In ewiger Freundschaft (Nele Neuhaus)

Der zehnte Fall

Sind es tatsächlich schon so viele Krimis aus Neles Hand? Ich kann mich noch sehr gut an den ersten Krimi der Reihe um Pia und Oliver „Die unbeliebte Frau“ erinnern, den ich gelesen habe als Nele Neuhaus noch nicht bekannt war. Ich war auf einer Lesung in Kelkheim-Ruppertshain in einem Atelier am Zauberberg als Nele hier ihren ersten Krimi vorstellte – hier gab es auch „Unter Haien“ zu kaufen. Auch dieses Buch wanderte damals käuflich erworben in meine Tasche…

Beschreibung des Buches:
„In ewiger Freundschaft“ von Nele Neuhaus ist 2021 im Ullstein Verlag als Hardcover mit 528 Seiten erschienen. Ich habe die E-Book Version gelesen. Auf dem Titelbild sieht man eine schwarze Katze in der Toreinfahrt zu einer Villa in der Dämmerung – das Bild wirkt geheimnisvoll.

Kurze Zusammenfassung:
Die Programmleiterin des Literaturverlags Winterscheid wird vermisst, man findet ihren an Demenz erkrankten Vater an Ketten gefesselt im Dachgeschoss ihres Wohnhauses. Kurze Zeit später wird ihre Leiche im nahe gelegenen Wald gefunden. War es ein Unfall beim Joggen? Als dann jedoch eine weitere Leiche aus dem Umfeld der Programmleiterin aufgefunden wird, erkennen Pia und Oliver schnell Gemeinsamkeiten.

Mein Leseeindruck:
Schön, dass zu Beginn des Buches eine Aufstellung aller beteiligten Protagonisten aufgeführt ist, denn auch in diesem Krimi spielen zahlreiche Personen wichtige Rollen. So kann man sich immer mal wieder vergegenwärtigen, wer mit wem und was zu tun hat. Gerade wenn man das Buch, das doch wieder einmal ziemlich viele Seiten aufweist, nicht am Stück lesen kann.

Man wird in Nele Neuhaus‘ Bücher immer sofort hineingezogen und findet sich mitten im Geschehen wieder, das liegt an ihrer sehr bildhaften und detaillierten Beschreibung. Es ist wie ein Sog, der einen nicht mehr loslässt.

Mir gefallen hier natürlich die lokalen Örtlichkeiten, wohne ich doch auch gerade um die Ecke. Auch Frankfurt am Main (hier spielen sich viele Szenen ab, denn der involvierte Verlag hat hier seinen Stammsitz) mit seinen bekanntesten Ecken und Straßen ist mir sehr vertraut.

Der Krimi ist mal wieder sehr weit und ausschweifend gesponnen. Ich frage mich immer, wie man dann die Fäden wieder zusammenbekommt – Nele Neuhaus gelingt es. So tauchen immer mehr Personen auf und es gibt viele Bezüge zu Ereignissen fast 35 Jahre zuvor in Frankreich, zu einer Insel, auf der die Autorin als Jugendliche regelmäßig die Ferienzeit mit ihren Eltern verbracht hat.

Es werden in diesem Krimi immer wieder neue Fährten gelegt, so dass man erst nach und nach Zusammenhänge versteht und einordnen kann. Deshalb muss man den Krimi schon intensiv lesen, sonst verliert man schnell die Spur.

Neben den kriminalistischen Arbeiten bekommt auch das Privatleben der Kriminalbeamten Oliver von Bodenstein und Pia Sander einmal wieder mehr den Fokus, den ich bei diesen Krimis so liebe.

Mich hat auch dieser Krimi wieder gut unterhalten, auch wenn mir einmal mehr zu viele Mitwirkende das Lesen etwas erschwert haben.

Fazit:
Wer die Reihe um Pia Sander und Oliver von Bodenstein liebt, der wird auch diesen Krimi wieder gerne lesen. Über 500 Seiten Lesevergnügen – ich habe hier die Abend- und Morgenstunden meines Weihnachtsurlaubs genutzt.

Bewertung: **** von *****

Sonnenseite (Roland Kaiser, Sabine Eichhorst)

Authentisch, kurzweilig, spannend

Ich muss zugeben, erst die letzten Jahre ist mir Roland Kaiser durch seine Präsens mit eigenen Konzerten im Fernsehen und seine Moderationen wieder aufgefallen. Ein Schlagerfan war ich eigentlich noch nie, aber meine Mutter hatte vor über 40 Jahren LPs von ihm, so kenne ich auch die alten Lieder.

Beschreibung des Buches:
Die Autobiographie „Sonnenseite“ von Roland Kaiser ist im HEYNE-Verlag 2021 als Hardcover erschienen. Das Buch hat  390 Seiten. Auf dem Titelbild ist Roland Kaiser mit einem nachdenklichen, aber entspannten Blick zu sehen.

Kurze Zusammenfassung:
Roland Kaiser hat zusammen mit Sabine Eichhorst seine Lebensgeschichte aufgeschrieben – von der Kindheit über seine ersten Schritte als Sänger, Produzent und Spielesendungen-Entwickler erfährt man auch Geschichtliches aus dem zunächst geteilten, dann wieder vereinigten Deutschland.

Mein Leseeindruck:
Zuerst habe ich mir die zahlreichen schwarz/weiß als auch farbigen Fotos angeschaut. Auch das mag ich an solchen Biografien und an einem gedruckten Buch. Fotos fehlen meist bei einem E-Book – und das Blättern darin entfällt auch.

Mir hat die sehr authentische Art gefallen, in der dieses Buch verfasst ist. Die Erzählungen aus sehr jungen Kindheitsjahren als auch die sehr intensive Beschreibung seiner Lungenkrankheit und letztendlich der Operation, haben mich sehr berührt.

Aber auch wie Roland Kaiser eigentlich zum Singen kam und als Schlagersänger Fuß in diesem Genre gefasst hat, hat mich erstaunt und war spannend zu lesen.

Gerade weil Roland Kaiser im westlichen Teil Berlins aufgewachsen ist, sind seine Erlebnisse mit der DDR, Grenzübergängen und Auftritten in Ost-Berlin für mich sehr interessant zu lesen.

Ich habe Roland Kaiser als sehr nachdenklichen Menschen durch diese Biografie „kennen gelernt“. Sein soziales Engagement für die verschiedensten Stiftungen beeindruckt mich, seine Sicht auf manche politische Entscheidungen kann ich in vielen Fällen teilen.

Das Buch ist nicht nur eine Reise durch Roland Kaisers Leben, sondern auch eine Reise jüngster deutscher Geschichte, erlebt von einem West-Berliner (auch wenn er mittlerweile an verschiedenen Orten Deutschlands zuhause ist.

Fazit:
Diese „Reise“ hat mir gefallen. Das Buch ist sehr authentisch und hat mich sehr berührt. Nicht nur Schlagerfans kommen hier auf ihre Kosten…

Bewertung: ***** von *****

Stille Nacht – Eintracht Frankfurt Krimi (Dana Müller-Braun, Ulrich Müller-Braun)

Dritter Band der Eintracht Frankfurt Krimis

Ich habe bereits die ersten beiden Bände, die mir sehr gut gefallen haben, gelesen.

Beschreibung des Buches:
„Stille Nacht“ von Ulrich und Dana Müller-Braun (Autorenduo – Vater-Tochter) ist 2021 als Taschenbuch mit 333 Seiten im Societäts-Verlag erschienen.

Auf dem Titelbild sieht man ein Bild eines in Blut getränkten Eintracht Frankfurt Adlers, der Hintergrund ist in weiß gehalten.

Kurze Zusammenfassung:
Einen Tag vor Heilig Abend feiert ein kleiner Kreis inoffiziell eine Weihnachtsfeier in der Geschäftsställe von Eintracht Frankfurt im Stadion, während sich eine Gruppe um Sportjournalist Severin in der Nähe der West-Tribüne trifft, um den Todestag des Freundes Mic zu gedenken. Dieser hatte sich hier 2 Jahre zuvor hier in den Tod gestürzt. Plötzlich rauschen mehrere Vans heran, stürmen die Eintracht Zentrale, nehmen zahlreiche Geiseln und verschwinden mit ihnen in ihren Fahrzeugen.

Eine waghalsige Verfolgung nimmt ihren Lauf…

Mein Leseeindruck:
Dieser Krimi wird auch, wie seine zwei Vorgänger, aus zwei Perspektiven erzählt (Lydia und Severin). Severin ist Sportjournalist, Lydia Pressesprecherin der Eintracht.

Im Grunde genommen spielt der Krimi nur innerhalb weniger Stunden (23.12.2021 – 24.12.2021), dabei ist er mitreisend, spannend und ziemlich abwechslungsreich in seinen Szenerien. Wer Frankfurt kennt, der kommt hier voll auf seine/ihre Kosten.

Während seine Vorgänger auf das Miträtseln setzten, kommt man hier im Sog der Ereignisse kaum zum Atmen, so schnell wechseln hier die Örtlichkeiten und die Zusammensetzung des Personenkreises.

Das Zusammenspiel der wechselnden Sichten scheint mir hier besser gelungen als bei den ersten Bänden. Was mir bei diesen Eintracht Krimis sehr gut gefällt ist der Lokalkolorit.

Fazit:
Ein kurzweiliger Krimi, der spannend in Szene gesetzt ist und nie langweilig wird. Man kann ihn besonders gut in der Weihnachtszeit oder vielleicht „zwischen den Jahren“ lesen. Ein super Geschenk für Eintracht Frankfurt Fans, die sicherlich auch schon die ersten beiden Bände gelesen haben.

Bewertung: ***** von *****

Herbst in Wien (Petra Hartlieb)

Wien 1916 bis 1931 – Letzter Teil um eine junge Familie im Wien Anfang des 20. Jahrhunderts

Ich habe „Sommer in Wien“ gelesen, deshalb habe ich zu diesem Buch gegriffen…

Beschreibung des Buches:
Das Buch „Herbst in Wien“ von Petra Hartlieb ist im DuMont-Verlag als Hardcover-Buch 2021 erschienen. Es hat 191 Seiten. Ein mit einer großen Pflanzenranke sehr schön gestaltetes Cover ziert das Buch. Zusätzlich bietet das Buch ein oranges Lesebändchen.

Die Autorin Petra Hartlieb war Pressereferentin und Buchkritikerin bevor sie mit ihrem Mann eine kleine Buchhandlung in Wien übernahm und später auch Autorin geworden ist.

Kurze Zusammenfassung:
Das Buch bildet den Abschluss von „Ein Winter in Wien“, „Wenn es Frühling wird in Wien“ und „Ein Sommer in Wien“.

Die Protagonisten Marie, ehemals Kindermädchen beim Berühmten Dichter Arthur Schnitzler, und Oskar, junger Buchhändler in Wien sind mittlerweile verheiratet und haben einen Sohn. Oskar kommt aus dem Kriegseinsatz zurück und die Familie muss erst wieder zusammenfinden. Die ersten Nachkriegsjahre sind beschwerlich und auch familiäre Verluste bringen Leid über die kleine Familie, aber das Leben muss weitergehen…

Mein Leseeindruck:
Ich mag den Schreibstil der Autorin. Die Sprache ist der Zeit angepasst. Man taucht ins Wien Anfang des 20. Jahrhunderts ein.

Ein bisschen schwer fielen mir die zahlreichen Zeitsprünge, wenn z.B. von Nachkommen erzählt wird, die plötzlich schon ein paar Jahre alt sind, während sie im vorherigen Kapitel noch gar nicht geboren worden sind.

Da ich „Sommer in Wien“ gelesen habe, konnte ich der Familiengeschichte recht gut folgen, so dass mich kurze Rückblicke nicht überraschten.

Mir hat beim Lesen dieses Romans sehr gut gefallen, dass hier der Alltag der kleinen Familie sehr minutiös dargestellt wird. So konnte ich mich beim Lesen wirklich gut in die jeweilige Situation hineinversetzen.

Fazit:
Petra Hartlieb ist auch hier wieder ein ganz atmosphärischer  Roman gelungen. Mir hat der Roman sehr gut gefallen, aber ich würde empfehlen, die drei Vorgänger-Bücher vorher zu lesen.

ewertung: **** von *****