„Was alles in einem Menschen sein kann“ Begegnung mit einem Mörder (Steffen Schroeder)

Ehrenamt Vollzugshelfer, Einblicke in den Gefangenenalltag – ein bewegendes Buch

In Vorbereitung auf den Besuch der Leipziger Buchmesse bin ich auf dieses Buch gestoßen. Das Thema „Ehrenamt“ und hier insbesondere „Vollzugshelfer“ weckte in mir das Interesse.
Steffen Schroeder ist Schauspieler  u.a. in der ZDF Serie „SOKO Leipzig“. Das Interview auf der Buchmesse mit Steffen Schroeders war sehr spannend und hat mich so neugierig aufs Lesen gemacht, dass ich das Buch sofort nach dem Heimkommen angefangen habe.

Beschreibung des Buches:
„Was alles in einem Menschen sein kann“ ist im rowohlt Verlag 2017 als Taschenbuch erschienen. Es hat 297 Seiten. Das Titelbild ist in Schwarz/Weiß gehalten. Lediglich der Titel ist in Farbe. Auf dem oberen Foto ist der Autor Steffen Schroeder zu sehen, auf dem unteren Foto sieht man eine Person mit einem Kapuzenshirt an einer Maurer, den Rücken dem Betrachter zugewandt.

Kurze Zusammenfassung:
Steffen Schroeder ist seit drei Jahren als Vollzugshelfer in einem Berliner Gefängnis tätig. Vollzugshelfer sind ehrenamtliche Personen, die Strafgefangene in Gefängnissen betreuen. Sie sind manchmal der einzige soziale Kontakt, den die ihnen anvertrauten Personen noch haben.
Steffen Schroeder besucht alle zwei bis drei Wochen Micha. Micha „sitzt“ lebenslänglich aufgrund eines Mordes. In vielen Gesprächen und gemeinsamen „Ausgängen“ erfährt Steffen Schroeder immer mehr vom Leben Michas und vom Gefängnisalltag.

Mein Leseeindruck:
Bisher habe ich mich nicht mit der Welt rund um ein Gefängnis beschäftigt. Dieses Buch bringt einem diese Welt näher. Steffen Schroeder beschreibt in einer lockeren, aber auch sehr nachdenklichen und authentischen Art seine Zusammentreffen mit Micha.

Micha lebt seit mehr als 20 Jahren in Gefängnissen. Mit vielen kleineren Delikten, Drogen und letztendlich einem Mord ist seine Endstation das Gefängnis. Nachdem sämtliche Verwandte und Freunde entweder verstorben sind oder das Interesse an ihm verloren haben, freut er sich, dass er von Steffen Schroeder regelmäßig Besuch bekommt.

Das Buch ist als eine Art Tagebuch verfasst. Steffen Schroeder schildert sein erstes Zusammentreffen, seine Gefühle (auch sein Unbehagen am Anfang) mit einer Offenheit, die einem beim Lesen leichte Gänsehaut erzeugt. Seine weiteren Besuche, oftmals zwischen seinen Fernseh-Drehs in Leipzig,  sind teilweise sehr ausführlich (er lässt praktisch Micha „zu Wort kommen“, so dass man meint, er säße einem gegenüber) beschrieben. Sein Schreibstil ist locker, authentisch aber auch informativ. Dabei ist er nie überheblich oder belehrend. Im Gegenteil, er reflektiert sein eigenes Leben und fragt sich, wie es hätte unter anderen Umständen ähnlich verlaufen können, wie Michas Leben.

Die intensiven Gespräche zwischen Micha und Steffen Schroeder hat Herr Schroeder teils Wortwörtlich wiedergegeben. Gerade diese Dialoge berühren und lassen einen beim Lesen nicht los.

Die Eindrücke, die Steffen Schroeder aus seinen Besuchen schildert, lassen einem einen intensiven Blick auf die Institution Gefängnis als auch auf die Strafgefangenen und das Personal  zu. Manches lässt einen nur den Kopf schütteln, vieles lässt einen nachdenklich zurück. Gerade was die Resozialisierung betrifft. Am Beispiel Michas wird hier deutlich, dass es an Personal und oftmals am Willen fehlt. Dazu kommen Unverständnis und bürokratische Hürden.

Besonders beeindruckt hat mich die „Geschichte“ eines „Mitinsassen“ von Micha, dem Micha eine würdevolle Beerdigung organisiert hat. Hier hat ihn Steffen Schroeder mit viel Engagement unterstützt.

Fazit:
Steffen Schroeder nimmt uns Leser in eine uns unbekannte Welt mit. Sein Buch beschäftigt auch nach dem Lesen noch sehr. Es gibt einen Einblick in die Gefangenen- und Gefängniswelt wie kein anderes. Absolut lesenswert!

Bewertung: *****

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