Die Toten von Fleat House (Lucinda Riley)

Ein atmosphärischer Krimi – mein bisheriges Highlight 2022

Die Bücher von Lucinda Riley, die ich bisher gelesen habe, haben mir sehr gut gefallen – hier haben mich die Kurzbeschreibung und tatsächlich auch das Titelbild angesprochen.

Beschreibung des Buches:
Der Krimi „Die Toten von Fleat House“ ist 2022 als Hardcover im Goldmann-Verlag erschienen. Das Buch hat 499 Seiten. Das Titelbild sieht geheimnisvoll aus, es zeigt ein altes Gebäude unter einem dunklen Wolkenhimmel.

Der Krimi ist 2006 geschrieben worden. Rileys Sohn hat ihn nach dem Tod der Mutter veröffentlicht. Offenbar sollte es der Beginn einer Reihe werden.

Kurze Zusammenfassung:
Die junge Ermittlerin Jazz Hunter hatte sich eine Auszeit in Nofolk von ihrer Arbeit nach einer gescheiterten  Beziehung  in London genommen. Doch der kleine Ort wird von einem Todesfall überschattet. Ein Schüler des ansässigen Internats Fleat House wird tot aufgefunden. Schon hat Jazz ihren ersten Fall an ihrem neuen Arbeitsplatz. Es scheint viele Geheimnisse um das Internat zu geben…

Mein Leseeindruck:
Von Anfang an habe ich diesen Krimi verschlungen. Der Schreibstil der Autorin liegt mir. Selbst bei den vielen verschiedenen Namen und Charakteren kam ich, nicht wie üblich, durcheinander. Die Personen sind einfach sehr gut beschrieben und deshalb gut auseinander zu halten.

Das Atmosphärische ist das, was diesen Krimi ausmacht:
In den alten Gemäuern ein Todesfall – und weitere Geheimnisse, die sich erst nach und nach offenbaren. Dazu noch eine ganz besondere Familiengeschichte und –konstellation.

Die Autorin hat die Spuren weit ausgelegt und mit einem roten Faden gekonnt wieder zusammengefügt. Wunderbar ist ihr das gelungen.

Auch die Beschreibungen der Szenerien sind erwähnenswert. Ich fühlte mich förmlich in die alten Gemäuer hineinversetzt.

Neben all der Ermittlungsarbeit hat es mir auch die persönliche Entwicklung der Ermittlerin angetan, die hier nicht unerwähnt bleiben soll. Denn auch das macht für mich einen guten Krimi aus.

Schade, dass es leider keinen weiteren Band um die Ermittlerin Jazz Hunter geben wird. Dieser Krimi hat mir außerordentlich gut gefallen.

Fazit:
Ein wunderbarer Krimi, sehr lesenswert !

Bewertung: ***** von *****

Der Markisenmann (Jan Weiler)

Ein Sommer mit Vater

Ich habe nicht alle Bücher von Jan Weiler gelesen, aber die, die ich gelesen habe waren eher lustig. Dieses Buch ist anders…

Beschreibung des Buches:
Der Roman „Der Markisenmann“ von Jan Weiler ist im HEYNE-Verlag 2022 als Hardcover erschienen. Das Buch hat 333 Seiten, es ist mit einem Muster aus den 1970er Jahren (Orange/Braun) versehen. Auf einen Schutzumschlag wurde verzichtet. Lediglich eine grüne Banderole mit dem Titeltext ziert das Cover des Buches.  

Kurze Zusammenfassung:
Kim, fast 16 Jahre (2005), muss ihre 6wöchigen Ferien bei ihrem Vater in Duisburg in einer Fabrikhalle verbringen. Sie hat den Vater vorher noch nie gesehen. Während ihres Aufenthaltes lernt sie den Vater näher kennen. Sie begleitet ihn auf seinen Markisen-Verkaufstouren…

Mein Leseeindruck:
Mich hat dieses Buch sehr berührt. Eine Frau, jetzt 32 Jahre alt, erzählt von ihren Erlebnissen mit ihrem leiblichen Vater, den sie 16 Jahre zuvor im Jahr 2005 während eines Ferienaufenthaltes erst richtig kennenlernt.

Es ist ein sehr berührendes, einfühlsames Buch. Zunächst erfährt man, dass Kim bei einem Grillfest ihren Stiefbruder durch eine unüberlegte Handlung Brandwunden in Gesicht und Oberkörper zufügt. Die Eltern (Mutter und Stiefvater) nehmen sie deshalb in den Sommerferien nicht auf ihre Urlaubsreise in die USA mit. Sie muss zu ihrem Vater, den sie überhaupt nicht kennt.

Es dauert, bis sie sich an die neue Situation gewöhnt. Doch langsam kommen sich die beiden näher. Es folgen viele Gespräche und Kim erfährt endlich, wie es zur Trennung ihrer Eltern gekommen ist.

Beim Lesen dieses Romans kommen einem die eigenen Erinnerungen zurück, sei es aus den Jahren der Wende, des Mauerfalls als auch besondere Geschehnisse um das Jahr 2005 herum.

Auch wenn Kim mit einer eher gefühlskalten Mutter aufgewachsen ist, so findet sie doch eine gewisse Zuneigung zu ihrem Vater. Sie unterstützt ihn mit neuen Ideen bei seinen Vertreterbesuchen, weil er ihr Leid tut. Allein wenn man sich die Markisenmuster (orange/braun gestreift bzw. blau/grün gestreift) vorstellt, kann man sich denken, dass der Verkaufserfolg nicht gerade groß gewesen sein kann.

Bei den täglichen Vertreterbesuchen hören die beiden gerne Musik. Da sie allerdings sehr unterschiedliche Musikrichtungen bevorzugen, gibt es hier des Öfteren kleine Streitigkeiten. Die Musiktitel findet man übrigens in einer Playlist bei Spotify. Das gefällt mir gut.

Während sich der Sommer zu Ende neigt, hat Kim dem Vater sein großes Geheimnis entlockt, warum er wirklich aus ihrem Leben kurz nach der Geburt verschwunden ist….

Fazit:
Ein einfühlsamer Roman, der die Geschehnisse um den Mauerfall aus der Sicht einer kleinen Familie beleuchtet. Mir hat dieses Buch ausgesprochen gut gefallen. Es ist aktuell mein Highlight des Jahres 2022 – sehr empfehlenswert!

Bewertung: ***** von *****

Das Geheimnis (Ellen Sandberg)

Ein Familiengeheimnis, das das Leben der Nachkommen beeinflusst

Von der Autorin Ellen Sandberg habe ich schon viele Bücher gelesen. Mir gefallen ihr Schreibstil und die ganz besonderen Themen, denen sie sich widmet.

Beschreibung des Buches:
„Das Geheimnis“ von Ellen Sandberg ist 2022 im Penguin-Verlag als Hardcover mit 425 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild sieht man altes, geheimnisvoll erscheinendes Haus.

Kurze Zusammenfassung:
Ulla ist auf der Suche nach dem Grund, warum ihre Mutter Helga sie, als sie neun Jahre alt war, verlassen hat. Später kam die Mutter unter mysteriösen Umständen zu Tode. Ulla versucht in Helgas altem Wohnhaus am Chiemsee der Sache auf die Spur zu kommen.

Mein Leseeindruck;
Ich habe mich mit diesem Roman sehr gut unterhalten gefühlt. Mir hat der Wechsel der Sichten und Zeiten, 2020 Ulla, 1975 Helga und später auch noch 2020 Luise, sehr gut gefallen.

Die Rückblicke, die Ulla anhand von Kassetten auf das Leben ihre Mutter bekommt als auch die Rückblicke in den Kapiteln, die Helgas Situation beschreiben, sind spannend verwoben.

Auch wenn das Leben der Protagonistinnen sich teils mehr in der oberen Mittelschicht abspielt und man sich vielleicht nicht unbedingt mit den Personen identifizieren kann, so blickt man doch mit einer gewissen Demut auf die Rückblicke von Mutter Helga zurück, die als Jugendliche mit der Familie auf der Flucht ihre Lieben verlor.

Dieses Schicksal verfolgt Helga ihr ganzes Leben, so dass sie offenbar ihr Glück mit ihrer Tochter Ulla gar nicht genießen kann und will. Und auch Ulla scheint das Familiengeheimnis in ihrem Leben zu beeinflussen…

Mir hat der Roman sehr gut gefallen.

Fazit:
Wieder einmal eine besondere Familiengeschichte, die Ellen Sandberg hier gelungen ist. Das Buch gehört für mich zu den Highlights im neuen Jahr 2022.

Bewertung: ***** von *****

Das Haus der Libellen (Emma Behrens)

Auf der Suche nach dem verschwundenen Bruder – oder nach der Vergangenheit?

Das Titelbild und der Klappentext haben mich angesprochen.

Beschreibung des Buches:
Der Roman „Das Haus der Libellen“ ist im Jahr 2021 im Dumont-Verlag als Taschenbuch mit 429 Seiten erschienen. Das Titelbild ist umrankt von Blüten und fliegenden Libellen, es erweckt den Eindruck als gehe es um die Liebe zu Libellen…

Kurze Zusammenfassung:
Sophie, Ende 20,  erreicht ein Hilferuf ihrer früheren Nachbarin und Freundin Emilia. Emilias Eltern sind bei einem Autounfall tödlich verunglückt und ihr Bruder Noah ist verschwunden. Sophie soll bei der Suche nach Noah, ihrer ersten großen Liebe, helfen. Das fällt Sophie schwer, schließlich hatte Noah sie fünf Jahre zuvor ganz plötzlich verlassen…

Mein Leseeindruck:
Der Roman wird in verschiedenen Zeitebenen erzählt. Während die Geschichte mit dem Hilferuf Emilias beginnt, schweifen Sophies Gedanken immer wieder in ihre frühe Jugend und in die letzten Tage vor Noahs erstmaligem Verschwinden zurück.

Die Geschichte ist geheimnisvoll, erst nach und treten Dinge zu Tage, die man so nicht erahnen konnte. Der Sprachstil ist sehr gefühlvoll, die Szenen sind toll beschrieben – besonders dann, wenn es um die Erkundung der alten Villa der Geschwister geht. Hier kann man sich so richtig die Libellensammlung von Emilia vorstellen, man wandelt mit Sophia durch die herrschaftlichen Räume und hat das Interieur vor Augen.

Ein wenig langatmig wirkt die Geschichte dann aber schon im Mittelteil, auch wenn nach und nach immer neue Details von Noahs erstem Verschwinden klar werden.

In dieser Geschichte geht es um Liebe, Verzeihen und Freundschaft. Alles hängt irgendwie zusammen, zumindest in der Konstellation der Geschwister mit Sophie.

Sophie wächst einem beim Lesen nach und nach ans Herz, Emilias Verhalten lässt sie nach und nach unsympathisch wirken.

Störend waren in diesem Buch die zahlreichen Tippfehler…

Fazit:
Das Buch hat mich gut unterhalten, ich mag geheimnisvolle Geschichten. Allerdings hätte man den Roman sicherlich auch etwas kürzer fassen können, dann wäre er zwischenzeitlich nicht so langatmig gewesen.

Bewertung: *** von *****

Das verborgene Zimmer (Kate Riordan)

Was eine Mutter fühlt

Eine geheimnisvolle Überschrift hat dazu geführt, dass ich dieses Buch lesen wollte.

Beschreibung des Buches:
„Das verborgene Zimmer“ von Kate Riordan ist 2020 als Taschenbuch mit 333 Seiten im DuMont Buchverlag erschienen. Auf dem Titelbild ist ein altes Haus abgebildet.

Kurze Zusammenfassung:
Sylvie Durand ist in Frankreich aufgewachsen, lebt schon lange in London, da ereilt sie eine Mitteilung, dass es im verlassenen Haus ihrer Familie in der Provence gebrannt hat. Sie entscheidet sich mit ihrer Tochter Emma nach Frankreich zu reisen. Irgendwie hat sie den Verdacht, dass sie ihre Vergangenheit einholt. Vor Jahren hat sie hier ihre Tochter Elodie verloren.

Mein Leseeindruck:
Der Roman beginnt im Sommer 1993, springt aber mit vielen Rückblicken in die Jahre 1968 bis 1983 zurück. Die Protagonistin Sylvie erzählt ihre Geschichte als würde sie sie ihrer jüngsten Tochter Emma erzählen.

Mir hat dieser Roman von Anfang an sehr gut gefallen. Ich mag geheimnisvolle Familiengeschichten. Zunächst fand ich den Wechsel mit den vielen Rückblicken und die direkte Ansprache an die Tochter etwas gewöhnungsbedürftig, doch ich habe mich schnell daran gewöhnt. Manchmal allerdings waren die Zweifel, wer hier genau angesprochen wird, wahrscheinlich von der Autorin gewollt.

Es geht hier in diesem Roman um die Geschichte eines etwas außergewöhnlichen Mädchens, das seine Eltern von Kindesbeinen an viele Sorgen bereitet. Elodie leidet an einer Krankheit, die ihr keine Gefühle zulässt. So passieren immer wieder Dinge, die das Familienleben auf den Kopf stellen….

Als Mutter Sylvie wieder an den Ort des Geschehens reist, kommen die Muttergefühle wieder hoch. In ihren Gedanken taucht die erstgeborene Tochter immer wieder auf, obwohl sie schon lange als vermisst gilt, so dass ihrer Schwester Emma erzählt wurde, Elodie sei tot.

Das Buch ist spannend bis zur letzten Seite.

Fazit:
Mich hat dieses Buch ziemlich gefesselt. Es war spannend, geheimnisvoll und manchmal auch traurig, mir hat es gut gefallen.

Bewertung: ***** von *****

Das Grand Hotel – Die nach den Sternen greifen (Caren Benedikt)

Familiengeschichte um ein Hotel auf Rügen

Neben Krimis lese ich auch gerne Familiengeschichten – und ich mag die Insel Rügen, wo wir hoffentlich auch dieses Jahr noch unseren Urlaub verbringen dürfen – deshalb habe ich zu diesem Buch gegriffen.

Beschreibung des Buches:
„Das Grand Hotel – Die nach den Sternen greifen“ ist 2020 bei Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House als Taschenbuch mit 508 Seiten erschienen. Auf dem Cover zeigt sich das Hotel in seiner ganzen Pracht.

Kurze Zusammenfassung:
Es handelt sich hier um den ersten Teil einer Familiensaga, die ab den 1920ern beginnt und bis in die Mitte der 1930er die Familie begleiten soll. Auch eine TV-Produktion ist geplant. Bernadette von Plesow ist das Familienoberhaupt, sie führt das Grand Hotel in Binz (Ostsee), hier ist ihr Sohn Alexander mit der Geschäftsführung betraut, während in Berlin sein Bruder Constantin ebenfalls ein Hotel mit angeschlossenem Varieté führt. Tochter Josephine ist das „Sorgenkind“ der Familie, sie lebt für ihre Kunst – der Malerei. Nichts ist so, wie es oberflächlich zu sein scheint.

Mein Leseeindruck:
Die Familiengeschichte hat zwei Schauplätze, Binz und Berlin, die im Verlauf des Romans sehr oft wechseln. Auch der Blick auf die Protagonisten ist einem ständigen Wechsel unterworfen.

Der Sprachstil ist angenehm. Die Charaktere entwickeln sich im Laufe der Geschichte. Zu Beginn war mir Bernadette noch etwas suspekt, doch je weiter ich in diesen Roman eintauchte, desto mehr von ihrem weichen Kern konnte ich entdecken.

Der Wechsel zwischen den Schauplätzen ist manchmal rasant, macht den Roman aber so abwechslungsreich. Die einzelnen Kapitel werden mit jeweils einem Zitat der Protagonisten eingeleitet.

Schade finde ich, dass hier das Lebensgefühl im Berlin der 1920er Jahre doch etwas zu wenig beschrieben wird. Der Fokus dieser Familiensaga ist wirklich hauptsächlich auf die Protagonisten/die Familienmitglieder gelegt. Nur am Rande spielen Hotelgäste und Urlauber eine Rolle.

Was den Roman so abwechslungsreich und spannend macht sind u.a. die Themen Liebe, Intrigen, Morde und Schutzgelderpressung – all das erwartet einen in dieser Familiensaga.

Fazit:
Ein guter Start einer Familiensage in mehreren Teilen. Ein wenig haben mir Beschreibungen über das Umfeld der Familie, das Leben in den 1920ern gefehlt, trotzdem würde ich auch gerne die weiteren geplanten Teile lesen, um zu erfahren, wie es mit dem Hotel auf Rügen und der Familie von Plesow weitergeht.

Bewertung: **** von *****

Das Erbe (Ellen Sandberg)

Großartige Familiengeschichte – Spannung, Liebe, Deutsche Geschichte

Nach dem Lesen des Klappentextes hat mich das Thema „Erbe eines Hauses“ angezogen – zudem die dunkle Geschichte, die sich dahinter zu verbergen schien.

Beschreibung des Buches:
„Das Erbe“ ist 2019 von Ellen Sandberg (Pseudonym der Münchner Autorin Inge Löhning) im Penguin-Verlag als Taschenbuch mit 503 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild sieht man eine Straße mit wunderschönen Altbau-Häusern.

Kurze Zusammenfassung:
Mona Lang erbt das Altbau-Mehrfamilienhaus (München-Schwabing) ihrer Tante Klara. Mit ihrer Botschaft „Mona wird die Richtige sein“ bürdet ihr die Tante eine große Last auf, denn das Haus gehörte offensichtlich ursprünglich einem jüdischen Unternehmer. Mona bricht ihre Zelte in Berlin ab und zieht nach München…

Mein Leseeindruck:
Der Roman ist in verschiedenen Zeitebenen als auch aus mehreren Perspektiven geschrieben. Während man zu Beginn von Monas Erbe im Jahr 2018 aus ihrer Sicht die Geschichte erzählt bekommt, gibt es einen Parallelstrang aus der Sicht von Sabine, die in Hamburg mehr schlecht als recht lebt und Rückblicke aus Klaras Blickwinkel u.a. aus dem Jahre 1938. In Briefen, die Klaras Freundin Mirjam aus England schreibt (hierhin wurde sie als Kind vorsorglich „verschickt“) wird die Verbindung aller Beteiligten so ganz allmählich klar.

Man gewinnt einen traurigen und ungeschminkten Eindruck, wie die Verhältnisse 1938 für die jüdischen Mitbürger immer schlimmer in Deutschland wurden. Die Briefe zeugen von den unterschiedlichsten Emotionen: Einerseits der vermeintlichen Sicherheit im Ausland, andererseits von Ausnutzung und Bedrängung minderjähriger Frauen und natürlich dem großen Verlust der Eltern und Familie.

In den anderen Romansträngen wird einem die aktuelle Realität bewusst. Die weniger Bemittelten, die Gierigen, die Neutralen, aber auch die, die sich um das Leben ihrer Mitmenschen sorgen, alle finden ihren „Platz“ rund um und mit Mona.

Die ganze „Wahrheit“ kommt ganz allmählich zu Tage. Die Autorin legt ihre Spuren schon früh, man muss sie nur begreifen, trotzdem bleibt das Familiengeheimnis bis fast zur letzten Seite ein großes Rätsel und unheimlich spannend.

Die Schauplätze sind Berlin, Hamburg und natürlich in erster Linie München.

Auch in diesem großartigen Roman ist es der Autorin gelungen, Liebe, Schuld und deren Verarbeitung zu vereinen. So ist hier eine sehr, sehr spannende Familiengeschichte entstanden.

Fazit:
Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, was nicht zuletzt auch am Schreibstil lag. Ich fand den Roman von Anfang an spannend, realitätsnah, verbunden mit der Deutschen Geschichte und sehr geheimnisvoll. Dieses Buch landet auf alle Fälle auf meiner „Best of 2020“ Liste!

Bewertung: ***** von *****

Nächstes Jahr in Havanna (Chanel Cleeton)

Kubas Geschichte in einen Roman verpackt

Nach einer Kubareise interessieren mich auch Romane, in denen Kuba eine Rolle spielt.

Beschreibung des Buches:
Der Roman „Nächstes Jahr in Havanna“ ist im Heyne Verlag 2019 als Taschenbuch mit 462 Seiten erschienen.

Das Cover zeigt eine eingefärbte schwarz/weiß Fotografie mit Frauen an einem Pool – im Hintergrund sieht man Palmen.

Die Originalausgabe heißt „Next Year in Havanna“.

Kurze Zusammenfassung:
Dieser Roman ist der erste Band einer neuen Kuba-Saga. Die Autorin schildert die Geschichte Kubas anhand von Briefen der Großmutter Eliza aus den 1950er Jahren im Wechsel mit der Sicht auf ihre Enkelin Marisol, die im Jahr 2017 nach Kuba reist, während sie die Asche ihrer Großmutter Eliza, deren Wunsch es war auf Kuba beerdigt zu werden, auf die Insel bringen will.

Mein Leseeindruck:
Aus dem Amerikanischen übersetzt ist dieser Roman etwas ganz besonderes.

Die Geschichte ist sehr warmherzig geschrieben. Eine Liebesgeschichte der Großmutter, in Briefen festgehalten, bringt Marisol das Leben auf Kuba in den 1950/60er Jahren näher. Mit Hilfe dieser Briefe reist die Enkelin auf den Spuren ihrer Großmutter und erfährt Unbekanntes und Geheimnisse aus deren Leben.

Mir gefällt der Schreibstil der Autorin sehr gut. Auch der Kapitel-Wechsel von Gegenwart und Vergangenheit aus verschiedenen Sichten ist ihr gut gelungen. Während man in das Buch eintaucht, hat man die herrlichen Kulissen vor Augen. Ganz besonders dann, wenn man schon auf Kuba (Havanna) war.

Wer sich mit der Geschichte Kubas befassen möchte, findet in diesem Roman viele Beschreibungen des Lebens auf der Insel, aber auch einen ganz besonderen Blick auf die Menschen, die dort leben – viel besser als jedes Geschichtsbuch – in einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte verpackt.

Fazit:
Ich freue mich auf die weiteren Bände dieser Saga!

Bewertung: ***** von *****

Portugiesisches Blut (Luis Sellano)

In der Hitze von Lissabon – Henrik ermittelt weiter

Die Krimis um den deutschen Ermittler Henrik Falkner, der ein Antiquariat in Lissabon von seinem verstorbenen Onkel geerbt hat, gefallen mir gut. Und weil ich letztes Jahr Lissabon besucht und auf den Spuren von Henrik Falkner war, war ich natürlich neugierig, wie die Geschichte um seinen ermordeten Onkel weitergehen würde.

Beschreibung des Buches:
„Portugiesisches Blut“ von Luis Sellano (Pseudonym eines deutschen Autors) ist 2019 im HEYNE-Verlag als Taschenbuch erschienen. Der Krimi hat 381 Seiten.

Auf dem Cover sieht man wieder eine typische Stadtansicht aus Lissabon mit historischen Gebäuden in bunter Farbgebung.

Kurze Zusammenfassung:
Henrik Falkner, ehemaliger deutscher Polizist, lebt nun schon mehr als ein Jahr im Haus seines verstorbenen Onkels in Lissabon. Onkel Martin hat ihm zudem ein Antiquariat hinterlassen. Eines Tages kommt eine junge Frau in sein Antiquariat auf der Suche nach den Mördern ihrer Mutter. Sie hat einen geheimnisvollen Brief dabei. Für Henrik beginnt ein neues Abenteuer.

Mein Leseeindruck:
Ich mag den Schreibstil von Luis Sellano. Gerade die Beschreibungen von Lissabon brachten mich wieder in Urlaubsstimmung. Wenn man die Stadt schon einmal kennen gelernt hat, kann man sich die Gassen, Gebäude und die Atmosphäre sehr gut vorstellen. Man hat die Szenen ganz wunderbar vor Augen und beamt sich fast hinein.

Der Roman ist mit dem Fokus auf Martin geschrieben. Man hat als Leser somit keine weitergehenden Erkenntnisse. Somit steht man bei diesem Fall einmal wieder genauso vor einem Rätsel, wie Martin selbst. Und rätselhaft ist diese Geschichte!

Ich fand diesen Krimi spannender als seine Vorgänger. Fäden sind zahlreiche gespannt, die werden zum Ende hin wieder gut entwirrt. Es sind viele Charaktere eingebaut, die man erst einmal auseinander halten muss. Immer wieder gibt es Rückblicke auf die vergangenen Fälle. (Für einen Leser, der diese nicht kennt, ist das eventuell etwas viel an Rückblicken.)

Die Liaison mit der Polizisten Helena rückt in diesem Krimi etwas in den Hintergrund. Henrik ist viel zu beschäftigt mit seinen Ermittlungen. Immerhin ist Helena manchmal doch zur rechten Zeit am richtigen Ort.

Henrik erfährt während seiner Suche nach der Wahrheit ein Netz aus Rache, Familienbande und Korruption. Er kommt den Geheimnissen seines Onkels von Fall zu Fall näher, denn auch dieser Krimi bringt hier einiges zu Tage.

Wer eine Reise nach Lissabon plant, der sollte sich diese Krimireihe nicht entgehen lassen. Es hat mir wirklich sehr viel Spaß bereitet, auf den Spuren Henriks durch die Stadt zu streifen. Lissabon ist allemal eine Reise wert.

Fazit:
Der 4. Band aus der Feder von Luis Sellano mit Ermittler Henrik hat mir besser gefallen als sein Vorgänger. Er war spannend bis zum Schluss, rätselhaft zum Miträtseln und für Überraschungen gut.

Bewertung: ***** von *****

Das krumme Haus (Agatha Christie)

Das geheimnisvolle Haus – wer brachte den Großvater um?

Von der Autorin Agatha Christie  habe ich gerne die Fälle von Miss Marple und einzelne ihrer Krimis ohne Ermittler gelesen.

Beschreibung des Buches:
„Das krumme Haus“ ist 2018 im Atlantik Verlag als Taschenbuch mit 256 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild sieht man die Protagonisten (aus dem gleichnamigen Film), im Hintergrund findet man das unheimlich wirkende krumme Haus.

Kurze Zusammenfassung:
Charles Haywart ist mit Sophia Leonides verlobt, sie lebt in einem Mehrgenerationen-Haus. Als ihr Großvater ermordet wird, versucht Charles mit ein wenig Hilfe seines Vaters, einem echten Scotland-Yard-Inspektor, dem Täter auf die Spur zu kommen. Da geschieht ein zweiter Mord. Jeder der Hausbewohner könnte hier Täter sein…

Mein Leseeindruck:
Wie z.B. bei der „Mausefalle“ lässt Agatha Christie hier nicht einen Ermittler die Untersuchungen führen.

Die Verdächtigen bewohnen gemeinsam ein Haus und haben alle einen eigenen Grund das Opfer zu beseitigen.

Das Haus selbst wirkt mystisch und scheint einige Geheimnisse zu verbergen. Die Protagonisten sind teilweise recht skurril und man kommt beim Lesen schnell zu dem Ergebnis: Fast jeder profitiert vom Ableben des Großvaters.

Echte Ermittlungsarbeit bietet dieser Krimi nicht, die Gespräche führt Charles bei seinen Besuchen im Haus seiner Verlobten. Die Verwandten sind teils offen zu ihm, teilweise bewahren sie ihre Geheimnisse. So ergibt sich nur langsam ein Bild, wer hier der Mörder sein kann. Die eher Unverdächtigen hat man schnell im Blick.

So ist dieser Krimi nicht besonders spannend. Es fehlte mir hier eindeutig an nerven kitzelnden Elementen. Mehr jedoch ist hier die besondere Stimmung im Haus zu erwähnen. Hier kann ich mir vorstellen, dass der Film zum Buch das besonders hervorbringen kann.

Fazit:
So richtig überzeugt hat mich dieser Krimi nicht. Vielleicht kommt bei der Verfilmung mehr Spannung rüber als mir dieser Krimi beim Lesen bieten konnte.

Bewertung: *** von *****