Fix und forty (Rhoda Janzen)

Nicht witzig, aber informativ

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„Fix und Fort“‚ von Rhoda Janzen und Sophie Zeitz ist im Piper-Verlag erschienen und umfasst 247 Seiten, unterteilt in 13 Kapitel. Das Titelbild ziert ein schwarzes Kleid mit Hut und Schuhen auf türkisem Hintergrund.
Rhoda Janzen, die Autorin und Hauptfigur dieses Buches, wurde von ihrem Mann verlassen, weil dieser sich in einen Mann verliebte. Um wieder Fuß im Leben zu fassen, zieht sie bei ihren Eltern ein und erlebt so manches wieder, was ihr schon als Kind widerfahren ist. Es werden die einzelnen Beziehungen zu Familien aufgearbeitet. Die Mutter, manchmal eher peinlich, der Vater, ein Priester, die Geschwister‘. Keiner wird verschont.

Nebenbei erfährt man einiges über die Religion der Mennoniten.

Ich weiß nicht, ob es an der Übersetzung lag, aber der Sprachstil der Autorin ging so gar nicht an mich. Auch hatte ich mir das Buch deutlich lustiger vorgestellt.

Allerdings habe ich viel über die Religion der Mennoniten erfahren, was doch sehr informativ war, gibt es doch auch noch einen geschichtlichen Anhang über die Mennoniten auf den letzten Seiten des Buches.

Wer hier allerdings einen Frauenroman mit Unterhaltungsfaktor vermutete, der ist hier fehl am Platze. Eher ein Buch mit Tiefgang und Aufarbeitung des Lebens einer Frau in den Wechseljahren.

Bewertung: ***

Tote Fische beißen nicht: Ein neuer Fall für Pippa Bolle (Ein Pippa-Bolle-Krimi, Band 3) (Auerbach & Keller)

Humorvoller Krimi

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„Tote Fische beißen nicht“ ist das dritte Buch, das das Autorinnenteam Auerbach und Keller um die Übersetzerin und Hobbykriminalistin Pippa geschrieben hat. Es handelt sich um ein Taschenbuch. Das Titelbild passt fast richtig gut zu dem witzigen Krimi, allerdings frage ich mich, warum hier eine ältere Dame dargestellt ist, und nicht die 40jährige Pippa. Der Roman umfasst 440 Seiten und ist in 32 Kapitel unterteilt. Er ist im List-Verlag erschienen.

Pippa Bolle steht kurz vor ihrem 40ten Geburtstag als sie eine Einladung zum Haussitten in Südfrankreich annimmt. Sie soll die Bauarbeiten an einem Haus ihrer Freundin überwachen. Angekommen im Anglerparadies bei Toulouse stellt sich heraus, dass sich um das Haus Geheimnisse ranken. Gleichzeitig mit Pippa ist ein Anglerverein, auch aus Berlin, angekommen. Als ein Angler tot aufgefunden wird, erwacht Pippas Spürsinn. Hat der Tote etwas mit dem Verschwinden eines ehemaligen Bewohners des zu renovierenden Hauses zu tun?

Vor der eigentlichen Geschichte bieten die Autorinnen einen Überblick über die handelnden Personen. Das fand ich besonders wichtig, da in diesem Krimi immer wieder neue Charaktere auftauchen. Allerdings musste ich doch tatsächlich immer wieder die Liste der Personen durchgehen, um herauszufinden, um welche Personen es gerade geht. Mir persönlich „spielen“ zu viele Personen eine Rolle in diesem Buch.

Schon die Beschreibung der Anreise lässt den Leser erahnen, dass es sich hierbei nicht um einen gewöhnlichen Krimi handelt, sonders dass hier besonderer Wert auf das Humorvolle und auf Landschaftsbeschreibungen gelegt wird.

Die einzelnen Kapitel sind fokusiert auf Pippa, ihre Ermittlungen, ihre Erlebnisse, ihren Dauerstress mit ihrem Noch-Ehemann.

Ein lustiges Detail ist zu erwähnen: die Autorinnen haben sich selbst in die Geschichte (als Urlauberinnen) eingebaut.

Der Sprachstil der beiden Autorinnen liegt mir. Es ist den Autorinnen gelungen, mich zu unterhalten und gleichzeitig meine Kombinationsgabe im Lösen des Falles anzuregen.

Die Landschaftsbeschreibungen und die Stimmungen in den kleinen Dörfern Frankreichs ist eine wunderbare Beigabe zum eigentlichen Thema: Krimi. Auch die kulinarischen Ausflüge sind eine prima Dreingabe.

Das Finale des Buches ist spektakulär, Geheimnisse klären sich auf.

Ein empfehlenswertes Buch für alle, die sich gut unterhalten lassen wollen, Südfrankreich mögen und auch witzige Krimis lieben.

Bewertung: ****

Alle Macht den Kindern – Ein Selbstversuch (Jochen Metzger)

Selbstversuch in der Familie

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Der Familienvater Jochen Metzger, Journalist, hat ein Buch über den Selbstversuch seiner Familie geschrieben, die Rollen von Eltern und Kindern zu tauschen. Das Buch ist im Patmos-Verlag erschienen und umfasst 190 Seiten.

Ich bin durch Auftritte des Autors im Fernsehen auf das Buch aufmerksam geworden. Das Thema ‚Eltern tauschen mit Kindern‘ machte mich neugierig.

In einer Art Tagebuch beschreibt Herr Metzger den Ablauf des einmonatigen Tauschs der Rollen Eltern und Kinder. Die Kinder Lara und Jonny sind 13 und 10 Jahre alt.

Zunächst wir eine Art Vertrag geschlossen, damit die Rahmenbedingungen für den Versuch klar definiert sind.

Jochen Metzger beschreibt jeden Tag in sehr einfühlsamer Weise die Ereignisse und Gefühle der einzelnen Familienmitglieder. Da er meistens am Abend mit seinen Kindern vor dem Schlafengehen ein Gespräch über den Tag führt, kann er durchaus auch von den Gefühlen der Kinder in den verschiedensten Situationen der Tauschtage berichten.

Garniert werden die Tagebucheinträge in manchen Kapiteln mit ‚Exkursionen‘ zum aktuellen Thema des Tages wie z.B. „Kinder und Geld“. Hier stellt der Autor „Zusatzmaterial“ aus Gesprächen mit Experten (meist befreundete Personen) zur Verfügung.

Die Schwierigkeiten, die sich im Laufe der Zeit ergeben werden von ihm schonungslos und mit einem gewissen Humor, dargestellt. Mich hat fasziniert, dass die Familie das Projekt komplett durchgezogen hat.

Am Ende des Projektes zieht Jochen Metzger ein Fazit, das zunächst überrascht, sich aber durch die Erfahrungen der einzelnen Mitglieder der Familie durchaus nachvollziehen lässt.

Mir hat die Tagebuchform des Buches sehr gut gefallen, so konnte man die Entwicklung der Kinder und der Eltern in dem 30tägigen Projekt sehr schön mitverfolgen. Ich bewundere die Eltern, die sich auf diesen Versuch eingelassen haben und sich während der ganzen Zeit ihren Kindern tatsächlich untergeordnet haben, ohne ihr Elternrolle gänzlich aufzugeben. Das liebevolle und wachsame Auge von Vater und Mutter waren immer dabei.

Bewertung: *****

Wenn nur dein Lächeln bleibt: Roman nach der wahren Geschichte einer Mutter, die niemals aufgab (Hera Lind)

Das Leben meistern

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Hera Lind hat einen Roman geschrieben, der sich auf die Aufzeichnungen einer Mutter (Angela Hädicke) stützt, die in der ehemaligen DDR aufwuchs und hier auch ihre Tochter Anja zur Welt brachte. Angela Hädickes Tochter Anja hat bei der Geburt einen Sauerstoffmangel erlitten und ist seitdem schwer behindert. Der Roman umfasst 314 Seiten und ist im Diana Verlag erschienen.

Ich lese am liebsten Krimis, Familiengeschichten, aber auch oftmals Biografien und Tatsachenberichte, deshalb griff ich zu diesem Buch.

Das Thema interessierte mich, also legte ich mir das Buch zu. Es liest sich innerhalb kürzester Zeit, da es in einem einfachen Sprachstil mit viel wörtlicher Rede gehalten wurde.

Je weiter ich mich in das Schicksal der kleinen Familie Hädicke hineingelesen hatte, desto mehr interessierte mich, wie sich die Eltern mit dem Schicksal auseinandersetzten.

Die Behördenwillkür, die natürlich in diesem Roman besonders hervorgehoben wird, erlebt man das ein oder andere Mal doch auch im eigenen Leben. Der eine Mensch empfindet das Halten an Gesetzen als natürliche Gegebenheit, der andere fühlt sich persönlich betroffen, wenn er seine Wünsche nicht erfüllt bekommt. Handelt es sich um Notwendigkeiten, die der gesunde Menschenverstand als wichtig erachtet, dann kommt es sicherlich zu einer solchen negativen Darstellung sämtlicher Institutionen. Ich empfinde das nicht als überzogene Schlechtmachung im Allgemeinen. Es handelt sich um einen Roman!

Man empfindet als Leser Dankbarkeit, dass einem ein solches Schicksal hoffentlich erspart bleibt und neigt in Demut sein Haupt vor den engagierten Eltern, die der Tochter alle Förderung und Liebe zu Teil werden lassen.

Bewertung: ****