Im Wald (Nele Neuhaus)

Ein Dorf unter Verdacht

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Ich bin Nele Neuhaus Leserin der ersten Stunde. Habe ihre Krimis schon gelesen (Testleser) als sie noch nicht bekannt war. Der Schreibstil der Autorin gefällt mir. Das Ermittlerduo Oliver von Bodenstein und Pia Sanders ist mir ans Herz gewachsen, im Vordertaunus bin ich zuhause und Krimis liebe ich, deshalb musste ich auch unbedingt dieses Buch lesen.

Beschreibung des Buches:
Das Buch „Im Wald“ ist im Oktober 2016 im Ullstein Verlag mit 560 Seiten als Hardcover Buch erschienen.  Es ist der achte Fall um das Ermittlerduo von Bodenstein/Sander. Auf dem Titelbild läuft ein Fuchs auf einem umgestürzten Baumstamm, der Hintergrund ist blau/grau gehalten. Das Cover passt gut in die Reihe der Taunuskrimis. Auffällig ist, dass gerade sehr viele Bücher erscheinen auf denen ein Fuchs abgebildet ist. Hier passt das Bild zum Inhalt, in dem ein kleiner Fuchs eine besondere Rolle spielt.

Kurze Zusammenfassung:
In einem Dorf (Ruppertshain, Stadtteil von Kelkheim am Taunus) brennt ein Wohnwagen mitten im Wald nieder. Als bei der Spurensicherung eine Leiche gefunden wird, bekommen Oliver von Bodenstein und Pia Sanders ihren Einsatz. Doch dieser Todesfall ist nicht der Einzige im Ort, schnell macht sich Panik unter den Dorfbewohnern breit. Auch Oliver von Bodenstein scheint in eine alte Geschichte verwickelt zu sein. Bald misstraut jeder jedem. Können die zwei Kriminalbeamten den Fall und auch die offensichtlich dazugehörigen Fälle lösen? Ist Oliver von Bodenstein als Ermittler nicht zu tief in die Geschehnisse verwurzelt?

Mein Leseeindruck:
Wie immer musste ich diesen Krimi direkt nach dem Erscheinen lesen auch wenn mein SUB (Stapel ungelesener Bücher) noch eine Vielzahl von Büchern aufweist. Dieses Mal habe ich den Krimi als Ebook gelesen, bisher habe ich Druckausgaben bevorzugt.

Wie von Nele Neuhaus gewohnt, beginnt das Buch mit einem Prolog, der im Sommer 1972 spielt. Zur besseren Verständlichkeit gibt es zu Beginn des Buches ein Personenregister (das ist auch unbedingt von Nöten) und Landkartenausschnitte, um sich die örtlichen Gegebenheiten besser vorstellen zu können.

Der Aufbau des Krimis erfolgt nach dem bekannten Schema, verschiedene parallele Handlungsstränge führen die Personen in die Geschichte ein. Manch einer kommt einem schon schnell verdächtig vor, doch immer weitere Erkenntnisse aus früheren Tagen lassen Zweifel an der Schuld aufkommen. Die einen Charaktere findet man sympathisch, andere eher unsympathisch. Die Dorfbewohner sind sehr anschaulich beschrieben, man meint den ein oder anderen zu erkennen (wenn man aus der Gegend stammt).

Der Autorin gelingt es bewundernswerter Weise immer sehr gekonnt, diese Handlungsstränge wieder zusammen zu führen und Spannung gezielt aufzubauen.

Die Beschreibung der Örtlichkeiten und der einzelnen Charaktere haben mir wieder gut gefallen. Wörtliche Rede macht diese Krimis immer sehr lebendig und auch der Dialekt wirkt sehr authentisch. Man fühlt sich meistens in die Handlung hineinversetzt und hört mitunter die einzelnen Geräusche, riecht die beschriebenen Düfte.

Die Örtlichkeiten und Personen kann man sich bildlich vorstellen. Als Leser aus dem Taunus erkennt man vieles wieder und freut sich darüber, wenn bekannte Straßen und Plätze genannt werden. Nicht umsonst erfreuen sich immer mehr „Regionalkrimis“ großer Beliebtheit.

Die Geschichte selbst hat mich aber dieses Mal nicht so ganz gefesselt. Ich habe an diesem Buch mehr als 12 Tage gelesen, was für meinen Lesekonsum eine absolut lange Zeit ist. Die zahlreichen Personen haben mich verwirrt, da half auch das Personenregister nicht viel. Ich möchte im Lesefluss bleiben können. Auch wenn ich nicht stundenlang hintereinander lese, sollten mir die Personen beim Weiterlesen an den Folgetagen vertraut vorkommen. Da möchte ich nicht ständig wieder blättern müssen („wer war das noch? In welcher Beziehung steht der zu dem?“). Der Funke ist einfach somit nicht übergesprungen. Auch wenn das Thema „verschwundenes Kind“ hier in unserer Gegend immer noch gegenwärtig ist, hat mich die Lösung dieses konstruierten Falles nicht überzeugt. Zu Vieles erschien mir einfach zu unrealistisch.

Fazit:
Ich liebe Nele Neuhaus Krimis, auch wenn mir dieser nicht so gut gefallen hat, werde ich auch den nächsten ganz bestimmt lesen. Die Geschmäcker sind verschieden, dieses Mal konnte mich der Krimi nicht ganz überzeugen.

Bewertung: ***

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Ich fühle was, was du nicht fühlst (Amelie Fried)

Ein sehr bewegendes Buch – eine Familiengeschichte einer besonderen Generation (70er Jahre)

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Von Amelie Fried habe ich schon mehrere Frauenromane gelesen, doch dieses Buch ist so ganz anders, tiefsinniger, mit viel Gefühl und unheimlich bewegend…

Beschreibung des Buches:
„Ich fühle was, was du nicht fühlst“ von Amelie Fried ist 2016 im Heyne Verlag als Taschenbuch mit 399 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild sind bunte Aquarellflecken zusehen. Ich finde, dieses Bild passt sehr gut zum Inhalt, es drückt die intensiven und vielfältigen Gefühle der Hauptprotagonistin India aus.

Kurze Zusammenfassung:
Die Geschichte spielt in den 70er Jahren im Schwäbischen. Die 13jährige India wächst mit ihren Hippie-Eltern und ihrem 17jährigen Bruder Che in einer Kleinstadt auf. Ihre mathematischen Fähigkeiten und ihr Verständnis von Musik machen sie zu einer Außenseiterin. Sie fühlt ihr Anderssein fast in jeder Situation. Dabei hilft ihr das Elternhaus leider wenig, denn ihre Eltern sind sehr mit sich selbst beschäftigt. Der Vater, ein nicht gerade erfolgreicher Schriftsteller und die Mutter, die sich mit seltsamen Veranstaltungen in den eigenen vier Wänden zum Gespött der Nachbarn macht. Der Bruder lehnt sich gegen das Elternhaus auf, India findet Erfüllung beim Klavierspielenlernen im Nachbarhaus bei Lehrer Christian. Als Christian ihr zu nahe kommt, ändert sich alles. Soll sie ihn verraten oder schweigen?

Mein Leseeindruck:
Dieses Buch hat mich sehr berührt. Zuerst dachte ich, ich hielte ein Jugendbuch in der Hand. Jetzt, nachdem ich es komplett gelesen habe, würde ich es eher unter der Kategorie Familiengeschichte einordnen, mit Tendenz zu einem Drama:

Die Geschichte der 13jährigen India ist aus der Sicht des jungen Mädchens erzählt. Ihre ganzen Gedankengänge, ihre tiefen Empfindungen beim Hören von Musik und ihre permanenten mathematischen Berechnungen, die auch mit bestimmten Farbvorstellungen durchsetzt sind, bei allem was sie so erlebt, lassen vermuten, dass es sich um einen ganz besonders sensiblen Menschen mit einer Hochbegabung für Mathematik und Musik handelt. Amelie Fried hat hier die Fähigkeit des  „Mitempfindens“ oder „zugleich Wahrnehmens“, und zwar der  Synästhesie, beschrieben. Es handelt sich hierbei um die Kopplung zweier oder mehrerer physisch getrennter Bereiche der Wahrnehmung.

India erlebt alles mit viel deutlicher Intensität als das Mädchen in ihrem Alter tun. Sie beobachtet viel, ordnet ein und zieht ihre eigenen Schlüsse. Ihr ganzes Verhalten machen sie zu einer Außenseiterin, die zwar anderen gerne auch gefallen würde, aber in ihren Zwängen verwurzelt ist. Dass ihre Eltern so ein unstrukturiertes und eigenes Leben neben ihren Kindern leben, kaum Grenzen setzen, die Gefühle ihrer Kinder nicht wahrnehmen, das entfremdet India immer mehr vom Elternhaus. Als der Bruder sich plötzlich auflehnt, flüchtet auch India sich in die Musik.

Mich hat das Buch sehr beeindruckt und stark mitgenommen. An manchen Stellen habe ich regelrecht Gänsehaut bekommen und gedacht, „das darf doch nicht wahr sein“.  Mich hat besonders betroffen gemacht, dass die eigenen Eltern der Tochter keinen Glauben schenken, die schreckliches erlebt hat. So wie es sicherlich in unzähligen Familien noch heute passiert und passiert ist. Viele Geheimnisse kommen erst nach Jahren zu Tage, vorher haben sie so manches Leben zerstört.

Hier ist eine ganze Menge Stoff eingebunden, den man erst einmal verarbeiten muss. Da gibt es die „sonderbaren“ Eltern, den Bruder, der sich, weil er zuhause kaum auf Interesse stößt, einer rechten Gruppe anschließt und India, die vom Nachbarn unsittlich berührt wird.

Amelie Fried hat Indias Gedanken so wunderbar formuliert, man kann sich so richtig in das junge Mädchen hineinversetzen. Die Beschreibungen der Familienverhältnisse, der geschichtlichen Gegebenheiten in den 70er Jahren und die Wünsche einer ganzen Generation sind in diesem Buch auf besondere Weise herausgearbeitet. Vieles kann ich gut nachvollziehen, da auch ich in den 70er Jahren aufgewachsen bin.

Fazit:
Wer sich wieder in die 70er Jahre zurückversetzen möchte, einen gefühlvollen Roman lesen will und nicht abgeneigt ist, Geschichte zu verarbeiten, der sollte diesen Roman lesen, allerdings ist es kein leichter Lesestoff, er nimmt einen ziemlich mit. Ich würde dem Buch wünschen, dass es weiter vorn auf den Bestsellerlisten stehen würde als es derzeit steht.

Bewertung: *****

Fremdes Land Amerika (Ingo Zamperoni)

Die USA aus der Sicht eines Journalisten und „Insiders“

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Beschreibung des Buches:
Das Buch „Fremdes Land“ ist im September 2016 im Ullstein Verlag mit 336 Seiten als Hardcover Buch erschienen. Auf dem Titelbild ist der Autor und Journalist Ingo Zamperoni abgebildet.

Kurze Zusammenfassung:
Ingo Zamperoni ist bekannt als Tagesthemen-Mann und Auslandskorrespondent für die ARD in den USA. Er hat mehrere Jahre mit seiner amerikanischen Frau und seinen Kindern in den USA gelebt, dort studiert und vieles hautnah miterlebt von dem her hier aus nächster Nähe berichten kann.

Das Buch ist in drei Hauptteile unterteilt. Im ersten Teil geht es um die geschichtliche Einordnung der USA ins 21. Jahrhundert. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der neuen geopolitischen Rolle der USA und im letzten Teil werden die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten mit Deutschland analysiert.

Mein Leseeindruck:
Ich habe dieses Buch mit großem Interesse gelesen. Ingo Zamperoni erzählt hier über viele Begegnungen und Begebenheiten, die er in seinen Jahren in den USA erlebt hat. Er berichtet nicht mit der rosaroten Brille. Die sehr authentische Art seines Schreibstils gefällt mir. Er beobachtet gut und spricht mit einem etwas anderen Blick manche Dinge an ohne erhobenen Zeigefinger.

Seine Ausführungen zu TTIP, die Einwanderungspolitik der USA und sein Ausblick auf die Zukunft, waren für mich die besonders interessanten Kapitel. Hier habe ich viele neue Aspekte kennengelernt, die mich sehr nachdenklich stimmen. Auch die Themen „Waffengesetze“ und „Geheimdiensttätigkeit“ beleuchtet Zamperoni von mehreren Seiten.

Trotz allen Kritikpunkten an den USA arbeitet Ingo Zamperoni heraus, dass die heutigen Herausforderungen durch Kriege, Flucht, Terror und Finanzkrisen nur gemeinsam (auch) mit den USA zu bewältigen sind.

Fazit:
Auch ein Sachbuch kann einen in den Urlaub begleiten. Ich habe dieses Buch zwischen zwei Romanen gelesen und fand diesen Ausflug sehr spannend auch wenn er mich sehr nachdenklich gestimmt hat.

Bewertung: *****

Im Schatten unserer Wünsche (Jeffrey Archer)

Vierter Band der Clifton-Saga – und wieder ein spannender Teil der Familiensaga

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Ich habe bereits die ersten drei Teile dieser Familiensaga gelesen. Diese haben mir bereits sehr gut gefallen. Die Geschichten von Jeffrey Archer sprechen mich an. Auch wenn es schwierig ist, eine Familiengeschichte über mehrere Bände hinweg zu verfolgen, freue ich mich jedes Mal wieder über den nächsten Teil.

Beschreibung des Buches:
Der Roman „Im Schatten unserer Wünsche“ von Jeffrey Archer ist 2016 im HEYNE-Verlag als Taschenbuch erschienen. Es hat 540 Seiten.
Das Titelbild zeigt in hellblau gehalten eine Frau, die an einem Hafen steht. Ein großes Kreuzfahrtschiff und Beischiffe sind zu sehen. Das Bild ist wieder gut zum Inhalt gewählt und reiht sich wunderbar in die schon veröffentlichten Teile der Familien-Saga.

Kurze Zusammenfassung:
Dieser Teil knüpft an den dritten Band „Erbe und Schicksal“ an. Er spielt in den Jahren 1957 bis 1964. Die Familie kämpft weiter um den Fortbestand der Firma. Durch Intrigen ist dieser immer wieder gefährdet. Sebastian, der im vorherigen Band an einem Unfall beteiligt war, ist hier lange Zeit der Protagonist. Ein weiterer Handlungsstrang sind die intriganten Machenschaften um Alex Fisher, auf den u.a. ein weiterer Fokus liegt.

Mein Leseeindruck:
Die Familiengeschichte geht weiter, während Sebastian sich von einem Unfall erholen muss, ist Jessica, seine Adoptivschwester auf dem Wege, zu heiraten. Endlich muss das Geheimnis ihrer Herkunft gelüftet werden.

In verschiedenen Zeitabschnitten und mit Sicht auf die unterschiedlichsten Mitwirkenden gelingt es Jeffrey Archer den Leser mit viel Spannung am Ball zu halten. Ist die eine Intrige schief gegangen, so folgt die nächste sogleich. Man ist gespannt, was sich der Autor noch so alles erdacht hat.

In diesem Band ist der Fokus auf mehr als nur zwei Personen ausgerichtet, das macht das ganze Buch lebendiger als seine Vorgänger. Über geschichtliche und wirtschaftliche Themen in den 50er und 60er Jahren bekommt man ebenfalls wieder einen prima Überblick.

Mir gefällt nach wie vor der Schreibstil Jeffrey Archers (oder die Übersetzung) sehr gut. Gefühl, Spannung und geschichtliches Hintergrundwissen sind auch in diesem Band in einem guten Zusammenspiel vereint. Die Beschreibungen des Lebensstils der 50er und 60er Jahre Englands lässt einen prima in dieses Buch eintauchen.

Natürlich sind einige Dinge sehr konstruiert, aber die Knoten, die der Autor knotet, löst er gekonnt auf. Es gibt in diesem Buch mehrere Knoten und somit einige Spannungsbögen, die darauf warten, gelöst zu werden. Und das macht eine Familiensaga einfach aus.

Einen Überblick über die verwandtschaftlichen Verhältnisse bekommt man in den Innenseiten der Buchdeckel als Stammbaum aufgezeichnet präsentiert. So kann man die einzelnen Personen besser ihrem Stand in der Familie zuordnen. Hilft auch, wenn man länger nicht zum Lesen kam bzw. wenn man den vorherigen Band schon vor längerer Zeit gelesen hat.

Auch in dieses Buch hat Jeffrey Archer wieder einen Cliffhänger eingebaut, so dass man, um die Neugierde zu befriedigen, wieder monatelang mit Spannung auf den nächsten Teil warten muss.

Fazit
Mir hat dieser vierte Teil der Clifton-Saga besser als der Dritte gefallen, es waren mehr Perspektivwechsel, was diesen Roman lebendiger gemacht hat. Natürlich freue ich mich nun auch auf den 5. Teil.

Bewertung: ****

Die Entscheidung (Charlotte Link)

Geheimnisvoll – verwirrend – spannend – gut durchdacht

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Beschreibung des Buches:
Charlotte Link steht für mich für Spannung, viele Charaktere und zahlreiche Perspektiven. „Die Entscheidung“ ist 2016 im blanvalet-Verlag als Hardcover erschienen. Der Roman hat 575 Seiten. Auf dem Titelbild sieht man einen weißen Strand, es scheint Herbst/Winter zu sein. Eine geheimnisvolle Stimmung wird durch den wolkenverhangenen Himmel erzeugt.

Kurze Zusammenfassung:
Simon will in Südfrankreich, im Ferienhaus seines Vaters, Weihnachten mit seinen zwei Kindern aus erster Ehe verbringen. Leider sagen diese kurzfristig ab, auch eine neue Freundin kommt nicht. So läuft er alleine am Strand herum und entdeckt dort die völlig verstörte Nathalie. Die junge Französin fühlt sich verfolgt. Simon entscheidet sich dafür, sich um die Frau zu kümmern. Zur gleichen Zeit gelingt der jungen Bulgarin Selina die Flucht aus der Gefangenschaft von Verbrechern. Ursprünglich hatte sie sich eine bessere Zukunft im Westen erhofft.

Mein Leseeindruck:
Dieser Charlotte Link Roman ist etwas anders als gewohnt. Spannend und geheimnisvoll, aber auch mit langatmigen, verwirrenden Szenen und Rückblicken, die mich zwischenzeitlich etwas aus dem Lesefluss gebracht haben.

Die Geschichte(n) spielt vom 7. Dezember bis Heilig Abend. In siebzehn Tagen passiert hier so Einiges an unterschiedlichen Orten mit den verschiedensten Personengruppen. Es gibt den einen Erzählstrang um die junge Französin Nathalie, die auf den deutschen Simon in Südfrankreich trifft. Während die gemeinsamen Szenen aus dem Blick des Lesers beschrieben sind, so gibt es immer wieder Rückblicke, die aus Nathalies Sicht Dinge schildern.

Parallel entwickelt sich ein Erzählstrang um das geheimnisvolle Verschwinden einer jungen Bulgarin, die von ihren Eltern über eine „Organisation“ als Model in den Westen geschickt wird. Nachdem sich die Tochter nach ihrer Abreise nicht mehr bei den Eltern meldet, macht sich die Mutter auf die Suche nach ihrem Kind.

Man fragt sich zu Beginn, was diese verschiedenen Erzählstränge verbindet. Das Hin- und Herwechseln zwischen den unterschiedlichen „Geschichten“ macht das Lesen etwas anstrengend, besonders dann, wenn man dieses Buch nicht am Stück lesen kann.

Ich habe den ersten Teil leider nur Stückweise lesen können, dabei hatte ich das Problem, mich immer wieder zu Recht finden zu müssen. Die vielen Namen waren mir nicht immer sofort präsent und so dauerte es eine Weile wieder in den Roman einsteigen zu können.

Den letzten Teil habe ich an einem verregneten Wochenende am Stück verschlungen, die Ereignisse überschlugen sich, die Spannung blieb auf einem gewissen Höhepunkt und die verschiedenen Erzählstränge fanden gekonnt und gut überlegt zusammen.

Ich konnte bei diesem Krimi lange nicht die Bösen von den Guten unterscheiden. Manchmal legt Charlotte Link in ihren Romanen Spuren, hier konnte ich lange Zeit keinen konkreten Hinweis finden.

Auch in diesem Krimi sind die atmosphärischen Beschreibungen gut gelungen: der kalte Winter in Bulgarien, die Stimmung in Südfrankreich und die Spannungen in den Beziehungen der Protagonisten.

Leider zieht sich der Roman in der Mitte etwas, es tauchen mir persönlich zu viele Personen auf, die vielleicht nicht unmittelbar zur Grundgeschichte gehören müssten. Wie auch bei dem vorhergehenden Krimi der Autorin hätte es nicht geschadet, einige Personen einfach wegzulassen.

Fazit:
Letztendlich hat mich auch dieser Krimi von Charlotte Link gut unterhalten. Er war wie immer spannend, geheimnisvoll, manchmal verwirrend, aber letztendlich gut durchdacht. Es würde mich aber für die Zukunft freuen, wenn nicht ganz so viele Erzählstränge parallel laufen und es nicht so viele Mitwirkende geben würde.

Bewertung: ****

Excel 2016 Programmieren (Michael Kofler)

Das umfangreiche Handbuch für die Excel-Programmierung

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Schon seit Jahren arbeite ich mit Word und Word-Makros/Programmierung. Mit Excel und der Programmierung habe ich mich bisher wenig beschäftigt.

Beschreibung des Buches:
Dieses umfassende Handbuch „Excel 2016 Programmieren“ ist 2016 im Hanser Verlag erschienen. Es handelt sich um eine gebundene Ausgabe mit 860 Seiten. Die Buchdeckel sind flexibel gehalten. Der Autor Michael Kofler ist mir schon von zahlreichen anderen Fachbüchern im Bereich Linux, Visual Basic und Java bekannt. Sein Sprachstil wurde mehrfach ausgezeichnet und auch ich bin bisher mit seinen Handbüchern sehr gut zurechtgekommen.

Kurzer Überblick:
Das Buch gliedert sich in 3 Hauptteile (Intuitiver Einstieg, Grundlagen und Anwendung). Im ersten Teil geht es um „das erste Makro“ und um die Veränderungen von Excel 2007 bis 2016.

Der zweite Teil beschäftigt mit der Entwicklungsumgebung, den VBA-Konzepten, Programmiertechniken, Fehlersuche, Dialoge und der Benutzeroberfläche von Excel 2016.

Im dritten Teil gibt es Mustervorlagen, es geht um Diagramme und Zeichnungsobjekte, um die Datenverwaltung in Excel, den Zugriff auf externe Daten, der Datenanalyse, XML- und Listenfunktion und um die Excel-Programmierung für Fortgeschrittene.

Das Buch schließt mit einem Anhang (Download-Dateien) und dem Stichwortverzeichnis.
Es gibt die Möglichkeit, sich dieses Buch als E-Book auf den eigenen Rechner herunterzuladen, so kann man sich einfach und schnell Beispielcode kopieren und selbst ausprobieren und man hat einen schnellen Zugriff auf gesuchte Themen ohne lang im Buch blättern zu müssen.

Es gibt ein Lesebändchen zum Markieren der aktuellen Lesestelle.

Eigener Eindruck:
Das Buch ist, was ich ein wenig schade finde, ganz in schwarz/weiß gehalten. Farbgebung hat für mich immer den Vorteil, dass ich mich an bestimmte Inhalte oft besser erinnern kann.

Die Themenauswahl ist sehr umfangreich. Ein solches Buch hätte mir bei meinen Word-Programmierfragen sicherlich so manches Ausprobieren und langes Suchen erspart. Das Buch bietet eine prima Orientierungshilfe dafür, was so alles in und unter der Excel-Programmierung machbar ist.

Der Sprachstil von Michael Kofler ist leicht verständlich, zu den eigentlichen Erklärungen gibt es auch immer wieder grau unterlegte Tipps, Achtung und Hinweisboxen sowie Anmerkungen und Verweise.

Die zahlreichen Screenshots sind sehr hilfreich, um einzelne Schritte direkt nachvollziehen zu können. Besonders gut gefällt mir der Exkurs der Neuerungen von Excel 2007 bis 2016, da wir auf der Arbeit manchmal mit unterschiedlichen Excel-Versionen zu kämpfen haben.

Man kann dieses Buch als Nachschlagewerk, Lehrgangsunterlage oder als intensiven Einstieg für die Programmierung unter Excel einsetzen. Der Beispielcode hilft, textliche Erklärungen besser zu verstehen und direkt anwenden zu können, in dem man ihn einfach selbst ausprobiert.

Durch die gute Unterteilung dieses Buches, muss man nicht das ganze Buch von vorne bis hinten durcharbeiten, sondern kann sich gezielt die gerade interessanten Kapitel heraussuchen. Manches ist mir schon von der Word-VBA-Programmierung bekannt, deshalb sind für mich einige Kapitel nicht ganz so wichtig andere hingegen ein echtes Neuland.

Fazit:
Dieses Buch bietet sich für Neulinge in der Excel-Programmierung an, da hier Schritt für Schritt verständliche Erklärungen mit Beispielcodes angeboten werden. Aber auch der schon erfahrene Excel-Programmierer wird hier bei den Neuerungen für Excel 2016 sicher fündig werden und sehr viele Tipps in diesem Buch finden.

Bewertung: *****