Der lange Tag der Bücher, Frankfurt am Main, Haus am Dom, Sonntag, 17.02.2019

Der lange Tag der Bücher am 17.02.2019 im Haus am Dom, Frankfurt am Main

Zum ersten Mal war ich auf dem langen Tag der Bücher im Haus am Dom in Frankfurt am Main – eingeladen vom Größenwahn-Verlag (Verleger Sewastos Sampsounis), um als Bloggerin darüber zu berichten. Schon zum 16. Mal wird diese Veranstaltung von literarischen Verlagen Frankfurts präsentiert, um die „Vielfalt des Literaturstandorts Frankfurt am Main“ zu zeigen.

Das Haus am Dom ist ein wunderschöner Veranstaltungsort, ein Gebäude mit 5 Stockwerken und einer tollen Dachterrasse, von der man einen schönen Blick auf Frankfurts Skyline und auch die Neue Altstadt hat, wenn man sie denn betreten darf (offensichtlich nur, wenn das obige Bistro geöffnet ist). Ich habe dort schon an einigen Schulungen und Tagungen teilgenommen.

Neben den geplanten Verlags- bzw. Buchvorstellungen konnte man in den ersten 2 Stockwerken in den aktuellen Büchern der Verlage blättern und sie erwerben, später auch signieren lassen, aber auch antiquarische Bücher anschauen und kaufen. Mehrere kleine Aussteller waren hier zu finden.

In den 8 Stunden von 11-19 Uhr stellten sich hier die 8 Verlage meist mit einem aktuellen Buch und Autor in einer moderierten Lesung vor. Da diese Veranstaltung auch von Bloggerin Manuela von „Lesenswertes aus dem Bücherhaus“ https://lesenswertesausdembuecherhaus.blogspot.com/ als Bloggerin begleitet wurde, habe ich zumindest eine Lesung (die Manuela u.a. besuchte) ausgelassen, um eine kleine Mittagspause bei schönstem Frühlingswetter zu machen.

Von Anfang an waren alle Lesungen gut besucht, teilweise konnte man kaum einen Sitzplatz im unteren Bereich des großen Saales bekommen (insgesamt ca. 199 Sitzplätze). In der Empore des Saales gab es aber weitere Plätze, deren Belegung ich allerdings von meinem den ganzen Tag eingenommenen Platz nicht gesehen habe. Nach dem Mittag nahm der Besucherstrom etwas ab, was vielleicht dem wunderschönen Frühlingswetter geschuldet war.

Nach ein paar einleitenden Worten vom Organisator Florian Koch begann die erste Buchvorstellung „Wir haben keinerlei Kompromisse geschlossen“ von Ingrid Fuchs, Verlag Henrich Editionen, eine Biografie über die Gründerin der Anna-Schmidt-Schule in der NS-Zeit. Moderiert von Verlegerin Cristina Henrich entwickelten sich zwischen der Lesung einiger Passagen aus dem Buch lebendige Gespräche zwischen Autorin Ingrid Fuchs und der Schulleiterin Petra König. Visuell unterlegt wurde die Lesung mit zahlreichen Fotos aus den 1930/1940er Jahren.

Der Größenwahn Verlag präsentierte sich mit Autor Stefan Sprang, der mit „Ein Lied in allen Dingen“ seinen biografischen Roman über den Tenor Joseph Schmidt vorstellte, moderiert von Hans Sarkowicz von hr2-kultur. Aufgefallen ist mir die sonore Vorlesestimme von Stefan Sprang. Über das Buch und die Lesung findet man bei „Lesenswertes aus dem Bücherhaus“ https://lesenswertesausdembuecherhaus.blogspot.com/ mehr.

Mit Spannung erwartete ich die Buchvorstellung „Ich würde es wieder tun“ von Raquel Erdtmann erschienen im FISCHER Verlag. Das Buch habe ich vorab lesen können und hier auf meinem Blog vorgestellt. Seit 3 Jahren berichtet Frau Erdtmann für die FAZ von Gerichtsverhandlungen. Ihr geht es um die Menschen und deren Schicksale, so trifft sie auch die Auswahl der Fälle. Im Buch sind viele noch nicht veröffentlichte Berichte zu finden. Nur wenn sie eine komplette Verhandlung besuchen konnte, schreibt Frau Erdtmann ihren Bericht. Dabei schreibt sie zunächst jedes Wort mit, sie sieht alles, was auch die Schöffen einer solchen Verhandlung miterleben. Obwohl sie einen persönlichen Eindruck einer Gerichtsverhandlung wiedergibt, berichtet sie neutral und wertet nicht, sie wahrt eine professionelle Distanz. Frau Erdtmanns Lesestimme war sehr ausdrucksstark, hier konnte man ihr schauspielerisches Können heraushören. Moderiert wurde die Lesung von Katharina Winter von den S. Fischer Verlagen.

Während der 4. Lesung nahm ich eine sonnige Mittagspause ein. Hierüber findet man einen Bericht auf bei „Lesenswertes aus dem Bücherhaus“ https://lesenswertesausdembuecherhaus.blogspot.com/ .

Der axel dielmann – verlag stellte mit „Die Bestimmung der Eisscholle“ ein wunderschönes Erzählwerk (acht Erzählungen) von Astrid Ruppert vor. Während einer Eisbrecherfahrt in der Arktis kam der Autorin die Idee hierüber einzelne Geschichten zu schreiben. Vorbild waren die Mitreisenden, die Geschichten sind aber frei erfunden. Astrid Ruppert las sehr lebendig zwei ihrer schönen Geschichten vor. Moderiert wurde die Lesung von Axel Dielmann, Verleger.

In einer munteren Runde stellten Autoren vom Verlag der Autoren ihre Arbeit vor. Unter anderem kommen Drehbücher aus deren Feder, so z.B. das Drehbuch zu „Der Junge muss an die frische Luft“ oder „An der Arche um 8“ (Theaterstück). Mehrere hundert Autoren zählen zum Verlag der Autoren, der 1969 nur von Autoren gegründet wurde. Erst mit mind. 3 Werken kann man sich als Autor und somit Gesellschafter bewerben. Ein interessanter Einblick in die Arbeit des Verlages.

Der Verlag weissbooks.w war mit dem Werk „Die Rote Hand“ von Autor Jürgen Heimbach vertreten. Die humorvoll gestaltete Lesung moderierte Michael Hohmann von der Romanfabrik Frankfurt am Main. Unterlegt (zumindest zum Ende) wurde die Lesung mit einem Lied von Edith Piaf.

Am Ende der Veranstaltung kam für mich das Highlight des Abends, die Buchvorstellung von „Wollt ihr Musik, oder was?“ von Oliver Zils, Societäts-Verlag, moderiert von Philipp Engel. Im Zwiegespräch mit dem Moderator erzählte Oliver Zils über die Entstehung des Buches. Erst als er von Henni Nachtsheim ein „er sei der Richtige“ für eine Biografie über die Band Rodgau Monotones bekommen hatte, wagte sich Oliver Zils an das Schreiben. Zwar war er nie ein richtiger Fan der Gruppe, aber wie man in Hessen den sogenannten „Haddekuchen“ mag, so mag man auch die Rodgau Monotones. Das Buch umfasst Anekdoten, Interviews mit den einzelnen Bandmitgliedern und tolle Fotos seit der Gründung 1977. Wurde zu Beginn noch Covermusik gemacht so ging man später dazu über eigenen Songs zu schreiben. In den ersten Konzerten saßen die Zuschauer noch im Schneidersitz auf dem Boden. Die Erlebnisse und ihr Humor haben die Bandmitglieder zusammengeschweißt. Ihren Höhepunkt hatten die Rodgau Monotones Mitte der 1980er Jahre. Sie hätten musikalisch das Zeug zur „1. Liga“ gehabt. Die Bandmitglieder sind begeistert vom Buch, drücken es aber offensichtlich alle auf ihre eigene Art aus. Genauso, wie man das aus einer vom Autor erstellten Meinungs-Matrix (was sagen die einzelnen Bandmitglieder über ihre Mitglieder) auch schon herauslesen kann, hat hier jeder seinen eigenen (humorigen) Stil.

Der lange Tag der Bücher war für mich eine kurzweilige und informative Veranstaltung, der ich noch mehr jüngere Zuschauer gewünscht hätte. Trotz des wunderschönen Frühlingswetters fanden doch zahlreiche Menschen/Leser den Weg in das Haus am Dom.