Willkommen im Meer (Kai-Eric Fitzner)

Ein ganz besonderer Lehrer – eine besondere Familie

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Ein buntes Titelbild, eine traurige Geschichte um den Autor und ein Tipp, dieses Buch zu lesen, haben mich bewogen nach diesem Buch zu greifen.

Beschreibung des Buches:
„Willkommen im Meer“ von Kai-Eric Fitzner ist im Droemer Knauer Verlag 2015 als Taschenbuch erschienen. Das Buch wurde bereits 2006 geschrieben, sollte bereits 2009 veröffentlicht werden, doch dieses Vorhaben scheiterte aufgrund der Insolvenz des Verlages. Als Kai-Eric Fitzner im Mai 2015 einen Schlaganfall (mit Koma) erlitt, wandte sich seine Frau in einer beispiellosen Aktion an viele Leser und verhalf damit diesem zunächst selbstveröffentliche Buch (Februar 2015) den Weg in die Öffentlichkeit. Fitzners Frau hat das wunderschöne Cover selbst gestaltet.

Die gute Nachricht: Kai-Eric Fitzner ist wieder aus dem Koma erwacht und macht gute Fortschritte wieder ins Leben zu finden.

Kurze Zusammenfassung:
Lehrer Tim zieht mit seiner kleinen Familie nach Oldenburg, um dort eine neue Stelle als Lehrer anzutreten. Mit seiner kumpelhaften Art und seinem Anspruch, die Schüler zum Selbstdenken und Bilden einer eigener Meinung anzuregen, eckt er bei Lehrern und Eltern an. Die Schüler hingegen werden ein Teil seiner Familie und Freunde. Seine Frau und deren wohlhabende Mutter unterstützen ihn in seiner Mission.

Mein Leseeindruck:
Der Roman ist in der Ich-Form aus Sicht des Lehrers Tim geschrieben.

Das Buch lebt von vielen Dialogen. Lehrer Tim, der mit seiner Frau Antje und den Schülern über vieles spricht und hinterfragt, kommt bei seinen Kollegen schlecht an. Auch Eltern sehen den Einfluss, den Tim auf die eigenen Kinder hat, sehr kritisch. Geld regiert die Welt, scheint deren Devise zu sein. Gefühle, eigene Meinungen, selbstständiges Denken ist hier nicht gefragt. Da kommt ein anderes denkender Lehrer und mischt die Jugendlichen auf und die Institution Schule und mit ihr auch das Vorbereiten auf die wettbewerbsorientierte Marktwirtschaft scheint in Gefahr zu sein.

Kai-Eric Fitzner zeigt in seinem Roman, dass das Leben auch jenseits von Geld und Macht lebenswert sein kann (auch wenn Geld natürlich beruhigt), wenn man sich gegenseitig unterstützt, wo man nur kann, wenn man Hierarchien untergräbt und sich auf das Wesentliche, nämlich auf das Leben konzentriert. Lehrer Tim lebt es vor, er nimmt den von seinem Vater verstoßenen Magnus in seiner eigenen Familie auf. Auch dessen Mitschülern steht die Tür immer offen.

Letztendlich ist es aber dann doch die Schwiegermutter, die ihre Hand im Spiel hat, denn ohne ihren Einfluss, ihr Vermögen, wäre die große Veränderung in Tims Familie/Freunde dann doch nicht machbar.

Der Roman hat einen klaren Handlungsstrang und ein (nicht erwartetes) Ende. Die Schreibstil und die Sprache Fitzners sind lebendig, die Alltagssituationen sehr realistisch dargestellt, manchmal etwas überspitzt. Fitzner belehrt nicht, er zeigt durch das beispielhafte Vorleben seines Protagonisten, wie Leben sein kann, auch mit Ausflügen in Süchten, die man dann doch nicht unbedingt nachahmen muss.

Auch wenn das Buch schon vor 9 Jahren geschrieben wurde, so passt es doch ganz besonders in die heutige Zeit.

Fazit:
Ein Buch, das mich nicht nur bewegt, sondern auch gefesselt hat. Ein Buch für alle, die noch nicht begriffen haben, was im Leben wirklich zählt.

Bewertung: *****

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