Fahrgemeinschaft (Meddi Müller)

Frankfurt-Krimi – spannender Fall – interessantes Ermittler-Duo

Der 2. Fall des Ermittler-Duos Shaft und Grotte.

Beschreibung des Buches:
„Fahrgemeinschaft“ von Meddi Müller ist 2021 edition-krimi als Taschenbuch mit 260 Seiten erschienen. Das Cover des Buches ist recht dunkel gehalten, es ist eine Stretch-Limousine mit Fahrer vor markanten Hochhäusern der Frankfurter Skyline abgebildet. Mich hat das Titelbild neugierig gemacht.

Kurze Zusammenfassung:
Nachdem eine Obdachlose am Mainufer tot aufgefunden wurde, will die Polizei die Suche nach einem vermeintlichen Mörder schnell einstellen. Man glaubt an einen selbst verschuldeten Tod. Doch Kommissarin Sabine Grotewohl und ihr Kollege Christian Köhler stellen trotzdem Nachforschungen an und erfahren, dass die Tote keine Unbekannte ist und aus guten Verhältnissen stammte.

Mein Leseeindruck:
Ich lese gerne Krimis mit Lokalkolorit, wenn sie dann noch in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet spielen, dann MUSS ich sie lesen. Dieser Krimi bietet genau das.

Die Schauplätze des Krimis sind Frankfurt am Main und Umgebung. Viele Örtlichkeiten kennt man, so dass man beim Lesen ein genaues Bild vor Augen hat.

Der Schreibstil des Autors gefällt mir, viel wörtliche Rede, was den Krimi sehr lebendig macht. Der Fall ist spannend konstruiert, man könnte die Lösung erahnen – wird dann aber doch überrascht vom Ende des Krimis. Die Szenerien wechseln  rasant. Es wird aus mehreren Blickwinkeln erzählt, so dass man als Leser/in manchmal mehr weiß als das Ermittlerteam.

Was mir an diesem Krimi auch gut gefällt ist, dass ein besonderer Fokus auf das Ermittlerduo gelegt ist. Christian Köhler wohnt noch bei seiner Mutter, er fährt einen Oldtimer, müsste eigentlich nicht arbeiten und fällt manchmal durch seine dunkle Hautfarbe auf. Die Lebensgefährtin von Sabine Grotewohl erwartet ihr erstes gemeinsames Kind, entsprechend aufgeregt sind alle. Die Ermittler wirken auf mich sympathisch.

Der Fall selbst ist gut entwickelt, er birgt einiges an Potential und die Lösung ist nicht vorhersehbar.

Fazit:
Ein Frankfurter Krimi mit einem regionalen Touch. Der Fall ist interessant konstruiert. Mich hat das Ermittlerduo gut unterhalten, auch wenn ich als Leserin manchmal schon mehr wusste als die Kommissare. Ich freue mich auf weitere Fälle des sympathischen Duos.

Bewertung: ***** von *****

Eine Stadt dreht durch (Andreas Heinzel)

Satirische Kurzgeschichten aus Frankfurt am Main

Satirische Geschichten lese ich gerne, Kurzgeschichten eigentlich nicht, denn die sind so schnell zu Ender, doch diese hier haben es in sich…

Beschreibung des Buches:
„Eine Stadt dreht durch“ von Andreas Heinzel ist 2021 im mainbook Verlag als Taschenbuch mit 249 Seiten erschienen. Das Cover zeigt die Frankfurter Skyline als schwarze Silhouette auf hellblauem Hintergrund – ein seltsames Augenpaar überlagert das Bild.

Kurze Zusammenfassung:
In diesem Buch findet man 12 Kurzgeschichten, die in Frankfurt spielen.

Mein Leseeindruck:
Ich habe mich köstlich amüsiert als ich dieses Buch gelesen habe – schwarzer Humor vom Feinsten (erinnerte mich an Roald Dahl Geschichten, die ich vor Jahren gelesen habe).

Da gibt es die Ehefrau, die ihrem Mann ein ganz besonderes Geschenk, einen Sarg, fertigen lässt. Ein junger Mann, der sich in die Stimme einer Call-Center Mitarbeiterin verliebt oder aber ein Gartennachbarstreit, der ausartet.

Die Geschichten sind wunderbar spritzig erzählt, man ahnt manches Mal, was passieren könnte, staunt dann aber doch, über das eigentliche Ende – und – lacht sich schief.

Manch eine der Geschichten macht nachdenklich – nur übertrieben dargestellt oder passiert das tatsächlich so ähnlich tagtäglich?

Ein über das andere Mal musste ich nach dem Beenden einer Geschichte meinem Mann dann doch schon das Ende dieser Geschichte brühwarm erzählen.

Besonders gut hat mir natürlich gefallen, dass diese Geschichten in meiner Lieblingsstadt Frankfurt am Main spielen, kenne ich doch die ein oder andere Örtlichkeit, was das Ganze dann noch bildhafter macht.

Fazit:
Wer schwarzen Humor und Kurzgeschichten liebt, der MUSS hier zugreifen! Alle anderen sollten sich dieses Buch auch auf den Nachttisch legen und nach dem abendlichen Lesen mit einem Grinsen auf dem Gesicht einschlafen.

Bewertung: ***** von *****

Frau Merian und die Wunder der Welt (Ruth Kornberger)

Portrait einer Forscherin in Romanform

Ich lese selten historische Romane, doch dieser Roman hat die Forscherin Sibylla Merian zum Thema, über die ich bisher noch nicht viel gelesen habe. Biografische Romane finde ich mittlerweile doch recht interessant…

Beschreibung des Buches:
„Frau Merian und die Wunder der Welt“ ist 2021 C.Bertelsmann Verlag als Hardcover mit 525 Seiten erschienen. Das Buch hat einen mit farbenprächtigen Pflanzen und Vögeln gestalteten Einband. Der Hintergrund ist in Mintgrün gehalten.

Kurze Zusammenfassung:
In einem Zeitraum von 12 Jahren wird hier die Geschichte der Malerin und Forscherin Sibylla Merian, die vor 300 Jahren lebte, in Romanform erzählt: Von 1691 in den Niederlanden (Amsterdam) bis zu einer Reise nach Surinam (Südamerika). Während Sibylla sich mit Insekten, hauptsächlich Schmetterlingen, und Pflanzen beschäftigt kreuzen sich immer wieder ihre Wege mit dem geheimnisvollen Jan de Jong…

Mein Leseeindruck:
Während man hier einiges über die interessante Forscherin Sibylla Merian erfährt, wird hier auch gleichzeitig eine kleine Liebesgeschichte hineingewoben. Man bekommt einen ganz besonderen Einblick in die Geschichte der Zeit des 17. Jahrhunderts, erlebt historische Personen und kann sich so in diese Zeit hineinversetzen.

Die Autorin beschreibt die Forschungsarbeiten von Sibylla sehr detailliert und in einer feinen Sprache. Man hat ein genaues Bild der künstlerischen Tätigkeiten vor Augen.

Teils ist die Geschichte spannend, sie ist aber auch in gewisser Weise unterhaltsam, wenn es um die Beziehung von Sibylla mit dem geheimnisvollen Jan geht.

Neben der fiktiven Handlung erfährt man auch einiges über das Amsterdam mit seinen so unterschiedlichen Bewohnern, das Überleben einer alleinstehenden Frau mit zwei Töchtern und die Sklavenhaltung im fernen Surinam.

Fazit:
Ich fand den Roman interessant, allerdings war er für mich an manchen Stellen etwas langatmig und es fehlte zwischenzeitlich die Spannung.

Bewertung: *** von *****

Miss Merkel (David Safier)

Ziemlich skurriler Krimi

Von David Safier habe ich schon einige gute Bücher gelesen. Jetzt hatte ich mich auf dieses Hörbuch gefreut…

Beschreibung des Buche
„Miss Merkel“ von David Safier ist 2021 als Hörbuch (8 Stunden, 16 Minuten, 59 Sekunden) im Argon Verlag erschienen.

Kurze Zusammenfassung:
Angela Merkel ist mit ihrem Mann nach ihrem Renteneintritt wieder zurück in die Uckermark nach Kleinfreudenstadt gezogen. Doch Ruhestand, das kann Angela nicht ertragen. So ist ihr Spürsinn gefragt, als der Freiherr Philip von Baugenwitz vergiftet in einem Schlossverlies gefunden wird. Das Verlies ist von innen verschlossen, der Freiherr nur mit einer Ritterrüstung bekleidet. Mit Hilfe ihres Ehemanns Achim, ihrem Bodyguard Mike und dem Mops Putin versucht Angela herauszufinden, was genau geschehen ist…

Mein Höreindruck:
Ich hatte mich auf einen humorvollen, aber auch etwas niveauvolleren Krimi gefreut. Dieser Krimi bietet eher Witz, Klamauk und ungewöhnliche Recherchearbeit.

Der Fokus ist hier auf die drei ermittelnden Personen gerichtet, dabei passieren immer wieder merkwürdige und skurrile Dinge. Der Umgang miteinander ist teils mit Respekt, teils durch viel Liebe und Verantwortungsgefühl geprägt. Wenn die Gedanken der Protagonisten vorgetragen werden, dann bekommt der Krimi seine besondere Note.

Die Lesestimme gefällt mir nicht so gut, hier hätte ich mir eine etwas tiefere Stimme gewünscht, ab und an ist mir die Stimme zu schrill.

Fazit:
Wer das Skurrile an Krimis liebt, dem wird der Krimi gefallen. Ich fand die Recherchearbeit etwas sonderbar, die Gedankenwelt Angelas entschädigt hier ein wenig.

Bewertung: *** von *****

Freiflug (Christine Drews)

Das Frauenbild in den 1970er Jahren – Beruf, Familie

Unter dem Titel und dem Klappentext hatte ich mir vorgestellt, dass es in diesem Buch ganz speziell um den Prozess einer jungen Frau, ausgebildete Pilotin, gegen eine Fluggesellschaft gehe…

Beschreibung des Buches:
„Freiflug“ von Christine Drews ist 2021 als Hardcover mit 348 Seiten im DuMont Buchverlag erschienen. Auf dem Titelbild sieht man eine Frau, die auf einer gemalten geraden Linie unter einem Flugzeugschatten voran schreitet.

Kurze Zusammenfassung:
Rita Maiburg ist ausgebildete Pilotin. Jetzt möchte sie als Flugkapitänin bei einer großen deutschen Fluggesellschaft arbeiten. Im Absageschreiben der Fluggesellschaft steht als Begründung, dass keine Frauen als Piloten eingestellt werden. Das kann Rita nicht akzeptieren und engagiert Katharina Berner, Rechtsanwältin, gegen die Fluggesellschaft und die BRD als Anteilseigner zu klagen. Auch Katharina hat damit zu kämpfen, dass sie als Frau in der Gesellschaft (und in ihrer Familie) ihre Berufstätigkeit „verteidigen“ muss…

Mein Leseeindruck:
Die Autorin wurde durch ein Straßenschild in Köln aufmerksam auf die erste Linienflugkapitänin der Welt und hat darüber ihren Roman geschrieben, der in der Zeit von 1974 – 1977 spielt.

Mich hat das Thema interessiert, ich dachte, es gehe in diesem Buch um den Prozess, doch in diesem Roman geht es um mehr, es geht um das gesellschaftliche Leben der 1970er, um die Anerkennung von Frauen (in Beruf und Familie), um Familie und Verarbeitung von Kriegserlebnissen.

Vieles wird angerissen, manches hat man als Mensch jenseits der 50 selbst erlebt oder als Kind beobachtet, Erinnerungen werden wach, wenn es um die Frau in der Werbung geht. Der Vater der Rechtsanwältin Katharina Berner leitet ein Unternehmen, das u.a. Waschmittel herstellt, um, wie er behauptet, die Frauen in ihren Haushaltstätigkeiten zu entlasten…

Es sind die kleinen eingeflochtenen Beschreibungen von Alltagsgeschehnissen und –gegenständen, die einen beim Lesen in eine andere Zeit eintauchen lassen (gelbe Telefonzelle, grasgrünes Telefon usw.), das hat mir bei diesem Buch gefallen, wenn mir auch vieles nur angerissen vorkam. Man hätte sich vielleicht auf ein Thema, nämlich den Prozess, konzentrieren können, denn das erwartet man beim Lesen der Kurzbeschreibung. Leider kommen die Prozessgeschehnisse in diesem Buch eindeutig zu kurz. Dafür bekommt man einen Eindruck, wie sich das Bild der Frau in der Gesellschaft in den letzten Jahren doch gewandelt hat, dass es dafür aber immer wieder Frauen geben musste, die sich nicht ihrem Schicksal ergaben, sondern alle Anstrengungen aufnahmen, um für ihre Rechte zu kämpfen.

Fazit:
Auch wenn der Roman sich etwas anders entpuppt hat als erwartet, fand ich ihn doch so interessant und spannend, dass ich ihn fast nicht aus der Hand legen konnte.

Bewertung: **** von *****

Portugiesisches Schicksal (Luis Sellano)

Henrik kann es nicht lassen – ein Lissabon Krimi

Alle schon erschienenen fünf  Bände um das kleine Antiquariat und Henrik in Lissabon habe ich schon gelesen. Protagonist Henrik ist mir ans Herz gewachsen – und Lissabon eine Reise wert.

Beschreibung des Buches:
„Portugiesisches Schicksal“ von Luis Sellano (Pseudonym eines deutschen Autors) ist 2021 im HEYNE-Verlag als Taschenbuch erschienen. Der Krimi hat 333 Seiten.

Das Cover ist wieder farbenfroh gestaltet. Es zeigt eine Stadtansicht aus Lissabon.

Kurze Zusammenfassung:
Henrik Falkner entdeckt in Unterlagen seines verstorbenen Onkels Aufzeichnungen über den Tod einer jungen Frau, die kurz vor ihrem Tod im Pôr do sol zum Abendessen war. Nach Gerüchten sollen noch weitere Frauen nach einem Besuch in diesem Restaurant verstorben sein. So bewirbt sich Henrik als Kellner in dem touristischen Restaurant, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Mein Leseeindruck:
Ich mag die Krimis um Henrik. Der Schreibstil des Autors gefällt mir. Ich wandle mit Henrik durch Lissabon (bei einem Urlaubsbesuch habe ich sogar das „Antiquariat“ (Straße und Haus) gefunden.

Die Handlung ist recht lebendig, die Atmosphäre in der Stadt spürt man, man kann sich prima in die kleinen Gassen, aber auch zu den touristischen Plätzen „beamen“. Das gefällt mir an dieser Reihe besonders gut.

Wie auch bei den anderen Fällen liegt der Fokus auf Henrik. So ist man beim Lesen immer auf dem gleichen Stand wie der Ermittler. Es geht einem nichts verloren.

In ihrer Funktion als Polizistin ist Henriks Freundin Helena natürlich auch wieder dabei.

Dieser Fall ist zunächst nicht ganz so spannend. Die Geschichte plätschert dahin, gewinnt erst am Ende an Fahrt. Das Ende überrascht und macht nachdenklich.

Zwischenzeitlich gibt es auch Rückblicke auf vergangene Begebenheiten in älteren Fällen, deshalb ist es schon schöner, wenn man alle Bücher der Reihe gelesen hat.

Fazit:
Ein leichter Krimi, der mir mehr Urlaubsfeeling (durch die Beschreibungen Lissabons) als Spannung gebracht hat, trotzdem würde ich auch den nächsten Fall um Henrik lesen wollen.

Bewertung: **** von *****

Mensch, Erde! (Eckart von Hirschhausen)

Ist die Erde noch zu retten?

Eckart von Hirschhausen ist in den Medien sehr präsent. Ich war schon auf mehreren seiner Shows, die seine veröffentlichten Bücher zum Thema hatten und fand diese immer sehr unterhaltsam, informativ und aufschlussreich. So hat mich dieses neue Buch von ihm allein vom Titel schon sehr angesprochen.

An seiner Buchvorstellung am 15.05.2021 habe ich per Livestream teilgenommen und am anschließenden Meet & Greet (per Videokonferenz) mit Bloggern haben wir über dieses neue Buch diskutiert, die Entstehungsgeschichte hinterfragt und einen sehr mitteilsamen Eckart von Hirschhausen kennen gelernt.

Beschreibung des Buches:
„Mensch, Erde!“ von Eckart von Hirschhausen ist 2021 als Hardcover mit 523 Seiten im dtv Verlag erschienen. Das Cover zeigt Eckart von Hirschhausen fröhlich lächelnd, sitzend auf einer Wiese. Der Buchschnitt als auch die Kapitelüberschriften sind in Blau- und Rottönen gestaltet, wobei sie mit der blauen Farbe beginnen und in einem tiefen Rot enden, was die Erwärmung der Erde darstellen könnte. Das Buch ist mit einem Lesebändchen ausgestattet.

Das gekürzte Hörbuch ist vom Autor selbst eingelesen.  

Kurze Zusammenfassung:
In 13 Kapiteln beschreibt Herr von Hirschhausen die Lebensweise von uns Menschen und was diese mit dem aktuellen Zustand unserer Erde zu tun haben könnte und wie man vielleicht noch etwas retten kann. Am Ende beschreibt der Autor seine utopische Vorstellung über die Erde im Jahr 2050.

Mein Leseeindruck:
Wenn man in dem doch recht dicken Buch blättert, bleibt man auf der ein- oder anderen Seite neugierig hängen. Das Buch ist sehr schön aufgemacht. Zahlreiche Fotos, Grafiken mit Statistiken und kleine Exkursionen (z.B. der Erzeugungsweg der Avocado) laden ein zum Verweilen, während man das Hörbuch dann am Stück und in der Kapitelreihenfolge hört.

Allerdings kann man sich mit diesem Buch auch auf die Reise um die Erde machen, so sind nämlich die Kapitelreihenfolgen aufgebaut: „Start der Reise“, „Kommen & Gehen“, „Essen & Verdauen“, „Wasser trinken & Wasser lassen“, „Einatmen & ausatmen“, „Aufwärmen & abkühlen“, „Brauchen & verbrauchen“, „Hin & weg“, „Schützen & vernässen“, „Sorgen & entsorgen“, „Reden & zuhören“, „Vorreiten & machen“ und dem Epilog „Was jetzt?“

Ich konnte diesem Hörbuch sehr gut folgen. Oftmals schweifen mir bei Romanen die Gedanken ab, bei diesem Hörbuch musste ich einfach intensiv zuhören, so interessant und spannend ist das Thema. Auch wenn Herr von Hirschhausen nicht unbedingt der geborene „Vorleser“ ist (er ist ein umso besserer Entertainer!), so kann man seinen Ausführungen doch sehr gut folgen. Man hat den Eindruck, als spräche er d. HörerIn direkt an.

Manchmal fühlt man sich ertappt, wenn man den „Spiegel vorgehalten“ bekommt – manches Mal erlebt man eine Bestätigung für das eigene Handeln. Oft gibt es aber auch tolle Beispiele von Nachhaltigkeit, die man im eigenen Leben einbauen könnte. Dabei erhebt Eckart von Hirschhausen nicht den Zeigefinger, es ist vielmehr eine Überzeugungsarbeit, die er mit diesem Buch leistet, indem er hier so vieles zusammengetragen hat, was es an Möglichkeiten gibt im eigenen Lebensbereich ein wenig anders zu handeln und andere zu animieren das auch zu tun.

Das Buch selbst ist noch viel ausführlicher gestaltet als das Hörbuch. Hiermit kann man sich stundenlang beschäftigen. Man interpretiert die Schaubilder, erfreut sich an den Fotos und wir sprachlos bei manchen Dingen, von denen man hier das erste Mal liest. Einige seiner Rechercheergebnisse machen somit fassungslos, andere geben Hoffnung.

Auf alle Fälle ist das Buch sehr authentisch geschrieben. Eckart von Hirschhausen lässt immer wieder kleine, erlebte Anekdoten in die Texte einfließen und hat bei seinen Recherchen mit unzähligen Menschen (Spezialisten in ihren Fachbereichen) gesprochen.

Das (Hör)-Buch rüttelt auf, macht wach, bewegt – vielleicht ist es noch nicht zu spät, kann der Mensch die Erde noch retten?!

Als Bonus gibt es im Hörbuch noch einen Auszug aus einem von Eckart von Hirschhausens live-Programmen.

Fazit:
Selten habe ich ein Hörbuch so intensiv verfolgt, hier hat zwischendurch die ganze Familie gespannt zugehört. Trotzdem kann das Hörbuch alleine dieses tolle Buch nicht ersetzen, denn das bietet noch zusätzliche, viele nützliche und interessante Informationen, die sehr anschaulich aufbereitet sind. Das Buch dient als Multiplikator. Wer es gelesen hat, der spricht darüber – der muss darüber sprechen, denn es bewegt, rüttelt auf auch wenn es zuweilen kurzzeitig sprachlos macht.

Bewertung: ***** von *****

Der Mensch zu schlau zum Überleben (Dr. Matthias Meier, B. Meier-Arian)

Ursachenbehandlung – nicht nur Symptombehandlung

Fach- und Sachbücher lese ich selten von vorne bis hinten in einem Stück, aber dieses Buch hat mich nicht losgelassen…

Der Autor, Dr. Matthias Meier, hat ein abgeschlossenes Medizinstudium und ist u.a. Facharzt für Orthopädie/Unfallchirurgie. Zudem ist er spezialisiert auf „rekonstruktive Chirotherapie“ und „regenerative Medizin“.

Die Co-Autorin, B. Meier-Arian, hat eine Ausbildung zur „Psychologischen Beraterin“ und „Psychotherapie nach dem Heilpraktiker Gesetz“.

Beschreibung des Buches:
„Der Mensch zu schlau zum Überleben“ ist 2020 im Novum Verlag als Hardcover erschienen. Das Buch hat 345 Seiten.

Kurze Zusammenfassung:
In 10 Kapiteln („Einführung“, „Das zentrale Nervensystem“; „Mineralien, die heimlichen Helden“, „Emotionen: Mythen und Fakten“, „Umwelteinflüsse“, „Impfungen“, „Sport und Bewegung“, „Fazit“, „Von A-Z“) geht es um Erkrankungen, Behandlungen, Vorbeugung und Einflüsse der Umwelt, Emotionen und Wirbelsäulenstruktur.

Mein Leseeindruck:
Meist suche ich mir in Fach- und Sachbüchern einzelne Kapitel, die mir besonders interessant erscheinen heraus, bleibe schon beim Durchblättern auf der ein- oder anderen Seite hängen und vertiefe mich in den Text. Dieses Buch habe ich von vorne bis hinten fast am Stück gelesen.

Mir hat der Sprachstil des Autorenduos von Anfang an sehr gut gefallen: Kein Medizinerdeutsch, nicht belehrend, sondern den Inhalt anhand von Fakten, Statistiken und Studien verdeutlicht.

Auch der Aufbau des Buches war für mich schlüssig. Ich konnte viele der Beispiele nachvollziehen und erkannte beim Lesen einige eigene Erfahrungen/Beobachtungen an/bei meinen Mitmenschen und natürlich auch an mir.

So fühle ich mich bei einigen Lebensgewohnheiten, die ich habe, sehr bestätigt. Über andere Tipps und Vorschläge muss ich noch einmal nachdenken. Besonders interessant finde ich Aussagen darüber, dass man vielen Krankheiten alleine durch gesunde Ernährung, Bewegung und emotionales Gleichgewicht vorbeugen kann und somit auch sein Immunsystem stärkt. Das beobachte ich schon lange an mir selbst, bin ich doch selten so krank, dass ich mich auch richtig krank fühle, Schmerzen habe o.ä.

Ich habe dieses Buch schon in meinem engsten Familienkreis empfohlen, das Interesse ist hier zumindest sehr groß. Mein Sohn hat es mir gerade schon, vor dem Schreiben der Rezension, entführt.

Fazit:
Es lohnt sich, dieses Buch zu lesen. Man muss nicht mit allen Vorschlägen/Thesen übereinstimmen, aber man wird stark angeregt den eigenen Lebensstil zu überprüfen und möglicherweise zu ändern. Manch eine/r gelangt vielleicht auch zu der Erkenntnis, dass der eigene Körper durch eine gesündere und angepasstere Lebensweise manche Krankheiten besiegen, mildern oder verhindern kann.

Bewertung: ***** von *****

Woanders ist es auch nicht ruhiger (Andrea Sawatzki)

Mehrgenerationen-Haus – unterhaltsam, aber auch skurril

Bisher habe ich nur die Filme mit „Familie Bundschuh“ im Fernsehen gesehen. Dies ist mein erster Roman aus dieser Reihe – der 5.

Beschreibung des Buches:
„Woanders ist es auch nicht ruhiger“ von Andrea Sawatzki ist im Piper Verlag 2021 als Taschenbuch mit 336  Seiten erschienen. Ich habe die eBook-Variante gelesen.

Auf dem Cover ist Gundula (sieht aus wie die Autorin) inmitten einer Bauernhof- ähnlichen Idylle zu sehen…

Kurze Zusammenfassung:
Familie Bundschuh will umziehen. Ihr Haus in Berlin liegt in der Einflugschneise des neuen Flughafens. Man ersteigert einen großen Hof in einem Vorort von Berlin. Schon die Finanzierungs- und Umzugskosten übersteigen das Budget. Es müssen Ideen her, wie man die (maroden) Gebäude sanieren und unterhalten kann. Dabei hat jedes Familienmitglied der Großfamilie so seine/ihre eigenen Ideen.

Mein Leseeindruck:
Die Idee eines großen Mehrgenerationen-Hauses an sich finde ich ja wirklich toll. Doch nach diesem Roman vergeht einem zunächst die Lust, sich ernsthaft damit zu beschäftigen 😉

Der Roman ist humorvoll, oft vorhersehbar und zuweilen skurril. Die Protagonisten kenne ich von den Filmen und habe hier natürlich die Schauspieler immer vor Augen. Da leben wirklich die extremsten Persönlichkeiten unter einem Dach. Das will man sich im realen Leben eigentlich nicht vorstellen, dass sich dann eine einzelne Person so schamlos ausnutzen lässt.

Bei den Bundschuhs ist es nie langweilig, ständig passieren kleine und große Katastrophen. Das Geld reicht nie und die Ehe der Protagonistin Gundula scheint auch nicht zum Besten bestellt zu sein. Alles, wie im richtigen Leben, aber hier dann doch etwas zu übertrieben dargestellt.

Als Film sicherlich, getragen durch die gut ausgewählten Schauspieler, eine lustige Story, die in 90 Minuten erzählt ist. Ein weiteres Buch aus dieser Reihe werde ich allerdings nicht mehr lesen (wollen).

Fazit:
Unterhaltsamer, manchmal allerdings etwas zu skurriler Roman. Ich schaue mir dann doch lieber die Filme mit Familie Bundschuh an und entspanne 90 Minuten.

Bewertung: *** von *****