Der gläserne Himmel (Petra Hammesfahr)

Fesselnde und langatmige Passagen

Von Petra Hammesfahr habe ich schon einige Bücher gelesen. Manche haben mir gut gefallen andere konnten mich nicht überzeugen. In ihren Büchern geht es meist um Familiengeheimnisse und menschliche Tragödien.

Beschreibung des Buches:
„Der gläserne Himmel“ wurde bereits 1991 das erste Mal veröffentlicht. Die mir vorliegende Ausgabe ist 2017 als Taschenbuch im Diana Verlag erschienen. Das Buch hat 447 Seiten. Das Titelbild wirkt düster, eine Landschaft mit See und Kirchturm im Regen. Die Düsternis vermittelt schon ein wenig die Stimmung in diesem Buch.

Kurze Zusammenfassung:
Lehrer Christian bekommt eine Anstellung in der Schule eines kleinen Dorfes, in dem er als Kind viel Zeit bei seiner Tante verbrachte. Er lernt die dorfbekannte Sina kennen und verliebt sich in sie. Ihre Anziehungskraft auf ihn ist so stark, dass er ihr schon bald einen Heiratsantrag macht. Doch ihre Ehe verläuft in seltsamen Bahnen. Christian hat merkwürdige Träume in denen Sina blutüberströmt vorkommt. Bald erkennt er, dass in Sinas Familie etwas Schreckliches passiert sein muss.

Mein Leseeindruck:
Dieser Roman ist in der Ich-Form aus Sicht von Christian geschrieben. Eigentlich hat mich das Buch über die ersten Seiten hinweg gefesselt. Romane über Familiengeheimnisse finde ich spannend. Die Geschichte um Sina ist sehr geheimnisvoll und mystisch aufgebaut. Petra Hammesfahr rückt nur nach und nach mit dem großen Familiengeheimnis heraus. Leider zieht sich die Geschichte sehr in die Länge und ist in manchen Teilen sehr verworren, so dass man beim Lesen einen „langen Atem haben muss“. Außerdem wirkt sie auf mich teilweise etwas realitätsfremd und konstruiert.
Das letzte Drittel hat mich wieder etwas mit dem Buch versöhnt. Hier konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen.

Fazit
Im Ganzen konnte mich dieses Buch von Petra Hammesfahr nicht überzeugen. Ich habe schon bessere Bücher von dieser Autorin gelesen.

Bewertung: ***

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Ein Buchclub auf Abwegen (Suzanne Kelman)

Langatmig und unrealistisch

„Ein Buchclub auf Abwegen“, schon der Titel reizte mich, dieses Buch zu lesen. Auch das schön gestaltete Cover zog mich an, der Klappentext war vielversprechend.

Beschreibung des Buches:
Das Buch „Ein Buchclub auf Abwegen“ ist 2017 bei AmazonCrossing als Taschenbuch erschienen. Es hat 316 Seiten. Auf dem Titelbild sind gestapelte Sammeltassen zu sehen, es wirkt etwas nostalgisch.

Kurze Zusammenfassung:
Die Bibliothekarin Janet Johnson wird Mitglied eines Schriftstellerclubs. Schnell stellt sich heraus, dass die Mitglieder (nur Frauen) es darauf anlegen, Ablehnungsschreiben für ihre eingereichten Werke zu bekommen. Sie sammeln diese. Als sie auf das 500. Ablehnungsschreiben warten, kommt eine Zusage. Doch diese ist nicht Ziel des Clubs, deshalb machen sich die so unterschiedlichen Frauen vom beschaulichen Dorfleben in der Nähe von Seattle auf den Weg nach San Francisco, um sich das Manuskript inklusive eines Ablehnungsbescheides wieder abzuholen. Dabei müssen sie die verschiedensten Hindernisse überbrücken.

Mein Leseeindruck:
Ich habe mich mehr oder weniger durch dieses Buch gequält. Am Anfang gefiel mir die Geschichte noch recht gut. Der Schreibstil der Autorin versprach eine schöne Geschichte rund um das Buch. Ihre detailreiche Beschreibung des beschaulichen Dorflebens und des etwas skurrilen Buchclubs auf den ersten Seiten lässt einen zunächst eintauchen in die Welt der Bücher.

Doch spätestens dann, als sich die Frauen gemeinsam auf die Reise nach San Francisco machen, wurde das Buch für mich sehr unrealistisch und langatmig. Es ist für mich schwer vorstellbar, dass die Frauen an allen Orten, wo sie auftauchen, nur nette Menschen vorfinden, die sie problemlos in eigenen Häusern unterbringen und sofort wie Freunde versorgen.

Das Ende hat mich nur etwas versöhnt, hier erfährt man letztendlich etwas über den Inhalt des Manuskriptes… aus dieser Geschichte hätte man im Verlaufe des Buches mehr machen können.

Fazit:
Ein Klappentext der mich anzog, aber ein Buch, das mich nicht gefesselt hat.

Bewertung: **

Die große Fotoschule (Christian Westphalen)

Die umfangreiche Fotoschule mit zahlreichen Fotobeispielen und Exkursionen

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Wir beschäftigen uns hobbymäßig seit einiger Zeit mit dem Fotografieren, dabei hat jeder seinen eigenen Anspruch an das „gute“ Foto. Mit den unterschiedlichsten Kameras ausgestattet und auch verschiedenem Wissen aus anderen Fotobüchern haben wir uns nun dieses Buch zugelegt.

Beschreibung des Buches:
Der Rheinwerk Verlag hat unter dem Thema Fotografie schon einige sehr schöne Sachbücher herausgegeben. Dieses Buch ist als Hardcover in der 3. Auflage im September 2016 erschienen. Es hat 700 Seiten. Der Autor Christian Westphalen ist Diplom Fotodesigner, Trainer für „Photoshop“ und „Colormanagement“ und Fachbuchautor. Er hat bereits an zahlreichen Büchern mit dem Thema Fotografie mitgewirkt bzw. sie geschrieben.

Kurzer Überblick:
„Die große Fotoschule“ ist ein Handbuch im Hardcover-Format, das in 12 Kapitel unterteilt ist. Ein Lesebändchen und farbige Buchschnitt-Markierungen erleichtern das Finden, schon gelesener/bekannter Buchabschnitte.

Zunächst geht es um die Kamera und Objektive, dann wird das Thema Schärfe, Licht und Farbe behandelt. Des Weiteren findet man Ausführungen zu Motiven und Bildgestaltung. Eine Exkursion geht in den Bereich „Filmen mit der Kamera“ und zum Schluss bekommt man einen Einblick in die Bildbearbeitung mit den Programmen „Ligthroom“ und „Photoshop“.

Eigener Eindruck:
Ein schweres Buch, das es in sich hat. Es ist so umfangreich, dass man sich tagelang damit beschäftigen kann, man kann es aber auch sehr gut als Nachschlagewerk nutzen.

Man findet sich gut in diesem Handbuch zurecht. Die Kapitelthemen sind treffend gewählt, so dass man Informationen über ein bestimmtes Thema, über die Kapitel aber auch im Index und im Glossar gut finden und mit dem Lesebändchen zum schnellen Auffinden markieren kann.

Der Sprachstil des Autors ist verständlich, man kann seine Ausführungen anhand der beispielhaften Fotos sehr gut nachvollziehen. Dadurch prägen sich wichtige Dinge gut ein. Es lebt von der Bebilderung. Viele dargestellten Fotos sind mit den Bildeinstellungen versehen, so dass man schnell einen Eindruck davon bekommt, wie man seine Kamera für bestimmte Fotoergebnisse einstellen kann.

Vergleichsfotos erleichtern einen Blick für die „richtige“ Einstellung und Überarbeitung zu bekommen. Tipps sind in einem farblich abgesetzten Kästchen schon beim Durchblättern schnell zu finden.

Schon von anderen Büchern des Rheinwerk (Fotografie) Verlages sind wir es gewohnt, dass durch den strukturierten Aufbau und die einzelnen Kapitel nicht das ganze Buch von vorne bis hinten durchgearbeitet werden muss. Man kann sich ganz gezielt die (für einen selbst wichtigen) Kapitel heraussuchen ohne das ganze Buch lesen zu müssen.

Auf alle Fälle ist es aber ein Nachschlagewerk, wenn man Hilfe zu einem ganz konkreten Problem sucht. Mir gefällt hier ganz besonders das Kapitel über die „Bildgestaltung“ und die Exkursion zum Thema „Wahrnehmungspsychologie, denn z.Z. interessiere ich mich besonders für die Bildgestaltung eines Fotos.

Fazit:
Ein prima Nachschlagewerk für Hobbyfotografen, es macht Lust, sich intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen.

Ein echter Mehrwert für alle Neulinge des Fotografierens, die ihre Fotos in Szene setzen wollen.

Bewertung: *****

Unsere wunderbaren Jahre (Peter Prange)

Deutsche Geschichte hautnah erlebt – die Geschichte einer Generation über ein halbes Jahrhundert erzählt

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Vom Autor Peter Prange habe ich bisher ein Buch gelesen (Himmelsdiebe), das mir schon besonders gut gefallen hat. Aber auch der Film „Das Bernstein-Amulett“ nach seinem gleichnamigen Roman, den ich leider nicht gelesen habe, hat mich sehr beeindruckt.

Beschreibung des Buches:
„Unsere wunderbaren Jahre“ von Peter Prange ist im FISCHER Scherz Verlag 2016 als Hardcover mit 969 Seiten erschienen. Peter Prange hat schon zahlreiche erfolgreiche Bücher geschrieben, sein erster Erfolg kam mit der deutsch-deutschen Familiengeschichte „Das Bernstein-Amulett“, das 2004 für die ARD verfilmt wurde.
Auf dem Titelbild sieht man einige Menschen auf einem Aussichtspunkt stehen, sie schauen auf eine Stadt. Das Bild ist wirkt leicht vergilbt und im Vintage-Stil.

Kurze Zusammenfassung:
Peter Prange erzählt in seinem Roman die Geschichte von sechs Menschen über den Zeitraum von 1948 bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts. Mit der Währungsreform und 40 DM in der Tasche wagt jeder seinen eigenen Neuanfang als Schuhverkäufer, Unternehmer, Fabrikant oder Studentin. Es sind die Schwestern Ruth, Ulla und Gundel Wolf und deren Freunde Tommy, Benno und Bernd, deren Lebensweg Peter Prange sehr ausführlich und mit vielen Nebenschauplätzen beschreibt: Ein deutsches Märchen in den Nachkriegsjahren und darüber hinaus.

Mein Leseeindruck:
Ein dickes Buch, das ich nicht kontinuierlich lesen konnte (Mitnahme in Bahn schied hier aus), aber dennoch mit Begeisterung meist abends im Bett verschlungen habe, auch wenn ich dadurch manches Mal, wieder einmal wegen der vielen verschiedenen Charaktere, etwas den Überblick verlor. Im Anhang hilft allerdings eine Übersicht über die handelnden Personen.

Der Aufbau des Romans ist chronologisch, so dass man das Geschehen gut verfolgen kann. Viel wörtliche Rede macht das Ganze sehr lebendig. Die Beschreibungen der einzelnen Szenen sind sehr genau. Man kann sich direkt in die Handlung hineinversetzen.

Der Schreibstil Peter Pranges begeistert. Seine Art die Personen lebendig zu gestalten gefällt mir ausgesprochen gut. Es gelingt ihm, das Leben in der Nachkriegszeit im Westen als auch im Osten mit seinen Protagonisten gut einzufangen. Eine wunderbare Idee ist es, finde ich, den Start dieser Geschichte mit den 40 DM Startgeld zu beginnen und die verschiedenen Lebenswege zu verfolgen – und mit Beginn des EURO enden zu lassen.

Der Roman hat alles, was man so von ihm erwartet: Liebesgeschichte, geschichtliche Inhalte und auch spannende Elemente, die man von einem Krimi erwarten würde.

Die Kleinstadt Altena im Märkischen Kreis nähe Hagen spielt eine zentrale Rolle in diesem Epos. Hier „blickt“ die im Buch oftmals beschriebene Burg Altena über das Tal und wie ich gelesen habe, kann man noch heute den im Roman beschriebenen Erlebnisaufzug benutzen.

Ein schönes Detail in diesem Deutschlandmärchen ist, dass der Autor sich selbst in diese Geschichte mit einer zentralen Nebenrolle hineingearbeitet hat. Vieles ist erfunden, aber die geschichtlichen Ereignisse, die beschriebenen Örtlichkeiten und auch einige Personen gibt es tatsächlich.

Fazit:
Ein überaus gelungener Roman, der mich viele Tage (und Wochen) gefesselt hat. Ich konnte ihn nicht einfach „so zwischendurch“ lesen.

Bewertung: *****

Loslassen (Katharina Finke)

Weniger ist genug – mehr Zeit für das Wesentliche

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Ich lese gerne Bücher über besondere „Lebensentwürfe“. „Loslassen“ ist ein solches Buch, hier geht es um Verzicht an „Dingen“ und wie befreiend das sein kann.

Beschreibung des Buches:
„Loslassen“ ist 2017 im MALIK-Verlag als Taschenbuch mit 220 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild sieht man die Autorin mit einem Rollkoffer und einem Rucksack. Die Buchstaben des Wortes „Loslassen“ sind mit bunten Fotografien hinterlegt.
Katharina Finke (geb. 1985) ist Journalistin und Buchautorin. Sie hat bereits 2015 das Buch „Mit dem Herzen einer Tigerin: Ein bewegendes Schicksal aus Indien“ über das Schicksal einer Inderin veröffentlicht. U.a. arbeitet sie für ARD, ZDF, die ZEIT und SPIEGEL. Seit Jahren hat sie sich zur Aufgabe gemacht über Nachhaltigkeits- und Menschenrechtsthemen weltweit zu recherchieren und berichten.

Kurze Zusammenfassung:
Katharina Finke ist schon kurz nach ihrem Abitur eine Weltenbummlerin. Nach der Schulzeit verbringt sie einige Zeit als Betreuerin eines behinderten Mädchens in England. Schon hier bemerkt sie ihren Freiheitsdrang. Während ihres Studiums lebt Katharina Finke ihren Freiheitstraum aus, indem sie nicht lange an einem Studienort bleibt. Als ihr Freund und sie sich trennen (sie wohnt gerade in Portugal), müssen die beiden die gemeinsame Wohnung in Hamburg auflösen. Hier reift der Gedanke, mit einem Rollkoffer und einem Rucksack ihr zukünftiges Leben in Freiheit zu genießen und die Länder der Erde, je nach Arbeitsthema, zu bereisen. Auf ihren Reisen treten Menschen in ihr Leben und verlassen es wieder. Doch oft bleibt ein loses Band zurück. Als David in ihr Leben tritt, wird zunächst einiges anders….

Mein Leseeindruck:
Dieses Buch lässt einen nicht mehr los (auch wenn der Titel so heißt). Es fasziniert und wundert einen gleichfalls, wie eine junge Frau, die in gut behütetem Elternhaus aufgewachsen ist, auf Konsum, Dinge und einen festen Wohnsitz verzichten kann und will.
Katharina Finke gelingt es, ihre Gefühle, Ängste, aber auch Freuden sehr bildhaft zu beschreiben. Man reist von Seite zu Seite mit ihr durch die Kontinente der Welt. Besonders ihre Reisen nach China und Indien sind informativ und geben einen besonderen Einblick in die Kulturen, gerade weil die Autorin durch ihre besonderen Wohnsituationen (meist ein WG-Zimmer) mit Einheimischen in direktem Kontakt steht.
Sie ist unheimlich genügsam, aber auch erfinderisch, wenn sie z.B. Kleidung für einen besonderen Anlass (als Hochzeitsgast) benötigt. Ihre Freude zeigt sich besonders an den kleinen Dingen, z.B. dann, wenn sie in einer WG ein Klavier (hier kann sie Klavier spielen) oder eine Waschmaschine vorfindet.
Mich hat besonders ihr Mut erstaunt, sich immer wieder auf neue Kulturen, auf das Alleinsein und einfache Wohnverhältnisse einzulassen. Ich hätte diesen Mut nicht (und schon gar nicht in ihrem Alter gehabt).

Fazit
Ein Buch über Nachhaltigkeit, Konsumverzicht und Freude an den kleinen Dingen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ihre Ausführung zu Geburtstagsgeschenken: Man freut sich viel länger auf ein Erlebnis (z.B. gemeinsam verbrachte Zeit) als auf ein „Ding“, das man geschenkt bekommt. Ein Erlebnis ist nachhaltiger und wirkt oft Jahre nach. So geht es Katharina Finke auch mit ihren Reisen – und sie ist glücklich damit.

Bewertung: *****