Schatten über Marrakesch (James von Leyden)

Kriminalfall im Herzen von Marrakesch

Seit einer Reise nach Marrakesch freue ich mich immer, wenn ich Bücher finde, die in Marrakesch spielen.

Beschreibung des Buches:
„Schatten über Marrakesch“ von James von Leyden ist 2020 im HEYNE-Verlag als Taschenbuch erschienen. Es hat 453 Seiten. Das Titelbild zeigt einen Blick über die Dächer der Stadt.

Kurze Zusammenfassung:
Mitten im pulsierenden Marrakesch wird eine junge Studentin tot auf einem Handkarren aufgefunden. Es ist die Zeit des Ramadan. Karim Belkacem, ein junger Polizist, ermittelt (ohne Auftrag) in diesem Fall. Die junge Frau ist eine Bekannte seiner Familie. Welches Geheimnis rankt sich um die Familiengeschichte? Oder handelt es sich um einen Mord nach einer Vergewaltigung?

Mein Leseeindruck:
Ich habe mich beim Lesen dieses Buches wieder in die Medina, das Herzstück Marrakeschs, hineinversetzt gefühlt. Die Farben, die Gerüche, das wuselige Leben.

Das Buch spielt im Jahr 2011, im April gab es einen Anschlag auf ein beliebtes Café. Die Menschen sind vorsichtiger und misstrauischer geworden. Zudem ist Ramadan, was dort eine ganze besondere Zeit ist.

Der Krimi ist aus verschiedenen Sichten erzählt, die unterschiedlichen Protagonisten sind gut dargestellt. Besonderes Augenmerk ist hier auf den Ermittler Karim gelegt, der zwar nicht offiziell ermitteln darf, dies aber dennoch tut. Gleichzeitig muss er auch noch die Hochzeit seiner Schwester planen (und bezahlen).

Neben der Ermittlungsarbeit taucht man als Leser auch tief in das Leben der Stadt ein. Man erfährt einiges über den Ramadan und über „Familienbande“, somit handelt es sich hier nicht nur um einen reinen Kriminalfall. Zeitweise ist der sogar fast nebensächlich.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Geschichtliches über Marrakesch konnte ich auch in diesem Roman verpackt erfahren, auch vieles über Land und Leute.

Alles in allem ein gelungener Roman. Für einen Krimi war er mich nicht spannend genug und Tathergang sowie die Ermittlungsarbeit traten eher in den Hintergrund.

Fazit:
Wer die Stadt Marrakesch liebt, fasziniert von der pulsierenden Stadt ist, der findet in diesem Krimi viele tolle Beschreibungen von Land und Leuten. Der Krimi ist hier eher nebensächlich.

Bewertung: **** von *****

Die Bücherinsel (Janne Mommsen)

Urlaubsroman für Büchermenschen

Bücher und eine Insel, Themen für den Urlaub – und dann noch das Cover mit den Strandkörben, da musste ich zugreifen.

Beschreibung des Buches:
„Die Bücherinsel“ ist 2020 im rororo Verlag als Taschenbuch mit 272 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild sieht man zwei zugewandte Strandkörbe am Sandstrand im Abendlicht.

Kurze Zusammenfassung:
Die Analphabetin Sandra Malien lebt in einem kleinen Häuschen auf dem Anwesen eines Verlegers auf einer kleinen Insel. Durch Zufall wird sie Mitglied eines Lesekreises der kleinen Inselbuchhandlung ihrer Freundin und Inhaberin Greta Wohlert. Hierbei lernt Sandra den Lehrer Björn kennen und lieben. Die Lesekreismitglieder lesen und besprechen gelesene Bücher, aber auch selbst geschriebene Texte. Sandra versucht durch das Erzählen, statt Vorlesen, einer eigenen Geschichte ihr nicht Lesen und Schreiben können zu vertuschen. Doch wie lange kann das gutgehen?

Mein Leseeindruck:
Dieses Buch ist ein Wohlfühlbuch. Von Anfang an fühlt man sich vom Zauber der Insel und seiner Bewohner angezogen. Der Schreibstil ist flüssig und leicht. Hauptperson ist Sandra aus deren Perspektive dieser Roman erzählt wird.

Ihre Geschichte ist nicht ungewöhnlich, als Schausteller Kind hat sie wenig Zeit in Schulen verbracht und somit nicht lesen und schreiben gelernt. Das Thema Analphabetismus hat der Autor hier ganz liebevoll in den Roman eingebunden. Mit Sandra hat er eine starke junge Frau entwickelt, die nicht an ihrem Handicap verzweifelt. Sie packt die Dinge an.

Die Romanze mit Björn entwickelt sich nur sachte und bleibt teilweise im Hintergrund, denn es geht in diesem Roman auch um Bücher und das Schreiben, was mich als Bücherfan natürlich besonders erfreut.

Mir haben besonders die atmosphärischen Beschreibungen über das Inselleben gefallen. Mit diesem Buch kann man sich einen Tag lang in einen Strandkorb verkriechen und in die Geschichte versinken, während um einen herum das Meer rauscht.

Auch wenn es sich um den 2. Band der Reihe „Die Inselbuchhandlung“ handelt, kann man diese Geschichte unabhängig vom ersten Teil lesen.

Fazit:
Ich hatte beim Lesen dieses Buches ein paar schöne Wohlfühlstunden mit Vorfreude auf einen schon geplanten, baldigen Inselurlaub!

Bewertung: **** von *****

Eigentlich wollte ich mich selbst entfalten (Mimi Fiedler)

Mit viel Herz, aber ….

 

Die Schauspielerin Mimi Fiedler hat ihr Herz auf der Zunge, sie wirkt manchmal überdreht und kindlich, im Grunde ihres Herzens ist sie eine ganz normale Frau über Vierzig, was ihr doch sehr zu schaffen macht(e). Den Titel finde ich gelungen und ansprechend.

Beschreibung des Buches:
„Eigentlich wollte ich mich selbst entfalten“ von Mimi Fiedler ist 2020 als Taschenbuch im Knaur Verlag mit 197 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild zeigt sich die Autorin selbst mit einem fröhlichen Gesicht.

Kurze Zusammenfassung:
Mimi Fiedler gibt Einblick in ihr (Seelen)leben. In 20 Kapiteln mit lustigen Überschriften geht es in diesem Buch um Mimis Leben jenseits der Vierzig, aber auch um ihre Kindheit, Freundschaft, Familie und Karriere.

Mein Leseeindruck:
Mimi hadert mit ihrem Alter, denn das hat bereits Spuren hinterlassen. Mit ihren 44 Jahren hat sie schon einiges erlebt und lässt uns beim Lesen daran teilhaben.

Mit ihrer recht eigentümlichen lockeren Ausdrucksweise bekommen wir Einblicke in ihre Kindheit, das Leben im Rhein-Main-Gebiet, Schulzeit und in ihr Schauspielleben. Dabei wirken manche Erlebnisse doch etwas übertrieben dargestellt  – oder flunkert sie an der ein- oder anderen Stelle?

Man nimmt es ihr zumindest nicht übel. Das Buch ist witzig und wirkt authentisch. Man erlebt Mimi fast wie eine gute Freundin, mit der man sicherlich gut „Pferde stehlen kann“ und die bei einem Kaffee aus ihrem Leben plaudert – leicht derb und spontan.

Manche peinlichen Situationen hat sie sicherlich genau so erlebt, denn sie scheint vieles aus dem Bauch heraus zu entscheiden und zu tun.

Es sind die Ängste, die die meisten Frauen in ihrem Alter haben. Mimi nimmt sie mit einem Augenzwinkern aufs Korn, versucht sich jünger zu machen als sie ist und hofft dadurch, noch einen Mann abzubekommen. Zumindest scheint dies auch ein roter Faden in ihrem Buch zu sein – und gelungen zu sein, wie man recherchieren kann.

Fazit:
Ein Buch für Frauen, die über ihr Alter schmunzeln können, so wie es Mimi macht. Mit Humor und Witzigkeit lässt sich fast jede peinliche Situation meistern, wenn man das Herz auf dem „richtigen Fleck“ hat und authentisch ist.

Bewertung: *** von *****

Portugiesische Wahrheit (Luis Sellano)

Ein weiteres Geheimnis um Henriks Onkel in Lissabon

Bisher habe ich alle 4 Bänder um den ehemaligen deutschen Ermittler Henrik Falkner, der das Antiquariat seines Onkels in Lissabon geerbt hat, gelesen. Ich fand sie von Anfang an spannend und als Vorbereitung zu einer Portugal-Reise bzw. als Reisebegleiter vor Ort bereitet das Lesen besonderen Spaß.

Beschreibung des Buches:
„Portugiesische Wahrheit“ von Luis Sellano (Pseudonym eines deutschen Autors) ist 2020 im HEYNE-Verlag als Taschenbuch erschienen. Der Krimi hat 400 Seiten.

Auf dem Cover sieht man wieder eine typische Stadtansicht aus Lissabon mit historischen Gebäuden in schöner Farbgebung.

Kurze Zusammenfassung:
Henrik Falkners Mutter ist nach Lissabon gekommen und wohnt im Hotel Oriente. Dort wird bei Renovierungsarbeiten eine einbetonierte Leiche gefunden. Diese muss schon über 25 Jahre dort versteckt gewesen sein. Während Henrik herausfinden möchte, wer der Tote war und Verbindungen zum Geheimnis um seinen Onkel sucht, kommt es immer wieder zu Streitigkeiten mit seiner Mutter, die ihn unter Druck setzt, das geerbte Antiquariat zu verkaufen.

Mein Leseeindruck:
Der Schreibstil von Luis Sellano gefällt mir. Alleine die Beschreibungen der Örtlichkeiten in Lissabon lässt einen tief in den Roman einsteigen. Teilweise kennt man die Orte oder Bezirke, da man sie sicherlich bei einem Lissabon Urlaub aufgesucht hat.

Die Szenen sind gut beschrieben, die Atmosphäre bringt der Autor gut rüber, man hat ein Bild vor Augen und fühlt sich in die Stadt hineinversetzt.

Der Fokus liegt auf Henrik, so werden keine Details unterschlagen und man rätselt als Leser genauso wie Martin.

Leider finde ich diesen Krimi nicht mehr so spannend wie seine Vorgänger, die immer wieder neu auftauchenden Charaktere verwirren. Mir fehlt dieses Mal der Zugang zur Geschichte.

Es gibt zwar Rückblicke auf die vergangenen Fälle, allerdings sollte man schon diese Krimis der Reihe nach lesen, um die ganze Geschichte um Henrik und seinen Onkel zu verstehen.

Wie auch in den Vorgängerromanen ist Henrik noch immer mit der Polizistin Helena liiert, die irgendwie auch hier wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist und ihm beisteht.

Ob ich mir noch einen weiteren Krimi um Henrik Falkner antun werde, weiß ich nicht. Ich bleibe unentschlossen zurück…

Fazit:
Dieser 5. Fall ist so gar nicht inhaltlich an mich gegangen, vielleicht lag es an den blässlichen Charakteren aus dem Thema hätte man irgendwie mehr machen können. Ein Lichtblick sind die tollen Ortsbeschreibungen von Lissabon, weiteres ist bei mir leider nicht hängen geblieben.

Bewertung *** von *****