Als die Welt stehen blieb (Maja Lunde)

18 Tage im März 2020

Bisher habe ich noch kein Buch von Maja Lunde gelesen, deshalb war ich gespannt auf diese Veröffentlichung.

Beschreibung des Buches:
„Als die Welt stehen blieb“ ist 2020 als Hardcover im btb-Verlag erschienen. Das Buch  hat 223 Seiten.  Das Cover ist hellgelb/blau Pastell gehalten, in der Mitte sieht man in einem Kreis eine Steilküste.

Kurze Zusammenfassung:
Die Autorin beschreibt in einer Art Tagebuchaufzeichnung ihre ersten 18 Tage der Covid-19-Pandemie. Sie lebt mit ihren drei Söhnen und Mann in Norwegen.

Mein Leseeindruck:
Dieses Buch ist wie eine Art Tagebuch gestaltet. Die Autorin erzählt, meist in kurzen Absätzen, von ihren Erlebnissen während der ersten 18 Tage der Covid-19-Pandemie (hier: in Norwegen). Dabei geht es um den veränderten Alltag, ihre Familie und Freunde.

Sie spricht über ihre Gefühle und Ängste. Ihre Sätze sind zuweilen kurz und prägnant. Sie lässt uns an ihren Gedanken teilhaben.

Während Maja Lunde eigentlich an ihrem vierten Band ihrer „Klima“-Bücher schreibt, taucht plötzlich dieses Virus auf und stellt das Leben ihrer Familie und ALLER Menschen auf den Kopf.

Das Buch liest sich flüssig, es gibt die Alltagsprobleme einer Familie wieder, die, wie wir alle, mit der Pandemie zu kämpfen hat. Lundes Erfahrungen mit besonderen Einschränkungen habe auch ich – haben wir alle erleben müssen.

Fazit:
Ich hatte dieses Buch ziemlich schnell fertig gelesen. Eigentlich hatte ich mir mehr versprochen…

Bewertung: *** von *****

Audrey Hupburn und der Glanz der Sterne (Juliana Weinberg)

Die bewegende Lebensgeschichte der Schauspielerin in Romanform

Die Filme mit Audrey Hepburn sind legendär. Irgendwie spiegelte sich etwas Geheimnisvolles in ihren Augen, eine gewisse Aura umspielte sie…

Beschreibung des Buches:
„Audrey Hepburn und der Glanz der Sterne“ von Juliana Weinberg ist im ullstein-Verlag als Taschenbuch mit 617 Seiten-erschienen. Der Roman gehört zur Reihe „Ikonen ihrer Zeit – Starke Frauen für die Ewigkeit“, 2. Band.

Auf dem Titelbild sieht man Audrey Hepburn in einem klassischen schwarzen, langen Kleid auf einer Terrasse, im Hintergrund die Hügelkette „Hollywood Hills“. Mich hat dieses Cover angesprochen.

Kurze Zusammenfassung:
Audrey Hepburn wuchs in den Kriegsjahren auf. Geboren wurde sie 1929 in Belgien mit britischer Abstammung. Sie starb 1993 in der Schweiz. Dieser Roman schildert Audreys Leben in der Zeit von Mai 1935 bis März 1979. Von der Ballerina zu den Filmstudios in Amerika, Filme mit Gregory Peck und Humphrey Bogart machen sie berühmt. Ruhm und Privatleben als Mutter bilden bald eine große Konkurrenz.

Mein Leseeindruck:
Eine Art Biografie als Roman – kann das einen fesseln? Mich konnte dieser Roman gut unterhalten. Ich konnte in das Leben von Audrey Hepburn eintauchen, habe viel erfahren, was ich noch nicht über diese Schauspielerin wusste.

Der Roman ist in einzelne Zeitabschnitte mit einigen Zeitsprüngen gegliedert. Es beginnt mit Audreys Kindheit in Brüssel, ihrer kurzen Tanzkarriere und ihrem ersten Film in Amerika. Dabei werden, wie das in einem Roman so üblich ist, ihre ganz alltäglichen Probleme, Liebesleben, Mutterdasein, oftmals in den Vordergrund gestellt.

Ihre Zerrissenheit zwischen Muttersein und Schauspielerin im Rampenlicht wird hier sehr authentisch dargestellt. Sie genießt ihr Leben in der Familie eigentlich viel mehr als den Hollywood Glanz. So zieht es sie immer wieder in die Zurückgezogenheit aufs Land in der Schweiz.

Der Sprachstil dieses Romans ist passend, manchmal etwas schwülstig, was mich jetzt nicht so gestört hat – ich habe ja keine Biografie gelesen.

Alles in allem hat mich die Geschichte um Audrey Hepburn sehr berührt. Ich hatte schöne Lesestunden mit diesem Roman.

Ich hätte mir gewünscht, noch etwas über ihre Zeit von 1979 – 1993 zu lesen, in der sie sich gegen Armut und Hunger in der Welt als UNICEF Sonderbotschafterin einsetzte. Aber das passte offensichtlich nicht so ganz in einen Roman.

Fazit:
Wer sich für Audrey Hepburn interessiert und gerne Romane liest, der kann hier zugreifen. Mit über 600 Seiten hat man mit diesem Buch ein langes Lesevergnügen.

Bewertung: **** von *****

Herrlich Hessisch – Vorhang auf für Hessen (Astrid Kopp & Matthias Thieme – HG.)

Die Mitte Hessens in vielen Details

Meine Heimat ist das Hessenland, deshalb bin ich immer auf der Suche nach Büchern, die mein Heimatland gut beschreiben. So hoffe ich, Freunden und Bekannten, die aus anderen Gebieten Deutschland s oder der Welt kommen, meine Heimat näher zu bringen.

Beschreibung des Buches:
„Herrlich Hessisch – Vorhang auf für Hessen“ ist 2020 im Societäts-Verlag als Hardcover mit 160 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild sieht ist der Hessische Löwe auf blauem Hintergrund abgebildet.

Kurze Zusammenfassung:
Das Buch stellt  Hessens Landschaften mit Taunus, Odenwald, Wetterau und dem Rheingau vor, zentral in Hessen gelegen. 17 Kapiteln mit vielen Fotos, kurzen Texten, einer Mundart-Textbox sowie einer Rubrik „Dies& Das“ stellen die Mitte Hessens dar.

Mein Leseeindruck:
Beim ersten Durchblättern erschien mir dieses Buch etwas nüchtern, das mag am matten Papier liegen, hier kommen die Fotos nicht ganz so farbig zur Geltung.

Hat man sich aber in das Buch hineingelesen, so erfährt man hier manch spannende Geschichte über das Herz Hessens. U.a. werden hier die Erfolgsprodukte aus dem Hessenland vorgestellt, man findet Fotos aus der Fotoperspektive (mit einer Drohne aufgenommen) und Geschichten über besondere Häuser,  wie z.B. das Hundertwasser-Haus in Bad Soden.

Interessant ist auch das Kapitel über den Erfindergeist am Taunusrand. So wusste ich z.B. nicht, dass die 50-Pfennig Frau eine Hessin ist. Ihr Mann, der Bildhauer Richard Martin Werner hatte den Zuschlag erhalten, die Rückseite der 50-Pfennig Münze zu gestalten.

Besonders gefallen mir an dem Buch die Textboxen mit der Mundart. Hier erfährt man, wie so manches hessische Wort entstanden ist bzw. was es bedeutet.

Natürlich erhält man mit diesem Buch auch eine Menge Freizeittipps.

Fazit:
Ein Geschenkbuch für Hessenliebhaber, für Neuhessen und für Freunde und Bekannte, denen man das Hessenland nahe bringen möchte.

Bewertung: **** von *****

EUROPABILDER – AUSSERGEWÖHNLICHE ANSICHTEN

Wunderschöne Fotoaufnahmen ausgewählter europäischer Städte und Landschaften von oben

Ich steige gerne auf Türme und betrachte mir die Städte aus der Höhe – dieses Buch zeigt Städte und Landschaften zum größten Teil aufgenommen aus der Vogelperspektive…

Beschreibung des Buches:
„EUROPABILDER“ ist 2020 im Frederking & Thaler Verlag als Bildband mit 192 Seiten erschienen. Schon bei der Sicht auf das Titelfoto kann man erahnen, was für wunderbare Fotos einen erwarten.

Kurze Zusammenfassung:
Ein Fotoband, der Europa aus der Vogelperspektive zeigt. Ob mit Drohne, Helikopter, Flugzeug oder Ballon, in diesem Buch findet man Sehenswürdigkeiten und Landschaften Europas aus einer besonderen Perspektive.

Mein Leseeindruck:
Ein Team aus 11 Fotografen und einer Projektmanagerin hat ein ganz wunderbares Buch zusammengestellt.

Europas Mitte, Süden, Westen, Norden und der Osten werden in atemberaubenden Fotos von oben gezeigt.  Dabei wurde ganz unterschiedliche Fototechnik genutzt.  So gibt es z.B. „planetarisierte“ Fotos von Rom und Berlin, Weitwinkelfotos von besonderen Plätzen oder Fotos aus der Vogelperspektive, wie z.B. ein großartiger Blick auf Madrid mit seinem  Plaza Mayor.

Zu den Fotos findet man kurze Beschreibungen des Gezeigten.

Man kann so richtig in die Bilder eintauchen und dabei die winzigsten Details entdecken.

Mir gefällt, dass ich hier viele Orte bebildert gefunden habe, die ich auch schon bereist habe. Gerade hier macht das Betrachten der genauen Details viel Spaß.

Die Fotos machen Lust auf Reisen und Besuchen der Orte und Landschaften. Sie sind wirklich atemberaubend und wunderschön.

Fazit:
Ein sehr empfehlenswertes Buch mit ganz außergewöhnlichen Fotos, ich bin sehr begeistert!

Bewertung: ***** von *****

Winter der Hoffnung (Peter Prange)

Nicht sein bestes Buch – eine Familie in Deutschland in den ersten Nachkriegsjahren

Bisher habe ich die Bücher von Peter Prange verschlungen. Es handelt sich hier um die „Vorgeschichte“ zu „Unsere wunderbaren Jahre“, diesen Roman habe ich mit Begeisterung gelesen.

Beschreibung des Buches:
„Winter der Hoffnung“ von Peter Prange ist im FISCHER Scherz Verlag 2020 als Hardcover mit 336 Seiten erschienen. Ich habe die eBook-Variante gelesen.

Auf dem Titelbild ist eine Familie in einer Winterlandschaft zu sehen.

Kurze Zusammenfassung:
Peter Prange erzählt in diesem Roman die Geschichte der Familie Wolf und deren Freunde und Bekannte kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Es ist Winter 1946, das Leben in Deutschland ist karg und u.a. von Lebensmittelknappheit geprägt. Die Fabrik von Eduard Wolf soll demontiert werden. Zwei Töchter (Gundula und Ulla) engagieren sich für Flüchtlinge, die dritte Tochter ist mit einem aus Kriegsgefangenschaft heimgekehrten Nationalsozialisten verheiratet. Wird man die Demontage der Fabrik verhindern können? Kann Tommy, Ullas Freund, hier helfen? Er hat gute Beziehungen zu den englischen Besatzern….

Mein Leseeindruck:
Im Vergleich zu seinen anderen Familienromanen ist dieses Buch erstaunlich dünn, es war ja auch ursprünglich als Weihnachtsgeschichte gedacht, entwickelte sich aber im Laufe des Schreibens zum Vorgänger von „Unsere wunderbaren Jahre“.

Dieser Roman hat mich nicht ganz so gefesselt wie die anderen Bücher des Autors, auch wenn ich Familiengeschichten gerne lese. Die verschiedenen Protagonisten konnte ich dieses Mal ganz gut auch bei längerer Unterbrechung des Lesens im Blick behalten. Sie sind charakterlich einfach sehr unterschiedlich und auffällig.

Der Schreibstil begeistert mich nach wie vor. Der Aufbau des Romans ist chronologisch, die Geschichte spielt im Winter 1946. Die Szenen sind gut beschrieben, wörtliche Rede macht den Roman sehr lebendig.

Die Kleinstadt Altena im Märkischen Kreis nähe Hagen spielt natürlich auch in diesem Roman eine zentrale Rolle.

Warum das Buch trotzdem nicht so an mich ging, lag offenbar an seiner Kürze, irgendwie hatte ich mir mehr von diesem Buch versprochen.

Fazit:
Nicht mein Lieblingsroman von Peter Prange, sicherlich trotzdem auch lesenswert für Menschen, die keine dicken Wälzer mögen.

Bewertung: **** von *****

Es war alles am besten (Jürgen Drews)

Amüsant, kurzweilig – Schlagermusik-Geschichte

Ich war nie ein Fan von Jürgen Drews und bin auch kein Schlagerfan, aber an seinem bekanntesten Schlager „Ein Bett am Kornfeld“ kommt man eigentlich in seinem Leben nicht vorbei. Aus Anlass seines 75. Geburtstages wurde dieses Buch veröffentlicht – deshalb bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden.

Beschreibung des Buches:
Die Autobiographie „Es war alles am besten“ von Jürgen Drews ist im Goldmann-Verlag 2020 als Taschenbuch erschienen. Es hat 319 Seiten. Auf dem Titelbild sieht man Jürgen Drews mit seiner Gitarre im „Kornfeld“ stehen.

Kurze Zusammenfassung:
Jürgen Drews erzählt in 32 Kapiteln, die mit seinen veröffentlichten Liedtiteln überschrieben sind, aus seinem Leben. Zusätzlich findet man in dem Buch auch zahlreiche Fotos, teilweise aus Drews Privatalben.

Mein Leseeindruck:
Drews erzählt „frei von der Leber“, so, als würde man ihm gegenüber sitzen. Dabei fällt auf, dass er nicht chronologisch aus seinem Leben berichtet. Ihm fällt ständig etwas abseits seines gerade Erzählten ein – und er schweift ab vom eigentlichen Thema.

Die Geschichten sind teilweise recht amüsant, für echte Fans auch sicherlich interessant. Bisher habe ich nur den älteren Jürgen Drews „erlebt“, während seiner „Hoch“-Zeiten kannte ich nur seinen Hit „Ein Bett im Kornfeld“,  habe auch nur sehr selten die hier oft erwähnte ZDF-Hitparade geschaut.

Jürgen Drews scheint in sich selbst zu ruhen. Er ist zufrieden, wie sein Leben bisher verlaufen ist. Das Glück stand ihm oft zur Seite, er war oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hat immer das Beste aus seinen Chancen gemacht.

Interessant sind die Beschreibungen seiner Auftritte, bei denen er noch ohne Manager und Techniker unterwegs war. Manchmal hatte er mehrere Auftritte an einem Abend – und diese unter einen Hut zu bringen, war manches Mal wirklich eine Kunst.

Eigentlich hatte er als junger Mann ein Medizinstudium begonnen, sein Vater war Arzt, doch schnell merkte er, dass er eine andere „Berufung“ hat.

Man blickt mit Jürgen Drews hinter die Kulissen des Schlagermetiers, erinnert sich an Stars und Sternchen und taucht in die Schlagerwelt ein.

Fazit:
Das Buch ist kurzweilig und amüsant, allerdings ist der Schreibstil gewöhnungsbedürftig. Für echte Drews Fans sicherlich ein MUSS.

Bewertung: *** von *****

Verschnitt (Jennifer Hauff)

Das dritte Geschlecht – ein Rachefeldzug

Durch Zufall bin ich auf dieses Buch gestoßen. Das Titelbild sowie der Titel machen neugierig…

Beschreibung des Buches:
„Verschnitt“ von Jennifer Hauff ist 2020 im mainbook Verlag als Taschenbuch mit 309 Seiten erschienen. Auf dem Cover sind zwei Puppenköpfe zu sehen, einer der beiden „steht auf dem Kopf“ und ist zersplittert…der andere ist unversehrt.

Kurze Zusammenfassung:
Liane ist OP-Schwester. Sie will dem Kinderchirurg Johannes Gelders, der Experimente an Kindern vornimmt, das „Handwerk legen“. Dabei schreckt sie vor nichts zurück…

Mein Leseeindruck:
Mich hat der Sprachstil der Autorin von der ersten Seite an in die Geschichte gesogen. Der Prolog ist kurz, aber fesselnd und geheimnisvoll, man will sofort weiterlesen. Die Szenen sind so lebendig und detailliert beschrieben, dass man sich mitten im Geschehen fühlt.

Mir gefällt an diesem Thriller das Geheimnisvolle, die permanente Spannung und das eher noch wenig beachtete Thema Intersexualität. In diesem Buch kann man sich einen kleinen Eindruck verschaffen, was es mit Menschen machen kann, die sich keinem Geschlecht wirklich zugehörig fühlen. Sollte ein anderer Mensch schon im Kindesalter da eingreifen dürfen?

Die Autorin hat sich mit dem Thema Intersexualität intensiv beschäftigt und diese Erkenntnisse in diesem Thriller verarbeitet, ohne dass dies zu faktisch wirkt.

Man weiß zunächst nicht, warum Liane auf einem Rachefeldzug ist. Es gibt zwar immer wieder leicht versteckte Hinweise, aber die „Aufklärung“ lässt bis zum Schluss auf sich warten.

Besonders gut gefallen hat mir natürlich wieder einmal, dass dieser Thriller in Frankfurt am Main spielt. Ich finde es immer wieder spannend, wenn ich die Ecken und Plätze erkenne, die ich selbst manchmal entlanglaufe. Der ein oder andere Schauer wird mir sicherlich demnächst über den Rücken laufen, wenn ich die Buchschauplätze betrete.

Fazit:
Ein spannender Thriller mit dem Schauplatz Frankfurt am Main, der ein schwieriges Thema behandelt –gekonnt, spannend und gleichzeitig gefühlvoll umgesetzt.

Bewertung: ***** von *****

Queer Heroes (Arabelle Sicardi)

Ein schillernd buntes Buch für alle Menschen – das Leben ist farbig und bunt

Dieses Buch ist mir aufgrund seines farbigen Titels aufgefallen. Als ich es in unserer Buchhandlung durchgeblättert habe, musste ich es haben!

Beschreibung des Buches:
„Queer Heroes“ ist 2020 im Prestel Verlag als Hardcover mit 61 Seiten erschienen. Auf dem Cover ist der Titel in Regenbogenfarben glänzend hervorgehoben. Der Titel macht neugierig.

Kurze Zusammenfassung:
In diesem Buch werden 53 mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten vorgestellt. Es geht hier um die Farbigkeit der Gesellschaft. Von Freddie Mercury über Frida Kahlo, Leonardo da Vinci bis hin zum Paar Ellen deGeneres und Portia de Rossi findet man hier mutige Menschen, die ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben ausgelebt haben bzw. ausleben.

Mein Leseeindruck:
Jeder Persönlichkeit in diesem Buch ist eine ganze Seite, manchmal auch zwei Seiten, gewidmet. Ich habe in diesem Buch viele mir bekannte Menschen entdeckt als auch Menschen, die mir bisher noch nicht in irgendeiner Weise „über den Weg gelaufen sind“.

Das Buch ist ganz wunderbar gestaltet. Jede vorgestellte Person ist in bunten Farben skizziert und illustriert. Unter diesem Bild findet man dann eine Beschreibung. Man findet in diesem Buch Menschen aus allen Epochen.

Manche kennt man, von manchen hatte zumindest ich noch nie etwas gehört oder gelesen. Interessante Einblicke in das Leben von Personen, die sich nicht von Vorurteilen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung haben beeindrucken lassen.  Im Gegenteil, in den hier vorgestellten Fällen haben sich große Persönlichkeiten entwickelt. Sie gelten vielen als Vorbilder.

Ein großartiges Buch, in dem man immer wieder blättert und Neues entdeckt.

Ein Mut-mach-Buch für alle!

Fazit:
Ein Buch zum Verschenken, zum Blättern und Staunen! Ein Buch vielleicht auch für Jugendliche, die sich irgendwie „anders fühlen“, vielleicht vor einem Coming-Out stehen. Es macht Mut!

Bewertung: ***** von *****

Zorn und Stille (Sandra Gugic)

Auf der Suche nach der Vergangenheit

Wie leben Menschen damit, dass sie aus einem Land kommen, das es so nicht mehr gibt?

Beschreibung des Buches:
„Zorn und Stille“ ist 2020 beim Hoffmann und Campe Verlag als Hardcover mit 238 Seiten erschienen. Das Cover ist in Braun gehalten, ein weißer Kaninchenkopf ziert den unteren Teil des Titelbildes.

Kurze Zusammenfassung:
Die Fotografin Billy Bana (früher Biljana Banadinowic) muss die Wohnung ihres Vaters nach dessen Tod auflösen. Dabei wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Aufgewachsen ist sie als Gastarbeiterkind in Wien, die Familie kam ursprünglich aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Mein Leseeindruck:
Dieser Roman ist in mehrere Teile untergliedert mit und aus der Sicht der verschiedenen Familienmitglieder – und in verschiedenen Zeitebenen. Während der erste Teil  von Billy selbst im Jahr 2016 handelt,  folgt im 2. Romanteil ein Blick der Geschehnisse auf die Vergangenheit aus Sicht von  Billys Mutter Azra im Juli 2008. Dem schließt sich die Geschichte Simas (Vater von Billy) aus dem Mai 1999 an. Zum Ende des Buches (Januar 2018) erzählt Billy selbst…

Der Sprachstil der Autorin ist etwas ganz besonderes, sehr ausgefeilt, feinfühlig. Man kommt beim Lesen so richtig in einen Sog, der einen nicht mehr loslässt.

Sie beschreibt sehr bildhaft und emotional das Aufwachsen und das Leben ihrer Protagonisten. Dabei stört es keineswegs, dass der Roman in die verschiedenen Abschnitte unterteilt ist.

Gerade die unterschiedliche Betrachtung ihrer Protagonisten auf ihre Heimat und ihr Familiengefüge machen diesen Roman so lesenswert. Die Rückblicke sind wichtig, auch die Sicht aus und auf die einzelnen Familienmitglieder.

Mich hat dieser Roman sehr berührt. Es zeigt, dass ein Verlassen der Heimat immer einen großen Verlust bedeuten, die Familie zerbricht möglicherweise. Die Vergangenheit bekommt eine neue Bedeutung bei Verlust und Tod naher Familienmitglieder.

Der Autorin gelingt es mit diesem Roman die Gesellschaftspolitik ihres Heimatlandes zu beleuchten.

Fazit:
Ein wunderbar feinfühliger Gesellschaftsroman, dem ich viele Leser/innen wünsche!

Fazit: ***** von *****

Eine Frau räumt auf (Janine Schweitzer)

Spannend und bewegend zugleich

Durch ein Radiointerview bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden. Da ich in meiner Familie Fälle von Messie-Haushalten kenne, hat mich dieses Buch neugierig gemacht.

Beschreibung des Buches:
„Eine Frau räumt auf“ von Janine Schweitzer ist 2020 als Taschenbuch im riva Verlag mit 156 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild sieht man die Autorin selbst in ihrer typischen Berufskleidung, hinter ihr ein Berg Haushaltsgegenstände.

Kurze Zusammenfassung:
Janina Schweitzer arbeitet als Schädlings-Bekämpferin, Tatort-Reinigerin und Messie-Entrümplerin. In diesem Buch berichtet sie von ihren ganz besonderen Fällen. Im Prolog schildert sie, wie sie zu ihrer „Berufung“ kam anderer Menschen Heim wieder lebenswert herzurichten. Zunächst erzählt sie von Einsätzen als Schädlings-Bekämpferin, in einem weiteren Kapitel geht es um ihre Arbeit als Messie-Entrümplerin und im letzten Kapitel berichtet sie von Tatort-Reinigungen.

Mein Leseeindruck:
Das Buch ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven, denn alles, was hier dargestellt wird, entspricht der erlebten Realität.

Es wühlt auf, manchmal scheint es doch noch schlimmere Haushalte zu geben, als ich sie kennen gelernt habe. Man leidet beim Lesen wirklich körperlich. Die detailreiche Beschreibung lässt einen mitten in so manchem Chaos oder am Tatort stehen.

Ich konnte dieses Buch nicht abends lesen, denn es hätte mir den Schlaf geraubt. Dennoch fand ich die beschriebenen Einzelschicksale interessant, „spannend“ und gleichzeitig sehr traurig.

Die Autorin nimmt uns Leser mit an die Tatorte und zeigt uns die Spuren, wir können sie beim Lesen „sehen“ und das Gefühl der Trauer und Ohnmacht stellt sich ein. Dabei geht die Autorin sehr behutsam und pietätvoll auf die Einzelschicksale der betroffenen Personen ein.

Einen solchen Beruf kann man nicht ausüben, wenn man nur abgeklärt ist, man muss auch die Empathie besitzen, mit z.B. den Betroffenen oder auch Hinterbliebenen gefühlvoll umzugehen. Es reicht nicht, einfach nur ein Haus oder eine Wohnung zu reinigen, die Autorin ist hier oftmals auch als Seelentrösterin unterwegs.

Das Buch zeigt die andere Seite der Tür von Heimen – die, die man nicht sieht, die die Menschen verstecken, weil sie sich schämen und/oder einfach ohne Hilfe ihr Chaos auch im Leben nicht in geradere Bahnen lenken können. Die Autorin räumt nicht nur auf, sie hört zu, sie empfiehlt den Menschen, sich Unterstützung zu holen.

Fazit:
Ein aufrüttelndes Buch für Betroffene, für Angehörige, aber auch für Menschen, die sich einfach für die Arbeit als Tatort-Reiniger oder Entrümpler interessieren.

Bewertung: ***** von *****