalb nimmt sie sich nach der Beerdigung ihres Großvaters eine Auszeit in der Pension ihrer Familie. Mit den Schwestern versteht sie sich gut. Auch mit ihren Eltern und der Tante hat sie ein inniges Verhältnis.

Der Autorin ist es gelungen, dass ich nach langer Zeit einmal wieder ein Buch fast jeden Abend lesen „musste“. Es hat mich gut unterhalten auch wenn es zwischenzeitlich sehr berührt. Insgesamt finde ich die entwickelte Geschichte aber sehr gelungen. Ich bin gespannt, wie diese Familiengeschichte im nächsten Band weitergeht.

Fazit:
Den Roman habe ich an wenigen Abenden verschlungen. Er hat mich unterhalten und sehr berührt. Wie wird es mit der Familienbande weitergehen. Werden sich alle auch weiterhin verstehen und die Pension samt Café halten können?

Bewertung: ***** von *****

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Findelmädchen (Lilly Bernstein)

Berührende Geschichte um eine junge Frau im Nachkriegsdeutschland

Schon das Cover hat mich neugierig auf das Buch gemacht. Die Kurzbeschreibung überzeugte mich dann, das ganze Buch zu lesen.

Beschreibung des Buches:
„Findelmädchen“ von Lilly Bernstein ist im Ullstein-Verlag als Taschenbuch 2022 mit 582 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild ist eine junge Frau mit einem Mädchen mit dunklem Teint und dunklem Lockenkopf abgebildet. Im Hintergrund kann man den Kölner Dom erkennen.

Kurze Zusammenfassung:
Die 15jährige Helga und ihr älterer Bruder Jürgen sind endlich wieder in ihrer Heimat Köln angekommen, nachdem sie die ersten Nachkriegsjahre (bis 1955) in Frankreich bei Pflegeeltern verbracht hatten. Die Mutter ist verschollen, der Vater aus Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Er versucht den beiden ein normales Familienleben zu bieten. Seine Vorstellungen von Helgas Zukunft passen aber so gar nicht zu ihren eigenen Zukunftsplänen. Helga will auf eine weiterführende Schule, der Vater sieht sie als Hausfrau und Mutter, deshalb muss sie die Haushaltungsschule besuchen. Doch das scheint nicht ihre eigentliche Berufung zu sein. Als sie während des Praktikums im Waisenhaus die kleine Bärbel trifft, ist ihr Beschützerinstinkt und ihr Bestreben nach Veränderung erwacht.

Mein Leseeindruck:
Hinter dem Pseudonym Lilly Bernstein steht die Autorin und Journalistin Lioba Werrelmann. Sie hat für diesen Roman Zeitzeugen befragt und sich somit ein intensives Bild über das Leben in einem Waisenhaus machen können.

Mich hat der Roman von Anfang an angesprochen und berührt. Der Sprachstil der Autorin gefällt mir. Die verschiedenen Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet, die Szenen so gut beschrieben, dass man sich während alles sehr bildhaft vorstellen kann.

Die Geschichte der Familie steht für viele Familiengeschichten in den Nachkriegsjahren. Etwas außergewöhnlich erscheint es aber, dass hier die Mutter und nicht der Vater vermisst wird.

Der Vater mit seinen eher klassischen Vorstellungen eines Familienlebens trifft auf eine junge Frau, die gerne schreibt und sich aufgrund ihrer Erlebnisse für Veränderungen in der Gesellschaft stark machen möchte. Zunächst fügt sie sich dem Wunsch des Vaters. Doch als sie mehr und mehr Einblicke in das gesellschaftliche Leben durch ihre Erfahrungen im Waisenhaus erlangt, muss sie sich dem Vater heimlich widersetzen.

Der Roman ist sehr abwechslungsreich und lebendig erzählt. Neben den zahlreichen Schauplätzen in Köln, die ich durch einige Besuche in dieser Stadt kenne, erfährt man vieles über den Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder in den 1950er Jahren in Deutschland.

Das Zusammenleben von mehreren Generationen mit unterschiedlicher Herkunft, zeigt die Autorin gekonnt mit den Bewohnern des Hauses auf, in dem Helga und ihre Familie wohnen.

Mir hat dieser Roman rundum gut gefallen.

Fazit:
Wer Familiengeschichten/geheimnisse gerne liest, die auch einen besonderen geschichtlichen Hintergrund bieten, dem sei dieses Buch empfohlen. Mich hat das Buch sehr berührt.

GEWINNSPIEL zu diesem Buch anlässlich der BLOGTOUR zu „Findelmädchen“ vom 08.08.2022 bis 13.08.2022:

https://chrissisbuntelesecouch.wordpress.com/gewinnspiele/

Sturmvögel (Manuela Golz)

Eine starke Frau – ein Leben im 20. Jahrhundert in Deutschland

Mich hat der Klappentext dieses Buches angesprochen.

Beschreibung des Buches:
„Sturmvögel“ von Manuela Golz ist 2021 als Hardcover mit 326 Seiten im DuMont Buchverlag erschienen. Das Cover ist schlicht gehalten. Das Buch verfügt über ein gelbes Lesebändchen.

Kurze Zusammenfassung:
Geboren 1907 und aufgewachsen auf einer Nordseeinsel muss Emmy die Insel mit 14 Jahren Richtung Berlin verlassen. Nach einer ersten Anstellung als Dienstmädchen, Ehe und drei Kindern überlebt sie den Zweiten Weltkrieg mit viel Kraft und Humor. Mit 86 Jahren schaut sie zurück auf ihr Leben – und hat für ihre Kinder eine ganz besondere Überraschung parat…  

Mein Leseeindruck:
Ein sehr warmherziges Buch halte ich hier in den Händen. Die Autorin beschreibt gekonnt und mit viel Gefühl das Aufwachsen und Leben von Emmy. Dabei erlebt man hier Deutsche Geschichte, den ersten und den zweiten Weltkrieg, den Überlebenskampf einer starken Frau, die auch ihre drei Kinder durch die schweren Jahre mit einem schwierigen Ehemann und Schwiegereltern durchbringt.

Ein wenig schwierig fand ich beim Lesen die so unterschiedlichen Zeitsprünge. Angefangen im Jahr 1994 mit Rücksprung ins Jahr 1914, dann wieder ins Jahr 1994 und zurück ins Jahr 1974. Danach wieder in die Jahre 1870 – 1921. Um dann wieder im Jahr 1981 den Roman fortzusetzen – mit weiteren Rücksprüngen.

Mir hat an diesem Buch sehr gut gefallen, dass hier Deutsche Geschichte anhand einer sehr besonderen Frau erzählt wird. Die Rückblicke passen manchmal recht gut, ab und an fällt es einem aber auch schwer hier den Überblick zu behalten.

Das Ende gefällt mir hier ganz besonders gut. Man darf gespannt sein!

Fazit:
Ein schöner Roman begleitet hier das Leben einer starken Frau – lesenswert!

Bewertung: **** von *****

Herbst in Wien (Petra Hartlieb)

Wien 1916 bis 1931 – Letzter Teil um eine junge Familie im Wien Anfang des 20. Jahrhunderts

Ich habe „Sommer in Wien“ gelesen, deshalb habe ich zu diesem Buch gegriffen…

Beschreibung des Buches:
Das Buch „Herbst in Wien“ von Petra Hartlieb ist im DuMont-Verlag als Hardcover-Buch 2021 erschienen. Es hat 191 Seiten. Ein mit einer großen Pflanzenranke sehr schön gestaltetes Cover ziert das Buch. Zusätzlich bietet das Buch ein oranges Lesebändchen.

Die Autorin Petra Hartlieb war Pressereferentin und Buchkritikerin bevor sie mit ihrem Mann eine kleine Buchhandlung in Wien übernahm und später auch Autorin geworden ist.

Kurze Zusammenfassung:
Das Buch bildet den Abschluss von „Ein Winter in Wien“, „Wenn es Frühling wird in Wien“ und „Ein Sommer in Wien“.

Die Protagonisten Marie, ehemals Kindermädchen beim Berühmten Dichter Arthur Schnitzler, und Oskar, junger Buchhändler in Wien sind mittlerweile verheiratet und haben einen Sohn. Oskar kommt aus dem Kriegseinsatz zurück und die Familie muss erst wieder zusammenfinden. Die ersten Nachkriegsjahre sind beschwerlich und auch familiäre Verluste bringen Leid über die kleine Familie, aber das Leben muss weitergehen…

Mein Leseeindruck:
Ich mag den Schreibstil der Autorin. Die Sprache ist der Zeit angepasst. Man taucht ins Wien Anfang des 20. Jahrhunderts ein.

Ein bisschen schwer fielen mir die zahlreichen Zeitsprünge, wenn z.B. von Nachkommen erzählt wird, die plötzlich schon ein paar Jahre alt sind, während sie im vorherigen Kapitel noch gar nicht geboren worden sind.

Da ich „Sommer in Wien“ gelesen habe, konnte ich der Familiengeschichte recht gut folgen, so dass mich kurze Rückblicke nicht überraschten.

Mir hat beim Lesen dieses Romans sehr gut gefallen, dass hier der Alltag der kleinen Familie sehr minutiös dargestellt wird. So konnte ich mich beim Lesen wirklich gut in die jeweilige Situation hineinversetzen.

Fazit:
Petra Hartlieb ist auch hier wieder ein ganz atmosphärischer  Roman gelungen. Mir hat der Roman sehr gut gefallen, aber ich würde empfehlen, die drei Vorgänger-Bücher vorher zu lesen.

ewertung: **** von *****

Das Grand Hotel – Die mit dem Feuer spielen (Caren Benedikt)

Die Familiensaga um ein Hotel auf Rügen geht weiter

Mir hatte der erste Teil dieser Geschichte um ein Hotel in Binz auf der Insel Rügen gut gefallen. So wollte ich natürlich wissen, wie es mit der Hotelfamilie weitergeht…

Beschreibung des Buches:
„Das Grand Hotel – Die mit dem Feuer spielen“ ist 2021 bei Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House als Taschenbuch mit 491 Seiten erschienen. Auf dem Cover zeigt sich das Hotel in Binz mit einem rot leuchtenden Himmel.

Kurze Zusammenfassung:
Die Familiensaga um die Familie von Bernadette beleuchtet hier den Sommer 1925. Bernadette von Plesow hat ihren Sohn Alexander durch einen Unfall verloren, Tochter Josephine kehrt zurück nach Binz und der verbliebene Sohn Constantin, treibt seine Geschäftchen um sein Hotel Astor mit Varieté in Berlin. Da taucht der uneheliche Bruder von Bernadettes verstorbenem Ehemann, Johannes, plötzlich in Binz auf.

Mein Leseeindruck:
Wie auch im ersten Band gibt es in diesem Roman die zwei Schauplätze Berlin und Binz. Die Kapitel werden wechselweise aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Während die Hauptpersonen Bernadette und Constantin hier die meiste Aufmerksamkeit erhalten, gibt es aber auch einige Nebenschauplätze wie z.B. die Sicht auf Marie, Constantins Geliebte und Hausdame des Astors oder aber auf die Witwe Margrit, Bernadettes Schwiegertochter, die ein falsches Spiel zu spielen scheint…

Der Roman liest sich flüssig. Die Szenen sind lebendig und die Schauplätze schön beschrieben. Man kann sich allerdings nur bedingt in die 1920er Jahre Berlins hineinversetzen, denn hier wird der Fokus manchmal zu sehr auf Einzelpersonen gesetzt und nicht auf die besondere Atmosphäre der Stadt.

Trotzdem mag ich die Perspektiven auf die doch so unterschiedlichen Charaktere. Mit der/dem einen hat man Mitleid, die anderen könnte man am liebsten von ihrem eingeschlagenen Weg abbringen.

Bernadette ist zweifelsohne die Hauptperson, sie hat die meisten Fäden in der Hand, versucht das Hotelimperium weiter zu führen und auch zu erweitern, dabei liegt ihr Fokus auch immer bei der Familie.

Die Spielchen, die Constantin mit organisierten Boxkämpfen treibt, habe ich dagegen eher etwas quergelesen.

Die Themen Liebe, Intrigen und Familienzwist – all das erwartet die LeserInnen dieser Familiensaga.

Fazit:
Eine schön weiter entwickelte Familiensage, der nach wie vor ein wenig Geschichtliches und Atmosphärisches der 1920er Jahre in den Beschreibungen fehlt. Ich freue mich trotzdem auf den finalen Teil der Trilogie! Eine besondere Urlaubslektüre für eine Urlaubsreise auf die Insel Rügen (speziell Binz).

Bewertung: **** von *****

Die Buchhändlerin (Ines Thorn)

Auftakt zu einer Reihe – Literaturleidenschaft

Da ich als Vielleserin regelmäßig in einer Buchhandlung aushelfe, auch wenn ich keine Buchhändlerin bin, hat mich dieser Titel sofort angesprochen.

Beschreibung des Buches:
„Die Buchhändlerin“ von Ines Thorn ist im rowohlt Verlag 2021 als Taschenbuch mit 336 Seiten erschienen. Ich habe die eBook-Variante gelesen.

Auf dem Titelbild sieht man eine junge Frau, die vor einer üppig gefüllten Buchhandlung steht.

Kurze Zusammenfassung:
Christa ist in Frankfurt am Main aufgewachsen. Hier lebt und führt sie die Buchhandlung ihres Onkels, obwohl sie lieber Germanistik studiert hätte. Sie wurde als Frau nicht zum Studium zugelassen. Es ist kurz nach dem 2. Weltkrieg, die Buchhandlung wurde zuvor von den Nationalsozialisten enteignet. Nach den schrecklichen Ereignissen des 2. Weltkriegs ist die Nachfrage an Büchern groß. Doch Christa sieht ihre Zukunft nicht in der Buchhandlung…

Mein Leseeindruck:
Dieses Buch hat mich während meiner Urlaubstage gefesselt. Es bietet einen großartigen Einblick in die 1940er Jahre, hier in Frankfurt am Main, meiner Lieblingsstadt.

Christas Familie steht im Mittelpunkt, der im Krieg vermisste Vater, der Onkel, der Männer liebt, Heinz, ein Waisenjunge, den Christa unter ihre Fittiche nimmt – eine Familie, die in allen Bereichen durch den Krieg gebeutelt wurde und eine junge Frau, die ihr Glück sucht.

Der Fokus ist auf Christa gerichtet – ihre Gedanken, Wünsche und Sehnsüchte beschreibt die Autorin sehr gefühlvoll.

Die Atmosphäre in der Stadt, die Zerstörung, der Einzug der Amerikaner, all das wird hier angesprochen, war mir teilweise nicht (für Frankfurt) bekannt.

Die Autorin gibt hier einen groben Überblick über die Geschehnisse kurz vor Kriegsende und die ersten Jahre danach. Einiges ist nur angesprochen, wird aber nicht vertieft.

Ein besonderer Aspekt in diesem Buch ist natürlich das Verlagswesen und die Literatur. Hier bekommt man einen guten Einblick.

Das zweite große Thema ist die Stellung der Frau in der Gesellschaft. Christas Mutter würde die Tochter lieber heute als morgen verheiraten. Sie schickt sie sogar auf eine Haushaltsschule, obwohl Christa Literatur studieren möchte. So versucht Christa beidem gerecht zu werden – ihrer Mutter und ihren eigenen Wünschen, was leider nicht immer gelingt…

Fazit:
Das ist ein Buch für Frankfurt- und Literaturliebhaber. Auf den nächsten Teil dieser Reihe freue ich mich schon jetzt.

Bewertung: **** von *****

Freiflug (Christine Drews)

Das Frauenbild in den 1970er Jahren – Beruf, Familie

Unter dem Titel und dem Klappentext hatte ich mir vorgestellt, dass es in diesem Buch ganz speziell um den Prozess einer jungen Frau, ausgebildete Pilotin, gegen eine Fluggesellschaft gehe…

Beschreibung des Buches:
„Freiflug“ von Christine Drews ist 2021 als Hardcover mit 348 Seiten im DuMont Buchverlag erschienen. Auf dem Titelbild sieht man eine Frau, die auf einer gemalten geraden Linie unter einem Flugzeugschatten voran schreitet.

Kurze Zusammenfassung:
Rita Maiburg ist ausgebildete Pilotin. Jetzt möchte sie als Flugkapitänin bei einer großen deutschen Fluggesellschaft arbeiten. Im Absageschreiben der Fluggesellschaft steht als Begründung, dass keine Frauen als Piloten eingestellt werden. Das kann Rita nicht akzeptieren und engagiert Katharina Berner, Rechtsanwältin, gegen die Fluggesellschaft und die BRD als Anteilseigner zu klagen. Auch Katharina hat damit zu kämpfen, dass sie als Frau in der Gesellschaft (und in ihrer Familie) ihre Berufstätigkeit „verteidigen“ muss…

Mein Leseeindruck:
Die Autorin wurde durch ein Straßenschild in Köln aufmerksam auf die erste Linienflugkapitänin der Welt und hat darüber ihren Roman geschrieben, der in der Zeit von 1974 – 1977 spielt.

Mich hat das Thema interessiert, ich dachte, es gehe in diesem Buch um den Prozess, doch in diesem Roman geht es um mehr, es geht um das gesellschaftliche Leben der 1970er, um die Anerkennung von Frauen (in Beruf und Familie), um Familie und Verarbeitung von Kriegserlebnissen.

Vieles wird angerissen, manches hat man als Mensch jenseits der 50 selbst erlebt oder als Kind beobachtet, Erinnerungen werden wach, wenn es um die Frau in der Werbung geht. Der Vater der Rechtsanwältin Katharina Berner leitet ein Unternehmen, das u.a. Waschmittel herstellt, um, wie er behauptet, die Frauen in ihren Haushaltstätigkeiten zu entlasten…

Es sind die kleinen eingeflochtenen Beschreibungen von Alltagsgeschehnissen und –gegenständen, die einen beim Lesen in eine andere Zeit eintauchen lassen (gelbe Telefonzelle, grasgrünes Telefon usw.), das hat mir bei diesem Buch gefallen, wenn mir auch vieles nur angerissen vorkam. Man hätte sich vielleicht auf ein Thema, nämlich den Prozess, konzentrieren können, denn das erwartet man beim Lesen der Kurzbeschreibung. Leider kommen die Prozessgeschehnisse in diesem Buch eindeutig zu kurz. Dafür bekommt man einen Eindruck, wie sich das Bild der Frau in der Gesellschaft in den letzten Jahren doch gewandelt hat, dass es dafür aber immer wieder Frauen geben musste, die sich nicht ihrem Schicksal ergaben, sondern alle Anstrengungen aufnahmen, um für ihre Rechte zu kämpfen.

Fazit:
Auch wenn der Roman sich etwas anders entpuppt hat als erwartet, fand ich ihn doch so interessant und spannend, dass ich ihn fast nicht aus der Hand legen konnte.

Bewertung: **** von *****

Abgetaucht (Susanne Fröhlich)

Unterhaltsamer Roman aus der Reihe um Andrea Schnidt

Ich habe fast alle Bücher aus dieser Reihe gelesen, hier handelt es sich um Band 11.

Beschreibung des Buches:
„Abgetaucht“ von Susanne Fröhlich ist im Knaur Verlag 2021 als gebundene Ausgabe mit 320 Seiten erschienen. Ich habe die eBook-Variante gelesen.

Das Titelbild reiht sich in die Cover dieser Reihe durch seine Schlichtheit ein. Man sieht die Beine einer Frau, die gerade in ein Gewässer abgetaucht ist.

Kurze Zusammenfassung:
Andrea Schnidts turbulentes Familienleben wird auch in diesem Buch wieder auf eine harte Probe gestellt, denn Andreas Tochter Claudia wird Mutter. Auf der heimlichen Suche nach dem Vater, erlebt Andrea mit ihrer Familie eine Menge kuriose Situationen.

Mein Leseeindruck:
Ab und an lese ich auch gerne unterhaltsame Romane bei denen man manches vor lauter Lachen Tränen in die Augen bekommt.

Die Reihe um Andrea Schnidt ist heiter und unterhaltsam. So ist auch dieser Roman gerade zur richtigen Zeit erschienen. Noch immer befinden wir uns mitten in der Corona-Pandemie – und auch der Roman beginnt Anfang 2020 während Corona gerade ein Thema wird. Es ist sogar der erste Roman, den ich gelesen habe, in dem Corona ein Thema ist.

Ich mag diesen heiteren Roman, der das turbulente Familienleben von Andrea Schnidt zum Thema hat. Dieses Mal dreht sich alles um die Schwangerschaft und Geburt von Andreas Enkel. Die witzigen Situationen in die Andrea immer hineingerät, ihre Gedanken, ihre Wünsche und Gefühle, erlebt man beim Lesen hautnah mit.

Mit diesem Roman hatte ich ein paar unbeschwerte Lesestunden.

Fazit:
Wer die Situationscomic und Familiengeschichten liebt, der sollte sich auch dieses Buch aus dieser Reihe nicht entgehen lassen.

Bewertung: **** von *****

Die Schweigende (Ellen Sandberg)

Familiengeschichte – spannend, aber auch aufwühlend

Von Ellen Sandberg habe ich bereits mehrere Bücher gelesen. Mir gefallen ihre Themen und ganz besonders ihr Schreibstil.

Beschreibung des Buches:
„Die Schweigende“ von Ellen Sandberg ist 2020 im Peguin-Verlag als Taschenbuch mit 515 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild sieht man altes, verwittertes und geheimnisvoll erscheinendes Haus.

Kurze Zusammenfassung:
Jens, der Ehemann von Karin, ist verstorben. Noch auf dem Totenbett wünscht er sich von Imke, einer seiner drei Töchter, sie solle Peter suchen. Erst nach mehreren Gesprächen und Nachforschungen, stellt sich heraus, dass es sich um den Bruder ihrer Mutter Karin handelt. Während jede der Schwestern ihren eigenen Problemen nachgeht, setzt Imke alles daran, Peters Geschichte zu ergründen und ihn zu finden.

Mein Leseeindruck:
Der Roman ist spannend, er ist an manchen Stellen auch sehr heftig. Die Autorin wurde inspiriert durch einen Roman, der ihr den Anstoß zu dieser Geschichte gab.

Mir gefällt der Schreibstil von Ellen Sandberg. Man ist als LeserIn immer nahe am Geschehen, mitten im Familienverband und hat Teil an den Gedanken der Protagonisten.

Die Familiengeschichte spielt in verschiedenen Zeitebenen. Während sich der größte Teil im Jahr 2019 abspielt, gibt es Rückblicke in die 1950er Jahre, hier aus Karins Sicht, während die anderen Kapitel den Fokus jeweils auf eine der drei Schwestern legen.

Vieles, was hier zutage gefördert wird, habe ich mir in dieser Intensität bisher nicht bewusst gemacht. Die Nachkriegsgeneration hat vieles erlebt, was sie manchmal bis zum Tode verschweigt. Mit diesem Roman bekommt man einen kleinen Einblick in die Erlebnisse dieser Menschen – und bleibt fassungslos zurück.

Frau Sandberg hat für diesen Roman intensiv recherchiert.

Fazit:
Das Buch bewegt, es ist nicht leicht zu ertragen, was man da liest. Trotzdem hat mich der Roman gefesselt – jede Familie hat ihre Geschichte zu verarbeiten. Manchen Menschen gelingt es besser, manche verdrängen, viele resignieren. Doch in der Gemeinschaft aller Familienmitglieder kann eine „Verarbeitung“ gelingen. Hört zu, fragt nach!

Bewertung: ***** von *****

Das verborgene Zimmer (Kate Riordan)

Was eine Mutter fühlt

Eine geheimnisvolle Überschrift hat dazu geführt, dass ich dieses Buch lesen wollte.

Beschreibung des Buches:
„Das verborgene Zimmer“ von Kate Riordan ist 2020 als Taschenbuch mit 333 Seiten im DuMont Buchverlag erschienen. Auf dem Titelbild ist ein altes Haus abgebildet.

Kurze Zusammenfassung:
Sylvie Durand ist in Frankreich aufgewachsen, lebt schon lange in London, da ereilt sie eine Mitteilung, dass es im verlassenen Haus ihrer Familie in der Provence gebrannt hat. Sie entscheidet sich mit ihrer Tochter Emma nach Frankreich zu reisen. Irgendwie hat sie den Verdacht, dass sie ihre Vergangenheit einholt. Vor Jahren hat sie hier ihre Tochter Elodie verloren.

Mein Leseeindruck:
Der Roman beginnt im Sommer 1993, springt aber mit vielen Rückblicken in die Jahre 1968 bis 1983 zurück. Die Protagonistin Sylvie erzählt ihre Geschichte als würde sie sie ihrer jüngsten Tochter Emma erzählen.

Mir hat dieser Roman von Anfang an sehr gut gefallen. Ich mag geheimnisvolle Familiengeschichten. Zunächst fand ich den Wechsel mit den vielen Rückblicken und die direkte Ansprache an die Tochter etwas gewöhnungsbedürftig, doch ich habe mich schnell daran gewöhnt. Manchmal allerdings waren die Zweifel, wer hier genau angesprochen wird, wahrscheinlich von der Autorin gewollt.

Es geht hier in diesem Roman um die Geschichte eines etwas außergewöhnlichen Mädchens, das seine Eltern von Kindesbeinen an viele Sorgen bereitet. Elodie leidet an einer Krankheit, die ihr keine Gefühle zulässt. So passieren immer wieder Dinge, die das Familienleben auf den Kopf stellen….

Als Mutter Sylvie wieder an den Ort des Geschehens reist, kommen die Muttergefühle wieder hoch. In ihren Gedanken taucht die erstgeborene Tochter immer wieder auf, obwohl sie schon lange als vermisst gilt, so dass ihrer Schwester Emma erzählt wurde, Elodie sei tot.

Das Buch ist spannend bis zur letzten Seite.

Fazit:
Mich hat dieses Buch ziemlich gefesselt. Es war spannend, geheimnisvoll und manchmal auch traurig, mir hat es gut gefallen.

Bewertung: ***** von *****