Who the Fuck Is Kafka (Lizzie Doron)

Kann ein gemeinsames Projekt unter Mitgliedern verfeindeter Völker gelingen und verbinden?

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Vor ein paar Wochen war ich im Frankfurter Mousonturm zu einer Lesung mit Mirjam Pressler und Lizzie Doron. Vorgestellt wurde dieses Buch. Der ungewöhnliche Titel hatte mich neugierig gemacht. Mirjam Pressler, bekannt als Schriftstellerin, hat dieses Buch aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt. Es ist übrigens bisher die einzige Übersetzung des Buches, das bis zum Zeitpunkt der Lesung auch nur in deutscher Sprache veröffentlicht worden ist.

Die beiden Autorinnen haben schon mehrere Bücher gemeinsam als Autorin und Übersetzerin herausgebracht.
Lizzie Doron wurde in Tel Aviv geboren. Sie ist die Tochter einer Holocaustüberlebenden. Bevor sie Schriftstellerin wurde, studierte sie Linguistik. In ihren Büchern werden fiktionale und reale Erlebnisse miteinander verbunden.
Mirjam Pressler, geboren in Darmstadt, arbeitete nach ihrem Studium an der Akademie für Bildende Künste in Frankfurt u.a. in einem Kibbuz in Israel. Sie hat zahlreiche Kinderbücher geschrieben und wurde für mehrere Übersetzungen vom Hebräischen ins Deutsche ausgezeichnet.

Beschreibung des Buches:
Das Buch ist 2015 im dtv – Verlag erschienen. Auf dem Titelbild lehnt eine dunkelhaarige junge Frau mit dem Gesicht an einer Wand. Die Farben sind in graublau/braun/schwarz gehalten. Auf 256 Seiten wird die Geschichte von Nadim und Lizzie erzählt.

Kurze Zusammenfassung:
Nadim und Lizzie, beides Journalisten, treffen auf einer Friedenskonferenz in Rom aufeinander. Lizzie ist Israelin und lebt mit ihrem Mann in Tel Aviv, Nadim ist Araber/Palästinenser und wohnt mit seiner Familie in Ost-Jerusalem. Ein gemeinsames Projekt verbindet die Zwei. Sie will ein Buch über ihn schreiben, er möchte einen Film über Lizzie drehen. Ihre Skepsis zueinander wechselt mit freundschaftlichem Gebaren. Sie treffen sich an verschiedenen Orten, bei ihr, aber auch bei ihm zuhause. Diese Treffen sind immer wieder vom Misstrauen der jeweiligen Freunde und Familie begleitet. Kann das Projekt gelingen?

Mein Leseeindruck:
Das Buch ist in der Ich-Form geschrieben. Lizzie Doron beschreibt ihre Geschichte mit dem fiktiven Nadim. Nadim verkörpert einen Araber mit seiner Geschichte. Er lebt mit seiner Familie in Jerusalem. Seine Frau Laila hat keinen Pass und kann das Land nicht verlassen.
Der Sprachstil Lizzie Dorons ist gewöhnungsbedürftig. Die Begegnungen der zwei Protagonisten werden zwar detailliert beschrieben, doch fehlt es oft an tieferen Gefühlsbeschreibungen, sie werden eher nüchtern erzählt. Viele geschichtliche Hintergründe bekommt man „nebenbei“ mitgeliefert, dadurch erklären sich die Zusammenhänge besser.
Auch an tragischen und komischen Erlebnissen lässt Lizzie Doron uns als Leser teilhaben. Da erzählt Nadim von einem schrecklichen Erlebnis aus der Kindheit. Lizzie muss den Tod einer guten Freundin verkraften, die durch ein Attentat in dem Cafe ums Leben kommt, in dem sie auf Lizzie für ein Treffen gewartet hatte.
Als Leser begleitet man die oftmals schwierigen Begegnungen der zwei Protagonisten über mehrere Monate/Jahre hinweg. Dabei erfährt man durch die Dialoge der beiden so einiges über die jeweiligen Vorbehalte zwischen den Völkern. Kleine Spitzen werden ausgetauscht. Als Außenstehender bekommt man somit einen kleinen Eindruck, wie schwer es mit den Friedensprozessen im Nahen Osten bestellt ist, wenn schon in einer Beziehung mit einem gemeinschaftlichen Projekt so viel spannungsgeladenes Potential steckt.

In den immer wiederkehrenden Begegnungen entwickelt sich viel Konfliktpotential. Manchmal gehen beide schnell getrennte Wege und sehen sich wochenlang nicht. Keiner kann seine Feindseligkeit dem anderen Volk gegenüber unterdrücken auch wenn ein gemeinsames Projekt die Zwei eigentlich zusammenschweißen könnte.

Fazit
Die Geschichte um die Lizzie und Nadim berührt. Die Begegnungen der beiden mit ihren jeweiligen Vorbehalten zueinander, gestützt durch gegenseitig erzählte/erlebte Anekdoten, zeigen, die Schwierigkeit, einen Frieden zu finden.

Ich habe in diesem Buch viel über Israel erfahren, was ich bisher nur am Rande mitbekommen habe, weil ich mich nicht sonderlich damit befasst habe. Kann es einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten überhaupt geben? Nicht, wenn Beteiligte alle Hoffnung aufgegeben haben und es als Naturgesetz sehen, dass „es am Schluss immer nur Krieg gibt“. Diese Erkenntnis hat mich irgendwie traurig gemacht. Ob die Unverständnisse untereinander jemals aufgelöst werden können?

Anmerkung: Vor ein paar Tagen habe ich im Kino den Film „Mein Herz tanzt“ gesehen. Hier geht es um einen jungen Araber, der sich auf einer Eliteschule in Jerusalem in ein jüdisches Mädchen verliebt. Er ist hin- und her gerissen zwischen zwei unterschiedlichen Kulturen. Am Ende trifft er eine schwerwiegende Entscheidung für seine Zukunft.
Ich konnte diesen Film durch das Lesen dieses Buches viel besser verstehen… und kann ihn wirklich empfehlen!

Bewertung: ****

Hier ein Link zur Verlagsseite:
http://www.dtv.de/buecher/who_the_fuck_is_kafka_26047.html

 

 

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