Möge die Stunde kommen (Jeffrey Archer)

Sechster Band der Clifton-Saga – die Familiensaga neigt sich langsam ihrem Ende zu

Ich habe bereits die ersten fünf  Teile dieser Familiensaga gelesen. Alle haben mir bisher sehr gut gefallen. Diese Art Romane von Jeffrey Archer bereiten mir gutes Lesevergnügen.

Man muss sich allerdings bei einer Saga, die über mehrere Bücher hinweg geschrieben wurde, immer wieder in die Familienkonstruktionen hineinarbeiten.

Beschreibung des Buches:
Der Roman „Möge die Stunde kommen“ von Jeffrey Archer ist 2017 im HEYNE-Verlag als Taschenbuch erschienen. Es hat 589 Seiten.

Das Titelbild zeigt in Gelb gehalten ein Pärchen, das vor dem Brandenburger Tor in Berlin steht.

Kurze Zusammenfassung:
Anknüpfend an den 5. Band „Die Wege der Macht“ geht es hier um die Schicksalsjahre der Familien Clifton und Barrington vom Jahr 1970 bis 1978. Schauplätze sind u.a. Berlin und London.

Mein Leseeindruck:
In diesem Band geht es hauptsächlich um die Protagonisten Sebastian, Emma, Harry und Giles, aber auch die Intrigantin Virginia bekommt wieder ihren ganz eigenen Part in dieser Geschichte.

Die aufeinanderfolgenden Zeitabschnitte, hier in den siebziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts, haben jeweils einen einzelnen Protagonisten im Fokus. So erlebt man hier Gerichtsverhandlungen, Flucht aus der DDR, aber auch das schwierige Liebesleben Giles, dessen Tochter und Ex-Geliebte in den USA leben.

Die typischen Intrigen findet man auch in diesem Band wieder, doch gerade das macht den Reiz dieser Familiensaga aus.

Die wirtschaftlichen und geschichtlichen Themen der 1970er Jahre bekommt man hier durch die besonderen Familienkonstellationen „so ganz nebenbei“ mitgeliefert und man erinnert sich an die zahlreichen Ereignisse.

Nach wie vor mag ich den Schreibstil des Autors. Vielleicht liegt es auch an der gekonnten Übersetzung. Auch wenn einige Passagen manchmal sehr konstruiert wirken, so bieten sie viele Spannungsbögen, die nie ganz abfallen. Gerade das gefällt mir an dieser Familiensaga so gut.

Damit man beim Lesen den Überblick über die verwandtschaftlichen Verhältnisse nicht verliert, findet man in den Innenseiten der Buchdeckel die Stammbäume. Hier kann man die einzelnen Personen besser ihrem Stand in der Familie zuordnen. Das hilft auch gerade dann, wenn man länger nicht zum Lesen kam bzw. wenn man den vorherigen Band schon vor längerer Zeit gelesen hat.

Die Spannung, die Jeffrey Archer von Kapitel zu Kapitel sät, wird auch in diesem Buch mit sogenannten Cliffhangern beibehalten. So kann man diesen Roman wirklich kaum zur Seite legen. Ich habe ein Drittel dieses Buches auf einer längeren Zugfahrt (ohne Unterbrechung) gelesen, so gefesselt war ich.

Fazit
Mit gleichbleibend guter Qualität, bleibt diese Familiensaga mein ganz persönliches Highlight im Bereich der Mehrteiler.

Bewertung: ***** von *****

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Out of the box (Mathias Morgenthaler)

Von Menschen, die ihre Berufung „leben“

Manchmal fragt man sich, ob man bei der Berufswahl die richtige Entscheidung getroffen hat – und glücklich ist mit seinem Leben. In diesem Buch erzählen Menschen von ihrem Glück, ihre Berufung leben zu können.

Beschreibung Buches:
„Out oft he box“ von Mathias Morgenthaler ist 2017 im Zytglogge Verlag als broschiertes Buch erschienen. Es hat 383 Seiten. Das Cover ist schlicht. Der Titel ist mit einer Skizze versehen auf einem blauen, mit Pinsel gemalten, Hintergrund auf den ansonsten komplett weißen Einband gestaltet.

Kurze Zusammenfassung:
Das Buch ist in drei Teile untergliedert. Nach einem Vorwort von Marcel Bernet und einer Einleitung folgen Teil 1, „Die Anpassungskarriere“ und Teil 2 mit 57 „Interviews“ mit Menschen zwischen 19 und 80 Jahren. Es folgt Teil 3 mit „Thesen aus 1000 Interviews“ und als Epilog ein Interview mit dem Autor selbst.

Mein Leseeindruck:
Dieses Buch kann man immer wieder zur Hand nehmen, um die „Beruf(ung)sgeschichten“ der zahlreichen interviewten Menschen zu lesen. Es sind spannende Geschichten, die man da zu lesen bekommt.

Wer hier einen typischen Ratgeber vermutet, dem sei gesagt, es ist vielmehr ein Mutmach-Buch. Man muss den eigenen Weg selbst finden und ihn auch selbst gehen. Dabei können einen die Interviews hilfreich begleiten.

Zuerst bin ich chronologisch vorgegangen und habe ein Interview nach dem anderen gelesen. Beim Blättern fand ich dann tatsächlich auch Geschichten, die meiner Geschichte sehr nahe kommen – und blieb dort beim Lesen hängen.

Die Interviews machen Mut, das eigene Berufsleben zu überdenken und die eigene Berufung zu durchleuchten. Die meisten Menschen leben nach dem Vernunftprinzip ohne auf ihr Bauchgefühl zu hören. Aber gerade diejenigen, die ihrem Bauchgefühl trauen, finden oftmals ihren Weg zur eigenen Berufung, wenn sie mit ganzer Leidenschaft an ihrem „Traum“ arbeiten.

Oft bleiben die eigenen Talente verborgen, weil man sich unterordnet und auf größtmögliche Sicherheit im Job setzt. Beim Lesen der Interviews macht man sich Gedanken über das eigene Leben. Die zahlreichen Beispiele von „erfolgreichen Berufungen“ zeigen, dass man das Leben selbst in die Hand nehmen muss, dann stellen sich oftmals Glück und Zufälle ein, mit denen man vorher nicht rechnen konnte.

Gerade die absolute Anpassung ist ein Hinderungsgrund, seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln und mit vollem Enthusiasmus an Projekte heranzugehen, hinter denen man steht. Die Interviewten haben in der Mehrheit ihre Komfortzone verlassen und haben ihren eigenen Stil in ihr Leben integriert. Das hat zwar manchmal die engsten Freunde und Bekannte irritiert, führte aber letztendlich zu mehr Authentizität, Anerkennung und zum eigenen Glück: Einfach einmal aus der eigenen Box steigen!

Diese Thesen aus dem Buch haben mir ganz besonders gefallen:
– „Wer neugierig bleibt, wird jünger alt“
– „Vernunft wird überschätzt“
– „Mit welchen Menschen wir uns umgeben, ist vielleicht wichtiger als all unsere Vorsätze“

Fazit:

Dieses Buch eignet sich wunderbar als Geschenk für Menschen, die auf der Suche nach ihrer Berufung sind. Sei es, dass sie am Anfang ihres Berufslebens stehen oder auf einem Weg sind, der hauptsächlich mit Vernunft gepflastert ist, der sie aber letztendlich nicht glücklich macht.

Bewertung: ***** von *****

Der Tanz des Mörders (Miriam Rademacher)

Kann dich dein Tanz verraten?

Im Rahmen der Kriminacht der unabhängigen Verlage während der Frankfurter Buchmesse 2017 habe ich die Krimireihe rund um den Tanzlehrer Colin kennengelernt.

Beschreibung des Buches:
 „Der Tanz des Mörders“ von Miriam Rademacher ist im Carpathia Verlag 2015 als Taschenbuch mit 288 Seiten erschienen. Auf dem farbigen Titelbild sieht man die Füße eines Tanzpaares. Es ist der erste Krimi der Autorin, die schon zahlreiche Geschichten und Bücher veröffentlicht hat. Mittlerweile gibt es noch weitere 2 Bände.

Kurze Zusammenfassung:
Tanzlehrer Colin, der aufgrund eines Rückenproblems seinen Beruf nicht mehr ausübt, verliert beim Dartspiel gegen Pfarrer Jasper Johnson. Aufgrund einer Wette muss er nun der älteren Dame Mrs Summers Gesellschaft leisten. Doch er findet die Frau eines Morgens tot in ihrem Häuschen. Als dann auch noch eine Mädchenleiche im Wald aufgefunden wird, ist es mit der Ruhe im kleinen englischen Ort vorbei. Schnell bildet sich ein Ermittlertrio: Colin, Jasper und die kleine Krankenschwester Norma beginnen ihre Detektivarbeit.

Mein Leseeindruck:
Schnell war mir klar, dass es sich hier um einen sehr humorvollen und „englischen“ Krimi handelt. Eine ältere, nervige und alles beobachtende Frau, die mit einem Bratenthermometer umgebracht wird, ein junges Mädchen, das Opfer eines Fleischklopfers wird – hat hier eine frustrierte Hausfrau ihr Unwesen getrieben?

Eigentlich mag ich englische Krimis nicht so gerne, es dauerte auch ein paar Seiten, bis ich mich in diesen Krimi hineingelesen hatte, aber je weiter ich in diese Geschichte versank, desto spannender und lustiger fand ich sie.

Die sehr unterschiedlichen, teils skurrilen Personen, sind wunderbar beschrieben. Man fühlt und denkt mit ihnen und kann sich sehr gut in die jeweiligen Situationen hineinversetzten. Die teils lustigen Dialoge und das doch etwas ungewöhnliche Trio tragen ganz besonders dazu bei.

Den Krimi in England spielen zu lassen, hat seinen besonderen Reiz: Ein altes Cottage, ein kleines Dorf, in dem jeder alles über jeden weiß, weil man sich gegenseitig ständig belauert.

Einen Tanzlehrer als „Detektiv“ einzusetzen ist eine wunderbare Idee. Es ist schon erstaunlich, was der Tanzlehrer beim Tanz einer Person alles an diesem Menschen „entdecken“ kann.

Das Ermittlertrio wirkt sympathisch. Der Hauptfokus ist jedoch auf Colin gesetzt, neben seiner Ermittlerarbeit findet auch sein Liebesleben Platz in diesem Krimi. Ist vielleicht seine neue Freundin die Mörderin?

Fazit:
Wer skurrile (und englische) Krimis und das Tanzen liebt, der findet mit diesem Buch spannende, aber auch lustige Unterhaltung. Ich freue mich auf die weiteren Fälle um Tanzlehrer Colin.

Bewertung: **** von *****

Im Rahmen der Kriminacht durfte ich ein Interview mit der Autorin führen, da sie leider nicht selbst anwesend sein konnte, hatte ich ihr meine (sehr vielen) Fragen geschickt und sie hat sie mir alle ganz ausführlich beantwortet. Hier geht’s zum Interview: https://chrissisbuntelesecouch.wordpress.com/2018/02/09/interview-mit-miriam-rademacher/

Wie der Wind und das Meer (Lilli Beck)

Berührender Roman über eine große Liebe

Von Lilli Beck habe ich bereits „Glück und Glas“ gelesen und war begeistert von ihrer Art zu schreiben, deshalb musste ich natürlich auch diese Geschichte lesen.

Beschreibung des Buches:
„Wie der Wind und das Meer“ ist im 2017 im blanvalet-Verlag als Hardcover Buch erschienen. Es hat 512 Seiten. Auf dem Cover sieht man zwei Hände (von einem Mann und einer Frau), die sich berühren. Der Mann geht in die eine Richtung, die Frau wendet sich der anderen Richtung zu – ein sehr passend gewähltes Bild für dieses Buch.

Kurze Zusammenfassung:
Der elfjährige Paul verliert nach einem Bombenangriff im April 1945 in München seine Eltern. Als er in den Straßen umher irrt, trifft er auf das kleine Mädchen Sarah. Da sie seiner Schwester Rosalie sehr ähnlich sieht, beschließen beide sich als Bruder und Schwester auszugeben, damit sie von Behörden nicht getrennt werden.
Nachdem sie längere Zeit in einem Kinderheim verbringen, werden sie von einem Ehepaar aus München adoptiert. Sie machen eine Ausbildung im Familienbetrieb – einem Lebensmittel Großhandel, träumen aber von einem Leben in Amerika, denn sie haben sich ineinander verliebt. Diese heimliche Liebe bleibt nicht ohne Folgen. Sarah erwartet ein Kind. Um die Familie zu schützen flieht sie nach Berlin, wo sie als Synchronsprecherin Arbeit findet. Doch immer wieder kreuzen sich die Wege von Sarah und Paul…

Mein Leseeindruck:
Schon die ersten Seiten dieses Romans haben mich gefesselt. Deutsche Geschichte im Zeitraum von 1945 – 1990 fast hautnah in einer Geschichte zweier Menschen mitzuerleben geht unter die Haut. In 5 Kapiteln, die meist einen Zeitraum von 10 Jahren wiederspiegeln, gelingt es Lilli Beck eine – sicherlich in ihrer Gänze nicht typische – Lebensgeschichte der Kriegsgeneration zu beschreiben. Trotzdem hat sich jede einzelne Begebenheit der zwei Protagonisten aber bestimmt genauso im Deutschland der Nachkriegszeit abgespielt.

Während man die Lebensgeschichte von Sarah und Paul hautnah miterlebt, bekommt man Eindrücke vom Wandel Deutschlands, ein ganz besonderes Augenmerk legt Lilli Beck hier auf das deutsche Wirtschaftswunder. Neben Ölkrise, Bau der Mauer aber auch Hausbesetzungen in Berlin erfährt man auch den ganz persönlichen Aufstieg von Pauls Familienbetrieb. So hat man einen ganz besonderen Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung eines Familienbetriebes.

Die großen zeitlichen Kapitel sind in viele kleine Kapitel unterteilt, die teilweise überraschende Handlungsverläufe mit plötzlichen Wendungen beschreiben. Diese lassen den  Roman nie langweilig werden. Manche Kapitel bieten hier echte Cliffhanger, was dazu führte, dass ich das Buch stundenlang nicht aus der Hand legen konnte. Die teils großen Zeitsprünge (der 5 Kapitel) bereiteten mir dieses Mal kein Problem.

Die beiden Charaktere Sarah und Paul wirken authentisch und liebenswert.  An manchen Stellen würde man den ein oder die andere gerne rütteln und dem Schicksal eine andere Wendung bereiten wollen.

Fazit:
Ein sehr ergreifendes Buch, das neben einer ganz besonderen Liebe auch Freundschaft, Spannung und Deutsche Geschichte behandelt.

Bewertung: ***** von *****

Frankfurt mit Kind (Bernd Buchterkirch, Julia Söhngen)

DAS Geschenk für Eltern

Auf der Suche nach Ideen, was man mit Familien in Frankfurt am Main unternehmen kann, habe ich dieses Buch gefunden. Eigentlich hatte ich eine Art „Stadtführer“ erwartet, das Buch hat sich dann aber als „Lesebuch“ und sehr nützlicher Begleiter für in Frankfurt (und Umgebung) lebende Familien entpuppt.

Beschreibung des Buches:
„Frankfurt mit Kind“ ist 2017 schon in 2. Auflage im Societäts-Verlag als Taschenbuch erschienen. Das Buch hat 176 Seiten. Die Autoren Julia Söhngen und Bernd Buchterkirch haben recherchiert und ihre eigenen Erfahrungen zusammengetragen. Auf dem Titelbild ist die Frankfurter Skyline als Foto mit einem bunt gestalteten fröhlichen Bild zu sehen.

Kurze Zusammenfassung:
In 8 Kapiteln („Schwangerschaft und Geburt“, „Schick und schön“, „Groß und stark“, „Sehen und entdecken“, „Und jetzt?“,  „Wieso? Weshalb? Warum?“, „Ab nach draußen“ und „Kindergeburtstag“) werden Adressen, Tipps, Rezepte und Familien-/Kinder vorgestellt.

Mein Leseeindruck:
Dieses Buch ist nicht nur ein nützliches „Nachschlagewerk“ und Ratgeber, es ist auch ein „Lesebuch“. Neben den zahlreichen Adressen und Kurzbeschreibungen von Örtlichkeiten findet man in den Kapiteln auch viele Steckbriefe von Frankfurter Kindern, die hier ihre Lieblingsspielzeug, -gericht, aber auch ihren Lieblingsplatz in Frankfurt preisgeben.

Zahlreiche praktische Tipps rund um das Thema Kind (von vorgeburtlichen Kursen bis hin zu Kindergeburtstagen mit 12jährigen) und Familie sind mit Geschichten,  Fotos und Bildern sowie Porträts einzelner Familien (mit eigenem Rezept) laden zum Schmökern ein.

Besonders gut an diesem Buch gefallen mir die Steckbriefe der Kinder und die Familienporträts von meist zugezogenen Familien. Hier erhält man Insider-Tipps und findet schöne familienfreundliche Rezepte aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt.

Fazit:
Wer eine „kleine Aufmerksamkeit“  für Frankfurter Neu-Eltern sucht, der findet mit diesem Buch ein passendes Geschenk.

Bewertung: ***** von *****

Giftflut (Christian v. Ditfurth)

Falsche Spur gelegt…

Der dritte Band einer Serie um Kommissar de Bodts.

Beschreibung des Buches:
Der Krimi „Giftflut“ ist im carl’s books Verlag im August 2017 als broschiertes Buch mit 479 Seiten erschienen. Der Autor Christiane v. Ditfurth hat bereits mehrere Krimis veröffentlicht.
Auf dem Cover sieht man eine fahrende gelbe Berliner U-Bahn.

Kurze Zusammenfassung:
In Berlin, Paris und London werden in kurzen Abständen hintereinander Brücken in die Luft gesprengt. Die berühmte Oberbaumbrücke in Berlin fällt offensichtlich Terroristen zum Opfer, mit ihrer Zerstörung sterben zahlreiche Menschen. Fast gleichzeitig findet man in diesen Metropolen ertränkte Paare, die in leitender Tätigkeit in den jeweiligen Wasserwerken beschäftigt waren. Es gibt keine Bekennerschreiben, Kommissar de Bodts tappt zunächst im Dunkeln…

Mein Leseeindruck:
Dieser Krimi lässt mich ein wenig ratlos zurück. Zunächst hat er recht „explosiv“ begonnen. Die verschiedenen Schauplätze waren kein Problem für mich: Die Städte Berlin, Paris und London (später auch die Finanzstadt Frankfurt) sind mir bekannt und ich konnte mich gut in die Szenen hineinversetzen. Doch dann kamen immer weitere Personen und Örtlichkeiten außerhalb Europas hinzu, die vom eigentlichen Geschehen irgendwie ablenkten/ablenken sollten.

Die Zeitbezüge und die Thematik sind sehr aktuell.

Da die Kapitel recht kurz sind, folgen auch die Szenenwechsel in immer kürzeren Abständen, was nicht unbedingt zur Lesbarkeit dieses Krimis führt.

Teils absurde und kaum nachvollziehbare Vorgehensweisen, wie z.B. ein Tourist, der den Mord an seiner Freundin rächen will und deshalb durch die Welt reist um die Mörder zu verfolgen, haben fast dazu geführt, dass ich das Buch beinahe nicht mehr weiterlesen wollte.

Im letzten Drittel wendet sich das Blatt, hier werden die Fäden (teilweise) wieder zusammengeführt. Die zunächst vom Autor gelegte Spur entpuppt sich als gänzlich falsch. Es treten die unkonventionellen Methoden des Kommissars zu Tage, der auch nicht davor zurückschreckt, die Kanzlerin anzurufen…;-)

Die Lösung und Hintergründe des „Falls“ sind genial, konnten mich aber nicht gänzlich von dem Buch überzeugen.

Es war für mich kein Problem, dass ich die ersten zwei Bände um den Kommissar de Bodts nicht kenne.

Fazit:
Dieser Krimi konnte mich nicht vollständig überzeugen.

Bewertung: *** von *****

Ein deutsches Mädchen (Heidi Benneckenstein)

Eine mutige junge Frau

Durch eine Radiosendung bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden.

Beschreibung des Buches:
„Ein deutsches Mädchen: Mein Leben in einer Neonazi-Familie“ ist 2017 im Tropen-Verlag als Taschenbuch erschienen. Das Buch hat 252 Seiten. Auf dem Titelbild ist ein Portrait der Autorin abgebildet.

Kurze Zusammenfassung:
Heidi Benneckenstein ist in einem Neonazi-Haushalt aufgewachsen. Schon von Kindesbeinen an richtete sich die Erziehung auf die Ideologie der Eltern aus. Ferienaufenthalte in besonderen Einrichtungen, ein strenger Erziehungsstil und später die Treffen mit Gleichgesinnten lassen Heidi keine Chance „auszubrechen“. Erst als sie ihren Freund Felix kennenlernt, der ebenfalls in der Szene beheimatet ist, finden beide gemeinsam einen Weg ihren Leben selbst zu bestimmen und ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Mein Leseeindruck:
Schonungslos berichtet Heidi Benneckenstein von ihrem Aufwachsen in einer Neonazi-Familie. Ihre Erlebnisse in der Schule, im Freundes- und Bekanntenkreis erzählt sie sehr authentisch. Leider finden an manchen Stellen Zeitsprünge statt, die man nicht so ganz nachvollziehen kann.

Der Schreibstil ist flüssig, ihre Erzählweise wirkt ehrlich, knapp und nicht aufbauschend. Allerdings vermisste ich an einigen Stellen ein wenig den Tiefgang. Manches Mal bleibt sie sehr an der Oberfläche, sicherlich an manchen Stellen bewusst, aber gerade der Prozess des Ausstieges hätte mich besonders interessiert. Einen Auslöser nennt die Autorin, aber das erscheint mir doch zu wenig. Irgendwie ging es mir hier zu schnell, richtige Probleme beim Ausstieg werden nicht benannt.

Ich finde es mutig, dass Heidi Benneckenstein ein solches Buch geschrieben hat. Dass es ihr und ihrem Freund schon in ihren jungen Jahren gelang, der „Szene“ den Rücken zu kehren, ist sehr bewundernswert.

Fazit:
Eine mutige Frau, die den Absprung geschafft hat – lesenswert.

Bewertung: *** von *****