Die Suche (Charlotte Link)

Spannender Krimi – viele Geheimnisse

Schon wieder habe ich einen Krimi von Charlotte Link gelesen. Ich kann es nicht lassen, diese Krimis ziehen mich magisch an. Schon allein das geheimnisvolle und düstere Titelbild hat seine Aufmerksamkeit auf mich gezogen…

Beschreibung des Buches:
„Die Suche“ ist im Oktober 2018 im blanvalet-Verlag als Hardcover erschienen. Der Roman hat 654 Seiten. Auf dem Titelbild ist ein altes Steinhaus mit vermoosten Dach, das in einer einsamen Gegend zu stehen scheint, zu sehen. Es wirkt düster und geheimnisvoll.

Kurze Zusammenfassung:
Zu Beginn des Krimis verschwindet ein junges Mädchen auf dem Nachhauseweg in den Hochmooren Nordenglands. Vier Jahre später reist Kate Linville, Polizistin bei Scotland Yard, in die Hochmoore von Yorkshire um dort ihr Elternhaus, das Mietnomaden ziemlich verdreckt und heruntergekommen hinterlassen haben, wieder auf Vordermann zu bringen und zu verkaufen. Da wird eine Mädchenleiche gefunden, gleichzeitig verschwindet die 14jährige Tochter des Ehepaares in dessen kleine Pension sich Kate eingemietet hat. Kates Ermittlerinstinkt kann sich der Sache nicht entziehen, obwohl sie in diesem Gebiet gar nicht zuständig ist.

Mein Leseeindruck:
Wie so oft in Charlotte Links Krimis beginnt dieses Buch mit einem Prolog, der ein paar Jahre vor der eigentlichen Handlung spielt. Zunächst sieht man keinen eigentlichen Zusammenhang zum aktuellen Kriminalfall.

Je mehr man in den Krimi einsteigt, desto mehr glaubt man Verbindungen zum Prolog herstellen zu können, doch die Autorin legt immer wieder neue Spuren, spannt neue Fäden und bringt neue Verdächtige ins Spiel.

Die Perspektivwechsel geben dem Leser schon verschiedene Hinweise, die die Ermittler nicht haben.

Man fragt sich ständig, wer ist hier der/die „Gute“ oder der/die „Böse“, so geheimnisumwittert lässt Charlotte Link ihre Figuren wirken. Auch die Protagonistin Kate ist sich immer wieder unsicher, wem genau sie trauen kann.

Im Laufe des Romans entwickeln sich die Charaktere, man erfährt immer mehr von ihnen, ihren Eigenheiten und ihrer Vergangenheit. So macht man sich beim Lesen ein eigenes Bild und hat schon bald seine eigenen Verdächtigen.

Doch wie das bei Charlotte Link so ist, die große Auflösung kommt ganz zum Schluss. Hier führen die Fäden wieder zusammen, man versteht den Prolog und das Handeln der Personen.

Die Autorin schafft es, die Spannung während der mehr als 650 Seiten zu halten. Neben der Auflösung des Krimis durchlebt die Polizistin Kate ein Gefühlschaos. Kate ist eine sehr einsame Frau und anfällig für Schmeicheleien und Interesse an ihr vom anderen Geschlecht. So lässt sie sich relativ schnell auf eine Affäre ein, während sie gleichzeitig über ein Online-Portal einen weiteren Mann kennenlernt, der Gefallen an ihr gefunden hat und ihr nachstellt.

Die Atmosphäre im Hochmoor und die einzelnen Schauplätze beschreibt Charlotte Link sehr genau, so dass man sich teilweise selbst hineinversetzt fühlt.

Für meinen Geschmack ist der Roman ein wenig zu lang geraten, auch wenn die Spannung eigentlich nie abflacht, so zieht sich die Geschichte im mittleren Teil ziemlich.

Trotzdem steht Charlotte Link für Spannung, besondere Charaktere und gut durchdachte Plots.

Fazit:
Alles in allem gefällt mir dieser Krimi sehr gut. Das Ende ist nicht vorhersehbar, die Ermittler haben ihre kleinen privaten Beziehungsprobleme, die Protagonisten sind toll beschrieben und die geheimnisumwitterte Geschichte ist bis zum Ende hin schlüssig erzählt.

Bewertung: **** von *****

Die Smartphone – Epidemie (Manfred Spitzer)

Digitalisierung zu diesem Preis?

Auch ich neige dazu, mein Smartphone an manchen Tagen sehr oft in der Hand zu haben, kann es aber gerade in Gesellschaft weglegen und „vergessen“. Umso mehr finde ich es beängstigend, dass das bei jungen Menschen oftmals nicht der Fall ist. Ich sehe Eltern, die mit ihren kleinen Kindern spazieren gehen, während sie auf ihr Smartphone starren. Kleinkinder, die beim Abendessen im Urlaubshotel mit Tablets ruhiggestellt werden, selbst dann, wenn sie ihre Portion Essen noch am Verspeisen sind…

Beschreibung des Buches:
„Die Smartphone-Epidemie“ ist 2018 im Klett-Cotta Verlag mit 368 Seiten als Hardcover erschienen.  Auf roten dem Titelbild sind lediglich Autor und Titel in schwarzer und weißer Schrift zu lesen.

Kurze Zusammenfassung:
Manfred Spitzer beschreibt in 15 Kapiteln den Einfluss, den die Digitalisierung, insbesondere das Smartphone, auf unser Leben hat – und welche Gefahren sich daraus ergeben.

Mein Leseeindruck:
„Digitalisierung mit Angst“, „Kurzsichtigkeit wegen Mangel an Weitsicht“ oder „Eltern und Smartphones“ alleine diese 3 Kapitel lassen einen schon beim Durchforsten des Inhaltsverzeichnisses aufhorchen.

Ich habe dieses Buch mit sehr viel Interesse und auch Erstaunen gelesen, bin ich doch eher behutsam mit dem Thema Digitalisierung herangewachsen und erlebe heute den doch eher digitalen Stress, wenn es um „immer schneller“, „immer besser“ oder „Digitalisierung in der Schule“ geht.

Für mich ist ein Smartphone eine prima Unterstützung im Alltag. Ich kann schnell mal etwas nachschlagen, kurz eine Nachricht verschicken oder einfach schöne Fotos machen. Allerdings habe ich in meiner Jugend noch viel draußen gespielt. Die Welt mit eigenen Augen, Ohren und Händen entdeckt und nicht nur über einen Bildschirm. Doch die Welt der jungen Menschen sieht hier anders aus.

Schon in den Schulen soll die Digitalisierung herangetrieben werden. Mit einem Stift schreiben, das lernen die Kinder nur noch schwer bzw. sie brauchen es nach und nach fast gar nicht mehr. Echte Erfahrung in Wald und Flur wird kaum noch gemacht  – man schaut sich Videos im Netz an.

Spritzer zeigt die Gefahren auf, die von einer vollständigen Digitalisierung ausgehen (können), wenn hier nicht gegengesteuert wird. Er belegt seine Aussagen mit zitierten Forschungsarbeiten und Statistiken, bringt negative Beispiele. Das heißt, er zeigt, wo die Digitalisierung schon zu großen Einfluss genommen hat.

Seine Ausführungen sind leicht verständlich und überzeugend. Man kann seine Thesen nachvollziehen und erfährt sie im Alltag. Er weckt und rüttelt auf.

Ich habe leider nur die digitale Ausgabe dieses Buches gelesen (normalerweise lese ich lieber ein gedrucktes Buch!), hier sind 28 Prozent des Buches Literaturangaben und Quellen, das fand ich etwas seltsam.

Fazit:
Ein Buch, das man lesen sollte, wenn man Verantwortung für die nachfolgenden Generationen hat. So manches (doch etwas sonderbare) Verhalten ist einem gar nicht so bewusst, da es schon zum Alltag gehört (Starren auf den Bildschirm). Digitalisierung um jeden Preis?

Bewertung: **** von *****

Der Kommissar mit Sonnenbrand (Tim Frühling)

Humorvoller Krimi – Hessischer Kommissar ermittelt auf Gran Canaria

Schon zweimal hatte ich das Vergnügen Krimis um den Kommissar Daniel Rohde zu lesen. Nicht immer ermittelt Daniel Rohde in seiner Heimat. Auch dieses Mal hat es ihn das Verbrechen auf eine Urlaubsinsel geführt…

Beschreibung des Buches:
„Der Kommissar mit Sonnenbrand“ von Tim Frühling ist im emons:-Verlag 2018 als Taschenbuch mit 188 Seiten erschienen. Es ist der dritte Krimi von Tim Frühling, Radio- und Wettermoderator beim Hessischen Rundfunk.

Typisch an der Reihe der Regionalkrimis des emons:-Verlages sind die in weiß eingerahmten Titelbilder mit einem signifikanten Fotos der Krimischauplätze. Hier erkennt man den bekannten Leuchtturm von Gran Canaria wieder. Der Titel selbst ist in Prägeschrift  in oranger Farbe gestaltet.

Kurze Zusammenfassung:
Auf Gran Canaria werden kurz hintereinander zwei Menschen aus dem Umfeld einer Bäckerei ermordet. Die Bewohner des kleinen Bergdorfes sind erschüttert. Nachdem die Polizei zunächst auf der Stelle tritt, ergeben sich plötzlich Verbindungen nach Osthessen. Man beschließt, die hessischen Kriminalkommissare in die Ermittlungen einzubeziehen – und so reisen Daniel Rohde und Brigitte Schilling, seine Kollegin, nach Gran Canaria, nicht nur zum Ermitteln…

Mein Leseeindruck:
Ich habe diesen Krimi mit viel Freude gelesen. Erstens habe ich schon auf Gran Canaria Urlaub gemacht und kenne somit ein wenig die Insel und zweitens habe ich den Kommissar schon bei seinen anderen Fällen lieb gewonnen.

Neben den tollen Ortsbeschreibungen der Urlaubsinsel und den Stimmungen in den unterschiedlichsten Örtlichkeiten der Insel, gelingt es Tim Frühling hier einen spannenden und abwechslungsreichen Krimi zu präsentieren.

Da gibt es die sehr gut gelungenen, teils witzigen, Figuren (da gibt es z.B. den schwäbelnden Therapeuten, den gerne feiernden spanischen Ermittler uvm.), und die sehr humorvollen Handlungen. Man muss nicht alles ganz so ernstnehmen. Der Krimi lebt von seinen etwas skurrilen Figuren – ganz besonders auch von seinem Beziehungsgeflecht insbesondere hier zwischen Daniel Rohde und Brigitte Schilling.

Sehr lange tappt man auch als Leser im Dunkeln. Die Lösung des Falls ist auf den ersten Blick nicht vorhersehbar, aber sehr gut inszeniert.

Wieder einmal ist es auch hier der Sprachstil, der diesen kurzweiligen und mit viel Unterhaltungswert geschriebenen Krimi ausmacht. Tim Frühling hat eine besondere Beobachtungsgabe, sein Gespür für das Lustige wird in vielen Szenen deutlich.

Fazit:
Ein kurzweiliger, humorvoller, aber auch spannender Krimi bei dem der Sprachwitz nicht zu kurz kommt. Und wer etwas über die Insel Gran Canaria erfahren will, der bekommt hier auch noch gleich ein paar Urlaubseindrücke…

Bewertung: ***** von *****

Mittagsstunde (Dörte Hansen)

Die Veränderungen des Dorflebens

Auf der Buchmesse hatte ich dieses Buch entdeckt und nach dem Lesen des Klappentextes wurde ich neugierig.

Beschreibung des Buches:
„Mittagsstunde“ ist 2018 im Peguin-Verlag als Hardcover-Buch mit 319 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild sieht man eine Person, die ein Rind hinter sich herzuziehen scheint. Beide Lebewesen sind in schwarz/weiß auf hellem Hintergrund gehalten. Irgendwie erinnert es an eine frühere Zeit.

Kurze Zusammenfassung:
Der 47jährige Ingwer Feddersen kehrt in sein Heimatdorf (Norddeutschland) zurück, weil seine Großeltern sich nicht mehr ganz alleine versorgen können. Ella und Sönke hatten eine Kneipe, in der Sönke noch tapfer die Stellung hält, Ella ist dement. Während Ingwer seine Zeit im Dorf verbringt kommen ihm die Erinnerungen an frühere Zeiten und die Wandlung des Dorfes nach einer Flurbereinigung in den 1970er Jahren.

Mein Leseeindruck:
Mir fehlt in diesem Buch ein wenig die Handlung. Der Autorin gelingt es wunderbar die Stimmung in diesem Dorf in den verschiedenen Zeiten/Epochen zu beschreiben, auch die verschiedensten Dorfbewohner hat sie toll beschrieben, aber die eigentliche Geschichte um Ingwer und seine Mutter bzw. seine Großeltern erfährt man immer nur zwischendurch.

Die Szenen zwischen den Großeltern und dem Enkel sind teils lustig, zeugen aber auch von der Hilflosigkeit des Enkels gegenüber dem veränderten Wesen der demenzkranken Oma.

Der Wechsel zwischen Rückblick, Gegenwart, Beschreibungen und Ingwers Gedanken wird beim Lesen allerdings nicht immer gleich ersichtlich.

Das norddeutsche Plattdeutsch kommt in diesem Buch sehr häufig vor, so dass ich mir manchmal etwas mühsam das Gesprochene „übersetzen“ musste.

Dörte Hansens Sprachstil ist wunderbar. Ihre Sätze sind meist sehr lang und verschlungen, treffen aber das Beschriebenen hervorragend.

Fazit:
Wer über das Dorfleben in Norddeutschland vor den 1970er Jahren und die Wandlung bis hin zur Gegenwart etwas erfahren möchte, wer den wunderbaren Schreibstil von Dörte Hansen zu schätzen weiß, der kann hier zugreifen. Mir fehlte leider zum entspannten Lesen ein wenig die durchgängige Handlung.

Bewertung *** von *****