Das Grand Hotel – Die nach den Sternen greifen (Caren Benedikt)

Familiengeschichte um ein Hotel auf Rügen

Neben Krimis lese ich auch gerne Familiengeschichten – und ich mag die Insel Rügen, wo wir hoffentlich auch dieses Jahr noch unseren Urlaub verbringen dürfen – deshalb habe ich zu diesem Buch gegriffen.

Beschreibung des Buches:
„Das Grand Hotel – Die nach den Sternen greifen“ ist 2020 bei Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House als Taschenbuch mit 508 Seiten erschienen. Auf dem Cover zeigt sich das Hotel in seiner ganzen Pracht.

Kurze Zusammenfassung:
Es handelt sich hier um den ersten Teil einer Familiensaga, die ab den 1920ern beginnt und bis in die Mitte der 1930er die Familie begleiten soll. Auch eine TV-Produktion ist geplant. Bernadette von Plesow ist das Familienoberhaupt, sie führt das Grand Hotel in Binz (Ostsee), hier ist ihr Sohn Alexander mit der Geschäftsführung betraut, während in Berlin sein Bruder Constantin ebenfalls ein Hotel mit angeschlossenem Varieté führt. Tochter Josephine ist das „Sorgenkind“ der Familie, sie lebt für ihre Kunst – der Malerei. Nichts ist so, wie es oberflächlich zu sein scheint.

Mein Leseeindruck:
Die Familiengeschichte hat zwei Schauplätze, Binz und Berlin, die im Verlauf des Romans sehr oft wechseln. Auch der Blick auf die Protagonisten ist einem ständigen Wechsel unterworfen.

Der Sprachstil ist angenehm. Die Charaktere entwickeln sich im Laufe der Geschichte. Zu Beginn war mir Bernadette noch etwas suspekt, doch je weiter ich in diesen Roman eintauchte, desto mehr von ihrem weichen Kern konnte ich entdecken.

Der Wechsel zwischen den Schauplätzen ist manchmal rasant, macht den Roman aber so abwechslungsreich. Die einzelnen Kapitel werden mit jeweils einem Zitat der Protagonisten eingeleitet.

Schade finde ich, dass hier das Lebensgefühl im Berlin der 1920er Jahre doch etwas zu wenig beschrieben wird. Der Fokus dieser Familiensaga ist wirklich hauptsächlich auf die Protagonisten/die Familienmitglieder gelegt. Nur am Rande spielen Hotelgäste und Urlauber eine Rolle.

Was den Roman so abwechslungsreich und spannend macht sind u.a. die Themen Liebe, Intrigen, Morde und Schutzgelderpressung – all das erwartet einen in dieser Familiensaga.

Fazit:
Ein guter Start einer Familiensage in mehreren Teilen. Ein wenig haben mir Beschreibungen über das Umfeld der Familie, das Leben in den 1920ern gefehlt, trotzdem würde ich auch gerne die weiteren geplanten Teile lesen, um zu erfahren, wie es mit dem Hotel auf Rügen und der Familie von Plesow weitergeht.

Bewertung: **** von *****

Kein Wunder (Frank Goosen)

Deutsch-deutsche Geschichte kurz vor dem Mauerfall

In der Bücherei bei den Neuerscheinungen gefunden: Mich haben das Cover und dann auch noch der Klappentext dieses Buches angesprochen.

Beschreibung des Buches:
„Kein Wunder“ ist 2019 im Verlag Kiepenheuer und Witsch als Hardcover mit 349 Seiten erschienen. Das Titelbild ist gemustert mit dem Bild eines Camping-Gaskochers der Marke Juwel, der in diesem Roman eine besondere Bedeutung einnimmt.

Kurze Zusammenfassung:
Förster, Fränge und Brocki sind Anfang 20 und kommen ursprünglich alle aus Bochum, wo sie sich seit der Schulzeit kennen. Fränge lebt mittlerweile in West-Berlin, die Freunde besuchen ihn regelmäßig. So auch in den Wochen und Monaten vor dem Mauerfall im Jahr 1989. Fränge führt ein kleines Doppelleben, er hat in West-Berlin Marta und im Osten der Stadt Rosa als Freundin. Mit seinem Zwangsumtausch-Geld kauft er regelmäßig einen Camping-Gaskocher der Marke Juwel, den er dann im Westen teuer wieder verkauft. Als die drei Freunde wieder einmal Rosa in Ost-Berlin besuchen, fühlt sich Förster zu der so ganz anders aufgewachsenen jungen Frau hingezogen…

Mein Leseeindruck:
Dieser Roman lebt von der Kommunikation unter den Protagonisten. Ihr Austausch über die jeweiligen Gegebenheiten in ihrer Heimat, die Beschreibungen des Ostens Berlins vor der Wiedervereinigung, dem Wissen des Lesers, dass der Mauerfall kurz bevorsteht – das macht dieses Buch so lesenswert. Auch ganz besonders dann, wenn man in dieser Zeit im gleichen Alter war.

Mir haben die so humorvoll erzählten Szenen gefallen – sei es über die Eltern der jungen Männer aus dem Ruhrpott als auch die Gegebenheiten in Ost-Berlin, wenn es um das Verhältnis von Rosa zu ihren Eltern bzw. deren Beziehung zueinander geht.

In die Stadt Berlin hineinversetzt fühlte ich mich, wenn es um die mir bekannten Plätze und Straßen ging, die ich vornehmlich während Reisen nach dem Mauerfall kennen gelernt habe. Mit 16 Jahren war ich tatsächlich auch einmal in Ost-Berlin. Lleider kann ich mich nur noch an den Grenzübertritt erinnern. Einzelne Plätze, die wir im Rahmen einer Führung besuchen konnten, sind mir leider nicht in Erinnerung geblieben.

Das Buch zeigt hier anhand der Protagonisten die doch so unterschiedliche Prägung, den elterlichen Hintergrund und das Aufwachsen in zwei doch so verschiedenen Systemen.

Ich finde, dem Autor ist es ganz wunderbar gelungen, einen humorvollen Roman mit viel Tiefgang zu schreiben, der beim Lesen unterhält, jüngste deutsche Geschichte beschreibt und zum darüber-Reden anregt.

Fazit:
Mir hat der Roman sehr gut gefallen, nicht zuletzt, weil er auf humorvolle Wiese und sehr authentisch die Menschen aus Ost- und West-Deutschland beschreibt.

Bewertung: ***** von *****

500 Hidden Secrets BERLIN (Nathalie Dewalhens)

Der etwas andere Reiseführer – geheime Tipps

Ich habe dieses Buch auf der Frankfurter Buchmesse 2019 entdeckt. Für einen Kurztrip nach Berlin suchte ich nach besonderen Locations abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten.

Beschreibung des Buches:
„500 Hidden Secrets Berlin“ von Nathalie Dewalhens ist im Bruckmann Verlag in 2. Auflage 2019 als Taschenbuch erschienen. Das Buch hat 263 Seiten. Auf dem Titelbild sieht man eine Strandbar gefüllt mit Menschen im Abendlicht.

Die Autorin ist in Berlin meist mit dem Fahrrad unterwegs und hat die beschriebenen Orte selbst entdeckt und besucht.

Kurze Zusammenfassung:
In 10 Kapiteln findet man 500 Örtlichkeiten mit Adresse, Internetseite, Telefonnummer und einer Kurzbeschreibung, die meist nicht mehr als ein Drittel der Seite einnimmt. Jedes Kapitel wird mit einem doppelseitigen Foto eingeleitet. Kleinere Fotos der Locations findet man locker verteilt auf ca. jeder 3. Seite. Zusätzlich gibt es 10 Straßenkartenseiten und eine Übersichtskarte der Stadtteile Berlins sowie ein Register am Ende des Buches.

Mein Leseeindruck:
Das Buch ist übersichtlich gestaltet. Zu Beginn kann man sich einen Überblick über die vorgeschlagenen Örtlichkeiten machen. Da gibt es z.B. „Orte für gutes Essen“, „Orte für einen Drink“, „Orte zum Shoppen“ (hier findet man „Unabhängige Buchhandlungen“, „Einkaufsviertel, die kaum jemand kennt“ oder „Heiße Sexshops“) oder „Wissenswerte Dinge und unnütze Details“ („Berliner Reden“, „Berliner Persönlichkeiten“).

Die Beschreibungen sind kurz und knackig, gut und übersichtlich in zwei Spalten auf einer Seite verteilt (nie mehr als 3), so dass man sich sehr schnell zu recht findet und schon beim ersten Blättern an der ein oder anderen Stelle gerne hängenbleibt und sich einliest.

Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, mit kleinen Post-Its Orte, die mich interessieren, zu markieren.

Ob es sich bei den Beschreibungen um echte Geheimtipps handelt, kann ich als Tourist im Vorfeld nicht beurteilen. Zumindest sind mir die meisten Örtlichkeiten noch nicht „über den Weg gelaufen“ und ich bin dankbar für diese besonderen Tipps.

Schade finde ich, dass bei der Adresse der Location kein Hinweis auf Öffentliche Nahverkehrsmittel gegeben wird, das würde mir die Planung erleichtern

Man findet die beschriebenen Örtlichkeiten, die jeweils mit einer Nummer von 1-500 markiert sind auf den Straßenkarten wieder, allerdings braucht man hier gute Augen oder eine Lupe, denn die Ziffern sind recht klein gedruckt.

Fazit:
Ein handliches Buch, das man, wenn man unterwegs in der Stadt ist, gut in die Tasche packen kann. Die Ideen inspirieren sich auch einmal abseits der gewohnten Wege in Berlin auf den Weg zu machen, um Neues zu entdecken.

Bewertung: **** von *****

111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss – Band 2 (Lucia Jay von Seldeneck, Carolin Huder, Verena Eidel)

Neue Tipps für Berlin-Ausflüge – Band 2

Auch dieses Buch habe ich auf der Frankfurter Buchmesse 2019 entdeckt, denn wir planen mal wieder einen Kurztripp nach Berlin, da brauchen wir außergewöhnliche Orte/Geheimtipps abseits der üblichen Sehenswürdigkeiten.

Beschreibung des Buches:
„111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss“ von Lucia Jay von Seldeneck, Carolin Huder und Verena Eidel ist im emons: Verlag 2018 als Taschenbuch in aktualisierter Auflage erschienen. Das Buch hat 240 Seiten. Das Titelbild reiht sich in die Serie „111 Orte“ des emons: Verlages. Es ist in Signal-Orange gehalten, hat einen Titel in weißer Schrift und zeigt eine Portion der berühmten Berliner Currywurst.

Kurze Zusammenfassung:
Wie in den „111 Orten“ üblich, sind jedem beschriebenen Ort je 2 Buchseiten gewidmet – ein einseitig großes Foto und ein Text auf der gegenüber liegenden Seite. Zum Foto gibt es jeweils noch eine Kurzbeschreibung, wie Öffnungszeiten, Adresse, Anfahrtsweg und besondere Tipps. Auf den letzten Seiten gibt es Übersichtspläne, in denen die Ausflugtipps mit einer Nummer markiert aufzufinden sind.

Mein Leseeindruck:
Die Fotos laden schon beim Durchblättern zum Verweilen ein, sie sind Blick erhaschend und zeigen meist ein Detail der Örtlichkeit in Großaufnahme. Das macht neugierig auf den Text, um herauszufinden, um welchen Ort es in der Beschreibung geht.

Schaut man sich die Übersichtskarten auf den letzten Seiten an, findet man schnell heraus, dass man sich schon ziemlich im Umfeld von Berlin auf die Suche nach den manchmal „versteckten“ Orten aufmachen muss. Da in den Beschreibungen auch immer die Anfahrt per ÖPNV angegeben wird, ist das allerdings kein Problem.

Nachdem ich das Buch von vorne bis hinten angeschaut hatte, habe ich mir mit kleinen Post-Its die für mich interessantesten Orte herausgesucht, dabei handelt es sich u.a. um Gebäude, Geschäfte, Friedhöfe usw.

Ich interessiere mich besonders für interessante Geschäfte und für außergewöhnliche Architektur. In diesem Buch findet man beides.

Meine Highlights, ohne dass ich sie bisher besucht habe: Das Funkturm Restaurant und das Haus, in dem die U-Bahn verschwindet. Da muss ich unbedingt während unseres Kurztrips nach Berlin hin!

Fazit:
Wieder einmal ein etwas anderer Reiseführer – für Reisende als auch für Berliner, die ihre Stadt noch besser kennenlernen möchten. Gut auch als Geschenk z.B. verbunden mit einem Gutschein für eine Berlin-Reise.

Bewertung: **** von *****

Die Spur des Geldes (Peter Beck)

Die Todesgefahr

Krimis und Thriller lese ich immer wieder gerne. Der Titel und die Kurzbeschreibung des Buches haben mich angesprochen, der Inhalt war dann doch anders als erwartet.

Beschreibung des Buches:
Der Thriller „Die Spur des Geldes“ von Peter Beck ist 2019 als Taschenbuch im emons:-Verlag erschienen. Er hat 428 Seiten. Es ist ein weiterer Thriller um Tom Winter, den Sicherheitschef einer Schweizer Privatbank.
Auf dem Titelbild, das sehr düster gehalten ist, sieht man lediglich die Silhouette einer Person, die in einem Tunnel zu stehen scheint.

Kurze Zusammenfassung:
Nachdem in einem Schacht bei einem Berliner See ein Toter gefunden wird, der in merkwürdige Bankgeschäfte verwickelt war, wird Tom Winter eingeschaltet, diesen Fall zu überprüfen. Kurze Zeit später gibt es eine weitere Leiche – ein junge Frau. Was haben diese beiden Toten gemeinsam? Wusste sie zu viel über geheime Pläne, das Trinkwasser in Europa zu verseuchen?

Mein Leseeindruck:
Der Schreibstil des Autors ist toll. Die sehr detailreiche Sprache lässt einen beim Lesen einen Film vor Augen ablaufen, fast wie bei einem Drehbuch.

Der Fokus liegt auf dem Ermittler, 21 Tage in einem Mai, sehr minutiös geschildert. Die „Jagd“ des Ermittlers vollzieht sich über Berlin, die Schweiz auch durch Osteuropa. Dabei reist man förmlich mit im Flugzeug, Schiff, Laster als auch im Kleinwagen.

Ich brauchte allerdings mehr als ein Drittel des Buches, um so richtig in den Thriller einzutauchen. Dann aber wurde die Geschichte so rasant erzählt, dass sie mich endlich in den Bann ziehen konnte.

Vielleicht muss man mit diesem Thriller erst warmwerden, um so ganz in diese Materie hineinzufinden? Geht es hier doch nicht vornehmlich um Geldgeschäfte, sondern darum, Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen, nicht nur mit herkömmlichen und offensichtlichen Waffen.

Ich könnte mir vorstellen, dass sich dieser Thriller auch gut verfilmen lässt.

Fazit:
Ein spannender Thriller, der erst langsam in die Gänge kommt. Da muss man Ausdauer beweisen, um die spannendsten und actionreichsten Szenen „zu erleben“ und auf den letzten Metern „aufatmen“ zu können.

Bewertung: **** von *****

Böse Schatten (Christian v. Ditfurth)

Schatten der Vergangenheit

Siebter Band einer Serie um Josef Maria Stachelmann – Privatermittler und frisch berufener Uni-Professor

Beschreibung des Buches:
Der Krimi „Böse Schatten“ ist im Penguin Verlag 2018 als Taschenbuch mit 414 Seiten erschienen. Der Autor Christiane v. Ditfurth hat bereits mehrere Krimis in mehreren Reihen veröffentlicht.

Auf dem Cover erkennt man unter Nebel Gebäude in Hamburg, die von Wasser umringt sind.

Kurze Zusammenfassung:
Beim Vergraben einer toten Katze findet der Vater einer Familie die Leiche eines vor 25 Jahren verschwundenen Mannes. Man stellt fest, dass dieser offensichtlich zu Tode gefoltert wurde. Nachdem die Polizei mit ihren Ermittlungen nicht weiterkommt, wird der Ex-Privatdetektiv und frisch berufene Professor Josef Maria Stachelmann um Hilfe gebeten. Es handelt sich um seinen 7. Fall, den er hier in Hamburg lösen soll. Schnell wird deutlich, dass hier die deutsch-deutsche Geschichte Dreh und Angelpunkt des Ganzen ist…

Mein Leseeindruck:
Bisher habe ich noch keinen Krimi aus der Reihe um Josef Maria Stachelmann gelesen.

Ermittelnde Personen sind der frisch ernannte Professor, sein junger Freund Georgie und Kriminalkommissarin Rebekka Kranz. Sie haben ihre ganz eigenen Ermittlungsmethoden, bilden aber ein interessantes Team mit viel Potential – und so einigen Querelen untereinander.

Während sich Stachelmann nach einem Anschlag auf das Auto seiner Lebensgefährtin von ihr trennt, um sie nicht weiter zu gefährden, kommen er und die Kommissarin sich während ihrer Suche nach den Hintergründen des Mordes näher, was die Ermittlungen nicht unbedingt vereinfacht.

Der Krimi spielt in Hamburg als auch in Berlin. Es passiert beim Lesen so manches Mal, dass man nicht genau weiß, wo befindet sich der Protagonist gerade bzw. wie ist er dort so schnell hingereist. Diese verschiedenen Perspektivwechsel sind oftmals nicht so leicht zu erfassen, zumal hier nicht hauptsächlich der Fokus auf die Ermittlung gelegt wird, sondern auch auf die vermeintlichen Täter.

Was mich am Anfang des Krimis ein bisschen störte, war, dass der Autor oftmals nur die Nachnamen nennt, wenn er von den handelnden Personen schreibt, das hat mich bei den weiblichen Protagonisten etwas irritiert…

Hervorheben möchte ich, dass man bei diesem Krimi so einiges an Hintergrundwissen über die deutsch-deutsche Geschichte erfährt.

Auch wenn dieser Krimi nicht durchweg spannend ist, weil er sich in einigen Nebensächlichkeiten verstrickt, so fand ich ihn aufgrund seiner Charaktere und des Themas sehr interessant.

Fazit:
Ein gelungener Krimi, der mich auf einer längeren Autofahrt gut unterhalten hat. Ich könnte mir vorstellen, noch weitere Fälle mit Josef Maria Stachelmann zu lesen.

Bewertung: **** von *****

Der Preis des Todes (Horst Eckert)

Ein spannender Politthriller – sehr realitätsnah

Nachdem ich den Klappentext dieses Buches gelesen hatte, musste ich das Buch haben.

Beschreibung des Buches:
„Der Preis des Todes“ ist 2018 im Rowohlt-Verlag als Hardcover mit 414 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild sieht man eine Frau, die in einem hell erleuchteten Büro zu telefonieren scheint, offensichtlich handelt es sich bei dem ansonsten im Dunkeln umhüllten Gebäude um einen Bürokomplex.

Kurze Zusammenfassung:
Sarah Wolf ist eine bekannte Düsseldorfer Journalistin mit eigener politischen Talkshow in der ARD. Im Zuge ihrer journalistischen Arbeit hat sie den Bundestagsabgeordneten Christian Wagner kennen und lieben gelernt. Kurz nachdem er mit einem international agierenden Krankenhausbetreiber in Verbindung gebracht wird, findet man ihn tot in seiner Wohnung. Als Todesursache wird zunächst von Selbstmord ausgegangen. Sarah ist von der Selbstmordtheorie nicht überzeugt und beginnt eigene Recherchen. Ihre Suche nach der Wahrheit bringt sie nach Kenia ins Flüchtlingslager Dadaab. Hier begegnet sie skrupellosen Menschen…

Mein Leseeindruck:
Dieser Roman hat alles, was ein Politthriller braucht: Spannung, Aktualität und Bezug zur Politik. Er spielt in Düsseldorf, Berlin und Kenia. Im Roman liegt der Fokus hauptsächlich auf Sarah, immer mal wieder erhält man aber auch Informationen über die Ermittlungsarbeit der Kriminalpolizei, die, wie sich herausstellt, u.a. von Sarahs verschwundenem Vater (Kriminalbeamter) begleitet wird.

Gerade die Beziehungen, die unter den Verdächtigen, Ermittlern und Betroffenen bestehen, machen den Reiz dieses Romans aus. Nicht nur die Ermittlungsarbeit, die Sarah nach Kenia führt, sondern auch ihr Privatleben als Journalistin, Tochter und Geliebte bringen die Würze in diesen Thriller.

Der aktuelle Bezug (Geschäfte mit dem „Gesundheitswesen“, mehr möchte ich nicht verraten) macht dieses Buch zu einem sehr realitätsnahen Leseerlebnis in das man eintaucht, während man hofft, dass das Beschriebene sich nicht wirklich genauso abspielt.

Ob der Autor tatsächlich in Kenia vor Ort recherchiert hat ist mir nicht bekannt. Allerdings sind die örtlichen Beschreibungen sehr detailliert. Man möchte nicht wirklich in der Haut von Sarah stecken.

Die einzelnen Fäden dieses Thrillers sind wunderbar gespannt, sie führen erst ganz zum Schluss zu einer schlüssigen Lösung. Zwischendurch tappt man wirklich ziemlich im Dunkeln, wer hier der/die eigentliche Drahtzieher des Ganzen ist.

Die Recherchearbeit des Medienprofis Sarah unter dem Deckmantel ihrer Talkshow wirkt sehr realitätsnah. Man bekommt einen tollen Einblick in die Arbeit von Journalisten, die sich mit all ihrem Herzblut in eine Reportage vor Ort „stürzen“.

Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet, mit den Sympathischen leidet man mit, die anderen würde man gerne in ihrem Tun stoppen.

Fazit:
Ein sehr realistisch entwickelter Politthriller mit sehr brisantem Thema – sehr spannend!

Bewertung: ***** von *****

Mehr als tausend Worte (Lilli Beck)

Junge Liebe – überlebt sie in den Wirren des 2. Weltkrieges?

Was sind „mehr als tausend Worte“, wenn es um die Liebe geht? In Briefen kann man sie festhalten, wenn man sich Jahre nicht sehen kann. Genau so ergeht es dem jüdischen Mädchen Aliza…

Beschreibung des Buches:
„Mehr als tausend Worte“ ist im 2019 im blanvalet-Verlag als Hardcover Buch erschienen. Es hat 490 Seiten. Auf dem Cover ist ein schwarz/weiß Foto eines jungen Paares abgebildet, was gut zur Geschichte passt. „Liegt hier die Zukunft?“, mag die junge Frau mit Blick in die Ferne sagen.

Kurze Zusammenfassung:
Aliza und Fabian, zwei junge Menschen, wachsen in Berlin auf, man schreibt das Jahr 1938. Nach der sogenannten Reichspogromnacht am 9. November 1938 wird es für Alizas Familie immer schwieriger in Deutschland zu überleben. Aliza wird von ihren Eltern mit einem Kindertransport kurz vor ihrem 17. Geburtstag nach England verschickt. Fabian wird zum Wehrdienst einberufen. Beide schwören sich ewige Liebe. Aliza bekommt von Fabian einen Verlobungsring und ein in Parfum getränktes Taschentuch, das sie immer an ihn erinnern soll. Werden sie sich (nach Ende des Krieges) jemals wieder begegnen?

Mein Leseeindruck:
Lilli Beck gelingt es einmal mehr, mich an ein Buch zu fesseln. Nach den ersten Seiten konnte ich diesen Roman nicht mehr zur Seite legen. Die mit vielen Details beschriebenen Umstände, unter denen Alizas Familie als Juden zu (über)leben versucht, sind kaum zu ertragen. Trotzdem gelingt es der Autorin durch die Liebesbeziehung von Aliza und Fabian einen kleinen Lichtblick in das ansonsten sehr tragische Geschehen zu zaubern.

Der Roman beschreibt die Zeit von 1938 bis Ende 1945. Während man über das Leben von Aliza in London stets auf dem Laufenden gehalten wird, erfährt man in einigen Kapiteln, wie es der Familie in Berlin ergeht. Aliza erhält von Fabian ab und an Briefe, die allerdings meistens schon einige Zeit unterwegs sind, bis sie bei ihr ankommen. Nach Kriegsende ist sie deshalb nicht wirklich informiert, wie es ihrer Familie und ihrem Liebsten geht. Haben sie alle überlebt?

Es ist Lilli Beck gelungen, die voranschreitende Ausgrenzung und Vernichtung der Juden in Deutschland und die Kriegsjahre am Beispiel einer ganz normalen Familie sehr bewegend zu beschreiben. Verpackt mit einer Liebesgeschichte nimmt man als Leser noch mehr Anteil und versucht sich in die beschriebenen  Situationen und Menschen hineinzuversetzen.

Gerade über die „Kinderauslandsverschickung“ habe ich bisher nicht viele Informationen gehabt. Durch diese Geschichte habe ich hier einiges „hautnah“ erfahren, die Autorin hat darüber intensiv recherchiert und das in ihren Roman eingearbeitet.

Es geht in diesem Buch um Mitgefühl, um das „Nicht vergessen“! Das ist Lilli Beck gelungen. Mit ihrer Geschichte berührt sie die Leser.

Das Ende hätte ich mir etwas ausführlicher und „dramatischer“ gewünscht, es kam doch sehr plötzlich. Hier hätte man für meinen Geschmack noch mehr Spannung einbauen können.

Fazit:
Gerade Generationen, die nur noch aus der Erinnerung der Großeltern oder aus Reportagen etwas über die Nazizeit erfahren können, erleben durch diesen Roman fast hautnah, was es bedeutet ausgegrenzt und letztendlich vernichtet zu werden. Die Erinnerung daran darf niemals erlöschen!

Bewertung: **** von *****

Bullenbrüder: Tote haben kalte Füße (Rath/Rai)

Ein ermittelndes Brüderpaar in Berlin

Ich lese nicht nur Krimis, die im Rhein-Main-Gebiet spielen, sondern auch Krimis aus Städten, die ich bereist habe.

Beschreibung des Buches:
„Tote haben kalte Füße“ ist 2018 im Wunderlich-Verlag als Hardcover mit 285 Seiten erschienen. Das Autorenpaar Hans Rath und Edgar Rai hat hier eine Krimi-Serie um zwei ungleiche Brüder entwickelt. Auf dem Titelbild sieht man die Zwei auf einer Mauer sitzen, im Hintergrund erkennt man Berlin. Das Cover ist eher unscheinbar und zieht nicht unbedingt den ersten Blick auf sich.

Kurze Zusammenfassung:
Kriminalkommissar Holger Brinks und Privatermittler Charlie sind Brüder. Charlie wohnt z.Z. im Gartenhaus seines Bruders. Pikanterweise erhalten sie in einem zusammenhängenden Fall beide einen Ermittlungsauftrag. Holger soll herausfinden, wo sich Victoria Sommer, Mitbegründerin eines Smoothie-Start-Ups, aufhält. Charlie wird beauftragt, den Ehemann seiner alten Freundin zu finden. Irgendwie weisen die beiden „Fälle“ Gemeinsamkeiten auf…

Mein Leseeindruck:
Dieser Krimi ist witzig, leicht, spannend und abwechslungsreich. Neben den eigentlichen Fällen, passieren amüsante Dinge im Haus der Familie Brinks. Da quartiert sich zum Beispiel die lebenslustige Mutter mit ihrem Lover im Haus von Holger ein. Sie will ihre Hochzeit groß im Garten ihres Sohnes feiern.

Gleichzeitig beginnt Charlie eine kleine Liebschaft mit seiner Auftraggeberin – und immer wieder kommen sich die zwei Brüder mehr oder weniger ins Gehege.

Die zahlreichen Wortwechsel zwischen den einzelnen Protagonisten machen diesen Krimi sehr lebendig. Der Erzählstil ist an manchen Stellen sehr sarkastisch und mit viel Humor gespickt. Gerade das Zusammenspiel der ungleichen Brüder macht diese Serie recht einzigartig. Der Kriminalbeamte und der „Schnüffler“, hier prallen Welten aufeinander, die das Autorenpaar ganz wunderbar dargestellt hat.

Es war ein großes Vergnügen, diesen Krimi zu lesen, der bis zum Schluss seine Spannung nicht verliert.

Fazit:
Mir gefällt die „Ermittlungsarbeit“ dieses Brüderpaares – ein amüsanter, witziger, aber auch spannender Krimi, der in einer meiner Lieblingsstädte, Berlin, spielt.

Bewertung: ***** von *****

 

 

 

 

Das Kaff (Jan Böttcher)

Heimat – aus Sicht eines „Heimkehrers“

Beschreibung des Buches:
Das Buch „Das Kaff“ von Jan Böttcher ist als Hardcover im Aufbau-Verlag 2018 erschienen. Der Roman umfasst 267 Seiten. Auf dem Titelbild sieht man eine aus der Luft aufgenommen sterile Häuserlandschaft, um die Häuser gibt es nur Wiese und Hecken. Es handelt sich um einen Fotoabdruck, in dem in der Mitte ein Loch herausgerissen wurde, in dem der Titel dieses Buches in roter Schrift zu sehen ist. Mich hat das Cover angesprochen und neugierig gemacht.

Kurze Zusammenfassung:
Architekt Michael Schürzt hat seiner Heimat in Norddeutschland schon lange den Rücken gekehrt. Für seinen Beruf ist er in die Großstadt Berlin gezogen. Als er für einen Bauleiterjob in seiner Heimatstadt engagiert wird, kommt er mit gemischten Gefühlen dort an. Erinnerungen kommen wieder hoch, er trifft auf ehemalige Schulfreunde und wird sogleich ins Vereinsleben eingebunden…Kann das gutgehen? Ist die Liebe zu einer Frau, der er im „Kaff“ eine Wohnung „hat bauen lassen“, stark genug, ihn aus der Großstadt in sein Heimatdorf zurück zu holen?

Mein Leseeindruck:
Der Roman ist größtenteils in kurzen, knackigen Sätzen aus der Sicht des Protagonisten geschrieben. Michael beschreibt seine Gefühle, seine Beobachtungen und lässt uns Leser teilhaben an seinen zahlreichen Erinnerungen.

Mir fehlte bei der Geschichte ein wenig der rote Faden. Zunächst plätscherte der Roman etwas dahin. Je mehr ich in den Roman hineinfand, desto neugieriger wurde ich zwar…

Michael ist auf dem Weg zu ergründen, was ihn in diesem Heimatort, dem Kaff, als Kind gehalten hat und ob es ihm gelingen kann, hier wieder als Städter Fuß zu fassen, mit all den (auch negativen) Erinnerungen, die sich ihm auftun.

Nach und nach erfährt man nicht nur einiges aus dem Dorfleben, sondern auch von Michaels Familie samt seiner Geschwister (Bruder und Schwester), die ihn wieder mehr in ihr Leben einbinden möchten.

Die Atmosphäre in dem kleinen Ort hat der Autor gut herausgearbeitet, sein Schreibstil mit den knackigen Sätzen gefällt mir. Aus den Geschichten der beteiligten Personen hätte man sicherlich mehr machen können, auch aus dem Thema „Heimatgefühle“. Mir fehlten die Vergleiche von Großstadt zu Landleben.

Fazit:
Die Idee über das Thema „Heimat“ einen Roman zu schreiben hat mir gefallen, allerdings hat mich das Buch nicht 100% mitgerissen.

Bewertung: *** von *****