Heimat Lust (Natalia Wörner)

Heimat ist da, wo man Wohlbefinden spürt und die Sehnsucht nach diesem Ort am größten ist

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Natalia Wörner wurde in Bad Cannstatt (bei Stuttgart) geboren. Gemeinsam mit ihrer Schwester wuchs sie bei ihrer Mutter auf. Ihr Debut als Filmschauspielerin hatte sie mit Mitte 20. Seit dem hat sie in zahlreichen Filmen und Serien mitgewirkt. Das Erleben des Tsunami in Khao Lak (Thailand) 2004 hat ihr Leben und ihre Sicht auf viele Dinge verändert.

Beschreibung des Buches:
Natalia Wörner hat in Zusammenarbeit mit dem Autor Daniel Oliver Bachmann eine etwas andere Art von Biografie geschrieben. Der Titel „Heimat Lust“ weist schon darauf hin, dass es in diesem Buch mehr um ihr Gefühl für Heimat als um eine chronologische Biografie geht. Das Titelbild zeigt ein schönes Portrait der Schauspielerin. Der Buchumschlag ist, eher unüblich, matt gehalten, dadurch wirkt das Buch auf mich eher rustikal und „natürlich“, es vermittelt Bodenständigkeit. Auf 250 Seiten und 28 Kapiteln erzählt Natalia Wörner, was sie unter Heimatgefühl versteht.

Kurze Zusammenfassung:
Die einzelnen Kapitel werden mit kleinen Thesen oder Gedichten von Menschen eingeleitet, die Natalia Wörner sehr nahe stehen. In jedem Kapitel befasst sie sich mit dieser These und erzählt in kleinen Anekdoten etwas aus ihrem Leben, die durch einige schöne private Fotos ergänzt werden. Zusätzlich gibt es in einigen Kapiteln kleine geschichtliche „Ausflüge“. Die Kapitel sind nicht chronologisch aufgebaut.

Mein Leseeindruck:
Mir hat der Aufbau dieses Buches gut gefallen. Kapitel, die mit einer These/Gedicht eingeleitet werden. Zu Wort kommen unter anderem Natalie Wörners Sohn, ihr Neffe, Giovanni di Lorenzo, Ursula Karven, Jim Rakete um hier nur einige zu nennen.

Mit ihrer sehr authentischen Art (schwäbisch) gelingt es Natalia Wörner einem beim Lesen mit auf die Reise in die eigene Heimat zu nehmen, auch wenn die meisten Erzählungen um das schöne Schwabenländle gehen (was nicht meine Heimat ist). Sie lässt den Leser teilhaben an ihren Erinnerungen an ihre Kindheit mit positiven als auch negativen Erlebnissen. Alles hat sie geprägt. Von der Geburt bis zu den ersten schauspielerischen Auftritten, viele Begebenheiten gibt Natalia Wörner in diesem Buch preis.

Die geschichtlichen Ausflüge sind interessant. Auch wenn Natalia Wörner eine Reisende ist, oft an verschiedensten Orten gelebt und gearbeitet hat, so hat sie doch das Band zu ihrer Heimat Stuttgart nie zerschnitten, das liest man in jedem Kapitel heraus.

Besonders angetan war ich von dem sozialen Engagement, das Natalia Wörner besonders nach dem miterlebten Tsunami aufgebracht hat und immer noch aufbringt. Ein derartiges Erlebnis ändert so manche Sicht auf die Dinge im Leben.

Fazit
Mir hat dieses Buch gut gefallen, weil es eine nicht typische Biografie ist. Den einzelnen Kapiteln eine These/Gedicht voran zu stellen, finde ich sehr gelungen. Die Fotos sind sehr schön gewählt. Treffend gesagt: Jeder Mensch sollte eine Heimat haben! Doch leider sieht die Realität oft ganz anders aus. Da muss man sich eine neue Heimat unter neuen Freunden suchen, in der Hoffnung, dass dies gelingt.

Bewertung: ****

An einem Tag im November (Petra Hammesfahr)

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite

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Petra Hammesfahr schreibt Bücher, in denen meist Familiengeheimnisse und menschliche Tragödien eine große Rolle spielen. Ihre Bücher leben von den vielen verschiedenen Nebensträngen, die um eine Tat oder ein mysteriöses Vorkommnis herum geschehen. Ich habe schon einige Bücher von Petra Hammesfahr gelesen und war immer wieder gefesselt von ihren Romanen. Auf der Frankfurter Buchmesse im Herbst 2014 habe ich an einer Lesung von ihr aus diesem Buch teilnehmen können. Diese Lesung hat mich neugierig auf das Buch gemacht.

Beschreibung des Buches:
„An einem Tag im November“ ist 2014 als Hardcover im Diana-Verlag erschienen. Das Buch hat 495 Seiten. Auf dem Titelbild ist ein rosa Kinderfahrrad im Regen liegend auf einer einsamen Straße zu sehen. Das Bild ist passend gewählt zum Inhalt.

Kurze Zusammenfassung:
An einem Samstag im November verschwindet die kleine fünfjährige Emilie Brenner. Die Eltern geben ihre Vermisstenanzeige sehr spät auf, so dass die Suche nach dem Kind erst mit Verspätung erfolgen kann. Kommissar Klinkhammer befürchtet, dass schon einige Spuren verloren gegangen sind. Hat ihr Verschwinden etwas mit den merkwürdigen Geschehnissen in der Nachbarschaft zu tun?

Mein Leseeindruck:
Als ich auf den ersten zwei Seiten die Auflistung der „handelnden“ Personen fand, war mir klar, dass dieser Krimi mit vielen Nebenschauplätzen und vielen Handelnden aufgebaut ist, wie es so typisch für manche Krimis dieser Autorin ist.

Hilfreich ist diese Liste auf alle Fälle, wünsche ich mir eine solche auch ab und an für andere Bücher, denn beim Lesen in Etappen, passiert es mir unweigerlich, dass ich so manche Namen der Protagonisten vergesse…

Dieser Krimi lebt von den Zeitsprüngen und Rückblicken und von den verschiedenen Schauplätzen und dem Erzählen der Vorkommnisse rund um das Verschwinden des kleinen Kindes. Auch wenn man nicht gleich erkennt, in welchem Zusammenhang das gerade Gelesene zum Verschwinden von Emilie steht, so erinnert man sich später dann doch an kleine Hinweise, die die Autorin auf vorherigen Seiten gegeben hat.

Schon auf den ersten Seiten legt sie Spuren. Der Verdacht auf manche Personen, die mit dem Verschwinden etwas zu tun haben könnten, erhärtet sich, wird aber auch wieder zerstreut, wenn parallel ablaufende Geschehnisse näher beleuchtet werden.

Petra Hammesfahr hat in ihrer Beschreibung der Nachbarschaft und des Umfeldes von Emilie einen ziemlichen Facettenreichtum eingebaut. Da gibt es den einsamen Jugendlichen, der zwar materiell verwöhnt wird, aber von seinen Eltern wenig Zeit und Liebe erfährt. Die Witwe, deren schon erwachsener, psychisch kranker Sohn noch bei ihr lebt. Die Mitarbeiter von Emilies Vater, der einen Fitness-Center betreibt. Das ehrgeizige Lehrerehepaar mit den zwei Töchtern und natürlich die Eltern von Emilie, denen eine große Veränderung in ihrem Leben bevor steht. Alle haben die Tage um Emilies Verschwinden aufregende Erlebnisse gehabt, so dass man beim Lesen ständig in die Irre geführt wird und vermuten könnte, jetzt habe man den oder die Täter/in „erwischt“. Bis zu den letzten Seiten war mir immer noch nicht ganz klar, wer hier der oder die Täterin sein könnte.

Es sind die kleinen menschlichen Tragödien, die die Autorin hier sehr detailliert beleuchtet. Jede für sich ist schon schlimm genug, treffen alle aufeinander, so kommt es zur Katastrophe. Beim Lesen empfindet man Mitleid für den ein oder anderen und würde so gerne ins Geschehen eingreifen, wenn es um Mobbing und Vernachlässigung geht, nur um zu „verhindern“, dass es zum Verschwinden von Emilie kommt…

Fazit
Ein Krimi, wie ich ihn liebe. Er ist spannend bis zum Schluss. Die vielen Handlungsstränge sind zwar zunächst verwirrend, werden aber in sich logisch gut zusammengeführt. Es erstaunt mich immer wieder, wie es der Autorin gelingt, ihre vielen Spuren zu legen und sich weder zu „verzetteln“ noch Brüche in den Handlungen zu haben. Nur die extremen Zeitsprünge haben mich etwas „überfordert“, so musste ich oftmals zurückblättern, um feststellen zu können, ob das gerade Gelesene vor oder nach dem Verschwinden des Kindes stattgefunden hat.

Bewertung: ****

Who the Fuck Is Kafka (Lizzie Doron)

Kann ein gemeinsames Projekt unter Mitgliedern verfeindeter Völker gelingen und verbinden?

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Vor ein paar Wochen war ich im Frankfurter Mousonturm zu einer Lesung mit Mirjam Pressler und Lizzie Doron. Vorgestellt wurde dieses Buch. Der ungewöhnliche Titel hatte mich neugierig gemacht. Mirjam Pressler, bekannt als Schriftstellerin, hat dieses Buch aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt. Es ist übrigens bisher die einzige Übersetzung des Buches, das bis zum Zeitpunkt der Lesung auch nur in deutscher Sprache veröffentlicht worden ist.

Die beiden Autorinnen haben schon mehrere Bücher gemeinsam als Autorin und Übersetzerin herausgebracht.
Lizzie Doron wurde in Tel Aviv geboren. Sie ist die Tochter einer Holocaustüberlebenden. Bevor sie Schriftstellerin wurde, studierte sie Linguistik. In ihren Büchern werden fiktionale und reale Erlebnisse miteinander verbunden.
Mirjam Pressler, geboren in Darmstadt, arbeitete nach ihrem Studium an der Akademie für Bildende Künste in Frankfurt u.a. in einem Kibbuz in Israel. Sie hat zahlreiche Kinderbücher geschrieben und wurde für mehrere Übersetzungen vom Hebräischen ins Deutsche ausgezeichnet.

Beschreibung des Buches:
Das Buch ist 2015 im dtv – Verlag erschienen. Auf dem Titelbild lehnt eine dunkelhaarige junge Frau mit dem Gesicht an einer Wand. Die Farben sind in graublau/braun/schwarz gehalten. Auf 256 Seiten wird die Geschichte von Nadim und Lizzie erzählt.

Kurze Zusammenfassung:
Nadim und Lizzie, beides Journalisten, treffen auf einer Friedenskonferenz in Rom aufeinander. Lizzie ist Israelin und lebt mit ihrem Mann in Tel Aviv, Nadim ist Araber/Palästinenser und wohnt mit seiner Familie in Ost-Jerusalem. Ein gemeinsames Projekt verbindet die Zwei. Sie will ein Buch über ihn schreiben, er möchte einen Film über Lizzie drehen. Ihre Skepsis zueinander wechselt mit freundschaftlichem Gebaren. Sie treffen sich an verschiedenen Orten, bei ihr, aber auch bei ihm zuhause. Diese Treffen sind immer wieder vom Misstrauen der jeweiligen Freunde und Familie begleitet. Kann das Projekt gelingen?

Mein Leseeindruck:
Das Buch ist in der Ich-Form geschrieben. Lizzie Doron beschreibt ihre Geschichte mit dem fiktiven Nadim. Nadim verkörpert einen Araber mit seiner Geschichte. Er lebt mit seiner Familie in Jerusalem. Seine Frau Laila hat keinen Pass und kann das Land nicht verlassen.
Der Sprachstil Lizzie Dorons ist gewöhnungsbedürftig. Die Begegnungen der zwei Protagonisten werden zwar detailliert beschrieben, doch fehlt es oft an tieferen Gefühlsbeschreibungen, sie werden eher nüchtern erzählt. Viele geschichtliche Hintergründe bekommt man „nebenbei“ mitgeliefert, dadurch erklären sich die Zusammenhänge besser.
Auch an tragischen und komischen Erlebnissen lässt Lizzie Doron uns als Leser teilhaben. Da erzählt Nadim von einem schrecklichen Erlebnis aus der Kindheit. Lizzie muss den Tod einer guten Freundin verkraften, die durch ein Attentat in dem Cafe ums Leben kommt, in dem sie auf Lizzie für ein Treffen gewartet hatte.
Als Leser begleitet man die oftmals schwierigen Begegnungen der zwei Protagonisten über mehrere Monate/Jahre hinweg. Dabei erfährt man durch die Dialoge der beiden so einiges über die jeweiligen Vorbehalte zwischen den Völkern. Kleine Spitzen werden ausgetauscht. Als Außenstehender bekommt man somit einen kleinen Eindruck, wie schwer es mit den Friedensprozessen im Nahen Osten bestellt ist, wenn schon in einer Beziehung mit einem gemeinschaftlichen Projekt so viel spannungsgeladenes Potential steckt.

In den immer wiederkehrenden Begegnungen entwickelt sich viel Konfliktpotential. Manchmal gehen beide schnell getrennte Wege und sehen sich wochenlang nicht. Keiner kann seine Feindseligkeit dem anderen Volk gegenüber unterdrücken auch wenn ein gemeinsames Projekt die Zwei eigentlich zusammenschweißen könnte.

Fazit
Die Geschichte um die Lizzie und Nadim berührt. Die Begegnungen der beiden mit ihren jeweiligen Vorbehalten zueinander, gestützt durch gegenseitig erzählte/erlebte Anekdoten, zeigen, die Schwierigkeit, einen Frieden zu finden.

Ich habe in diesem Buch viel über Israel erfahren, was ich bisher nur am Rande mitbekommen habe, weil ich mich nicht sonderlich damit befasst habe. Kann es einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten überhaupt geben? Nicht, wenn Beteiligte alle Hoffnung aufgegeben haben und es als Naturgesetz sehen, dass „es am Schluss immer nur Krieg gibt“. Diese Erkenntnis hat mich irgendwie traurig gemacht. Ob die Unverständnisse untereinander jemals aufgelöst werden können?

Anmerkung: Vor ein paar Tagen habe ich im Kino den Film „Mein Herz tanzt“ gesehen. Hier geht es um einen jungen Araber, der sich auf einer Eliteschule in Jerusalem in ein jüdisches Mädchen verliebt. Er ist hin- und her gerissen zwischen zwei unterschiedlichen Kulturen. Am Ende trifft er eine schwerwiegende Entscheidung für seine Zukunft.
Ich konnte diesen Film durch das Lesen dieses Buches viel besser verstehen… und kann ihn wirklich empfehlen!

Bewertung: ****

Hier ein Link zur Verlagsseite:
http://www.dtv.de/buecher/who_the_fuck_is_kafka_26047.html

 

 

Kluge Gefühle (Eyal Winter)

Was beeinflusst alles unsere Entscheidungen? Gefühle? Herkunft? Denken? Herdenverhalten?

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Beschreibung des Buches:
Das Buch „Kluge Gefühle“ ist 2015 im DUMONT-Verlag als Hardcover Buch erschienen. Es handelt sich um ein Sachbuch, dementsprechend ist das Titelbild eher nüchtern gestaltet. Bunte große Kreise mit Schnittmengen auf weißem Hintergrund, gut passend zum Inhalt. Das Buch umfasst 288 Seiten.

Der Autor, Eyal Winter, ist Professor für Ökonomie und Leiter des Zentrums für Rationalität an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Es ist eine der weltweit führenden Hochschule, an der über die Entscheidungsfindung geforscht wird. Eyal Winter wurde 2011 mit dem Humboldt-Preis ausgezeichnet.

Kurze Zusammenfassung:
Nach kurzem Vorwort und der Einleitung: „Was ist Rationalität“ folgen die fünf Großkapitel an:
–              Unmut und Selbstbindung,
–              Vertrauen und Großzügigkeit
–              Sexualität und Liebe
–              Optimismus, Pessimismus und Gruppenverhalten
–              Rationalität, Emotionen und Gene
Es schließen sich ein paar Seiten Anmerkungen an. Eyal Winter arbeitet fast ohne Grafiken und Tabellen.

Mein Leseeindruck:
Nicht selten fragt man sich: Wie kam es zu dieser Entscheidung? Warum wurde so und nicht anders entschieden? Weshalb gibt es eine Art Herdenverhalten bei Entscheidungsfindungen? Und kann man Bauchgefühle als Entscheidungshilfe nutzen?

Diese und andere Fragen gehen einem oft durch den Kopf. In diesem Buch findet man so manche Antwort darauf. Eyal Winter nimmt den Leser „mit auf die Reise“ durch die Entscheidungsfindung. Er beleuchtet mit vielen Forschungsbeispielen und Beobachtungen, warum man in bestimmten Situationen seine Entscheidungen trifft. Nicht allein der Kopf entscheidet, es spielen sehr vielfältige Faktoren eine Rolle.

Hat man sich durch die oben aufgeführten Kapitel gelesen, so wird einem manches verständlicher und man kann durchaus gelassener an eigene Entscheidungsfindungen herangehen.

Besonders interessant fand ich das Kapitel „Das Hormon, das vertrauen stiftet“: Dass man Menschen allein durch eine bestimmte Hormongabe per Spray mehr Vertrauen in die eigene Gruppe, aber Misstrauen gegenüber der fremden Gruppe aufbauen lassen kann, das eröffnet der Manipulationen alle Tore.

Das Herdenverhalten von uns Menschen wurde im Kapitel Gruppenverhalten auch mit einem eindrucksvollen Beispiel verdeutlicht.

Überhaupt sind es die Fallbeispiele von denen das Buch lebt. Diese sind manchmal wirklich sehr faszinierend und in ihrem Ergebnis wirklich nicht vorhersehbar, zumindest für den Laien.

Fazit:
Auch wenn der Autor Wissenschaftler ist, so ist sein Schreibstil sehr verständlich und nicht zu wissenschaftlich für den Laien. Ich habe das Buch mit Interesse gelesen und fühlte mich mit den anschaulichen Forschungsergebnissen manchmal auch durchaus unterhalten. Manche Massenphänomene sind für mich jetzt erklärbar.

Bewertung:  ****

Tod eines Revisors (Olaf Jahnke)

Wirtschaftskrimi mit Lokalkolorit

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Ein Krimi, der im Rhein-Main-Gebiet spielt, den musste ich lesen. Ich liebe Krimis mit Lokalkolorit, besonders Krimis, deren Handlungen im Rhein-Main-Gebiet angesiedelt sind. Nachdem meine letzten Lektüren keine Krimis waren, bot dieses Buch die entsprechende Abwechslung.

Beschreibung des Buches:
Der Krimi „Tod eines Revisors“ von Olaf Jahnke ist 2014 im fhl-Verlag als Taschenbuch erschienen. Das Buch hat 249 Seiten. Das Titelbild ist in grau/blau/weiß gehalten. Zu sehen ist eine Brüstung (offensichtlich auf einer Aussichtsplattform) mit einem fest installierten Fernrohr. Im Hintergrund, leicht verblasst, Bankentürme der Frankfurter Skyline, passend zum Inhalt des Krimis.

Der Autor Olaf Jahnke ist Kameramann und Reporter beim Hessischen Rundfunk. Er lebt im Rhein-Main-Gebiet. Dieser Krimi ist seine erste Buchveröffentlichung.

Kurze Zusammenfassung:
Roland Bernau, Ex-BKA-Fahnder, ist Privatermittler. Er wird von der Ehefrau eines angeblichen Selbstmörders engagiert. Die Witwe glaubt nicht daran, dass sich ihr Mann selbst umgebracht hat. Der Tote war Revisor einer Bank. Schnell findet Bernau heraus, dass es hier um Wirtschaftskriminalität geht, die ihren Ursprung in der Wendezeit hat. Seine Ermittlungen werden seitens Politik und Wirtschaft stark behindert.

Mein Leseeindruck:
Der Krimi ist in der Ich-Form geschrieben. Roland Bernau erzählt aus seiner Sicht die Geschehnisse. Das hat mich zuerst befremdet und ich kam nicht gleich in die Geschichte hinein. Allerdings änderte sich das rasch, nachdem ich mich in den Schreibstil des Autors hineingelesen hatte. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen und habe es an zwei Tagen Urlaub fertig gelesen.

Olaf Jahnke gelingt es mit kurzen Sätzen, ohne umständlich verschachtelte Sätze, Szenen detailgetreu zu beschreiben. Wörtliche Rede lockert den Krimi auf und macht ihn zu einem kurzweiligen Lesevergnügen. Der komplette Krimi ist temporeich und spannend.

Die Person Roland Bernau macht einen sympathischen Eindruck, etwas schusselig und unordentlich, aber mit einer gehörigen Portion Eifer ermittelt er in dem ihn anvertrauten Fall. Dabei kommt auch sein Privatleben nicht zu kurz. Eine Liaison mit einer Journalistin fruchtet in immer weiteren Ermittlungsergebnissen, bringt beide aber auch immer wieder in große Gefahr. Die Tatortszenen sind nicht zu grausam, es geht hier mehr um die Ermittlungsarbeit. Der Autor Olaf Jahnke hat gut recherchiert. Zum Ende des Buches bekommt man noch eine Erläuterung zu einem wirtschaftlichen Phänomen zwischen den 60er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts….

Der Fokus in diesem Krimi liegt auf dem Ermittler Bernau, so hat man als Leser keinen „Vorsprung“ und keine zusätzlichen Hinweise. Es entfallen komplizierte Rückblicke.

Dieser Krimi kommt mit wenigen Personen aus, jedenfalls habe ich das so empfunden. Ich konnte zumindest alle Beteiligten an allen Stellen im Buch ohne Probleme zuordnen. Offensichtlich sind hier auch die Namen gut gewählt, damit dies gelingen konnte. Die Lokalitäten in und um Frankfurt hat der Autor wunderbar beschrieben, ich konnte genau die Wege des Ermittlers verfolgen, da mir die meisten Örtlichkeiten sehr bekannt sind.

Fazit
Ein prima Krimi mit reichlich Lokalkolorit. Mir hat er gefallen. Kurze, knackige Sätze. Ein Privatleben des Ermittlers in der Kulisse Frankfurts und Umgebung, ein spannender Fall. Ich freue mich auf weitere Fälle von Roland Bernau!

Bewertung: *****

Monsieur Blake und der Zauber der Liebe (Gilles Legardinier)

Ein Buch für zauberhafte Stunden

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Schon vor Monaten habe ich ein Exemplar dieses Buches verschenkt, weil es mir von einer Buchhändlerin empfohlen worden war. Jetzt endlich habe ich dieses Buch auch lesen können. Schon das hübsch gestaltete Titelbild hat mich angesprochen.

Beschreibung des Buches:
Der Roman „Monsieur Blake und der Zauber der Liebe“ ist im Goldmann-Verlag im August 2014 erschienen. Er hat 410 Seiten und wurde aus dem Französisch übersetzt von Karin Ehrhardt. Der Autor Gilles Legardinier ist Franzose. Er hat bereits „Julie weiß wo die Liebe wohnt“ veröffentlicht.

Auf dem Titelbild ist in einem ältlichen Zimmer eine Frau in einem Rock oder Kleid (nicht ganz zu beurteilen, da nur der Unterkörper zu sehen ist) mit einem Vogelkäfig (und einem darin sitzenden Vogel) in der Hand zu sehen. Die Farben sind so gewählt, dass das Bild trotz der altertümlichen Tapete und der Kleidung eine angenehme Wirkung auf mich hat.

Kurze Zusammenfassung:
Der schon etwas ältere Geschäftsmann Andrew Blake kommt über den Tod seiner Frau Diane nicht hinweg. Er verlässt seine Firma und London und nimmt in Frankreich (oh Wunder) eine Stelle als Butler an. In dem Gutshaus, in dem er arbeitet, trifft er auf die Köchin Odile, den Gärtner Phillipe und das Hausmädchen Manon. Alle haben so ihre Eigenarten und Geheimnisse. Auch seine neue Chefin, Madame Beauvillier scheint etwas vor ihm zu verbergen…

Mein Leseeindruck:
Schon der Schreibstil von Gilles Legardinier hat mich ab der ersten Seite an das Buch gefesselt. Die kurzen Sätze, viel wörtliche Rede und die genauen Beschreibungen der Szenen gefallen mir sehr gut. Vielleicht liegt es ja auch an der tollen Übersetzung, das kann ich nicht beurteilen… Andrew Blake wird als liebenswerter Mensch beschrieben, der auf wirklich humorvolle Art versucht, die Menschen um ihn herum einander näher zu bringen. Dabei passieren ihm immer wieder die merkwürdigsten Dinge. Manchmal ist es so komisch, dass man sich beim Lesen fast (wenn man z.B. in der Bahn nicht alle Blicke auf sich ziehen will) lauthals amüsieren könnte.

In den ersten Tagen auf dem Herrensitz, sind Blake und die Köchin wie Hund und Katze. Sie weist ihn ständig zurecht, so dass man annehmen könnte, sie will ihn vertreiben. Aber Blake ist um ein friedliches Zusammenleben bemüht. Dafür setzt er seinen ganzen Charme und seinen Erfindungsgeist ein. Während seiner ganzen Bemühungen um ein friedliches und liebenswertes Miteinander, macht er sich auch mehr und mehr Gedanken um ein Treffen mit seiner Tochter, die er so lange nicht gesehen hat…

Man leidet und freut sich mit den Protagonisten und ist manchmal ein Teil der Gutshausfamilie während man in diesem Buch beim Lesen versinkt. Beim Lesen dieses Buches kann man so wunderbar abschalten.

Die manchmal kurzen Kapitel sind übrigens prima für das Lesen in der Bahn geeignet, denn hier gibt es immer wieder Szenenwechsel, so dass man an diesen Stellen das Lesen gut unterbrechen kann.

Fazit
Ein Buch das verzaubert. Es nimmt einen mit auf die Reise der Liebe. Blake ist der Vater, der Mann und der Freund, den man sich wünscht im Leben. Seine Warmherzigkeit berührt. Auch wenn man das Buch aus den Händen gelegt hat, so bleibt einem lange ein gutes Gefühl. Wer „Herzensbücher“ liebt, der kann hier zugreifen.

Bewertung: *****