Zorn und Stille (Sandra Gugic)

Auf der Suche nach der Vergangenheit

Wie leben Menschen damit, dass sie aus einem Land kommen, das es so nicht mehr gibt?

Beschreibung des Buches:
„Zorn und Stille“ ist 2020 beim Hoffmann und Campe Verlag als Hardcover mit 238 Seiten erschienen. Das Cover ist in Braun gehalten, ein weißer Kaninchenkopf ziert den unteren Teil des Titelbildes.

Kurze Zusammenfassung:
Die Fotografin Billy Bana (früher Biljana Banadinowic) muss die Wohnung ihres Vaters nach dessen Tod auflösen. Dabei wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Aufgewachsen ist sie als Gastarbeiterkind in Wien, die Familie kam ursprünglich aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Mein Leseeindruck:
Dieser Roman ist in mehrere Teile untergliedert mit und aus der Sicht der verschiedenen Familienmitglieder – und in verschiedenen Zeitebenen. Während der erste Teil  von Billy selbst im Jahr 2016 handelt,  folgt im 2. Romanteil ein Blick der Geschehnisse auf die Vergangenheit aus Sicht von  Billys Mutter Azra im Juli 2008. Dem schließt sich die Geschichte Simas (Vater von Billy) aus dem Mai 1999 an. Zum Ende des Buches (Januar 2018) erzählt Billy selbst…

Der Sprachstil der Autorin ist etwas ganz besonderes, sehr ausgefeilt, feinfühlig. Man kommt beim Lesen so richtig in einen Sog, der einen nicht mehr loslässt.

Sie beschreibt sehr bildhaft und emotional das Aufwachsen und das Leben ihrer Protagonisten. Dabei stört es keineswegs, dass der Roman in die verschiedenen Abschnitte unterteilt ist.

Gerade die unterschiedliche Betrachtung ihrer Protagonisten auf ihre Heimat und ihr Familiengefüge machen diesen Roman so lesenswert. Die Rückblicke sind wichtig, auch die Sicht aus und auf die einzelnen Familienmitglieder.

Mich hat dieser Roman sehr berührt. Es zeigt, dass ein Verlassen der Heimat immer einen großen Verlust bedeuten, die Familie zerbricht möglicherweise. Die Vergangenheit bekommt eine neue Bedeutung bei Verlust und Tod naher Familienmitglieder.

Der Autorin gelingt es mit diesem Roman die Gesellschaftspolitik ihres Heimatlandes zu beleuchten.

Fazit:
Ein wunderbar feinfühliger Gesellschaftsroman, dem ich viele Leser/innen wünsche!

Fazit: ***** von *****

Vom Schweden, der den Zug nahm (Per J. Andersson)

Abenteuerliches Reisen im Zug – die Entdeckung des Zuges u.a. als Urlaubsreiseverkehrsmittel

Bei diesem Buch hat mich zunächst das Titelbild sehr angesprochen, erst dann habe ich gelesen, um was es in diesem Buch geht: Reisen mit dem Zug.

Beschreibung des Buches:
„Vom Schweden, der den Zug nahm und die Welt mit anderen Augen sah“ von Per J. Andersson ist im C H Beck Verlag  2020 als Taschenbuch erschienen. Das Buch hat 379 Seiten. Auf dem Titelbild sieht man eine farbenfroh gemalte Landschaft mit einem Zug und einen Reisenden, der dem Zug hinterher läuft.

Kurze Zusammenfassung:
Der schwedische Autor erzählt in seinem Buch von zahlreichen Zugfahrten alleine, aber auch mit Familie. Die Reisen gehen weit über Europa hinaus. So auch durch China und die USA. Am Ende des Buches findet man noch etliche Bahnreisetipps, allgemeine Reisetitpps, Film- und Literaturtipps sowie Literaturhinweise.

Mein Leseeindruck:
Ein tolles Buch. Es hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Der Autor erzählt von seinen Reisen sehr bildhaft, man fühlt sich auf den Reisen mitgenommen, würde am liebsten gleich die Koffer packen und tatsächlich mitreisen.

Neben den Reisebeschreibungen mit und ohne Familie (Kinder), erfährt man hier so einiges über den Schienenausbau, Bahnstrecken, Züge und natürlich über einzelne herausragende Bahnhofsgebäude, auch geschichtliche und politische Hintergründe werden hier beleuchtet.

Ganz besonders gut haben mir die Reisebeschreibungen der Nachtfahrten gefallen. Ich bin einmal in meinem Leben auch in einem Schlafwagen von Moskau nach Leningrad/Petersburg gefahren und erinnere mich gerne daran zurück.

Dieses Buch macht definitiv Lust auf das Reisen mit der Bahn, Abenteuer, aber auch Entspannung pur! Und wie und wo lernt man am besten Leute und Kultur kennen? Wenn man sich in der Bahn gegenüber sitzt und sich unterhält.

Dieses Buch ist ein Plädoyer für die Bahn als Menschen und Gütertransportmittel auf dem Land. Mein Lieblingszitat aus diesem Buch:
„Es gibt einfach keine energie- und kapazitätseffektivere Methode, zu Land viele Menschen und große Mengen Güter zu transportieren.“

Gewünscht hätte ich mir noch ein paar Fotos der Bahnhöfe und Zugmaschinen. Außerdem fände ich eine Weltkarte mit den längsten/vorgestellten Zugverbindungen vielleicht in der Buchdeckel-Innenseite sehr hilfreich.

Fazit:
Ein Buch, das fesselt und zum Umdenken anregt. Nimm die Bahn – auch auf längeren Reisen! Zum Verschenken gerade für jüngere Menschen sehr gut geeignet.

Bewertung: ***** von *****

Papa, Papi, Kind – Warum Familie auch anders geht (Kevin und René Silvergieter Hoogstad)

Wunderbare Regenbogenfamilie: „Liebe ist Leben und Leben ist bunt“

Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich auf dieses Buch aufmerksam wurde, irgendwann ist mir Papa Kevin auf instagram „über den Weg gelaufen“ – und ich fand seinen Post/Story so interessant, dass ich das Buch lesen wollte.

Beschreibung des Buches:
„Papa, Papi, Kind“ von Kevin und René Silvergieter Hoogstad ist 2020 im mvgverlag als Taschenbuch erschienen. Es hat 249 Seiten. Auf dem Cover ist die Familie von Kevin und René in einer Zeichnung dargestellt: Papa, Papi, Sohn und Tochter.

Kurze Zusammenfassung:
Das Ehepaar Kevin und René Silvergieter Hoogstad hat in diesem Buch seine kleine Lebensgeschichte vom Kennenlernen bis hin zur Familie mit zwei Pflegekindern beschrieben.

Mein Leseeindruck:
Das ist ein sehr authentisches Buch. Kevin und René erzählen hier meist abwechselnd in 14 Kapiteln auf welchem Weg sie zu einer bunten Familie gekommen sind. Man erfährt, wie die zwei Flugbegleiter sich kennen gelernt, geheiratet und zunächst einen kleinen Jungen (vor 5 Jahren) und später ein kleines Mädchen in ihrer Familie aufgenommen haben.

Dabei erzählen sie schonungslos ihre Erlebnisse mit Freunden, Bekannten und Verwandten, aber auch die langen Wege, die es braucht, um als Pflegeeltern anerkannt zu werden. Beide haben sich sehr gut auf ihre Verantwortung vorbereitet.

Ich war von der ersten Seite an gefesselt von dem Thema Regenbogenfamilie und Pflegekinder. Es war richtig spannend zu lesen, wie die kleine Familie zusammengewachsen ist. Welche Hürden es zu überwinden gab, welche Mitspracherechte die leiblichen Eltern haben (können) und woran eine Pflegschaft eventuell scheitern kann.

Man merkt dieser Familie durch die sehr authentische Erzählung an, wie liebevoll alle miteinander umgehen, welche Verantwortung für sich selbst und vor allem für die Kinder diese zwei Papas auf sich nehmen, welche Gedanken, Ideen und Möglichkeiten sie erwägen und umsetzen, damit jedes Kind, aber auch beide Erwachsenen nicht zu kurz kommen und die Kinder individuell gefördert werden.

Man wünscht sich, dass es in allen Familien so liebevoll und kindgerecht zugeht, dass die Kinder eine liebevolle Erziehung genießen und sich in ihrer Familie geborgen fühlen können.

Fazit:
Ein Buch für alle, die offen für neue Familienkonstellationen sind, die sich als Paar für ein Pflegekind interessieren oder für alle, die einfach das bunte Leben mit ganz viel Liebe lieben.

Bewertung: ***** von *****

Das Erbe (Ellen Sandberg)

Großartige Familiengeschichte – Spannung, Liebe, Deutsche Geschichte

Nach dem Lesen des Klappentextes hat mich das Thema „Erbe eines Hauses“ angezogen – zudem die dunkle Geschichte, die sich dahinter zu verbergen schien.

Beschreibung des Buches:
„Das Erbe“ ist 2019 von Ellen Sandberg (Pseudonym der Münchner Autorin Inge Löhning) im Penguin-Verlag als Taschenbuch mit 503 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild sieht man eine Straße mit wunderschönen Altbau-Häusern.

Kurze Zusammenfassung:
Mona Lang erbt das Altbau-Mehrfamilienhaus (München-Schwabing) ihrer Tante Klara. Mit ihrer Botschaft „Mona wird die Richtige sein“ bürdet ihr die Tante eine große Last auf, denn das Haus gehörte offensichtlich ursprünglich einem jüdischen Unternehmer. Mona bricht ihre Zelte in Berlin ab und zieht nach München…

Mein Leseeindruck:
Der Roman ist in verschiedenen Zeitebenen als auch aus mehreren Perspektiven geschrieben. Während man zu Beginn von Monas Erbe im Jahr 2018 aus ihrer Sicht die Geschichte erzählt bekommt, gibt es einen Parallelstrang aus der Sicht von Sabine, die in Hamburg mehr schlecht als recht lebt und Rückblicke aus Klaras Blickwinkel u.a. aus dem Jahre 1938. In Briefen, die Klaras Freundin Mirjam aus England schreibt (hierhin wurde sie als Kind vorsorglich „verschickt“) wird die Verbindung aller Beteiligten so ganz allmählich klar.

Man gewinnt einen traurigen und ungeschminkten Eindruck, wie die Verhältnisse 1938 für die jüdischen Mitbürger immer schlimmer in Deutschland wurden. Die Briefe zeugen von den unterschiedlichsten Emotionen: Einerseits der vermeintlichen Sicherheit im Ausland, andererseits von Ausnutzung und Bedrängung minderjähriger Frauen und natürlich dem großen Verlust der Eltern und Familie.

In den anderen Romansträngen wird einem die aktuelle Realität bewusst. Die weniger Bemittelten, die Gierigen, die Neutralen, aber auch die, die sich um das Leben ihrer Mitmenschen sorgen, alle finden ihren „Platz“ rund um und mit Mona.

Die ganze „Wahrheit“ kommt ganz allmählich zu Tage. Die Autorin legt ihre Spuren schon früh, man muss sie nur begreifen, trotzdem bleibt das Familiengeheimnis bis fast zur letzten Seite ein großes Rätsel und unheimlich spannend.

Die Schauplätze sind Berlin, Hamburg und natürlich in erster Linie München.

Auch in diesem großartigen Roman ist es der Autorin gelungen, Liebe, Schuld und deren Verarbeitung zu vereinen. So ist hier eine sehr, sehr spannende Familiengeschichte entstanden.

Fazit:
Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, was nicht zuletzt auch am Schreibstil lag. Ich fand den Roman von Anfang an spannend, realitätsnah, verbunden mit der Deutschen Geschichte und sehr geheimnisvoll. Dieses Buch landet auf alle Fälle auf meiner „Best of 2020“ Liste!

Bewertung: ***** von *****

Rieslingsommer (Heike Wanner)

Familiengeschichte aus dem Rheingau – Sommer und Wein

Beschreibung des Buches:
„Rieslingsommer“ von Heike Wanner ist 2019 bei Tinte und Feder erschienen. Das Taschenbuch umfasst 299 Seiten. Auf dem farbenfrohen Titelbild zeigt sich eine idyllische Weinberglandschaft mit einem Fachwerkhaus im Vordergrund.

Kurze Zusammenfassung:
Louisa und ihre fast erwachsene Tochter Amelie ziehen gemeinsam in Louisas Elternhaus, einem kleinen Weingut in Rüdesheim, zurück. Zunächst ist Amelie wenig begeistert, doch dann findet sie das Leben bei Uroma Lisbeth, Oma Marlies und Tante Bianca schön, besonders als sie auch noch Jonathan kennenlernt. Ihre Mutter Louise merkt zwischenzeitlich immer mehr, dass das Weingut in seiner bisherigen Form nicht zu halten ist. Wäre es nicht besser es zu verkaufen?

Mein Leseeindruck:
Die Bücher von Heike Wanner habe ich ins Herz geschlossen. Die Romane sind einfach etwas für ein paar schöne Lesestunden. Ihr Schreibstil ist schön, die Charaktere immer wunderbar herausgearbeitet, die Szenerien toll ausgesucht und beschrieben.

Ich liebe Familiengeschichten/-geheimnisse – dieses Buch bietet wieder einmal eine solche in einer ganz besonderen „Lage“, Weinbergen im Rheingau. Rüdesheim ist als Touristenort bekannt (liegt nur eine gute Stunde von uns entfernt). Man kennt die kleinen (im Sommer überfüllten) Gassen, das Gewusel. Doch die Familie lebt auf ihrem Weingut etwas abseits des Trubels.

Hier finden die unterschiedlichsten Begegnungen statt, da taucht z.B. der Schäfer auf, der seine Schafe mitten auf den Weinbergen wandern lässt und Unterschlupf im Weingut bekommt. Was hält ihn dort, warum zieht er von Zeit zu Zeit weiter? Der junge Jonathan schleicht sich morgens aus Biancas Wohnung – und was ist der Inhalt von Biancas neuestem Roman? Das gemeinsame Essen der vier Frauen führt zu intensiven Gesprächen über die Vergangenheit – und wie es mit dem Weingut weitergehen soll. Die Urenkelin „kauft“ mit der Uroma kräftig im Internet ein…

Diese Idylle, die allerdings oftmals durch Streitigkeiten zwischen den Schwestern Bianca und Louisa gestört wird, bricht zusehends auf. Wird es eine Lösung für das Weingut geben.

Mir gefällt, dass die Autorin in diesem Buch auf ganz besondere Weise die unterschiedlichen Generationen an einen „Tisch bringt“. Ein Leben zusammen kann gelingen, wenn jeder seinen Freiraum bekommt. Man kann viel voneinander profitieren, wenn jeder seine Stärken ausleben kann..

Fazit:
Ich habe das Buch vor und während der Weihnachtsfeiertage morgens im Bett und spätabends zum Einschlafen gelesen. Es hat mir schöne Lesestunden bereitet.

Bewertung: ***** von *****

111 Orte für Kinder in Frankfurt am Main, die man gesehen haben muss (Julia Tzschätzsch)

Neue Ideen für Ausflüge in und um Frankfurt am Main – nicht nur (aber ganz besonders) für Kinder

Dieses Buch ist für mich eine der Entdeckungen, die ich auf der Frankfurter Buchmesse 2019 gemacht habe. Ich habe schon einige „111 Orte“- Bücher in den Händen gehabt, aber dieses ist ein ganz besonderer Schatz.

Beschreibung des Buches:
„111 Orte für Kinder in Frankfurt am Main, die man gesehen haben muss“ von Julia Tzschätzsch ist im emons: Verlag 2019 als Taschenbuch erschienen. Das Buch hat 240 Seiten. Das Titelbild reiht sich in die Serie „111 Orte“ des emons: Verlages. Es ist in Dunkelrot gehalten, hat einen Titel in weißer Schrift und ist mit einigen Fotos gespickt, die man mit Frankfurt am Main in Verbindung bringt.

Die Autorin Julia Tzschätzsch (Moderatorin beim Hessischen Rundfunk) wohnt mit ihrer Familie (drei Kinder) in Frankfurt. Sie hat das Buch mit eigenen Fotos gestaltet und die vorgestellten Örtlichkeiten mit den eigenen Kindern und befreundeten Kindern besucht.

Kurze Zusammenfassung:
Jedem beschriebenen Ort sind je 2 Buchseiten gewidmet – ein einseitig großes Foto und ein Text auf der gegenüber liegenden Seite. Zum Foto gibt es jeweils noch eine Kurzbeschreibung, wie Öffnungszeiten, Adresse, Anfahrtsweg und besondere Tipps. Auf den letzten Seiten gibt es Übersichtspläne, in denen die Ausflugtipps mit einer Nummer markiert aufzufinden sind.

Mein Leseeindruck:
Dieses Buch ist einfach wunderschön gestaltet. Man bleibt schon beim ersten Durchblättern auf der ein- oder anderen Seite hängen und bekommt sofort Lust, den gefundenen Ort aufzusuchen. Die Texte sind mit einzeln hervor gehobenen Wörtern sehr gut lesbar, die Überschrift ist leicht verschnörkelt, was dem Ganzen eine gewisse Lebendigkeit verleiht.

Die zahlreichen tollen Fotos zeigen Kinder im Einsatz, sie wirken fröhlich und laden regelrecht zum Nachmachen/zum Besuchen der Orte ein.

Man findet in diesem Buch Möglichkeiten im Freien als auch in Gebäuden Neues zu finden: Spielplätze, Museen, Tiere, Bäume, Brücken, Züge, Leseplätze uvm. gilt es zu entdecken.

Fast zu jeder beschriebenen Örtlichkeit erhält man zusätzliche Tipps. So findet man hier zum Beispiel gute Essensmöglichkeiten oder weitere Spielmöglichkeiten in der näheren Umgebung.

Sehr gut gefällt mir zudem, dass die Anfahrtsbeschreibungen sowohl den Weg mit PKW, Öffentlichen Verkehrsmitteln als auch in manchen Fällen die Fußwegzeiten angeben. Man findet auch eine Altersklassenangabe zu jedem Ort.

Dieses Buch hat mir wieder einmal mehr gezeigt, dass „Kind sein“ in Frankfurt nicht nur hohe Häuserfassaden, Straßenlärm und Beton bedeutet. Man hat so viele Möglichkeiten mit Kindern Natur, Technik und Kunst zu erleben, man muss nur dieses Buch lesen, dann sind die Wochenenden der nächsten 2 Jahre ausgefüllt!

Fazit:
Julia Tzschätzsch ist es gelungen, dass ich mich in meine Kindheit versetzt fühle, wenn ich in diesem Buch blättere – und am liebsten all die wunderbaren Orte aufsuchen würde, wo man spielen, lernen, erkunden und schauen kann. Viele der Plätze/Orte kann man auch als Erwachsener aufsuchen, aber mit den eigenen Kindern oder Enkeln macht das sicherlich besonderen Spaß sie zu besuchen.

Dieses Buch kann man prima „frischgebackenen“ Eltern schenken mit einem Gutschein für gemeinsame Zeit, die man mit der ganzen Familie verbringen kann.

Bewertung: ***** von *****

Warum Camping mich glücklich macht (Bettina Tietjen)

Macht Lust auf Camping-Urlaub – humorvoll erzählt

Ich fand das Titelbild mit dem Titel recht ansprechend, deshalb habe ich mir das Buch aus unserer Bücherei ausgeliehen und zwischendurch gelesen.

Beschreibung des Buches:
„Tietjen auf Tour“ von Bettina Tietjen ist 2019 als Taschenbuch im Piper Verlag mit 271 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild sieht man Frau Tiedjen selbst im Hintergrund Strand, einen Camper, eine Sitzgelegenheit (mit der obligatorischen Kaffeekanne) und Meer – sehr passend zum Inhalt.

Kurze Zusammenfassung:
Bettina Tietjen reist seit ihrer Jugend mit dem Campingbus in den Urlaub. Zuerst zu zweit mit Freund/Ehemann, später mit der ganzen Familie (2 Kinder). In 24 Kapiteln erzählt sie Anekdoten von diesen zahlreichen Reisen. In der Buchmitte sind auch einige private Fotos von den Reisen veröffentlicht.

Mein Leseeindruck:
Der Schreibstil von Frau Tietjen ist humorvoll. Man hat das Gefühl, man sitze ihr in einem Café gegenüber und unterhalte sich über ihre Reisen. Dabei nimmt sie sich selbst manchmal nicht ganz so ernst – und kann über so manches Missgeschick berichten.

Mich hat ein wenig irritiert, dass die Anekdoten nicht in einer zeitlichen Reihenfolge erzählt werden. Hier hätte ich eine chronologische Form gewählt.

Tietjens Erzählungen machen Lust auf das Campen, wenn man auf manchen Komfort verzichten kann. Oftmals entschädigen hier die netten Begegnungen, Freunde, die man immer wieder auf Reisen trifft und die tollen Lokalitäten/Campingplätze. Manches kann man gar nicht in einem Hotel oder einer großen Hotelanlage erleben.

Die Fotos im Mittelteil des Buches geben einen schönen Einblick in das fröhliche Campen. Hier sieht man auch die verschiedenen Campingbusse, die Familie Tietjen im Laufe ihrer Reisen als Rückzugsort genutzt hat.

Sogar nach Kanada hat sich die 4köpfige Familie begeben. Hier wurde ein besonders großes Reisegefährt gebucht – was nicht ganz so einfach zu manövrieren war…

Fazit:
Ein schönes Buch für Menschen, die sich für das Campen interessieren, kleine Reisetipps inklusive.

Bewertung: **** von *****

Dein Fleisch und Blut (Nicole Makarewicz)

Eine Journalistin auf der Suche nach der Wahrheit

Beschreibung des Buches:
„Dein Fleisch und Blut“ von Nicole Makarewicz, Wiener Journalistin, ist 2018 im Holzbaum Verlag als Taschenbuch erschienen. Der Thriller hat 222 Seiten. Auf dem Titelbild sieht man ist eine Pupp, ihr Gesicht ist nicht zu sehen, da sie auf dem Bauch liegt.

Kurze Zusammenfassung:
Für die Journalistin Leah Sebelia ist ihr Beruf eine Berufung. Während sie an einem Buch über Kinderpornographie schreibt, recherchiert sie sehr intensiv über das Thema. Daran zerbricht ihre Beziehung. Gerade als sie ihre Recherchen einstellen will, erhält sie Zugangsdaten zu einem Forum. Was sie hier erlebt übersteigt ihre Vorstellungskraft. Plötzlich werden Verdächtige umgebracht. Hat ein Mörder sie zum Handlanger gemacht?

Mein Leseeindruck:
Ein kurze Prolog, 5 Monate nach den eigentlichen Geschehnissen, führt in die Geschichte ein.

Der Thriller spielt in der Zeit von Februar bis August in Österreich. Die Kapitel sind mit dem Fokus auf die Journalistin Leah geschrieben. Als Leser hat man somit hat man als Leser keinen Vorteil im Lösen „des Falles“ – und tappt, wie Leah – lange Zeit im Dunkeln, wer hier „gut“ und wer hier „böse“ ist.

Die Autorin hat einen flüssigen Schreibstil, ihre Szenen sind gut beschrieben, man fühlt sich mitten im Geschehen. Der Thriller hat eine ansteigende Spannung, mehrere Verdächtige und die unterschiedlichsten Charaktere, die die Autorin gut herausgearbeitet hat.

Neben Leahs Recherche spielt auch ihr Liebesleben und ihre eigene Familiengeschichte eine große Rolle in diesem Roman. Das macht das Buch sehr abwechslungsreich und interessant. Ihre Recherchemethoden und die ihrer Freunde sind vielfältig. Da gibt es zum Beispiel die Halbschwester, die sich als Hackerin entpuppt.

Die Polizeiarbeit tritt in diesem Buch etwas in den Hintergrund, denn die Journalistin ist hartnäckiger in ihren Recherchen.

Zugegeben, das Thema ist schwierig. Die Autorin hat sicherlich ziemlich intensiv recherchieren müssen, am Ende des Buches gibt es noch Adressen und Ansprechpartner für „Täter“ und „Opfer“.

Alles in allem ist dieser Thriller spannend konstruiert, nicht zu grausam im Detail, aber dennoch aufrüttelnd. Ich konnte da Buch kaum weglegen.

Fazit:
Der Journalistin Nicole Makarewicz ist ein sehr spannender  und aktueller Thriller gelungen, der zeigt, dass Hartnäckigkeit von Journalisten manchmal zur Aufdeckung von Kriminalfällen führen kann – oftmals spielen sie dabei aber mit ihrem eigenen Leben.

Bewertung:  ***** von *****

Sieben Häuser (Finn Danny)

Arbeitsfrust, Zukunftsträume, Liebe, Habgier – oder die Verantwortung für einen Menschen

Dieses Buch ist mir in der Bücherei über den Weg gelaufen. Beim Blättern blieb ich auf Ortsnennungen wie Schwanheim, Goldstein, Norderney und Nidderau hängen, das machte mich neugierig. Nach lesen des Klappentextes habe ich das Buch mitgenommen…

Beschreibung des Buches:
„Sieben Häuser“ von Finn Danny ist 2018 als Book on demand im Taschenbuchformat erschienen. Das Buch hat 260 Seiten. Das Cover zeigt eine gezeichnete Häuserfassade – der Titel des Buches in Pink und Gelb fällt besonders ins Auge.

Kurze Zusammenfassung:
Der Hauptprotagonist Florian Herfurth führt ein einfaches Leben. Mit mehreren Jobs hält er sich, seine Frau und deren kleine Tochter über Wasser. Seine wenige Freizeit verbringt er bei der 71jährigen an MS erkrankten Ingrid Leitner. Die ältere Dame ist vermögend, besitzt sie doch mehrere Mietshäuser.
Durch einen Zufall erfährt er, dass die alte Dame einen Selbstmord auf der Insel Norderney plant und ihm alle ihre Häuser vermachen will. Was soll er tun?

Mein Leseeindruck:
Eine sehr turbulente Geschichte verbirgt sich hinter diesem Romantitel. Florian ist ein pflichtbewusster Mensch, besonders dann, wenn es um seine Mitmenschen geht. Bei seinen Jobs lässt er auch mal 5 gerade sein.

Während er davon träumt, dass er seiner kleinen Familie einmal ein kleines Haus bieten kann, erhält er eine (fälschlicherweise?) an ihn adressierte E-Mail von Ingrid Leitner, in der sie ihren Selbstmord ankündigt. Er ist hin- und hergerissen. Wie soll er  sich verhalten? Soll er so tun, als wüsste er nichts und sich auf ein großes Erbe freuen?

Zunächst begleitet er die alte Dame auf ihrer Reise an die Nordsee. Diese Reise hat es in sich. Nicht nur seine Frau, sondern auch eine neue Zufallsbekanntschaft schicken ihm zahlreiche whatsapp-Nachrichten, die ihm nach und nach sehr zusetzen. Er ist hin- und hergerissen zwischen drei Frauen.

Diese Geschichte ist eigentlich etwas skurril, trotzdem habe ich sie mit einer gewissen Erwartungshaltung gelesen, denn sie lässt einen nicht mehr los. Das ständige Hin- und Her, die Zerrissenheit von Florian, die Hochs- und Tiefs während seiner Reise (auch zu sich selbst) sind mit den vielen (whatsapp-)Dialogen sehr spannend beschrieben. Wie wird er sich entscheiden? Siegt die Vernunft, das Mitgefühl, die Liebe oder die Habgier? Oder will er einfach nur glücklich sein im Leben?

Fazit:
Mir hat dieser Roman gut gefallen. Er ist spannend, witzig, macht aber auch betroffen, fast wie im echten Leben! Ich konnte ihn kaum zur Seite legen und habe ihn an einem Wochenende fast am Stück gelesen.

Bewertung: ***** von *****

Das muss Liebe sein (Katja Kessler)

DER „Ratgeber“ für die glückliche Ehe 😉

Manchmal muss ich einfach mal ein vermeintlich lustiges Buch lesen…hier habe ich es gefunden.

Beschreibung des Buches:
„Das muss Liebe sein“ ist 2018 als Taschenbuch im Diana-Verlag erschienen. Das Buch hat 352 Seiten. Das Cover ist blau, mittig ist ein großes rotes Herz abgebildet, in diesem ist der Titel des Buches hineingedruckt.

Kurze Zusammenfassung:
Katja Kessler, Zahnärztin, Journalistin und Autorin, ist selbst schon über 15 Jahre verheiratet mit Kai Diekmann, ehemaligem Herausgeber der BILD-Gruppe. Gemeinsam haben sie vier Kinder.

Mein Leseeindruck:
Katja Kessler ist bekannt für ihre humorvollen Bücher, die mit einem Augenzwinkern geschrieben sind und die man auch so lesen und interpretieren muss.

Ich habe mich völlig auf dieses Buch einlassen können. Die „54 ½ Pflegetipps für die glückliche Ehe“ sind in einzelnen Kapiteln behandelt. Jedes Kapitel ist mit einer treffenden Zeichnung bestückt. Zusätzlich gibt es zahlreiche Statistiken, Fragen/Antwort-Spiele und weitere schön aufbereitete Tipps.

Die Tipps sind teilweise aus der eigenen Erfahrung heraus entstanden, aber auch mehreren Büchern und Untersuchungen/Studien entnommen, die man im Anhang der Kapitel findet.

Das Buch kann man zur leichten Unterhaltung im Zug, auf der Liege oder abends (heimlich im Bett 😉 lesen und darüber schmunzeln. Vieles kommt einem bekannt vor, manche Situationen kann man mithilfe des Buches auf humorvolle Weise vielleicht beim nächsten Mal auf eine andere Art bewältigen und den Partner damit überraschen.

Mir hat das Buch viel Spaß bereitet. Es ist kurzweilig, lustig, authentisch geschrieben (wenn Frau Kessler von der eigenen Ehe berichtet, wirkt es wirklich, wie eine Tatsache) und gibt einem Ratschläge, die man befolgen kann – aber nicht muss.

Fazit:
Sollte man ein solches Buch einem jungen Paar noch vor der Ehe schenken? Ich finde, ja, dann weiß es, was auf es zukommen kann. So entgeht man vielleicht der ein oder anderen Enttäuschung.

Bewertung: ***** von *****